{"id":115,"date":"2009-03-19T00:00:29","date_gmt":"2009-03-18T22:00:29","guid":{"rendered":"http:\/\/alfr.blogsport.de\/2009\/03\/19\/karl-marxfriedrich-engelsmanifest-der-kommunistischen-partei\/"},"modified":"2009-03-19T00:00:29","modified_gmt":"2009-03-18T22:00:29","slug":"karl-marxfriedrich-engelsmanifest-der-kommunistischen-partei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.antifaschistische-linke.de\/?p=115","title":{"rendered":"Karl Marx\/Friedrich EngelsManifest der Kommunistischen Partei"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.antifaschistische-linke.de\/Bilder\/marxengels.jpg\" align=\"left\" alt=\"Manifest der Kommunistischen Partei\" \/>Geschrieben im Dezember 1847\/Januar 1848.<br \/>\nGedruckt und als Einzelbrosch\u00fcre im Februar\/M\u00e4rz 1848 in London erschienen. Der vorliegenden Ausgabe liegt der Text der letzten von Friedrich Engels besorgten deutschen Ausgabe von 1890 zugrunde.<!--more--><\/p>\n<p><a href=\"#A\">1. Bourgeois und Proletarier<\/a><br \/>\n<a href=\"#B\">2. Proletarier und Kommunisten<\/a><br \/>\n<a href=\"#C\">3. Sozialistische und kommunistische Literatur<\/a><br \/>\n<a href=\"#D\">3.1 Der reaktion\u00e4re Sozialismus<\/a><br \/>\n<a href=\"#E\"><\/a><a href=\"#C\">3.1.1 Der feudale Sozialismus<\/a><br \/>\n<a href=\"#F\">3.1.2 Kleinb\u00fcrgerlicher Sozialismus<\/a><br \/>\n<a href=\"#G\">3.1.3 Der deutsche oder &#8222;wahre&#8220; Sozialismus<\/a><br \/>\n<a href=\"#H\">3.2 Der konservative oder Bourgeoissozialismus<\/a><br \/>\n<a href=\"#I\">3.3 Der kritisch-utopistische Sozialismus und Kommunismus<\/a><br \/>\n<a href=\"#J\">4. Stellung der Kommunisten zu den verschiedenen oppositionellen Parteien<\/a><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.antifaschistische-linke.de\/Bilder\/pdflogo.jpg\" align=\"left\" alt=\"\" \/><strong><\/strong><strong><a href=\"http:\/\/www.antifaschistische-linke.de\/PDF\/Manifest%20der%20Kommunistischen%20Partei.pdf\">Das Kommunistische Manifest als PDF-Version [137 KB]<\/a><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"#K\"><strong>Das Kommunistische Manifest als H\u00f6rbuch anh\u00f6ren und downloaden<\/strong><\/a><\/p>\n<p>Ein Gespenst geht um in Europa &#8211; das Gespenst des Kommunismus. Alle M\u00e4chte des alten Europa haben sich zu einer heiligen Hetzjagd gegen dies Gespenst verb\u00fcndet, der Papst und der Zar, Metternich und Guizot, franz\u00f6sische Radikale und deutsche Polizisten.<\/p>\n<p>Wo ist die Oppositionspartei, die nicht von ihren regierenden Gegnern als kommunistisch verschrien worden w\u00e4re, wo die Oppositionspartei, die den fortgeschritteneren Oppositionsleuten sowohl wie ihren reaktion\u00e4ren Gegnern den brandmarkenden Vorwurf des Kommunismus nicht zur\u00fcckgeschleudert h\u00e4tte?<\/p>\n<p>Zweierlei geht aus dieser Tatsache hervor.<\/p>\n<p>Der Kommunismus wird bereits von allen europ\u00e4ischen M\u00e4chten als eine Macht anerkannt.<\/p>\n<p>Es ist hohe Zeit, da\u00df die Kommunisten ihre Anschauungsweise, ihre Zwecke, ihre Tendenzen vor der ganzen Welt offen darlegen und dem M\u00e4rchen vom Gespenst des Kommunismus ein Manifest der Partei selbst entgegenstellen.<\/p>\n<p>Zu diesem Zweck haben sich Kommunisten der verschiedensten Nationalit\u00e4t in London versammelt und das folgende Manifest entworfen, das in englischer, franz\u00f6sischer, deutscher, italienischer, fl\u00e4mischer und d\u00e4nischer Sprache ver\u00f6ffentlicht wird.<\/p>\n<p><strong><a name=\"A\">1. Bourgeois und Proletarier<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Die Geschichte aller bisherigen Gesellschaft ist die Geschichte von Klassenk\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>Freier und Sklave, Patrizier und Plebejer, Baron und Leibeigener, Zunftb\u00fcrger und Gesell, kurz, Unterdr\u00fccker und Unterdr\u00fcckte standen in stetem Gegensatz zueinander, f\u00fchrten einen ununterbrochenen, bald versteckten, bald offenen Kampf, einen Kampf, der jedesmal mit einer revolution\u00e4ren Umgestaltung der ganzen Gesellschaft endete oder mit dem gemeinsamen Untergang der k\u00e4mpfenden Klassen.<\/p>\n<p>In den fr\u00fcheren Epochen der Geschichte finden wir fast \u00fcberall eine vollst\u00e4ndige Gliederung der Gesellschaft in verschiedene St\u00e4nde, eine mannigfaltige Abstufung der gesellschaftlichen Stellungen. Im alten Rom haben wir Patrizier, Ritter, Plebejer, Sklaven; im Mittelalter Feudalherren, Vasallen, Zunftb\u00fcrger, Gesellen, Leibeigene, und noch dazu in fast jeder dieser Klassen besondere Abstufungen.<\/p>\n<p>Die aus dem Untergang der feudalen Gesellschaft hervorgegangene moderne b\u00fcrgerliche Gesellschaft hat die Klassengegens\u00e4tze nicht aufgehoben. Sie hat nur neue Klassen, neue Bedingungen der Unterdr\u00fcckung, neue Gestaltungen des Kampfes an die Stelle der alten gesetzt.<\/p>\n<p>Unsere Epoche, die Epoche der Bourgeoisie, zeichnet sich jedoch dadurch aus, da\u00df sie die Klassengegens\u00e4tze vereinfacht hat. Die ganze Gesellschaft spaltet sich mehr und mehr in zwei gro\u00dfe feindliche Lager, in zwei gro\u00dfe, einander direkt gegen\u00fcberstehende Klassen: Bourgeoisie und Proletariat.<\/p>\n<p>Aus den Leibeigenen des Mittelalters gingen die Pfahlb\u00fcrger der ersten St\u00e4dte hervor; aus dieser Pfahlb\u00fcrgerschaft entwickelten sich die ersten Elemente der Bourgeoisie.<\/p>\n<p>Die Entdeckung Amerikas, die Umschiffung Afrikas schufen der aufkommenden Bourgeoisie ein neues Terrain. Der ostindische und chinesische Markt, die Kolonisierung von Amerika, der Austausch mit den Kolonien, die Vermehrung der Tauschmittel und der Waren \u00fcberhaupt gaben dem Handel, der Schiffahrt, der Industrie einen nie gekannten Aufschwung und damit dem revolution\u00e4ren Element in der zerfallenden feudalen Gesellschaft eine rasche Entwicklung.<\/p>\n<p>Die bisherige feudale oder z\u00fcnftige Betriebsweise der Industrie reichte nicht mehr aus f\u00fcr den mit neuen M\u00e4rkten anwachsenden Bedarf. Die Manufaktur trat an ihre Stelle. Die Zunftmeister wurden verdr\u00e4ngt durch den industriellen Mittelstand; die Teilung der Arbeit zwischen den verschiedenen Korporationen verschwand vor der Teilung der Arbeit in der einzelnen Werkstatt selbst.<\/p>\n<p>Aber immer wuchsen die M\u00e4rkte, immer stieg der Bedarf. Auch die Manufaktur reichte nicht mehr aus. Da revolutionierte der Dampf und die Maschinerie die industrielle Produktion. An die Stelle der Manufaktur trat die moderne gro\u00dfe Industrie, an die Stelle des industriellen Mittelstandes traten die industriellen Million\u00e4re, die Chefs ganzer industrieller Armeen, die modernen Bourgeois.<\/p>\n<p>Die gro\u00dfe Industrie hat den Weltmarkt hergestellt, den die Entdeckung Amerikas vorbereitete. Der Weltmarkt hat dem Handel, der Schiffahrt, den Landkommunikationen eine unerme\u00dfliche Entwicklung gegeben. Diese hat wieder auf die Ausdehnung der Industrie zur\u00fcckgewirkt, und in demselben Ma\u00dfe, worin Industrie, Handel, Schiffahrt, Eisenbahnen sich ausdehnten, in demselben Ma\u00dfe entwickelte sich die Bourgeoisie, vermehrte sie ihre Kapitalien, dr\u00e4ngte sie alle vom Mittelalter her \u00fcberlieferten Klassen in den Hintergrund.<\/p>\n<p>Wir sehen also, wie die moderne Bourgeoisie selbst das Produkt eines langen Entwicklungsganges, einer Reihe von Umw\u00e4lzungen in der Produktions- und Verkehrsweise ist.<\/p>\n<p>Jede dieser Entwicklungsstufen der Bourgeoisie war begleitet von einem entsprechenden politischen Fortschritt. Unterdr\u00fcckter Stand unter der Herrschaft der Feudalherren, bewaffnete und sich selbst verwaltende Assoziation in der Kommune, hier unabh\u00e4ngige st\u00e4dtische Republik, dort dritter steuerpflichtiger Stand der Monarchie, dann zur Zeit der Manufaktur Gegengewicht gegen den Adel in der st\u00e4ndischen oder in der absoluten Monarchie, Hauptgrundlage der gro\u00dfen Monarchien \u00fcberhaupt, erk\u00e4mpfte sie sich endlich seit der Herstellung der gro\u00dfen Industrie und des Weltmarktes im modernen Repr\u00e4sentativstaat die ausschlie\u00dfliche politische Herrschaft. Die moderne Staatsgewalt ist nur ein Ausschu\u00df, der die gemeinschaftlichen Gesch\u00e4fte der ganzen Bourgeoisklasse verwaltet.<\/p>\n<p>Die Bourgeoisie hat in der Geschichte eine h\u00f6chst revolution\u00e4re Rolle gespielt.<\/p>\n<p>Die Bourgeoisie, wo sie zur Herrschaft gekommen, hat alle feudalen, patriarchalischen, idyllischen Verh\u00e4ltnisse zerst\u00f6rt. Sie hat die buntscheckigen Feudalbande, die den Menschen an seinen nat\u00fcrlichen Vorgesetzten kn\u00fcpften, unbarmherzig zerrissen und kein anderes Band zwischen Mensch und Mensch \u00fcbriggelassen als das nackte Interesse, als die gef\u00fchllose &#8222;bare Zahlung&#8220;. Sie hat die heiligen Schauer der frommen Schw\u00e4rmerei, der ritterlichen Begeisterung, der spie\u00dfb\u00fcrgerlichen Wehmut in dem eiskalten Wasser egoistischer Berechnung ertr\u00e4nkt. Sie hat die pers\u00f6nliche W\u00fcrde in den Tauschwert aufgel\u00f6st und an die Stelle der zahllosen verbrieften und wohlerworbenen Freiheiten die eine gewissenlose Handelsfreiheit gesetzt. Sie hat, mit einem Wort, an die Stelle der mit religi\u00f6sen und politischen Illusionen verh\u00fcllten Ausbeutung die offene, unversch\u00e4mte, direkte, d\u00fcrre Ausbeutung gesetzt.<\/p>\n<p>Die Bourgeoisie hat alle bisher ehrw\u00fcrdigen und mit frommer Scheu betrachteten T\u00e4tigkeiten ihres Heiligenscheins entkleidet. Sie hat den Arzt, den Juristen, den Pfaffen, den Poeten, den Mann der Wissenschaft in ihre bezahlten Lohnarbeiter verwandelt.<\/p>\n<p>Die Bourgeoisie hat dem Familienverh\u00e4ltnis seinen r\u00fchrend-sentimentalen Schleier abgerissen und es auf ein reines Geldverh\u00e4ltnis zur\u00fcckgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Die Bourgeoisie hat enth\u00fcllt, wie die brutale Kraft\u00e4u\u00dferung, die die Reaktion so sehr am Mittelalter bewundert, in der tr\u00e4gsten B\u00e4renh\u00e4uterei ihre passende Erg\u00e4nzung fand. Erst sie hat bewiesen, was die T\u00e4tigkeit der Menschen zustande bringen kann. Sie hat ganz andere Wunderwerke vollbracht als \u00e4gyptische Pyramiden, r\u00f6mische Wasserleitungen und gotische Kathedralen, sie hat ganz andere Z\u00fcge ausgef\u00fchrt als V\u00f6lkerwanderungen und Kreuzz\u00fcge.