{"id":3784,"date":"2015-02-05T02:48:06","date_gmt":"2015-02-05T01:48:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.antifaschistische-linke.de\/?p=3784"},"modified":"2015-02-06T12:27:58","modified_gmt":"2015-02-06T11:27:58","slug":"es-gibt-immer-zu-viel-arbeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.antifaschistische-linke.de\/?p=3784","title":{"rendered":"Es gibt immer zu viel Arbeit"},"content":{"rendered":"<h5>F\u00fcr eine solidarische\u00a0 Gesellschaft k\u00e4mpfen!<\/h5>\n<p><em><a href=\"http:\/\/www.antifaschistische-linke.de\/wp-content\/uploads\/ZvAthumb.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-full wp-image-3813\" src=\"http:\/\/www.antifaschistische-linke.de\/wp-content\/uploads\/ZvAthumb.jpg\" alt=\"ZvAthumb\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Bei uns bleibt nichts liegen. Und der n\u00e4chste 1. Mai kommt bestimmt! Deshalb und weil wir uns einer durch uns angesto\u00dfenen Debatte bzw. der an uns ge\u00fcbten Kritik nicht einfach entziehen m\u00f6chten, kommt hier f\u00fcr alle Interessierten \u2013 besser sp\u00e4t als nie \u2013 unsere Fortf\u00fchrung zur Diskussion um linke Praxis am 1. Mai in Freiburg und der generellen Fragen, die in diesem Zusammenhang aufgeworfen wurden. <\/em><\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Vorbereitung des 1. Mai 2013[1] in Freiburg ver\u00f6ffentlichten wir ein Positionspapier[2], das innerhalb der \u201eSzene\u201c eine inhaltliche Auseinandersetzung \u00fcber die Art und Weise revolution\u00e4rer Praxis am 1. Mai in Freiburg in Gang bringen und unsere Entscheidung gegen eine Beteiligung an einem als \u201erevolution\u00e4r\u201c firmierenden B\u00fcndnis begr\u00fcnden sollte. Daraufhin ver\u00f6ffentlichte die Gruppe Viel zu viel Arbeit eine Kritik an unserem Papier.[3] Diese Kritik schneidet viele Debatten an, die innerhalb der radikalen Linken gef\u00fchrt werden, und soll hier als Ausgangspunkt dienen, einige unserer Positionen in diesen Bereichen darzulegen, und nicht zuletzt dazu, bez\u00fcglich der Kritik der Gruppe Viel zu viel Arbeit Stellung zu beziehen. <a href=\"http:\/\/www.antifaschistische-linke.de\/wp-content\/uploads\/esgibtimmerzuvielarbeit.pdf\">(als .pdf weiterlesen&#8230;)<\/a><!--more--><\/p>\n<h6>Zur\u00fcck zum Beton?<\/h6>\n<p>Viel zu viel Arbeit sieht bundesweit eine Renaissance des Marxismus-Leninismus, die sie sich als Reaktion auf die Aufl\u00f6sungserscheinungen der radikalen Linken sowie einer allgemeinen Verschiebung bzw. der Zerst\u00f6rung theoretischer Grundannahmen unter dem Einfluss der \u201ePostmoderne\u201c und der \u201eDekonstruktion\u201c erkl\u00e4rt. Die \u201eobjektiven Wahrheiten\u201c des Marxismus-Leninismus w\u00fcrden vor diesem Hintergrund gerade bei jungen Antifaschisten auf Zuspruch sto\u00dfen, bei denen h\u00e4ufig ein instinktives Abgrenzungsbed\u00fcrfnis zu den all zu oft ins Absurde abdriftenden szeneinternen Diskussionen vorherrschen w\u00fcrde. Hier sortiert Viel zu viel Arbeit auch uns ein. Die hohe Priorit\u00e4t, die wir dem \u00f6konomischen Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit einr\u00e4umen, und unsere kritische Haltung gegen\u00fcber den dekonstruktivistischen Debatten stellen f\u00fcr Viel zu viel Arbeit \u201eeinen Schritt nach Vorne\u201c dar. Unser positiver Bezug auf den Marxismus- Leninismus, den Viel zu viel Arbeit an unserer Analyse und Sprache festmacht, werfe uns hingegen drei Schritte zur\u00fcck.