<\/p>\n<p>Die Bourgeoisie kann nicht existieren, ohne die Produktionsinstrumente, also die Produktionsverh\u00e4ltnisse, also s\u00e4mtliche gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse fortw\u00e4hrend zu revolutionieren. Unver\u00e4nderte Beibehaltung der alten Produktionsweise war dagegen die erste Existenzbedingung aller fr\u00fcheren industriellen Klassen. Die fortw\u00e4hrende Umw\u00e4lzung der Produktion, die ununterbrochene Ersch\u00fctterung aller gesellschaftlichen Zust\u00e4nde, die ewige Unsicherheit und Bewegung zeichnet die Bourgeoisepoche vor allen anderen aus. Alle festen eingerosteten Verh\u00e4ltnisse mit ihrem Gefolge von altehrw\u00fcrdigen Vorstellungen und Anschauungen werden aufgel\u00f6st, alle neugebildeten veralten, ehe sie verkn\u00f6chern k\u00f6nnen. Alles St\u00e4ndische und Stehende verdampft, alles Heilige wird entweiht, und die Menschen sind endlich gezwungen, ihre Lebensstellung, ihre gegenseitigen Beziehungen mit n\u00fcchternen Augen anzusehen.<\/p>\n<p>Das Bed\u00fcrfnis nach einem stets ausgedehnteren Absatz f\u00fcr ihre Produkte jagt die Bourgeoisie \u00fcber die ganze Erdkugel. \u00dcberall mu\u00df sie sich einnisten, \u00fcberall anbauen, \u00fcberall Verbindungen herstellen.<\/p>\n<p>Die Bourgeoisie hat durch ihre Exploitation des Weltmarkts die Produktion und Konsumption aller L\u00e4nder kosmopolitisch gestaltet. Sie hat zum gro\u00dfen Bedauern der Reaktion\u00e4re den nationalen Boden der Industrie unter den F\u00fc\u00dfen weggezogen. Die uralten nationalen Industrien sind vernichtet worden und werden noch t\u00e4glich vernichtet. Sie werden verdr\u00e4ngt durch neue Industrien, deren Einf\u00fchrung eine Lebensfrage f\u00fcr alle zivilisierten Nationen wird, durch Industrien, die nicht mehr einheimische Rohstoffe, sondern den entlegensten Zonen angeh\u00f6rige Rohstoffe verarbeiten und deren Fabrikate nicht nur im Lande selbst, sondern in allen Weltteilen zugleich verbraucht werden.<\/p>\n<p>An die Stelle der alten, durch Landeserzeugnisse befriedigten Bed\u00fcrfnisse treten neue, welche die Produkte der entferntesten L\u00e4nder und Klimate zu ihrer Befriedigung erheischen. An die Stelle der alten lokalen und nationalen Selbstgen\u00fcgsamkeit und Abgeschlossenheit tritt ein allseitiger Verkehr, eine allseitige Abh\u00e4ngigkeit der Nationen voneinander. Und wie in der materiellen, so auch in der geistigen Produktion. Die geistigen Erzeugnisse der einzelnen Nationen werden Gemeingut. Die nationale Einseitigkeit und Beschr\u00e4nktheit wird mehr und mehr unm\u00f6glich, und aus den vielen nationalen und lokalen Literaturen bildet sich eine Weltliteratur.<\/p>\n<p>Die Bourgeoisie rei\u00dft durch die rasche Verbesserung aller Produktionsinstrumente, durch die unendlich erleichterte Kommunikation alle, auch die barbarischsten Nationen in die Zivilisation. Die wohlfeilen Preise ihrer Waren sind die schwere Artillerie, mit der sie alle chinesischen Mauern in den Grund schie\u00dft, mit der sie den hartn\u00e4ckigsten Fremdenha\u00df der Barbaren zur Kapitulation zwingt. Sie zwingt alle Nationen, die Produktionsweise der Bourgeoisie sich anzueignen, wenn sie nicht zugrunde gehen wollen; sie zwingt sie, die sogenannte Zivilisation bei sich selbst einzuf\u00fchren, d.h. Bourgeois zu werden. Mit einem Wort, sie schafft sich eine Welt nach ihrem eigenen Bilde.<\/p>\n<p>Die Bourgeoisie hat das Land der Herrschaft der Stadt unterworfen. Sie hat enorme St\u00e4dte geschaffen, sie hat die Zahl der st\u00e4dtischen Bev\u00f6lkerung gegen\u00fcber der l\u00e4ndlichen in hohem Grade vermehrt und so einen bedeutenden Teil der Bev\u00f6lkerung dem Idiotismus des Landlebens entrissen. Wie sie das Land von der Stadt, hat sie die barbarischen und halbbarbarischen L\u00e4nder von den zivilisierten, die Bauernv\u00f6lker von den Bourgeoisv\u00f6lkern, den Orient vom Okzident abh\u00e4ngig gemacht.<\/p>\n<p>Die Bourgeoisie hebt mehr und mehr die Zersplitterung der Produktionsmittel, des Besitzes und der Bev\u00f6lkerung auf. Sie hat die Bev\u00f6lkerung agglomeriert, die Produktionsmittel zentralisiert und das Eigentum in wenigen H\u00e4nden konzentriert. Die notwendige Folge hiervon war die politische Zentralisation. Unabh\u00e4ngige, fast nur verb\u00fcndete Provinzen mit verschiedenen Interessen, Gesetzen, Regierungen und Z\u00f6llen wurden zusammengedr\u00e4ngt in eine Nation, eine Regierung, ein Gesetz, ein nationales Klasseninteresse, eine Douanenlinie.<\/p>\n<p>Die Bourgeoisie hat in ihrer kaum hundertj\u00e4hrigen Klassenherrschaft massenhaftere und kolossalere Produktionskr\u00e4fte geschaffen als alle vergangenen Generationen zusammen. Unterjochung der Naturkr\u00e4fte, Maschinerie, Anwendung der Chemie auf Industrie und Ackerbau, Dampfschiffahrt, Eisenbahnen, elektrische Telegraphen, Urbarmachung ganzer Weltteile, Schiffbarmachung der Fl\u00fcsse, ganze aus dem Boden hervorgestampfte Bev\u00f6lkerungen &#8211; welches fr\u00fchere Jahrhundert ahnte, da\u00df solche Produktionskr\u00e4fte im Scho\u00df der gesellschaftlichen Arbeit schlummerten.<\/p>\n<p>Wir haben also gesehen: Die Produktions- und Verkehrsmittel, auf deren Grundlage sich die Bourgeoisie heranbildete, wurden in der feudalen Gesellschaft erzeugt. Auf einer gewissen Stufe der Entwicklung dieser Produktions- und Verkehrsmittel entsprachen die Verh\u00e4ltnisse, worin die feudale Gesellschaft produzierte und austauschte, die feudale Organisation der Agrikultur und Manufaktur, mit einem Wort die feudalen Eigentumsverh\u00e4ltnisse den schon entwickelten Produktivkr\u00e4ften nicht mehr. Sie hemmten die Produktion, statt sie zu f\u00f6rdern. Sie verwandelten sich in ebensoviele Fesseln. Sie mu\u00dften gesprengt werden, sie wurden gesprengt.<\/p>\n<p>An ihre Stelle trat die freie Konkurrenz mit der ihr angemessenen gesellschaftlichen und politischen Konstitution, mit der \u00f6konomischen und politischen Herrschaft der Bourgeoisklasse.<\/p>\n<p>Unter unsern Augen geht eine \u00e4hnliche Bewegung vor. Die b\u00fcrgerlichen Produktions- und Verkehrsverh\u00e4ltnisse, die b\u00fcrgerlichen Eigentumsverh\u00e4ltnisse, die moderne b\u00fcrgerliche Gesellschaft, die so gewaltige Produktions- und Verkehrsmittel hervorgezaubert hat, gleicht dem Hexenmeister, der die unterirdischen Gewalten nicht mehr zu beherrschen vermag, die er heraufbeschwor. Seit Dezennien ist die Geschichte der Industrie und des Handels nur die Geschichte der Emp\u00f6rung der modernen Produktivkr\u00e4fte gegen die modernen Produktionsverh\u00e4ltnisse, gegen die Eigentumsverh\u00e4ltnisse, welche die Lebensbedingungen der Bourgeoisie und ihrer Herrschaft sind. Es gen\u00fcgt, die Handelskrisen zu nennen, welche in ihrer periodischen Wiederkehr immer drohender die Existenz der ganzen b\u00fcrgerlichen Gesellschaft in Frage stellen. In den Handelskrisen wird ein gro\u00dfer Teil nicht nur der erzeugten Produkte, sondern der bereits geschaffenen Produktivkr\u00e4fte regelm\u00e4\u00dfig vernichtet. In den Krisen bricht eine gesellschaftliche Epidemie aus, welche allen fr\u00fcheren Epochen als ein Widersinn erschienen w\u00e4re &#8211; die Epidemie der \u00dcberproduktion. Die Gesellschaft findet sich pl\u00f6tzlich in einen Zustand momentaner Barbarei zur\u00fcckversetzt; eine Hungersnot, ein allgemeiner Vernichtungskrieg scheinen ihr alle Lebensmittel abgeschnitten zu haben; die Industrie, der Handel scheinen vernichtet, und warum? Weil sie zuviel Zivilisation, zuviel Lebensmittel, zuviel Industrie, zuviel Handel besitzt. Die Produktivkr\u00e4fte, die ihr zur Verf\u00fcgung stehen, dienen nicht mehr zur Bef\u00f6rderung der b\u00fcrgerlichen Eigentumsverh\u00e4ltnisse; im Gegenteil, sie sind zu gewaltig f\u00fcr diese Verh\u00e4ltnisse geworden, sie werden von ihnen gehemmt; und sobald sie dies Hemmnis \u00fcberwinden, bringen sie die ganze b\u00fcrgerliche Gesellschaft in Unordnung, gef\u00e4hrden sie die Existenz des b\u00fcrgerlichen Eigentums. Die b\u00fcrgerlichen Verh\u00e4ltnisse sind zu eng geworden, um den von ihnen erzeugten Reichtum zu fassen. &#8211; Wodurch \u00fcberwindet die Bourgeoisie die Krisen? Einerseits durch die erzwungene Vernichtung einer Masse von Produktivkr\u00e4ften; anderseits durch die Eroberung neuer M\u00e4rkte und die gr\u00fcndlichere Ausbeutung alter M\u00e4rkte. Wodurch also? Dadurch, da\u00df sie allseitigere und gewaltigere Krisen vorbereitet und die Mittel, den Krisen vorzubeugen, vermindert.<\/p>\n<p>Die Waffen, womit die Bourgeoisie den Feudalismus zu Boden geschlagen hat, richten sich jetzt gegen die Bourgeoisie selbst.<\/p>\n<p>Aber die Bourgeoisie hat nicht nur die Waffen geschmiedet, die ihr den Tod bringen; sie hat auch die M\u00e4nner gezeugt, die diese Waffen f\u00fchren werden &#8211; die modernen Arbeiter, die Proletarier.<\/p>\n<p>In demselben Ma\u00dfe, worin sich die Bourgeoisie, d.h. das Kapital, entwickelt, in demselben Ma\u00dfe entwickelt sich das Proletariat, die Klasse der modernen Arbeiter, die nur so lange leben, als sie Arbeit finden, und die nur so lange Arbeit finden, als ihre Arbeit das Kapital vermehrt. Diese Arbeiter, die sich st\u00fcckweis verkaufen m\u00fcssen, sind eine Ware wie jeder andere Handelsartikel und daher gleichm\u00e4\u00dfig allen Wechself\u00e4llen der Konkurrenz, allen Schwankungen des Marktes ausgesetzt.<\/p>\n<p>Die Arbeit der Proletarier hat durch die Ausdehnung der Maschinerie und die Teilung der Arbeit allen selbst\u00e4ndigen Charakter und damit allen Reiz f\u00fcr die Arbeiter verloren. Er wird ein blo\u00dfes Zubeh\u00f6r der Maschine, von dem nur der einfachste, eint\u00f6nigste, am leichtesten erlernbare Handgriff verlangt wird. Die Kosten, die der Arbeiter verursacht, beschr\u00e4nken sich daher fast nur auf die Lebensmittel, die er zu seinem Unterhalt und zur Fortpflanzung seiner Race bedarf. Der Preis einer Ware, also auch der Arbeit, ist aber gleich ihren Produktionskosten. In demselben Ma\u00dfe, in dem die Widerw\u00e4rtigkeit der Arbeit w\u00e4chst, nimmt daher der Lohn ab. Noch mehr, in demselben Ma\u00dfe, wie Maschinerie und Teilung der Arbeit zunehmen, in demselben Ma\u00dfe nimmt auch die Masse der Arbeit zu, sei es durch Vermehrung der Arbeitsstunden, sei es durch Vermehrung der in einer gegebenen Zeit geforderten Arbeit, beschleunigten Lauf der Maschinen usw.<\/p>\n<p>Die moderne Industrie hat die kleine Werkstube des patriarchalischen Meisters in die gro\u00dfe Fabrik des industriellen Kapitalisten verwandelt. Arbeitermassen, in der Fabrik zusammengedr\u00e4ngt, werden soldatisch organisiert. Sie werden als gemeine Industriesoldaten unter die Aufsicht einer vollst\u00e4ndigen Hierarchie von Unteroffizieren und Offizieren gestellt. Sie sind nicht nur Knechte der Bourgeoisie, des Bourgeoisstaates, sie sind t\u00e4glich und st\u00fcndlich geknechtet von der Maschine, von dem Aufseher und vor allem von den einzelnen fabrizierenden Bourgeois selbst. Diese Despotie ist um so kleinlicher, geh\u00e4ssiger, erbitterter, je offener sie den Erwerb als ihren Zweck proklamiert.<\/p>\n<p>Je weniger die Handarbeit Geschicklichkeit und Kraft\u00e4u\u00dferung erheischt, d.h. je mehr die moderne Industrie sich entwickelt, desto mehr wird die Arbeit der M\u00e4nner durch die der Weiber verdr\u00e4ngt. Geschlechts- und Altersunterschiede haben keine gesellschaftliche Geltung mehr f\u00fcr die Arbeiterklasse. Es gibt nur noch Arbeitsinstrumente, die je nach Alter und Geschlecht verschiedene Kosten machen.<\/p>\n<p>Ist die Ausbeutung des Arbeiters durch den Fabrikanten so weit beendigt, da\u00df er seinen Arbeitslohn bar ausgezahlt erh\u00e4lt, so fallen die anderen Teile der Bourgeoisie \u00fcber ihn her, der Hausbesitzer, der Kr\u00e4mer, der Pfandleiher usw.<\/p>\n<p>Die bisherigen kleinen Mittelst\u00e4nde, die kleinen Industriellen, Kaufleute und Rentiers, die Handwerker und Bauern, alle diese Klassen fallen ins Proletariat hinab, teils dadurch, da\u00df ihr kleines Kapital f\u00fcr den Betrieb der gro\u00dfen Industrie nicht ausreicht und der Konkurrenz mit den gr\u00f6\u00dferen Kapitalisten erliegt, teils dadurch, da\u00df ihre Geschicklichkeit von neuen Produktionsweisen entwertet wird. So rekrutiert sich das Proletariat aus allen Klassen der Bev\u00f6lkerung.<\/p>\n<p>Das Proletariat macht verschiedene Entwicklungsstufen durch. Sein Kampf gegen die Bourgeoisie beginnt mit seiner Existenz.<\/p>\n<p>Im Anfang k\u00e4mpfen die einzelnen Arbeiter, dann die Arbeiter einer Fabrik, dann die Arbeiter eines Arbeitszweiges an einem Ort gegen den einzelnen Bourgeois, der sie direkt ausbeutet. Sie richten ihre Angriffe nicht nur gegen die b\u00fcrgerlichen Produktionsverh\u00e4ltnisse, sie richten sie gegen die Produktionsinstrumente selbst; sie vernichten die fremden konkurrierenden Waren, sie zerschlagen die Maschinen, sie stecken die Fabriken in Brand, die suchen die untergegangene Stellung des mittelalterlichen Arbeiters wiederzuerringen.<\/p>\n<p>Auf dieser Stufe bilden die Arbeiter eine \u00fcber das Land zerstreute und durch die Konkurrenz zersplitterte Masse. Massenhaftes Zusammenhalten der Arbeiter ist noch nicht die Folge ihrer eigenen Vereinigung, sondern die Folge der Vereinigung der Bourgeoisie, die zur Erreichung ihrer eigenen politischen Zwecke das ganze Proletariat in Bewegung setzen mu\u00df und es einstweilen noch kann.<\/p>\n<p>Auf dieser Stufe bek\u00e4mpfen die Proletarier also noch nicht ihre Feinde, sondern die Feinde ihrer Feinde, die Reste der absoluten Monarchie, die Grundeigent\u00fcmer, die nichtindustriellen Bourgeois, die Kleinb\u00fcrger. Die ganze geschichtliche Bewegung ist so in den H\u00e4nden der Bourgeoisie konzentriert; jeder Sieg, der so errungen wird, ist ein Sieg der Bourgeoisie.<\/p>\n<p>Aber mit der Entwicklung der Industrie vermehrt sich nicht nur das Proletariat; es wird in gr\u00f6\u00dferen Massen zusammengedr\u00e4ngt, seine Kraft w\u00e4chst, und es f\u00fchlt sie immer mehr. Die Interessen, die Lebenslagen innerhalb des Proletariats gleichen sich immer mehr aus, indem die Maschinerie mehr und mehr die Unterschiede der Arbeit verwischt und den Lohn fast \u00fcberall auf ein gleich niedriges Niveau herabdr\u00fcckt. Die wachsende Konkurrenz der Bourgeois unter sich und die daraus hervorgehenden Handelskrisen machen den Lohn der Arbeiter immer schwankender; die immer rascher sich entwickelnde, unaufh\u00f6rliche Verbesserung der Maschinerie macht ihre ganze Lebensstellung immer unsicherer; immer mehr nehmen die Kollisionen zwischen dem einzelnen Arbeiter und dem einzelnen Bourgeois den Charakter von Kollisionen zweier Klassen an. Die Arbeiter beginnen damit, Koalitionen gegen die Bourgeois zu bilden; sie treten zusammen zur Behauptung ihres Arbeitslohns. Sie stiften selbst dauernde Assoziationen, um sich f\u00fcr die gelegentlichen Emp\u00f6rungen zu verproviantieren. Stellenweis bricht der Kampf in Emeuten aus.<\/p>\n<p>Von Zeit zu Zeit siegen die Arbeiter, aber nur vor\u00fcbergehend. Das eigentliche Resultat ihrer K\u00e4mpfe ist nicht der unmittelbare Erfolg, sondern die immer weiter um sich greifende Vereinigung der Arbeiter. Sie wird bef\u00f6rdert durch die wachsenden Kommunikationsmittel, die von der gro\u00dfen Industrie erzeugt werden und die Arbeiter der verschiedenen Lokalit\u00e4ten miteinander in Verbindung setzen. Es bedarf aber blo\u00df der Verbindung, um die vielen Lokalk\u00e4mpfe von \u00fcberall gleichem Charakter zu einem nationalen, zu einem Klassenkampf zu zentralisieren. Jeder Klassenkampf ist aber ein politischer Kampf. Und die Vereinigung, zu der die B\u00fcrger des Mittelalters mit ihren Vizinalwegen Jahrhunderte bedurften, bringen die modernen Proletarier mit den Eisenbahnen in wenigen Jahren zustande.<\/p>\n<p>Diese Organisation der Proletarier zur Klasse, und damit zur politischen Partei, wird jeden Augenblick wieder gesprengt durch die Konkurrenz unter den Arbeitern selbst. Aber sie ersteht immer wieder, st\u00e4rker, fester, m\u00e4chtiger. Sie erzwingt die Anerkennung einzelner Interesse der Arbeiter in Gesetzesform, indem sie die Spaltungen der Bourgeoisie unter sich benutzt. So die Zehnstundenbill in England.<\/p>\n<p>Die Kollisionen der alten Gesellschaft \u00fcberhaupt f\u00f6rdern mannigfach den Entwicklungsgang des Proletariats. Die Bourgeoisie befindet sich in fortw\u00e4hrendem Kampfe: anfangs gegen die Aristokratie; sp\u00e4ter gegen die Teile der Bourgeoisie selbst, deren Interessen mit dem Fortschritt der Industrie in Widerspruch geraten; stets gegen die Bourgeoisie aller ausw\u00e4rtigen L\u00e4nder. In allen diesen K\u00e4mpfen sieht sie sich gen\u00f6tigt, an das Proletariat zu appellieren, seine H\u00fclfe in Anspruch zu nehmen und es so in die politische Bewegung hineinzurei\u00dfen. Sie selbst f\u00fchrt also dem Proletariat ihre eigenen Bildungselemente, d.h. Waffen gegen sich selbst, zu.<\/p>\n<p>Es werden ferner, wie wir sahen, durch den Fortschritt der Industrie ganze Bestandteile der herrschenden Klasse ins Proletariat hinabgeworfen oder wenigstens in ihren Lebensbedingungen bedroht. Auch sie f\u00fchren dem Proletariat eine Masse Bildungselemente zu.<\/p>\n<p>In Zeiten endlich, wo der Klassenkampf sich der Entscheidung n\u00e4hert, nimmt der Aufl\u00f6sungsproze\u00df innerhalb der herrschenden Klasse, innerhalb der ganzen alten Gesellschaft, einen so heftigen, so grellen Charakter an, da\u00df ein kleiner Teil der herrschenden Klasse sich von ihr lossagt und sich der revolution\u00e4ren Klasse anschlie\u00dft, der Klasse, welche die Zukunft in ihren H\u00e4nden tr\u00e4gt. Wie daher fr\u00fcher ein Teil des Adels zur Bourgeoisie \u00fcberging, so geht jetzt ein Teil der Bourgeoisie zum Proletariat \u00fcber, und namentlich ein Teil dieser Bourgeoisideologen, welche zum theoretischen Verst\u00e4ndnis der ganzen geschichtlichen Bewegung sich hinaufgearbeitet haben.<\/p>\n<p>Von allen Klassen, welche heutzutage der Bourgeoisie gegen\u00fcberstehen, ist nur das Proletariat eine wirklich revolution\u00e4re Klasse. Die \u00fcbrigen Klassen verkommen und gehen unter mit der gro\u00dfen Industrie, das Proletariat ist ihr eigenstes Produkt.<\/p>\n<p>Die Mittelst\u00e4nde, der kleine Industrielle, der kleine Kaufmann, der Handwerker, der Bauer, sie alle bek\u00e4mpfen die Bourgeoisie, um ihre Existenz als Mittelst\u00e4nde vor dem Untergang zu sichern. Sie sind also nicht revolution\u00e4r, sondern konservativ. Noch mehr, sie sind reaktion\u00e4r, sie suchen das Rad der Geschichte zur\u00fcckzudrehen. Sind sie revolution\u00e4r, so sind sie es im Hinblick auf den ihnen bevorstehenden \u00dcbergang ins Proletariat, so verteidigen sie nicht ihre gegenw\u00e4rtigen, sondern ihre zuk\u00fcnftigen Interessen, so verlassen sie ihren eigenen Standpunkt, um sich auf den des Proletariats zu stellen. &#8211;<\/p>\n<p>Das Lumpenproletariat, diese passive Verfaulung der untersten Schichten der alten Gesellschaft, wird durch eine proletarische Revolution stellenweise in die Bewegung hineingeschleudert, seiner ganzen Lebenslage nach wird es bereitwilliger sein, sich zu reaktion\u00e4ren Umtrieben erkaufen zu lassen.<\/p>\n<p>Die Lebensbedingungen der alten Gesellschaft sind schon vernichtet in den Lebensbedingungen des Proletariats. Der Proletarier ist eigentumslos; sein Verh\u00e4ltnis zu Weib und Kindern hat nichts mehr gemein mit dem b\u00fcrgerlichen Familienverh\u00e4ltnis; die moderne industrielle Arbeit, die moderne Unterjochung unter das Kapital, dieselbe in England wie in Frankreich, in Amerika wie in Deutschland, hat ihm allen nationalen Charakter abgestreift. Die Gesetze, die Moral, die Religion sind f\u00fcr ihn ebenso viele b\u00fcrgerliche Vorurteile, hinter denen sich ebenso viele b\u00fcrgerliche Interessen verstecken.<\/p>\n<p>Alle fr\u00fcheren Klassen, die sich die Herrschaft eroberten, suchten ihre schon erworbene Lebensstellung zu sichern, indem sie die ganze Gesellschaft den Bedingungen ihres Erwerbs unterwarfen. Die Proletarier k\u00f6nnen sich die gesellschaftlichen Produktivkr\u00e4fte nur erobern, indem sie ihre eigene bisherige Aneignungsweise und damit die ganze bisherige Aneignungsweise abschaffen. Die Proletarier haben nichts von dem Ihrigen zu sichern, sie haben alle bisherigen Privatsicherheiten und Privatversicherungen zu zerst\u00f6ren.<\/p>\n<p>Alle bisherigen Bewegungen waren Bewegungen von Minorit\u00e4ten oder im Interesse von Minorit\u00e4ten. Die proletarische Bewegung ist die selbst\u00e4ndige Bewegung der ungeheuren Mehrzahl im Interesse der ungeheuren Mehrzahl. Das Proletariat, die unterste Schicht der jetzigen Gesellschaft, kann sich nicht erheben, nicht aufrichten, ohne da\u00df der ganze \u00dcberbau der Schichten, die die offizielle Gesellschaft bilden, in die Luft gesprengt wird.<\/p>\n<p>Obgleich nicht dem Inhalt, ist der Form nach der Kampf des Proletariats gegen die Bourgeoisie zun\u00e4chst ein nationaler. Das Proletariat eines jeden Landes mu\u00df nat\u00fcrlich zuerst mit seiner eigenen Bourgeoisie fertig werden.<\/p>\n<p>Indem wir die allgemeinsten Phasen der Entwicklung des Proletariats zeichneten, verfolgten wir den mehr oder minder versteckten B\u00fcrgerkrieg innerhalb der bestehenden Gesellschaft bis zu dem Punkt, wo er in eine offene Revolution ausbricht und durch den gewaltsamen Sturz der Bourgeoisie das Proletariat seine Herrschaft begr\u00fcndet.