<br \/>\nGerade auch weil uns die Gruppe Viel zu viel Arbeit im Text eine phrasen- und floskelhafte Verwendung von Begrifflichkeiten vorwirft, wirkt die \u00e4u\u00dferst platte Einordnung unserer Gruppe als marxistisch-leninistisches Projekt befremdlich. Denn Viel zu viel Arbeit bem\u00fcht den Marxismus-Leninismus nicht im Sinne einer wissenschaftlichen Standortbestimmung, sondern szenetypisch in Form eines \u2013 inhaltsleeren \u2013 Angriffs. Weder werden Kernelemente der marxistisch-leninistischen Weltanschauung benannt und eine positive Bezugnahme unsererseits auf diese belegt, noch wird \u00fcberhaupt dargelegt, was denn konkret am Marxismus-Leninismus die \u201eSchritte zur\u00fcck\u201c sein sollen.<br \/>\nDie ALFR versteht sich als eine Organisation von Kommunistinnen und Kommunisten. Ein positiver Bezug auf die Geschichte der Arbeiterbewegung und die sozialistischen Versuche sind aus unserem Selbstverst\u00e4ndnis deutlich herauszulesen.[4] Da wir aber als ALFR keine Parteigr\u00fcndung betreiben und unabh\u00e4ngig von der marxistisch-leninistischen Partei unseres Landes und auch den K-Gruppen sind, ist wohl eines der zentralsten Merkmale marxistisch-leninistischer Organisation, n\u00e4mlich das Organisationskonzept als Kaderpartei, nicht gegeben.<br \/>\nDie Feststellung, dass es sich bei der ALFR nicht um eine marxistisch-leninistische Organisation handelt, ist allerdings keineswegs als Kapitulation vor den Versuchen zu verstehen, eine positive Bezugnahme auf Lenin zu skandalisieren, wie sie innerhalb der alternativen Szene ebenso wie im politischen Mainstream zu beobachten sind. Bedenklich ist unserer Auffassung nach nicht ein positiver Bezug auf Lenin, immerhin der wichtigste Theoretiker und Anf\u00fchrer der folgenreichsten Revolution des 20. Jahrhunderts, und Teile seiner Theoriebildung (z.B. Kriegs-, Imperialismus-, Revolutionstheorie oder Organisationskonzept), sondern die starken totalitarismustheoretischen und ahistorischen Anleihen in der Kritik an Lenin, der Oktoberrevolution und am real existierenden Sozialismus. Wer versucht, Lenin mit dem R\u00fcckenwind des gesellschaftlichen Mainstreams aus der Geschichte der Linken zu streichen, \u00fcbersieht, dass derzeit die komplette Entsorgung der Geschichte der Arbeiterbewegung auf der Agenda steht (\u00fcbrigens auch ihrer anarchistisch gepr\u00e4gten Teile) und dies wiederum eine zentrale Voraussetzung f\u00fcr die Aufrichtung des totalitarismustheoretischen Paradigmas darstellt. Flankiert werden diese Bestrebungen von der Wertkritik, bei der sich die \u201einnerlinke\u201c Lenin-Kritik bedient, die ebenso scheu\u00dfliche wie absurde Begriffe wie \u201eArbeiterbewegungsmarxismus\u201c erfunden hat[5] \u2013 als ob es einen anderen Marxismus gebe als den, der nicht zuallererst \u201eArbeiterbewegungsmarxismus\u201c w\u00e4re.