<\/p>\n<p>Alle bisherige Gesellschaft beruhte, wie wir gesehen haben, auf dem Gegensatz unterdr\u00fcckender und unterdr\u00fcckter Klassen. Um aber eine Klasse unterdr\u00fccken zu k\u00f6nnen, m\u00fcssen ihr Bedingungen gesichert sein, innerhalb derer sie wenigstens ihre knechtische Existenz fristen kann. Der Leibeigene hat sich zum Mitglied der Kommune in der Leibeigenschaft herangearbeitet wie der Kleinb\u00fcrger zum Bourgeois unter dem Joch des feudalistischen Absolutismus. Der moderne Arbeiter dagegen, statt sich mit dem Fortschritt der Industrie zu heben, sinkt immer tiefer unter die Bedingungen seiner eigenen Klasse herab. Der Arbeiter wird zum Pauper, und der Pauperismus entwickelt sich noch schneller als Bev\u00f6lkerung und Reichtum.<\/p>\n<p>Es tritt hiermit offen hervor, da\u00df die Bourgeoisie unf\u00e4hig ist, noch l\u00e4nger die herrschende Klasse der Gesellschaft zu bleiben und die Lebensbedingungen ihrer Klasse der Gesellschaft als regelndes Gesetz aufzuzwingen. Sie ist unf\u00e4hig zu herrschen, weil sie unf\u00e4hig ist, ihrem Sklaven die Existenz selbst innerhalb seiner Sklaverei zu sichern, weil sie gezwungen ist, ihn in eine Lage herabsinken zu lassen, wo sie ihn ern\u00e4hren mu\u00df, statt von ihm ern\u00e4hrt zu werden. Die Gesellschaft kann nicht mehr unter ihr leben, d.h., ihr Leben ist nicht mehr vertr\u00e4glich mit der Gesellschaft.<\/p>\n<p>Die wesentliche Bedingung f\u00fcr die Existenz und f\u00fcr die Herrschaft der Bourgeoisklasse ist die Anh\u00e4ufung des Reichtums in den H\u00e4nden von Privaten, die Bildung und Vermehrung des Kapitals; die Bedingung des Kapitals ist die Lohnarbeit. Die Lohnarbeit beruht ausschlie\u00dflich auf der Konkurrenz der Arbeiter unter sich. Der Fortschritt der Industrie, dessen willenloser und widerstandsloser Tr\u00e4ger die Bourgeoisie ist, setzt an die Stelle der Isolierung der Arbeiter durch die Konkurrenz ihre revolution\u00e4re Vereinigung durch die Assoziation. Mit der Entwicklung der gro\u00dfen Industrie wird also unter den F\u00fc\u00dfen der Bourgeoisie die Grundlage selbst hinweggezogen, worauf sie produziert und die Produkte sich aneignet. Sie produziert vor allem ihren eigenen Totengr\u00e4ber. Ihr Untergang und der Sieg des Proletariats sind gleich unvermeidlich.<\/p>\n<p><strong><a name=\"B\">2. Proletarier und Kommunisten<\/a><\/strong><\/p>\n<p>In welchem Verh\u00e4ltnis stehen die Kommunisten zu den Proletariern \u00fcberhaupt?<\/p>\n<p>Die Kommunisten sind keine besondere Partei gegen\u00fcber den andern Arbeiterparteien.<\/p>\n<p>Sie haben keine von den Interessen des ganzen Proletariats getrennten Interessen.<\/p>\n<p>Sie stellen keine besonderen Prinzipien auf, wonach sie die proletarische Bewegung modeln wollen.<\/p>\n<p>Die Kommunisten unterscheiden sich von den \u00fcbrigen proletarischen Parteien nur dadurch, da\u00df sie einerseits in den verschiedenen nationalen K\u00e4mpfen der Proletarier die gemeinsamen, von der Nationalit\u00e4t unabh\u00e4ngigen Interessen des gesamten Proletariats hervorheben und zur Geltung bringen, andrerseits dadurch, da\u00df sie in den verschiedenen Entwicklungsstufen, welche der Kampf zwischen Proletariat und Bourgeoisie durchl\u00e4uft, stets das Interesse der Gesamtbewegung vertreten.<\/p>\n<p>Die Kommunisten sind also praktisch der entschiedenste, immer weitertreibende Teil der Arbeiterparteien aller L\u00e4nder; sie haben theoretisch vor der \u00fcbrigen Masse des Proletariats die Einsicht in die Bedingungen, den Gang und die allgemeinen Resultate der proletarischen Bewegung voraus.<\/p>\n<p>Der n\u00e4chste Zweck der Kommunisten ist derselbe wie der aller \u00fcbrigen proletarischen Parteien: Bildung des Proletariats zur Klasse, Sturz der Bourgeoisherrschaft, Eroberung der politischen Macht durch das Proletariat. Die theoretischen S\u00e4tze der Kommunisten beruhen keineswegs auf Ideen, auf Prinzipien, die von diesem oder jenem Weltverbesserer erfunden oder entdeckt sind.<\/p>\n<p>Sie sind nur allgemeine Ausdr\u00fccke tats\u00e4chlicher Verh\u00e4ltnisse eines existierenden Klassenkampfes, einer unter unseren Augen vor sich gehenden geschichtlichen Bewegung. Die Abschaffung bisheriger Eigentumsverh\u00e4ltnisse ist nichts den Kommunismus eigent\u00fcmlich Bezeichnendes.<\/p>\n<p>Alle Eigentumsverh\u00e4ltnisse waren einem best\u00e4ndigen geschichtlichen Wandel, einer best\u00e4ndigen geschichtlichen Ver\u00e4nderung unterworfen.<\/p>\n<p>Die Franz\u00f6sische Revolution z.B. schaffte das Feudaleigentum zugunsten des b\u00fcrgerlichen ab.<\/p>\n<p>Was den Kommunismus auszeichnet, ist nicht die Abschaffung des Eigentums \u00fcberhaupt, sondern die Abschaffung des b\u00fcrgerlichen Eigentums.<\/p>\n<p>Aber das moderne b\u00fcrgerliche Privateigentum ist der letzte und vollendetste Ausdruck der Erzeugung und Aneignung der Produkte, die auf Klassengegens\u00e4tzen, auf der Ausbeutung der einen durch die andern beruht.<\/p>\n<p>In diesem Sinn k\u00f6nnen die Kommunisten ihre Theorie in dem einen Ausdruck: Aufhebung des Privateigentums, zusammenfassen.<\/p>\n<p>Man hat uns Kommunisten vorgeworfen, wir wollten das pers\u00f6nlich erworbene, selbsterarbeitete Eigentum abschaffen; das Eigentum, welches die Grundlage aller pers\u00f6nlichen Freiheit, T\u00e4tigkeit und Selbst\u00e4ndigkeit bilde.<\/p>\n<p>Erarbeitetes, erworbenes, selbstverdientes Eigentum! Sprecht ihr von dem kleinb\u00fcrgerlichen, kleinb\u00e4uerlichen Eigentum, welches dem b\u00fcrgerlichen Eigentum vorherging? Wir brauchen es nicht abzuschaffen, die Entwicklung der Industrie hat es abgeschafft und schafft es t\u00e4glich ab.<\/p>\n<p>Oder sprecht ihr vom modernen b\u00fcrgerlichen Privateigentum?<\/p>\n<p>Schafft aber die Lohnarbeit, die Arbeit des Proletariers ihm Eigentum? Keineswegs. Sie schafft das Kapital, d.h. das Eigentum, welches die Lohnarbeit ausbeutet, welches sich nur unter der Bedingung vermehren kann, da\u00df es neue Lohnarbeit erzeugt, um sie von neuem auszubeuten. Das Eigentum in seiner heutigen Gestalt bewegt sich in dem Gegensatz von Kapital und Lohnarbeit. Betrachten wir die beiden Seiten dieses Gegensatzes.<\/p>\n<p>Kapitalist sein, hei\u00dft nicht nur eine rein pers\u00f6nliche, sondern eine gesellschaftliche Stellung in der Produktion einzunehmen. Das Kapital ist ein gemeinschaftliches Produkt und kann nur durch eine gemeinsame T\u00e4tigkeit vieler Mitglieder, ja in letzter Instanz nur durch die gemeinsame T\u00e4tigkeit aller Mitglieder der Gesellschaft in Bewegung gesetzt werden.<\/p>\n<p>Das Kapital ist also keine pers\u00f6nliche, es ist eine gesellschaftliche Macht.<\/p>\n<p>Wenn also das Kapital in ein gemeinschaftliches, allen Mitgliedern der Gesellschaft angeh\u00f6riges Eigentum verwandelt wird, so verwandelt sich nicht pers\u00f6nliches Eigentum in gesellschaftliches. Nur der gesellschaftliche Charakter des Eigentums verwandelt sich. Er verliert seinen Klassencharakter.<\/p>\n<p>Kommen wir zur Lohnarbeit:<\/p>\n<p>Der Durchschnittspreis der Lohnarbeit ist das Minimum des Arbeitslohnes, d.h. die Summe der Lebensmittel, die notwendig sind, um den Arbeiter als Arbeiter am Leben zu erhalten. Was also der Lohnarbeiter durch seine T\u00e4tigkeit sich aneignet, reicht blo\u00df dazu hin, um sein nacktes Leben wieder zu erzeugen. Wir wollen diese pers\u00f6nliche Aneignung der Arbeitsprodukte zur Wiedererzeugung des unmittelbaren Lebens keineswegs abschaffen, eine Aneignung, die keinen Reinertrag \u00fcbrigl\u00e4\u00dft, der Macht \u00fcber fremde Arbeit geben k\u00f6nnte. Wir wollen nur den elenden Charakter dieser Aneignung aufheben, worin der Arbeiter nur lebt, um das Kapital zu vermehren, nur so weit lebt, wie es das Interesse der herrschenden Klasse erheischt.<\/p>\n<p>In der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft ist die lebendige Arbeit nur ein Mittel, die aufgeh\u00e4ufte Arbeit zu vermehren. In der kommunistischen Gesellschaft ist die aufgeh\u00e4ufte Arbeit nur ein Mittel, um den Lebensproze\u00df der Arbeiter zu erweitern, zu bereichern, zu bef\u00f6rdern.<\/p>\n<p>In der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft herrscht also die Vergangenheit \u00fcber die Gegenwart, in der kommunistischen die Gegenwart \u00fcber die Vergangenheit. In der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft ist das Kapital selbst\u00e4ndig und pers\u00f6nlich, w\u00e4hrend das t\u00e4tige Individuum unselbst\u00e4ndig und unpers\u00f6nlich ist.<\/p>\n<p>Und die Aufhebung dieses Verh\u00e4ltnisses nennt die Bourgeoisie Aufhebung der Pers\u00f6nlichkeit und Freiheit! Und mit Recht. Es handelt sich allerdings um die Aufhebung der Bourgeois-Pers\u00f6nlichkeit, -Selbst\u00e4ndigkeit und -Freiheit.<\/p>\n<p>Unter Freiheit versteht man innerhalb der jetzigen b\u00fcrgerlichen Produktionsverh\u00e4ltnisse den freien Handel, den freien Kauf und Verkauf.<\/p>\n<p>F\u00e4llt aber der Schacher, so f\u00e4llt auch der freie Schacher. Die Redensarten vom freien Schacher, wie alle \u00fcbrigen Freiheitsbravaden unserer Bourgeoisie, haben \u00fcberhaupt nur einen Sinn gegen\u00fcber dem gebundenen Schacher, gegen\u00fcber dem geknechteten B\u00fcrger des Mittelalters, nicht aber gegen\u00fcber der kommunistischen Aufhebung des Schachers, der b\u00fcrgerlichen Produktionsverh\u00e4ltnisse und der Bourgeoisie selbst.<\/p>\n<p>Ihr entsetzt euch dar\u00fcber, da\u00df wir das Privateigentum aufheben wollen. Aber in eurer bestehenden Gesellschaft ist das Privateigentum f\u00fcr neun Zehntel ihrer Mitglieder aufgehoben, es existiert gerade dadurch, da\u00df es f\u00fcr neun Zehntel nicht existiert. Ihr werft uns also vor, da\u00df wir ein Eigentum aufheben wollen, welches die Eigentumslosigkeit der ungeheuren Mehrzahl der Gesellschaft als notwendige Bedingung voraussetzt.<\/p>\n<p>Ihr werft uns mit einem Worte vor, da\u00df wir euer Eigentum aufheben wollen. Allerdings, das wollen wir.<\/p>\n<p>Von dem Augenblick an, wo die Arbeit nicht mehr in Kapital, Geld, Grundrente, kurz, in eine monopolisierbare gesellschaftliche Macht verwandelt werden kann, d.h. von dem Augenblick, wo das pers\u00f6nliche Eigentum nicht mehr in b\u00fcrgerliches umschlagen kann, von dem Augenblick an erkl\u00e4rt ihr, die Person sei aufgehoben.<\/p>\n<p>Ihr gesteht also, da\u00df ihr unter der Person niemanden anders versteht als den Bourgeois, den b\u00fcrgerlichen Eigent\u00fcmer. Und diese Person soll allerdings aufgehoben werden.<\/p>\n<p>Der Kommunismus nimmt keinem die Macht, sich gesellschaftliche Produkte anzueignen, er nimmt nur die Macht, sich durch diese Aneignung fremde Arbeit zu unterjochen.<\/p>\n<p>Man hat eingewendet, mit der Aufhebung des Privateigentums werde alle T\u00e4tigkeit aufh\u00f6ren, und eine allgemeine Faulheit einrei\u00dfen.<\/p>\n<p>Hiernach m\u00fc\u00dfte die b\u00fcrgerliche Gesellschaft l\u00e4ngst an der Tr\u00e4gheit zugrunde gegangen sein; denn die in ihr arbeiten, erwerben nicht, und die in ihr erwerben, arbeiten nicht. Das ganze Bedenken l\u00e4uft auf die Tautologie hinaus, da\u00df es keine Lohnarbeit mehr gibt, sobald es kein Kapital mehr gibt.<\/p>\n<p>Alle Einw\u00fcrfe, die gegen die kommunistische Aneignungs- und Produktionsweise der materiellen Produkte gerichtet werden, sind ebenso auf die Aneignung und Produktion der geistigen Produkte ausgedehnt worden. Wie f\u00fcr den Bourgeois das Aufh\u00f6ren des Klasseneigentums das Aufh\u00f6ren der Produktion selbst ist, so ist f\u00fcr ihn das Aufh\u00f6ren der Klassenbildung identisch mit dem Aufh\u00f6ren der Bildung \u00fcberhaupt.<\/p>\n<p>Die Bildung, deren Verlust er bedauert, ist f\u00fcr die enorme Mehrzahl die Heranbildung zur Maschine.<\/p>\n<p>Aber streitet nicht mit uns, indem ihr an euren b\u00fcrgerlichen Vorstellungen von Freiheit, Bildung, Recht usw. die Abschaffung des b\u00fcrgerlichen Eigentums me\u00dft. Eure Ideen selbst sind Erzeugnisse der b\u00fcrgerlichen Produktions- und Eigentumsverh\u00e4ltnisse, wie euer Recht nur der zum Gesetz erhobene Wille eurer Klasse ist, ein Wille, dessen Inhalt gegeben ist in den materiellen Lebensbedingungen eurer Klasse.<\/p>\n<p>Die interessierte Vorstellung, worin ihr eure Produktions- und Eigentumsverh\u00e4ltnisse aus geschichtlichen, in dem Lauf der Produktion vor\u00fcbergehenden Verh\u00e4ltnissen in ewige Natur- und Vernunftgesetze verwandelt, teilt ihr mit allen untergegangenen herrschenden Klassen. Was ihr f\u00fcr das antike Eigentum begreift, was ihr f\u00fcr das feudale Eigentum begreift, d\u00fcrft ihr nicht mehr begreifen f\u00fcr das b\u00fcrgerliche Eigentum.-<\/p>\n<p>Aufhebung der Familie! Selbst die Radikalsten ereifern sich \u00fcber diese sch\u00e4ndliche Absicht der Kommunisten.<\/p>\n<p>Worauf beruht die gegenw\u00e4rtige, die b\u00fcrgerliche Familie? Auf dem Kapital, auf dem Privaterwerb. Vollst\u00e4ndig entwickelt existiert sie nur f\u00fcr die Bourgeoisie; aber sie findet ihre Erg\u00e4nzung in der erzwungenen Familienlosigkeit der Proletarier und der \u00f6ffentlichen Prostitution.<\/p>\n<p>Die Familie der Bourgeois f\u00e4llt nat\u00fcrlich weg mit dem Wegfallen dieser ihrer Erg\u00e4nzung, und beide verschwinden mit dem Verschwinden des Kapitals.<\/p>\n<p>Werft ihr uns vor, da\u00df wir die Ausbeutung der Kinder durch ihre Eltern aufheben wollen? Wir gestehen dieses Verbrechen ein.<\/p>\n<p>Aber, sagt ihr, wir heben die trautesten Verh\u00e4ltnisse auf, indem wir an die Stelle der h\u00e4uslichen Erziehung die gesellschaftliche setzen.<\/p>\n<p>Und ist nicht auch eure Erziehung durch die Gesellschaft bestimmt? Durch die gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse, innerhalb derer ihr erzieht, durch die direktere oder indirektere Einmischung der Gesellschaft, vermittelst der Schule usw.? Die Kommunisten erfinden nicht die Einwirkung der Gesellschaft auf die Erziehung; sie ver\u00e4ndern nur ihren Charakter, sie entrei\u00dfen die Erziehung dem Einflu\u00df der herrschenden Klasse.<\/p>\n<p>Die b\u00fcrgerlichen Redensarten \u00fcber Familie und Erziehung, \u00fcber das traute Verh\u00e4ltnis von Eltern und Kindern werden um so ekelhafter, je mehr infolge der gro\u00dfen Industrie alle Familienbande f\u00fcr die Proletarier zerrissen und die Kinder in einfache Handelsartikel und Arbeitsinstrumente verwandelt werden.<\/p>\n<p>Aber ihr Kommunisten wollt die Weibergemeinschaft einf\u00fchren, schreit uns die ganze Bourgeoisie im Chor entgegen.<\/p>\n<p>Der Bourgeois sieht in seiner Frau ein blo\u00dfes Produktionsinstrument. Er h\u00f6rt, da\u00df die Produktionsinstrumente gemeinschaftlich ausgebeutet werden sollen, und kann sich nat\u00fcrlich nichts anderes denken, als da\u00df das Los der Gemeinschaftlichkeit die Weiber gleichfalls treffen wird.<\/p>\n<p>Er ahnt nicht, da\u00df es sich eben darum handelt, die Stellung der Weiber als blo\u00dfer Produktionsinstrumente aufzuheben.<\/p>\n<p>\u00dcbrigens ist nichts l\u00e4cherlicher als das hochmoralische Entsetzen unserer Bourgeois \u00fcber die angebliche offizielle Weibergemeinschaft der Kommunisten. Die Kommunisten brauchen die Weibergemeinschaft nicht einzuf\u00fchren, sie hat fast immer existiert.<\/p>\n<p>Unsre Bourgeois, nicht zufrieden damit, da\u00df ihnen die Weiber und T\u00f6chter ihrer Proletarier zur Verf\u00fcgung stehen, von der offiziellen Prostitution gar nicht zu sprechen, finden ein Hauptvergn\u00fcgen darin, ihre Ehefrauen wechselseitig zu verf\u00fchren.<\/p>\n<p>Die b\u00fcrgerliche Ehe ist in Wirklichkeit die Gemeinschaft der Ehefrauen. Man k\u00f6nnte h\u00f6chstens den Kommunisten vorwerfen, da\u00df sie an Stelle einer heuchlerisch versteckten eine offizielle, offenherzige Weibergemeinschaft einf\u00fchren wollten. Es versteht sich \u00fcbrigens von selbst, da\u00df mit Aufhebung der jetzigen Produktionsverh\u00e4ltnisse auch die aus ihnen hervorgehende Weibergemeinschaft, d.h. die offizielle und nichtoffizielle Prostitution, verschwindet.<\/p>\n<p>Den Kommunisten ist ferner vorgeworfen worden, sie wollten das Vaterland, die Nationalit\u00e4t abschaffen. Die Arbeiter haben kein Vaterland. Man kann ihnen nicht nehmen, was sie nicht haben. Indem das Proletariat zun\u00e4chst sich die politische Herrschaft erobern, sich zur nationalen Klasse erheben, sich selbst als Nation konstituieren mu\u00df, ist es selbst noch national, wenn auch keineswegs im Sinne der Bourgeoisie.<\/p>\n<p>Die nationalen Absonderungen und Gegens\u00e4tze der V\u00f6lker verschwinden mehr und mehr schon mit der Entwicklung der Bourgeoisie, mit der Handelsfreiheit, dem Weltmarkt, der Gleichf\u00f6rmigkeit der industriellen Produktion und der ihr entsprechenden Lebensverh\u00e4ltnisse.<\/p>\n<p>Die Herrschaft des Proletariats wird sie noch mehr verschwinden machen. Vereinigte Aktion, wenigstens der zivilisierten L\u00e4nder, ist eine der ersten Bedingungen seiner Befreiung.<\/p>\n<p>In dem Ma\u00dfe, wie die Exploitation des einen Individuums durch das andere aufgehoben wird, wird die Exploitation einer Nation durch die andere aufgehoben. Mit dem Gegensatz der Klassen im Innern der Nation f\u00e4llt die feindliche Stellung der Nationen gegeneinander.<\/p>\n<p>Die Anklagen gegen den Kommunismus, die von religi\u00f6sen, philosophischen und ideologischen Gesichtspunkten \u00fcberhaupt erhoben werden, verdienen keine ausf\u00fchrlichere Er\u00f6rterung.<\/p>\n<p>Bedarf es tiefer Einsicht, um zu begreifen, da\u00df mit den Lebensverh\u00e4ltnissen der Menschen, mit ihren gesellschaftlichen Beziehungen, mit ihrem gesellschaftlichen Dasein, auch ihre Vorstellungen, Anschauungen und Begriffe, mit einem Worte auch ihr Bewu\u00dftsein sich \u00e4ndert?<\/p>\n<p>Was beweist die Geschichte der Ideen anders, als da\u00df die geistige Produktion sich mit der materiellen umgestaltet? Die herrschenden Ideen einer Zeit waren stets nur die Ideen der herrschenden Klasse.<\/p>\n<p>Man spricht von Ideen, welche eine ganze Gesellschaft revolutionieren; man spricht damit nur die Tatsache aus, da\u00df sich innerhalb der alten Gesellschaft die Elemente einer neuen gebildet haben, da\u00df mit der Aufl\u00f6sung der alten Lebensverh\u00e4ltnisse die Aufl\u00f6sung der alten Ideen gleichen Schritt h\u00e4lt.<\/p>\n<p>Als die alte Welt im Untergehen begriffen war, wurden die alten Religionen von der christlichen Religion besiegt. Als die christlichen Ideen im 18. Jahrhundert den Aufkl\u00e4rungsideen unterlagen, rang die feudale Gesellschaft ihren Todeskampf mit der damals revolution\u00e4ren Bourgeoisie. Die Ideen der Gewissens- und Religionsfreiheit sprachen nur die Herrschaft der freien Konkurrenz auf dem Gebiete des Wissens aus.<\/p>\n<p>&#8222;Aber&#8220;, wird man sagen, &#8222;religi\u00f6se, moralische, philosophische, politische, rechtliche Ideen usw. modifizieren sich allerdings im Lauf der geschichtlichen Entwicklung. Die Religion, die Moral, die Philosophie, die Politik, das Recht erhielten sich stets in diesem Wechsel. Es gibt zudem ewige Wahrheiten, wie Freiheit, Gerechtigkeit usw., die allen gesellschaftlichen Zust\u00e4nden gemeinsam sind. Der Kommunismus aber schafft die ewigen Wahrheiten ab, er schafft die Religion ab, die Moral, statt sie neu zu gestalten, er widerspricht also allen bisherigen geschichtlichen Entwicklungen.&#8220;<\/p>\n<p>Worauf reduziert sich diese Anklage? Die Geschichte der ganzen bisherigen Gesellschaft bewegte sich in Klassengegens\u00e4tzen, die in den verschiedensten Epochen verschieden gestaltet waren. Welche Form sie aber auch immer angenommen, die Ausbeutung des einen Teils der Gesellschaft durch den andern ist eine allen vergangenen Jahrhunderten gemeinsame Tatsache. Kein Wunder daher, da\u00df das gesellschaftliche Bewu\u00dftsein aller Jahrhunderte, aller Mannigfaltigkeit und Verschiedenheit zum Trotz, in gewissen gemeinsamen Formen sich bewegt, in Bewu\u00dftseinsformen, die nur mit dem g\u00e4nzlichen Verschwinden des Klassengegensatzes sich vollst\u00e4ndig aufl\u00f6sen.<\/p>\n<p>Die kommunistische Revolution ist das radikalste Brechen mit den \u00fcberlieferten Eigentumsverh\u00e4ltnissen; kein Wunder, da\u00df in ihrem Entwicklungsgange am radikalsten mit den \u00fcberlieferten Ideen gebrochen wird.<\/p>\n<p>Doch lassen wir die Einw\u00fcrfe der Bourgeoisie gegen den Kommunismus.<\/p>\n<p>Wir sahen schon oben, da\u00df der erste Schritt in der Arbeiterrevolution die Erhebung des Proletariats zur herrschenden Klasse, die Erk\u00e4mpfung der Demokratie ist.<\/p>\n<p>Das Proletariat wird seine politische Herrschaft dazu benutzen, der Bourgeoisie nach und nach alles Kapital zu entrei\u00dfen, alle Produktionsinstrumente in den H\u00e4nden des Staats, d.h. des als herrschende Klasse organisierten Proletariats, zu zentralisieren und die Masse der Produktionskr\u00e4fte m\u00f6glichst rasch zu vermehren.<\/p>\n<p>Es kann dies nat\u00fcrlich zun\u00e4chst nur geschehen vermittelst despotischer Eingriffe in das Eigentumsrecht und in die b\u00fcrgerlichen Produktionsverh\u00e4ltnisse, durch Ma\u00dfregeln also, die \u00f6konomisch unzureichend und unhaltbar erscheinen, die aber im Lauf der Bewegung \u00fcber sich selbst hinaustreiben und als Mittel zur Umw\u00e4lzung der ganzen Produktionsweise unvermeidlich sind.<\/p>\n<p>Diese Ma\u00dfregeln werden nat\u00fcrlich je nach den verschiedenen L\u00e4ndern verschieden sein.<\/p>\n<p>F\u00fcr die fortgeschrittensten L\u00e4nder werden jedoch die folgenden ziemlich allgemein in Anwendung kommen k\u00f6nnen:<\/p>\n<p>1. Expropriation des Grundeigentums und Verwendung der Grundrente zu Staatsausgaben.<\/p>\n<p>2. Starke Progressivsteuer.