<\/p>\n<h6>Analyse, Unsch\u00e4rfen und aufgeblasene\u00a0 Definitionsfragen; Klassenstandort und\u00a0 Klassenstandpunkt<\/h6>\n<p>Zum Vorwurf der analytischen Unsch\u00e4rfe, vor allem bez\u00fcglich des Begriffs der \u201eArbeiterklasse\u201c, sei angemerkt: Der Rahmen unseres Positionspapiers war nicht darauf ausgelegt, ersch\u00f6pfend Definitionsfragen abzuhandeln, sondern viel mehr darauf, unsere Praxis am 1. Mai zu vermitteln. Selbstverst\u00e4ndlich bleibt die Frage von Viel zu viel Arbeit, wen wir denn meinen, wenn wir von Arbeiterklasse reden, legitim. Dennoch wollen wir feststellen, dass man die Frage nach einer Definition von \u201eArbeiterklasse\u201c nicht \u201ezum Dreh- und Angelpunkt revolution\u00e4rer Klarheit\u201c aufblasen sollte.<br \/>\nDer Verweis auf die \u201eLohnabh\u00e4ngigkeit\u201c von Managern soll wohl belegen, dass die Realit\u00e4t der Klassenverh\u00e4ltnisse komplexer sei, als sie von uns und auch der historischen Arbeiterbewegung erfasst wird bzw. wurde. Hierzu stellen wir zun\u00e4chst fest, dass der Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit in seiner Zuspitzung in handfester Form nachweisbar ist: die materielle Ungleichheit nimmt in Deutschland wie auch weltweit stetig zu[6], und dies unabh\u00e4ngig davon, ob Arbeiter Aktien besitzen oder Manager oberfl\u00e4chlich betrachtet ihre Arbeitskraft verkaufen. Den Vorwurf, wir w\u00fcrden die Komplexit\u00e4t der Klassenverh\u00e4ltnisse nicht anerkennen, weisen wir zur\u00fcck und f\u00fcgen hinzu, dass Trusts und Aktiengesellschaften kein neuartiges Ph\u00e4nomen sind, sondern schon zu Zeiten Karl Marx\u00b4 existierten. Die Feststellung zunehmender Komplexit\u00e4t k\u00f6nnte man auch als Binsenweisheit abkanzeln. Auf keinen Fall sollte sie uns dazu verleiten, Abstand zu nehmen von der Auffassung der Existenz antagonistisch gegen\u00fcberstehender Klassen \u2013 so vielf\u00e4ltig diese im Einzelnen auch ausgestaltet sein m\u00f6gen. Schleierhaft ist uns, welche Schlussfolgerung Viel zu Viel Arbeit aus ihren Gedankenexperimenten bez\u00fcglich der Begriffsbestimmung der \u201eArbeiterklasse\u201c eigentlich ziehen will und wie eine daraus abgeleitete Praxis ihrer Meinung nach aussehen sollte.<br \/>\nUnabh\u00e4ngig davon, dass die Begriffser\u00f6rterung der Gruppe Viel zu viel Arbeit mit der Realit\u00e4t wenig zu tun hat, l\u00e4sst sich, \u201e[w]er im strukturellen Sinn zu welcher Klasse geh\u00f6rt, [&#8230;] auch nicht durch formelle Eigenschaften bestimmen, wie etwa die Existenz eines Lohnarbeitsverh\u00e4ltnisses, sondern nur durch die Stellung innerhalb des Produktionsprozesses. [&#8230;] Der Vorstandsvorsitzende einer Aktiengesellschaft mag formell ein Lohnarbeiter sein, tats\u00e4chlich ist er \u201afungierender Kapitalist\u2018, er verf\u00fcgt \u00fcber Kapital (auch wenn es nicht sein Eigentum ist), organisiert die Ausbeutung und seine \u201aBezahlung\u2018 richtet sich nicht am Wert seiner Arbeitskraft aus sondern am Mehrwert.