<\/p>\n<p>3. Abschaffung des Erbrechts.<\/p>\n<p>4. Konfiskation des Eigentums aller Emigranten und Rebellen.<\/p>\n<p>5. Zentralisation des Kredits in den H\u00e4nden des Staats durch eine Nationalbank mit Staatskapital und ausschlie\u00dflichem Monopol.<\/p>\n<p>6. Zentralisation des Transportwesens in den H\u00e4nden des Staats.<\/p>\n<p>7. Vermehrung der Nationalfabriken, Produktionsinstrumente, Urbarmachung und Verbesserung aller L\u00e4ndereien nach einem gemeinschaftlichen Plan.<\/p>\n<p>8. Gleicher Arbeitszwang f\u00fcr alle, Errichtung industrieller Armeen, besonders f\u00fcr den Ackerbau.<\/p>\n<p>9. Vereinigung des Betriebs von Ackerbau und Industrie, Hinwirken auf die allm\u00e4hliche Beseitigung des Unterschieds von Stadt und Land.<\/p>\n<p>10. \u00d6ffentliche und unentgeltliche Erziehung aller Kinder. Beseitigung der Fabrikarbeit der Kinder in ihrer heutigen Form. Vereinigung der Erziehung mit der materiellen Produktion usw.<\/p>\n<p>Sind im Laufe der Entwicklung die Klassenunterschiede verschwunden und ist alle Produktion in den H\u00e4nden der assoziierten Individuen konzentriert, so verliert die \u00f6ffentliche Gewalt den politischen Charakter. Die politische Gewalt im eigentlichen Sinne ist die organisierte Gewalt einer Klasse zur Unterdr\u00fcckung einer andern. Wenn das Proletariat im Kampfe gegen die Bourgeoisie sich notwendig zur Klasse vereint, durch eine Revolution sich zur herrschenden Klasse macht und als herrschende Klasse gewaltsam die alten Produktionsverh\u00e4ltnisse aufhebt, so hebt es mit diesen Produktionsverh\u00e4ltnissen die Existenzbedingungen des Klassengegensatzes, die Klassen \u00fcberhaupt, und damit seine eigene Herrschaft als Klasse auf.<\/p>\n<p>An die Stelle der alten b\u00fcrgerlichen Gesellschaft mit ihren Klassen und Klassengegens\u00e4tzen tritt eine Assoziation, worin die freie Entwicklung eines jeden die freie Entwicklung aller ist.<\/p>\n<p><strong><a name=\"C\">3. Sozialistische und kommunistische Literatur<\/a><\/strong><br \/>\n<strong><a name=\"D\">3.1 Der reaktion\u00e4re Sozialismus<\/a><\/strong><br \/>\n<strong><a name=\"E\">3.1.1 Der feudale Sozialismus<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Die franz\u00f6sische und englische Aristokratie war ihrer geschichtlichen Stellung nach dazu berufen, Pamphlete gegen die moderne b\u00fcrgerliche Gesellschaft zu schreiben. In der franz\u00f6sischen Junirevolution von 1830, in der englischen Reformbewegung war sie noch einmal dem verha\u00dften Empork\u00f6mmling erlegen. Von einem ernsten politischen Kampfe konnte nicht mehr die Rede sein. Nur der literarische Kampf blieb ihr \u00fcbrig. Aber auch auf dem Gebiete der Literatur waren die alten Redensarten der Restaurationszeit unm\u00f6glich geworden. Um Sympathie zu erregen, mu\u00dfte die Aristokratie scheinbar ihre Interessen aus dem Auge verlieren und nur im Interesse der exploitierten Arbeiterklasse ihren Anklageakt gegen die Bourgeoisie formulieren. Sie bereitete so die Genugtuung vor, Schm\u00e4hlieder auf ihren neuen Herrscher zu singen und mehr oder minder unheilschwangere Prophezeiungen ihm ins Ohr raunen zu d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Auf diese Art entstand der feudalistische Sozialismus, halb Klagelied, halb Pasquill, halb R\u00fcckhall der Vergangenheit, halb Dr\u00e4uen der Zukunft, mitunter die Bourgeoisie ins Herz treffend durch bitteres, geistreich zerrei\u00dfendes Urteil, stets komisch wirkend durch g\u00e4nzliche Unf\u00e4higkeit, den Gang der modernen Geschichte zu begreifen.<\/p>\n<p>Den proletarischen Bettelsack schwenkten sie als Fahne in der Hand, um das Volk hinter sich her zu versammeln. Sooft es ihnen aber folgte, erblickte es auf ihrem Hintern die alten feudalen Wappen und verlief sich mit lautem und unehrerbietigem Gel\u00e4chter.<\/p>\n<p>Ein Teil der franz\u00f6sischen Legitimisten und das Junge England gaben dies Schauspiel zum besten.<\/p>\n<p>Wenn die Feudalen beweisen, da\u00df ihre Weise der Ausbeutung anders gestaltet war als die b\u00fcrgerliche Ausbeutung, so vergessen sie nur, da\u00df sie unter g\u00e4nzlich verschiedenen und jetzt \u00fcberlebten Umst\u00e4nden und Bedingungen ausbeuteten. Wenn sie nachweisen, da\u00df unter ihrer Herrschaft nicht das moderne Proletariat existiert hat, so vergessen sie nur, da\u00df eben die moderne Bourgeoisie ein notwendiger Spr\u00f6\u00dfling ihrer Gesellschaftsordnung war.<\/p>\n<p>\u00dcbrigens verheimlichen sie den reaktion\u00e4ren Charakter ihrer Kritik so wenig, da\u00df ihre Hauptanklage gegen die Bourgeoisie eben darin besteht, unter ihrem Regime entwickle sich eine Klasse, welche die ganze alte Gesellschaftsordnung in die Luft sprengen werde.<\/p>\n<p>Sie werfen der Bourgeoisie mehr noch vor, da\u00df sie ein revolution\u00e4res Proletariat, als da\u00df sie \u00fcberhaupt ein Proletariat erzeugt.<\/p>\n<p>In der politischen Praxis nehmen sie daher an allen Gewaltma\u00dfregeln gegen die Arbeiterklasse teil, und im gew\u00f6hnlichen Leben bequemen sie sich, allen ihren aufgebl\u00e4hten Redensarten zum Trotz die goldnen \u00c4pfel aufzulesen und Treue, Liebe, Ehre mit dem Schacher in Schafswolle, Runkelr\u00fcben und Schnaps zu vertauschen.<\/p>\n<p>Wie der Pfaffe immer Hand in Hand ging mit dem Feudalen, so der pf\u00e4ffische Sozialismus mit dem feudalistischen.<\/p>\n<p>Nichts leichter, als dem christlichen Asketismus einen sozialistischen Anstrich zu geben. Hat das Christentum nicht auch gegen das Privateigentum, gegen die Ehe, gegen die Staat geeifert? Hat es nicht die Wohlt\u00e4tigkeit und den Bettel, das Z\u00f6libat und die Fleischesert\u00f6tung, das Zellenleben und die Kirche an ihrer Stelle gepredigt? Der christliche Sozialismus ist nur das Weihwasser, womit der Pfaffe den \u00c4rger des Aristokraten einsegnet.<\/p>\n<p><strong><a name=\"F\">3.1.2 Kleinb\u00fcrgerlicher Sozialismus<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Die feudale Aristokratie ist nicht die einzige Klasse, welche durch die Bourgeoisie gest\u00fcrzt wurde, deren Lebensbedingungen in der modernen b\u00fcrgerlichen Gesellschaft verk\u00fcmmerten und abstarben. Das mittelalterliche Pfahlb\u00fcrgertum und der kleine Bauernstand waren die Vorl\u00e4ufer der modernen Bourgeoisie. In den weniger industriell und kommerziell entwickelten L\u00e4ndern vegetiert diese Klasse noch fort neben der aufkommenden Bourgeoisie.<\/p>\n<p>In den L\u00e4ndern, wo sich die moderne Zivilisation entwickelt hat, hat sich eine neue Kleinb\u00fcrgerschaft gebildet, die zwischen dem Proletariat und der Bourgeoisie schwebt und als erg\u00e4nzender Teil der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft stets von neuem sich bildet, deren Mitglieder aber best\u00e4ndig durch die Konkurrenz ins Proletariat hinabgeschleudert werden, ja selbst mit der Entwicklung der gro\u00dfen Industrie einen Zeitpunkt herannahen sehen, wo sie als selbst\u00e4ndiger Teil der modernen Gesellschaft g\u00e4nzlich verschwinden und im Handel, in der Manufaktur, in der Agrikultur durch Arbeitsaufseher und Domestiken ersetzt werden.<\/p>\n<p>In L\u00e4ndern wie Frankreich, wo die Bauernklasse weit mehr als die H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung ausmacht, war es nat\u00fcrlich, da\u00df Schriftsteller, die f\u00fcr das Proletariat gegen die Bourgeoisie auftraten, an ihre Kritik des Bourgeoisregimes den kleinb\u00fcrgerlichen und kleinb\u00e4uerlichen Ma\u00dfstab anlegten und die Partei der Arbeiter vom Standpunkt des Kleinb\u00fcrgertums ergriffen. Es bildete sich so der kleinb\u00fcrgerliche Sozialismus. Sismondi ist das Haupt dieser Literatur nicht nur f\u00fcr Frankreich, sondern auch f\u00fcr England.<\/p>\n<p>Dieser Sozialismus zergliederte h\u00f6chst scharfsinnig die Widerspr\u00fcche in den modernen Produktionsverh\u00e4ltnissen. Er enth\u00fcllte die gleisnerischen Besch\u00f6nigungen der \u00d6konomen. Er wies unwiderleglich die zerst\u00f6renden Wirkungen der Maschinerie und der Teilung der Arbeit nach, die Konzentration der Kapitalien und des Grundbesitzes, die \u00dcberproduktion, die Krisen, den notwendigen Untergang der kleinen B\u00fcrger und Bauern, das Elend des Proletariats, die Anarchie in der Produktion, die schreienden Mi\u00dfverh\u00e4ltnisse in der Verteilung des Reichtums, den industriellen Vernichtungskrieg der Nationen untereinander, die Aufl\u00f6sung der alten Sitten, der alten Familienverh\u00e4ltnisse, der alten Nationalit\u00e4ten.<\/p>\n<p>Seinem posititiven Gehalte nach will jedoch dieser Sozialismus entweder die alten Produktions- und Verkehrsmittel wiederherstellen und mit ihnen die alten Eigentumsverh\u00e4ltnisse und die alte Gesellschaft, oder er will die modernen Produktions- und Verkehrsmittel in den Rahmen der alten Eigentumsverh\u00e4ltnisse, die von ihnen gesprengt wurden, gesprengt werden mu\u00dften, gewaltsam wieder einsperren. In beiden F\u00e4llen ist er reaktion\u00e4r und utopisch zugleich. Zunftwesen in der Manufaktur und patriarchalische Wirtschaft auf dem Lande, das sind seine letzten Worte.<\/p>\n<p>In ihrer weiteren Entwicklung hat sich diese Richtung in einen feigen Katzenjammer verlaufen.<\/p>\n<p><strong><a name=\"G\">3.1.3 Der deutsche oder &#8222;wahre&#8220; Sozialismus<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Die sozialistische und kommunistische Literatur Frankreichs, die unter dem Druck einer herrschenden Bourgeoisie entstand und der literarische Ausdruck des Kampfes gegen diese Herrschaft ist, wurde nach Deutschland eingef\u00fchrt zu einer Zeit, wo die Bourgeoisie soeben ihren Kampf gegen den feudalen Absolutismus begann.<\/p>\n<p>Deutsche Philosophen, Halbphilosophen und Sch\u00f6ngeister bem\u00e4chtigten sich gierig dieser Literatur und verga\u00dfen nur, da\u00df bei der Einwanderung jener Schriften aus Frankreich die franz\u00f6sischen Lebensverh\u00e4ltnisse nicht gleichzeitig nach Deutschland eingewandert waren. Den deutschen Verh\u00e4ltnissen gegen\u00fcber verlor die franz\u00f6sische Literatur alle unmittelbar praktische Bedeutung und nahm ein rein literarisches Aussehen an. Als m\u00fc\u00dfige Spekulation \u00fcber die Verwirklichung des menschlichen Wesens mu\u00dfte sie erscheinen. So hatten f\u00fcr die deutschen Philosophen des 18. Jahrhunderts die Forderungen der ersten franz\u00f6sischen Revolution nur den Sinn, Forderungen der &#8222;praktischen Vernunft&#8220; im allgemeinen zu sein, und die Willens\u00e4u\u00dferungen der franz\u00f6sischen Bourgeoisie bedeuteten in ihren Augen die Gesetze des reinen Willens, des Willens, wie er sein mu\u00df, des wahrhaft menschlichen Willens.<\/p>\n<p>Die ausschlie\u00dfliche Arbeit der deutschen Literaten bestand darin, die neuen franz\u00f6sischen Ideen mit ihrem alten philosophischen Gewissen in Einklang zu setzen oder vielmehr von ihrem philosophischen Standpunkte aus die franz\u00f6sischen Ideen sich anzueignen.<\/p>\n<p>Diese Aneignung geschah in derselben Weise, wodurch man sich \u00fcberhaupt eine fremde Sache aneignet, durch die \u00dcbersetzung.<\/p>\n<p>Es ist bekannt, wie die M\u00f6nche Manuskripte, worauf die klassischen Werke der alten Heidenzeit verzeichnet waren, mit abgeschmackten katholischen Heiligengeschichten \u00fcberschrieben. Die deutschen Literaten gingen umgekehrt mit der profanen franz\u00f6sischen Literatur um. Sie schrieben ihren philosophischen Unsinn hinter das franz\u00f6sische Original. Z.B. hinter die franz\u00f6sische Kritik der Geldverh\u00e4ltnisse schrieben sie &#8222;Ent\u00e4u\u00dferung des menschlichen Wesens&#8220;, hinter die franz\u00f6sische Kritik des Bourgeoisstaates schrieben sie &#8222;Aufhebung der Herrschaft des abstrakten Allgemeinen&#8220; usw.<\/p>\n<p>Die Unterschiebung dieser philosophischen Redensarten unter die franz\u00f6sischen Entwicklungen tauften sie &#8222;Philosophie der Tat&#8220;, &#8222;wahrer Sozialismus&#8220;, &#8222;deutsche Wissenschaft des Sozialismus&#8220;, usw.<\/p>\n<p>Die franz\u00f6sische sozialistisch-kommunistische Literatur wurde so f\u00f6rmlich entmannt. Und da sie in der Hand des Deutschen aufh\u00f6rte, den Kampf einer Klasse gegen die andre auszudr\u00fccken, so war der Deutsche sich bewu\u00dft, die &#8222;franz\u00f6sische Einseitigkeit&#8220; \u00fcberwunden, statt wahrer Bed\u00fcrfnisse das Bed\u00fcrfnis der Wahrheit und statt der Interessen des Proletariers die Interessen des menschlichen Wesens, des Menschen \u00fcberhaupt vertreten zu haben, des Menschen, der keiner Klasse, der \u00fcberhaupt nicht der Wirklichkeit, der nur dem Dunsthimmel der philosophischen Phantasie angeh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Dieser deutsche Sozialismus, der seine unbeholfenen Schul\u00fcbungen so ernst und feierlich nahm und so marktschreierisch ausposaunte, verlor indes nach und nach seine pedantische Unschuld.<\/p>\n<p>Der Kampf der deutschen, namentlich der preu\u00dfischen Bourgeoisie gegen die Feudalen und das absolute K\u00f6nigtum, mit einem Wort, die liberale Bewegung wurde ernsthafter.<\/p>\n<p>Dem &#8222;wahren&#8220; Sozialismus war so erw\u00fcnschte Gelegenheit geboten, der politischen Bewegung die sozialistische Forderung gegen\u00fcberzustellen, die \u00fcberlieferten Anatheme gegen den Liberalismus, gegen den Repr\u00e4sentativstaat, gegen die b\u00fcrgerliche Konkurrenz, b\u00fcrgerliche Pre\u00dffreiheit, b\u00fcrgerliches Recht, b\u00fcrgerliche Freiheit und Gleichheit zu schleudern und der Volksmasse vorzupredigen, wie sie bei dieser b\u00fcrgerlichen Bewegung nichts zu gewinnen, vielmehr alles zu verlieren habe. Der deutsche Sozialismus verga\u00df rechtzeitig, da\u00df die franz\u00f6sische Kritik, deren geistloses Echo er war, die moderne b\u00fcrgerliche Gesellschaft mit den entsprechenden materiellen Lebensbedingungen und der angemessenen politischen Konstitution vorausgesetzt, lauter Voraussetzungen, um deren Erk\u00e4mpfung es sich erst in Deutschland handelte.<\/p>\n<p>Er diente den deutschen absoluten Regierungen mit ihrem Gefolge von Pfaffen, Schulmeistern, Krautjunkern und B\u00fcrokraten als erw\u00fcnschte Vogelscheuche gegen die drohend aufstrebende Bourgeoisie.<\/p>\n<p>Er bildete die s\u00fc\u00dfliche Erg\u00e4nzung zu den bitteren Peitschenhieben und Flintenkugeln, womit dieselben Regierungen die deutschen Arbeiteraufst\u00e4nde bearbeiteten.<\/p>\n<p>Ward der &#8222;wahre&#8220; Sozialismus dergestalt eine Waffe in der Hand der Regierungen gegen die deutsche Bourgeoisie, so vertrat er auch unmittelbar ein reaktion\u00e4res Interesse, das Interesse der deutschen Pfahlb\u00fcrgerschaft. In Deutschland bildet das vom 16. Jahrhundert her \u00fcberlieferte und seit der Zeit in verschiedener Form hier immer neu wieder auftauchende Kleinb\u00fcrgertum die eigentliche Grundlage der bestehenden Zust\u00e4nde.<\/p>\n<p>Seine Erhaltung ist die Erhaltung der bestehenden deutschen Zust\u00e4nde. Von der industriellen und politischen Herrschaft der Bourgeoisie f\u00fcrchtet es den sichern Untergang, einerseits infolge der Konzentration des Kapitals, andrerseits durch das Aufkommen eines revolution\u00e4ren Proletariats. Der &#8222;wahre&#8220; Sozialismus schien ihm beide Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Er verbreitete sich wie eine Epidemie.<\/p>\n<p>Das Gewand, gewirkt aus spekulativem Spinnweb, \u00fcberstickt mit sch\u00f6ngeistigen Redeblumen, durchtr\u00e4nkt von liebesschw\u00fclem Gem\u00fctstau, dies \u00fcberschwengliche Gewand, worin die deutschen Sozialisten ihre paar kn\u00f6chernen &#8222;ewigen Wahrheiten&#8220; einh\u00fcllten, vermehrte nur den Absatz ihrer Ware bei diesem Publikum.<\/p>\n<p>Seinerseits erkannte der deutsche Sozialismus immer mehr seinen Beruf, der hochtrabende Vertreter dieser Pfahlb\u00fcrgerschaft zu sein.<\/p>\n<p>Er proklamierte die deutsche Nation als die normale Nation und den deutschen Spie\u00dfb\u00fcrger als den Normalmenschen. Er gab jeder Niedertr\u00e4chtigkeit desselben einen verborgenen, h\u00f6heren, sozialistischen Sinn, worin sie ihr Gegenteil bedeutete. Er zog die letzte Konsequenz, indem er direkt gegen die &#8222;rohdestruktive&#8220; Richtung des Kommunismus auftrat und seine unparteiische Erhabenheit \u00fcber alle Klassenk\u00e4mpfe verk\u00fcndete. Mit sehr wenigen Ausnahmen geh\u00f6rt alles, was in Deutschland von angeblich sozialistischen und kommunistischen Schriften zirkuliert, in den Bereich dieser schmutzigen, entnervenden Literatur.<\/p>\n<p><strong><a name=\"H\">3.2 Der konservative oder Bourgeoissozialismus<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Ein Teil der Bourgeoisie w\u00fcnscht den sozialen Mi\u00dfst\u00e4nden abzuhelfen, um den Bestand der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft zu sichern.<\/p>\n<p>Es geh\u00f6ren hierher: \u00d6konomisten, Philantrophen, Humanit\u00e4re, Verbesserer der Lage der arbeitenden Klassen, Wohlt\u00e4tigkeitsorganisierer, Abschaffer der Tierqu\u00e4lerei, M\u00e4\u00dfigkeitsvereinsstifter, Winkelreformer der buntscheckigsten Art. Und auch zu ganzen Systemen ist dieser Bourgeoissozialismus ausgearbeitet worden.<\/p>\n<p>Als Beispiel f\u00fchren wir Proudhons &#8222;Philosophie de la mis\u00e8re&#8220; an.<\/p>\n<p>Die sozialistischen Bourgeois wollen die Lebensbedingungen der modernen Gesellschaft ohne die notwendig daraus hervor gehenden K\u00e4mpfe und Gefahren. Sie wollen die bestehende Gesellschaft mit Abzug der sie revolutionierenden und sie aufl\u00f6senden Elemente. Sie wollen die Bourgeoisie ohne das Proletariat. Die Bourgeoisie stellt sich die Welt, worin sie herrscht, nat\u00fcrlich als die beste Welt vor. Der Bourgeoissozialismus arbeitet diese tr\u00f6stliche Vorstellung zu einem halben oder ganzen System aus. Wenn er das Proletariat auffordert, seine Systeme zu verwirklichen und in das neue Jerusalem einzugehen, so verlangt er im Grunde nur, da\u00df es in der jetzigen Gesellschaft stehenbleibe, aber seine geh\u00e4ssigen Vorstellungen von derselben abstreife.<\/p>\n<p>Eine zweite, weniger systematische, nur mehr praktische Form dieses Sozialismus suchte der Arbeiterklasse jede revolution\u00e4re Bewegung zu verleiden, durch den Nachweis, wie nicht diese oder jene politische Ver\u00e4nderung, sondern nur eine Ver\u00e4nderung der materiellen Lebensverh\u00e4ltnisse, der \u00f6konomischen Verh\u00e4ltnisse ihr von Nutzen sein k\u00f6nne. Unter Ver\u00e4nderung der materiellen Lebensverh\u00e4ltnisse versteht dieser Sozialismus aber keineswegs Abschaffung der b\u00fcrgerlichen Produktionsverh\u00e4ltnisse, die nur auf revolution\u00e4rem Wege m\u00f6glich ist, sondern administrative Verbesserungen, die auf dem Boden dieser Produktionsverh\u00e4ltnisse vor sich gehen, also an dem Verh\u00e4ltnis von Kapital und Lohnarbeit nichts \u00e4ndern, sondern im besten Fall der Bourgeoisie die Kosten ihrer Herrschaft vermindern und ihren Staatshaushalt vereinfachen.<\/p>\n<p>Seinen entsprechenden Ausdruck erreicht der Bourgeoisiesozialismus erst da, wo er zur blo\u00dfen rednerischen Figur wird.<\/p>\n<p>Freier Handel! im Interesse der arbeitenden Klasse; Schutzz\u00f6lle! im Interesse der arbeitenden Klasse; Zellengef\u00e4ngnisse! im Interesse der arbeitenden Klasse; das ist das letzte, das einzige ernstgemeinte Wort des Bourgeoisiesozialismus.<\/p>\n<p>Der Sozialismus der Bourgeoisie besteht eben in der Behauptung, da\u00df die Bourgeois Bourgeois sind &#8211; im Interesse der arbeitenden Klasse.<\/p>\n<p><strong><a name=\"I\">3.3 Der kritisch-utopistische Sozialismus oder Kommunismus<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Wir reden hier nicht von der Literatur, die in allen gro\u00dfen modernen Revolutionen die Forderungen des Proletariats aussprach. (Schriften Babeufs etc.)<\/p>\n<p>Die ersten Versuche des Proletariats, in einer Zeit allgemeiner Aufregung, in der Periode des Umsturzes der feudalen Gesellschaft direkt sein eigenes Klasseninteresse durchzusetzen, scheiterten notwendig an der unentwickelten Gestalt des Proletariats selbst wie an dem Mangel der materiellen Bedingungen seiner Befreiung, die eben erst das Produkt der b\u00fcrgerliche Epoche sind. Die revolution\u00e4re Literatur, welche diese ersten Bewegungen des Proletariats begleitete, ist dem Inhalt nach notwendig reaktion\u00e4r. Sie lehrt einen allgemeinen Asketismus und eine rohe Gleichmacherei.<\/p>\n<p>Die eigentlich sozialistischen und kommunistischen Systeme, die Systeme St.-Simons, Fouriers, Owens usw., tauchen auf in der ersten, unentwickelten Periode des Kampfes zwischen Proletariat und Bourgeoisie, die wir oben dargestellt haben. (Siehe Bourgeoisie und Proletariat.)<\/p>\n<p>Die Erfinder dieser Systeme sehen zwar den Gegensatz der Klassen wie die Wirksamkeit der aufl\u00f6senden Elemente in der herrschenden Gesellschaft selbst. Aber sie erblicken auf der Seite des Proletariats keine geschichtliche Selbstt\u00e4tigkeit, keine ihm eigent\u00fcmliche politische Bewegung.<\/p>\n<p>Da die Entwicklung des Klassengegensatzes gleichen Schritt h\u00e4lt mit der Entwicklung der Industrie, finden sie ebensowenig die materiellen Bedingungen zur Befreiung des Proletariats vor und suchen nach einer sozialen Wissenschaft, nach sozialen Gesetzen, um diese Bedingungen zu schaffen.