\u201c[7]<br \/>\nEin Vorstandsvorsitzender macht seine Arbeit eben \u201eerst dann optimal, wenn sein Einkommen mit dem Gewinn steigt oder \u2013 noch besser \u2013 mit diesem teilidentisch ist. Soll hei\u00dfen, er mu\u00df so viel verdienen, da\u00df er das gar nicht alles selbst verbrauchen kann. Damit wird er in der Regel seinerseits zum Aktion\u00e4r.\u201c[8]<br \/>\nWir widersprechen au\u00dferdem dem Vorwurf der schwammigen Verwendung des Begriffs der \u201eB\u00fcrgerlichkeit\u201c. Wir verweisen in unserem Text ausdr\u00fccklich darauf, dass \u201e[e]in Begriff wie \u201ab\u00fcrgerlich\u2018 [..] der Bestimmung des Klassenstandorts UND des Klassenstandpunktes, und nichts anderem [im Original nicht hervorgehoben; ALFR]\u201c[9] dient. Wir sprechen also an dieser Stelle von zweierlei: \u201eb\u00fcrgerlich\u201c als sozio\u00f6konomische Zustandsbeschreibung, aber auch als politische Standpunktbestimmung. Unser Positionspapier zieht also sehr wohl die M\u00f6glichkeit in Betracht, dass Arbeiter b\u00fcrgerliche Wertvorstellungen vertreten.<br \/>\nWir sind sogar \u00fcberzeugt, dass die Arbeiter dies derzeit in hohem Ma\u00dfe tun. Das ist uns offensichtlich weitaus bewusster als den Leuten, die st\u00e4ndig zur Best\u00e4tigung ihrer antigewerkschaftlichen Ideologie die vorgebliche Spontanit\u00e4t der Massen herbeireden, und in diesem Sinn die Gewerkschaften als die Kr\u00e4fte angreifen, die ein vorhandenes revolution\u00e4res Bewusstsein permanent in systemkonforme Bahnen lenken w\u00fcrden, wie das auch die Gruppe Viel zu viel Arbeit oder die FAU tun.[10] Wir machen uns da derzeit weniger Illusionen \u00fcber den Zustand der Klasse. Zuallererst ist die Wiedererweckung von Klassenbewusstsein eine, wenn nicht die zentrale Aufgabe der Linken, will sie denn wieder gesellschaftliche Wirksamkeit entfalten. Dar\u00fcber hinaus sei angemerkt, dass es wohl kaum einen Betrieb geben wird, in dem die klassenbewussten Kollegen diejenigen sind, die aus \u00dcberzeugung nicht Gewerkschaftsmitglieder sind \u2013 zu 99% d\u00fcrfte das Gegenteil der Fall sein.<\/p>\n<h6>Der DGB und die Rolle der Linken<\/h6>\n<p>So richtig wir finden, dass die Gruppe Viel zu viel Arbeit in ihrer Analyse die Zerfallserscheinungen der radikalen Linken zumindest nennt, so folgerichtig m\u00fcsste es sein, diese Zerfallserscheinungen nicht isoliert zu betrachten, sondern sie in den Kontext der aktuell allgemeinen Schw\u00e4che der Linken einzuordnen. Und: Eine Schw\u00e4che der Linken stellt sich immer auch als eine Schw\u00e4che der Gewerkschaften dar.<br \/>\nWenn deren Mitgliederzahlen stetig sinken, diese von einer Niederlage zur n\u00e4chsten schreiten, ein schlechter Tarifabschluss dem vorigen folgt und die Lohnentwicklung kaum der Preissteigerung folgt, ist das in erster Linie Ausdruck der fehlenden M\u00f6glichkeiten und Kraft der Gewerkschaften, nicht ihres fehlenden Willens. Wer die Gewerkschaften zu den Verantwortlichen dieser Entwicklung erkl\u00e4rt, verwechselt Ursache mit Wirkung. Daraus die Konsequenz zu ziehen, auf Gegnerschaft zum DGB zu gehen, ist verharmlosend gesagt wenig zielf\u00fchrend, zumal mangels einer relevanten Alternative eigentlich unverantwortlich.<br \/>\nDa die Gewerkschaften nach wie vor die Organisationen der abh\u00e4ngig Besch\u00e4ftigten in diesem Land sind, ist es alternativlos, sich in ihnen zu organisieren, sie als Kampffelder zu begreifen, in ihnen als revolution\u00e4re Linke zu arbeiten und den linken Teil innerhalb der Gewerkschaften zu st\u00e4rken bzw. zu bilden. Demzufolge ist es auch nur konsequent, am 1. Mai mit einem antikapitalistischen Block auf einer Gewerkschaftsdemonstration aufzutreten und die eigenen Positionen nach au\u00dfen zu tragen.<br \/>\nEin nicht irrelevanter innergewerkschaftlicher Linkstrend l\u00e4sst darauf schlie\u00dfen, dass eine solche Strategie nicht verkehrt ist. Dieser kommt auch darin zum Vorschein, dass mittlerweile einzelne DGB-Gewerkschaften, wie die IG BAU und ver.di, das politische Streikrecht auf der Ebene ihrer h\u00f6chsten Gremien zur Forderung erhoben haben. Diese Entwicklung darf angesichts der Tatsache, dass die Gewerkschaften \u00fcber Millionen von Mitgliedern verf\u00fcgen, in keiner Analyse revolution\u00e4rer Linker fehlen.<br \/>\nViel zu viel Arbeit erkl\u00e4rt demgegen\u00fcber die Selbstorganisation von k\u00e4mpfenden Arbeitern f\u00fcr relevanter und kommt damit nicht dar\u00fcber hinaus, im DGB verbissen ein Feindbild zu pflegen. Wir fragen uns, wieso die Gruppe Viel zu viel Arbeit es als Absurdit\u00e4t hinstellt, wenn sich revolution\u00e4re Linke an einer Gewerkschaftsdemonstration beteiligen \u2013 und zwar in Form eines explizit antikapitalistischen Blocks und unter einem B\u00fcndnisaufruf, den sicher auch die Gruppe Viel zu viel Arbeit mittragen k\u00f6nnte. Weil wir daran mitwirken wollen, dass die Linke st\u00e4rker wird, ziehen wir uns eben nicht in Szenenischen, in Inaktivit\u00e4t oder ins Private zur\u00fcck, sondern versuchen, linke Positionen in der \u00d6ffentlichkeit zu st\u00e4rken \u2013 wie zum Beispiel mit dem Antikapitalistischen Block auf der DGB-Demo. V\u00f6llig unverst\u00e4ndlich ist uns daher der Vorwurf von Viel zu viel Arbeit, wir h\u00e4tten \u201eein instrumentelles Verh\u00e4ltnis zu \u201aden Massen\u2018, die auf dem 1.-Mai-Fest des DGB abgefischt werden sollen.\u201c Wer sich, wie Viel zu Viel Arbeit schreibt, \u201eeine umfassende Ver\u00e4nderung der gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse \u2013 und von uns selbst \u2013 in einem umw\u00e4lzenden Prozess\u201c w\u00fcnscht und es ernst damit meint, kommt nicht an dem Wagnis vorbei, eine linke, antikapitalistische Perspektive in m\u00f6glichst breite Kreise der Gesellschaft zu propagieren \u2013 nicht nur, aber auch am 1. Mai. Wir stellen dar\u00fcber hinaus fest, dass eine solche Praxis auch bundesweit so \u00fcblich ist.