<\/p>\n<p>An die Stelle der gesellschaftlichen T\u00e4tigkeit mu\u00df ihre pers\u00f6nlich erfinderische T\u00e4tigkeit treten, an die Stelle der geschichtlichen Bedingungen der Befreiung phantastische, an die Stelle der allm\u00e4hlich vor sich gehenden Organisation des Proletariats zur Klasse eine eigens ausgeheckte Organisation der Gesellschaft. Die kommende Weltgeschichte l\u00f6st sich f\u00fcr sie auf in die Propaganda und die praktische Ausf\u00fchrung ihrer Gesellschaftspl\u00e4ne.<\/p>\n<p>Sie sind sich zwar bewu\u00dft, in ihren Pl\u00e4nen haupts\u00e4chlich das Interesse der arbeitenden Klasse als der leidendsten Klasse zu vertreten. Nur unter diesem Gesichtspunkt der leidendsten Klasse existiert das Proletariat f\u00fcr sie.<\/p>\n<p>Die unentwickelte Form des Klassenkampfes wie ihre eigene Lebenslage bringen es aber mit sich, da\u00df sie weit \u00fcber jenen Klassengegensatz erhaben zu sein glauben. Sie wollen die Lebenslage aller Gesellschaftsglieder, auch der bestgestellten, verbessern. Sie appellieren daher fortw\u00e4hrend an die ganze Gesellschaft ohne Unterschied, ja vorzugsweise an die herrschende Klasse. Man braucht ihr System ja nur zu verstehen, um es als den bestm\u00f6glichen Plan der bestm\u00f6glichen Gesellschaft anzuerkennen.<\/p>\n<p>Sie verwerfen daher alle politische, namentlich alle revolution\u00e4re Aktion, sie wollen ihr Ziel auf friedlichem Wege erreichen und versuchen, durch kleine, nat\u00fcrlich fehlschlagende Experimente, durch die Macht des Beispiels dem neuen gesellschaftlichen Evangelium Bahn zu brechen.<\/p>\n<p>Die phantastische Schilderung der zuk\u00fcnftigen Gesellschaft entspringt in einer Zeit, wo das Proletariat noch h\u00f6chst unentwickelt ist, also selbst noch phantastisch seine eigene Stellung auffa\u00dft, seinem ersten ahnungsvollen Dr\u00e4ngen nach einer allgemeinen Umgestaltung der Gesellschaft.<\/p>\n<p>Die sozial[istisch}en und kommunistischen Schriften bestehen aber auch aus kritischen Elementen. Sie greifen alle Grundlagen der bestehenden Gesellschaft an. Sie haben daher h\u00f6chst wertvolles Material zur Aufkl\u00e4rung der Arbeiter geliefert. Ihre positiven S\u00e4tze \u00fcber die zuk\u00fcnftige Gesellschaft, z.B. Aufhebung des Gegensatzes zwischen Stadt und Land, der Familie, des Privaterwerbs, der Lohnarbeit, die Verk\u00fcndigung der gesellschaftlichen Harmonie, die Verwandlung des Staates in eine blo\u00dfe Verwaltung der Produktion &#8211; alle diese ihre S\u00e4tze dr\u00fccken blo\u00df das Wegfallen des Klassengegensatzes aus, der eben erst sich zu entwickeln beginnt, den sie nur noch in seiner ersten gestaltlosen Unbestimmtheit kennen. Diese S\u00e4tze selbst haben daher noch einen rein utopistischen Sinn.<\/p>\n<p>Die Bedeutung des kritisch-utopistischen Sozialismus oder Kommunismus steht im umgekehrten Verh\u00e4ltnis zur geschichtlichen Entwicklung. In demselben Ma\u00dfe, worin der Klassenkampf sich entwickelt und gestaltet, verliert diese phantastische Erhebung \u00fcber denselben, diese phantastische Bek\u00e4mpfung desselben allen praktischen Wert, alle theoretische Berechtigung. Waren daher die Urheber dieser Systeme auch in vieler Beziehung revolution\u00e4r, so bilden ihre Sch\u00fcler jedesmal reaktion\u00e4re Sekten. Sie halten die alten Anschauungen der Meister fest gegen\u00fcber der geschichtlichen Fortentwicklung des Proletariats. Sie suchen daher konsequent den Klassenkampf wieder abzustumpfen und die Gegens\u00e4tze zu vermitteln. Sie tr\u00e4umen noch immer die versuchsweise Verwirklichung ihrer gesellschaftlichen Utopien, Stiftung einzelner Phalanstere, Gr\u00fcndung von Home-Kolonien, Errichtung eines kleinen Ikariens &#8211; Duodezausgabe des neuen Jerusalems -, und zum Aufbau aller dieser spanischen Schl\u00f6sser m\u00fcssen sie an die Philanthropie der b\u00fcrgerlichen Herzen und Gelds\u00e4cke appellieren. Allm\u00e4hlich fallen sie in die Kategorie der oben geschilderten reaktion\u00e4ren oder konservativen Sozialisten und unterscheiden sich nur noch von ihnen durch mehr systematische Pedanterie, durch den fanatischen Aberglauben an die Wunderwirkungen ihrer sozialen Wissenschaft.<\/p>\n<p>Sie treten daher mit Erbitterung aller politischen Bewegung der Arbeiter entgegen, die nur aus blindem Unglauben an das neue Evangelium hervorgehen konnte.<\/p>\n<p>Die Owenisten in England, die Fourieristen in Frankreich reagieren dort gegen die Chartisten, hier gegen die Reformisten.<\/p>\n<p><strong><a name=\"J\">4. Stellung der Kommunisten zu den verschiedenen oppositionellen Parteien<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Nach Abschnitt 2 versteht sich das Verh\u00e4ltnis der Kommunisten zu den bereits konstituierten Arbeiterparteien von selbst, also ihr Verh\u00e4ltnis zu den Chartisten in England und den agrarischen Reformern in Nordamerika.<\/p>\n<p>Sie k\u00e4mpfen f\u00fcr die Erreichung der unmittelbar vorliegenden Zwecke und Interessen der Arbeiterklasse, aber sie vertreten in der gegenw\u00e4rtigen Bewegung zugleich die Zukunft der Bewegung. In Frankreich schlie\u00dfen sich die Kommunisten an die sozial-demokratische Partei an gegen die konservative und radikale Bourgeoisie, ohne darum das Recht aufzugeben, sich kritisch zu den aus der revolution\u00e4ren \u00dcberlieferung herr\u00fchrenden Phrasen und Illusionen zu verhalten.<\/p>\n<p>In der Schweiz unterst\u00fctzen sie die Radikalen, ohne zu verkennen, da\u00df diese Partei aus widersprechenden Elementen besteht, teils aus demokratischen Sozialisten im franz\u00f6sischen Sinn, teils aus radikalen Bourgeois.<\/p>\n<p>Unter den Polen unterst\u00fctzen die Kommunisten die Partei, welche eine agrarische Revolution zur Bedingung der nationalen Befreiung macht, dieselbe Partei, welche die Krakauer Insurrektion von 1846 ins Leben rief.<\/p>\n<p>In Deutschland k\u00e4mpft die Kommunistische Partei, sobald die Bourgeoisie revolution\u00e4r auftritt, gemeinsam mit der Bourgeoisie gegen die absolute Monarchie, das feudale Grundeigentum und die Kleinb\u00fcrgerei.<\/p>\n<p>Sie unterl\u00e4\u00dft aber keinen Augenblick, bei den Arbeitern ein m\u00f6glichst klares Bewu\u00dftsein \u00fcber den feindlichen Gegensatz zwischen Bourgeoisie und Proletariat herauszuarbeiten, damit die deutschen Arbeiter sogleich die gesellschaftlichen und politischen Bedingungen, welche die Bourgeoisie mit ihrer Herrschaft herbeif\u00fchren mu\u00df, als ebenso viele Waffen gegen die Bourgeoisie kehren k\u00f6nnen, damit, nach dem Sturz der reaktion\u00e4ren Klassen in Deutschland, sofort der Kampf gegen die Bourgeoisie selbst beginnt.<\/p>\n<p>Auf Deutschland richten die Kommunisten ihre Hauptaufmerksamkeit, weil Deutschland am Vorabend einer b\u00fcrgerlichen Revolution steht und weil es diese Umw\u00e4lzung unter fortgeschrittneren Bedingungen der europ\u00e4ischen Zivilisation \u00fcberhaupt und mit einem viel weiter entwickelten Proletariat vollbringt als England im 17. und Frankreich im 18. Jahrhundert, die deutsche b\u00fcrgerliche Revolution also nur das unmittelbare Vorspiel einer proletarischen Revolution sein kann.<\/p>\n<p>Mit einem Wort, die Kommunisten unterst\u00fctzen \u00fcberall jede revolution\u00e4re Bewegung gegen die bestehenden gesellschaftlichen und politischen Zust\u00e4nde.<\/p>\n<p>In allen diesen Bewegungen heben sie die Eigentumsfrage, welche mehr oder minder entwickelte Form sie auch angenommen haben m\u00f6ge, als die Grundfrage der Bewegung hervor.<\/p>\n<p>Die Kommunisten arbeiten endlich \u00fcberall an der Verbindung und Verst\u00e4ndigung der demokratischen Parteien aller L\u00e4nder.<\/p>\n<p>Die Kommunisten verschm\u00e4hen es, ihre Ansichten und Absichten zu verheimlichen. Sie erkl\u00e4ren es offen, da\u00df ihre Zwecke nur erreicht werden k\u00f6nnen durch den gewaltsamen Umsturz aller bisherigen Gesellschaftsordnung. M\u00f6gen die herrschenden Klassen vor einer kommunistischen Revolution zittern. Die Proletarier haben nichts in ihr zu verlieren als ihre Ketten. Sie haben eine Welt zu gewinnen.<\/p>\n<p><strong>Proletarier aller L\u00e4nder, vereinigt euch!<\/strong><\/p>\n<p><strong><a name=\"K\">Das Kommunistische Manifest als H\u00f6rbuch:<\/a><\/strong><\/p>\n<p>[audio:http:\/\/www.antifaschistische-linke.de\/Audio\/01_Manifest.mp3]<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.antifaschistische-linke.de\/Audio\/02_Manifest.mp3\">Download Teil 1<\/a><\/p>\n<hr NOSHADE SIZE=1\/>[audio:http:\/\/www.antifaschistische-linke.de\/Audio\/02_Manifest.mp3]<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.antifaschistische-linke.de\/Audio\/02_Manifest.mp3\">Download Teil 2<\/a><\/p>\n<hr NOSHADE SIZE=1\/>[audio:http:\/\/www.antifaschistische-linke.de\/Audio\/03_Manifest.mp3]<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.antifaschistische-linke.de\/Audio\/03_Manifest.mp3\">Download Teil 3<\/a><\/p>\n<hr NOSHADE SIZE=1\/>[audio:http:\/\/www.antifaschistische-linke.de\/Audio\/04_Manifest.mp3]<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.antifaschistische-linke.de\/Audio\/04_Manifest.mp3\">Download Teil 4<\/a><\/p>\n<hr NOSHADE SIZE=1\/>[audio:http:\/\/www.antifaschistische-linke.de\/Audio\/05_Manifest.mp3]<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.antifaschistische-linke.de\/Audio\/05_Manifest.mp3\">Download Teil 5<\/a><\/p>\n<hr NOSHADE SIZE=1\/>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geschrieben im Dezember 1847\/Januar 1848. Gedruckt und als Einzelbrosch\u00fcre im Februar\/M\u00e4rz 1848 in London erschienen. Der vorliegenden Ausgabe liegt der Text der letzten von Friedrich Engels besorgten deutschen Ausgabe von 1890 zugrunde.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.antifaschistische-linke.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/115"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.antifaschistische-linke.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.antifaschistische-linke.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.antifaschistische-linke.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.antifaschistische-linke.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=115"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.antifaschistische-linke.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/115\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.antifaschistische-linke.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=115"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.antifaschistische-linke.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=115"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.antifaschistische-linke.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=115"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}