<br \/>\nDie Gruppe Viel zu viel Arbeit schl\u00e4gt stattdessen alternative, aktionsrelevante Themen vor, mit denen sich eine Auseinandersetzung am 1. Mai ihrer Meinung nach gelohnt h\u00e4tte: \u201edie Abschiebepolitik der Stadt\/Landesregierung, die K\u00fcrzungspl\u00e4ne beim gr\u00f6\u00dften Arbeitgeber Uniklinik, die st\u00e4ndigen Mieterh\u00f6hungen\u201c. In ihrem Abgrenzungsbed\u00fcrfnis \u00fcbersieht die Gruppe Viel zu viel Arbeit freilich, dass alle diese von ihnen eingeforderten Themen in und um das sogenannte DGB-\u201eBierfest\u201c zur Geltung kamen: sowohl an den Infost\u00e4nden der zahlreichen politischen Initiativen als auch auf der B\u00fchne, wo beileibe nicht nur \u201eDGB-Funktion\u00e4re\u201c, wie Viel zu viel Arbeit behauptet, gesprochen haben. Dass auch wir uns nicht in allen Inhalten und Programmpunkten wiederfinden, l\u00e4sst sich aushalten, denn eine politische Praxis, die keinerlei Kompromisse eingehen kann, macht handlungsunf\u00e4hig.<\/p>\n<h6>Voluntarismus &amp; Fundamentalkritik<\/h6>\n<p>Die Erhebung der ideologisch motivierten antigewerkschaftlichen Postion zum Dogma sowie das Bestehen auf die radikalst m\u00f6gliche Position \u2013 scheinbar als Selbstzweck \u2013 verstellt der Gruppe Viel zu viel Arbeit den Blick auf tats\u00e4chliche Lebensrealit\u00e4ten und Vermittelbarkeit. Es ist dies der gleiche Radikalismus und Voluntarismus, f\u00fcr den Teile der Linksradikalen schon immer anf\u00e4llig waren: Derartige Positionierungen bringen die Gruppe Viel zu viel Arbeit ironischerweise nicht nur in ihrem Dogmatismus, sondern auch inhaltlich in eine sicher nicht intendierte N\u00e4he zu den K-Gruppen.[11]<br \/>\nArgumentativ wird die Fundamentalkritik am DGB und seinen Gewerkschaften im Papier von Viel zu viel Arbeit au\u00dferdem mit einigen Unsachlichkeiten untermauert. So ist es zum Beispiel nicht richtig, dass der DGB, wie Viel zu Viel Arbeit behauptet, \u201e[m]assenhafte Lohnsenkungen, l\u00e4ngere Arbeitszeiten, weniger K\u00fcndigungsschutz, Agenda 2010 und Hartz IV\u201c mittragen w\u00fcrde. Tats\u00e4chlich hat sich der DGB gegen alle diese Punkte ausgesprochen.[12] \u201eMittragen\u201c tut er lediglich indirekt, indem er keinen massenhaften Widerstand organisiert, was man ihm vorwerfen kann. Ob der DGB das nicht will oder nicht kann, oder wie es mit den innergewerkschaftlichen Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnissen tats\u00e4chlich bestellt ist, w\u00e4ren hingegen interessante Fragen. Bezogen auf dieses \u201eMittragen\u201c stellt die Gruppe Viel zu viel Arbeit die rhetorische Frage, was daraus folgen k\u00f6nne, \u201ewenn nicht eine Fundamentalkritik am DGB?\u201c Unser Vorschlag w\u00e4re: Zum Beispiel eine Fundamentalkritik an l\u00e4ngeren Arbeitszeiten, weniger K\u00fcndigungsschutz, Agenda 2010 und Hartz IV, die offensiv in den Gewerkschaften gest\u00e4rkt werden muss.<br \/>\nAls Kronzeugen f\u00fcr die notwendige Fundamentalkritik am DGB will Viel zu viel Arbeit auch die Arbeiter des Hamburger Verpackungsherstellers Neupack ins Feld f\u00fchren. Unseres Erachtens ist gerade dies beispielhaft f\u00fcr die von Viel zu viel Arbeit betriebene Ideologiebildung. So richtig die Kritik des Jour Fixe der Hamburger Gewerkschaftslinken (bei dem es sich \u00fcbrigens nicht wie der Name suggeriert um Gewerkschaftslinke handelt, sondern vielmehr um ein au\u00dfergewerkschaftliches syndikalistisches Netzwerk), deren Postion auch Viel zu viel Arbeit wiedergibt, am sozialpartnerschaftlichen Kurs der IG BCE und an den taktischen Fehlern der Streikf\u00fchrung ist, so falsch ist der Schluss, den beide daraus ziehen: <em>\u201eEin eigenst\u00e4ndiger, d.h. nicht von der IGBCE getragener Streik, h\u00e4tte aus vielerlei Gr\u00fcnden nicht einmal seinen ersten Tag \u00fcberstanden. Bei dieser von Armutsl\u00f6hnen gepr\u00e4gten Belegschaft gilt das schon allein aus finanziellen Gr\u00fcnden. Tats\u00e4chlich haben nur materielle Unterst\u00fctzungen, die die satzungsm\u00e4\u00dfigen Leistungen der IGBCE bis an die Grenze ausreizen, den Arbeitskampf erm\u00f6glicht.\u201c[13]<\/em><\/p>\n<p>Bemerkenswert an der Position der Gruppe Viel zu viel Arbeit wie auch anderer Linksradikaler finden wir ferner, dass nur den Gewerkschaften ihr Reformismus vorgeworfen wird. Die Solidarit\u00e4tsarbeit mit Fl\u00fcchtlingen, das Einfordern der Wiederherstellung des Asylrechts, die konkreten Versuche, Abschiebungen zu verhindern: All dies erntet \u2013 nat\u00fcrlich v\u00f6llig zu recht \u2013 breite Solidarit\u00e4t. Wobei bei Licht betrachtet all dies nichts weiter als blanker Reformismus ist. Allerdings kommt kein Linksradikaler auf die Idee, Zusammenh\u00e4nge wie Aktion Bleiberecht oder SAGA f\u00fcr diesen ihren Reformismus anzugreifen. Und das ist auch gut so, denn zu wichtig ist deren politische Arbeit.<\/p>\n<p><strong>Antifaschistische Linke Freiburg, Januar 2015<\/strong><\/p>\n<p><strong>Neuigkeiten und Informationen rund um den<\/strong><br \/>\n<strong> antikapitalistischen 1.Mai in Freiburg:<\/strong><br \/>\nwww.antifaschistische-linke.de<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.antifaschistische-linke.de\/wp-content\/uploads\/esgibtimmerzuvielarbeit.pdf\">(&#8222;Es gibt immer zu viel Arbeit&#8220; als .pdf Herunterladen)<\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"font-size: x-small;\">[1] Vgl. Antifaschistische Linke Freiburg (ALFR), Auf ein Neues &#8211; Auswertung des 1. Mai 2013 in Freiburg, 06.03.2014, online unter http:\/\/www.antifaschistische-linke.de\/?p=2816, abgerufen am 14.01.2015.<br \/>\n[2] Vgl. Antifaschistische Linke Freiburg (ALFR), Positionspapier der ALFR \u2013 Antifaschistischen Linke Freiburg zum Szenetreffen zur Wiederbelebung des rev. 1.Mai 2013 in Freiburg, Februar 2003, online unter http:\/\/www.antifaschistische-linke.de\/?p=1410, abgerufen am 05.11.2014.<br \/>\n[3] Vgl. Viel zu viel Arbeit, Identit\u00e4r vs. Reaktion\u00e4r vs. ALFR. Anmerkungen zum Positionspapier der Antifaschistischen Linken Freiburg zum 1. Mai, in: trend onlinezeitung 05-2013 unter http:\/\/www.trend.infopartisan.net\/trd0513\/t010513.html, abgerufen am 04.11.2014. Aus Gr\u00fcnden besserer Lesbarkeit wird sich im Folgenden, wenn nicht anders gekennzeichnet, auf diesen Text bezogen.<br \/>\n[4] Vgl. Antifaschistische Linke Freiburg (ALFR), Selbstverst\u00e4ndnis der Antifaschistischen Linken Freiburg (ALFR). Wer wir sind und was wir wollen, Freiburg im Breisgau 2009, S. 2- 20, online unter http:\/\/www.antifaschistische-linke.de\/PDF\/ueberuns.pdf, abgerufen am 04.11.2014.<br \/>\n[5] Vgl. Kurz, Robert, Auf der Suche nach dem verlorenen sozialistischen Ziel. Manifest f\u00fcr die Erneuerung revolution\u00e4rer Theorie, hrsg. v. Initiative Marxistische Kritik (IMK), Erlangen 1988, S. 91- 92, online unter http:\/\/www.exit-online.org\/link.php?tabelle=buecher&amp;posnr=7, abgerufen am 04.11.2014.<br \/>\n[6] Exemplarisch: vgl. DIW-Studie. Reiche werden reicher, Arme werden mehr, in: Zeit Online am 24.04.2014 unter http:\/\/www.zeit.de\/wirtschaft\/2014-02\/diw-studie-vermoegensverteilung-deutschland, abgerufen am 11.11.2014; vgl. aar, Studie: Ein Prozent der Menschheit besitzt H\u00e4lfte des weltweiten Reichtums, in: SPON am 20.01.2014 unter http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/oxfam-studie-kluft-zwischen-armen-und-reichen-waechst-a-944474.html, abgerufen am 11.11.2014.<br \/>\n[7] Heinrich, Michael, Kritik der politischen \u00d6konomie. Eine Einf\u00fchrung, Stuttgart 32005 (Theorie.org), S. 195; online unter Heinrich, Michael, Klassen, Klassenkampf und Geschichtsdeterminismus, in: Trend Onlinezeitung 01\/05 unter http:\/\/www.trend.infopartisan.net\/trd0105\/t080105.html, abgerufen am 11.11.2014; \u00c4u\u00dferst lesenswert in diesem Zusammenhang \u2013 der Frage nach konkurrierenden Konstellationen innerhalb des Kapitallagers, konkret zwischen Managern als \u201efungierenden Kapitalisten\u201c gegen\u00fcber Anteilseignern \u2013 ist ein polemischer Beitrag Georg F\u00fclberths aus der Konkret vor dem Hintergrund der Debatte um das Ma\u00df von Manager-Geh\u00e4ltern: vgl. F\u00fclberth, Georg, Zweiklassenkampf. Wer hat warum den ehemaligen Postchef Zumwinkel enttarnt?, in: Konkret. Politik &amp; Kultur 52. Heft 04\/April 2008, S. 26, online unter http:\/\/www.konkret-verlage.de\/kvv\/txt.php?text=zweiklassenkampf&amp;jahr=2008&amp;mon=04, abgerufen am 11.11.2014.<br \/>\n[8] F\u00fclberth, a.a.O., S. 26.<br \/>\n[9] Vgl. ALFR, Positionspapier, a.a.O.<br \/>\n[10] Exemplarisch: vgl. FAU IAA, Prinzipienerkl\u00e4rung der Freien Arbeiterinnen- und Arbeiter-Union FAU IAA. Internet-Edition, Leipzig 2006, S. 11, online unter http:\/\/www.fau.org\/ueber_uns\/prinzipienerklaerung_web-2006.pdf, abgerufen am 16.12.2014.<br \/>\n[11] So hei\u00dft es etwa im recht aktuellen programmatischen Selbstverst\u00e4ndnis des Kommunistischen Aufbau: \u201eDie DGB-Gewerkschaften und andere gelbe Gewerkschaften k\u00f6nnen nicht erobert werden, sondern m\u00fcssen im Prozess der Revolution zerschlagen werden. Stattdessen muss eine klassenk\u00e4mpferische ArbeiterInnenbewegung aufgebaut werden\u201c: Kommunistischer Aufbau, Programmatisches Selbstverst\u00e4ndnis von \u2018Kommunistischer Aufbau\u2019, in: Kommunistischer Aufbau, Ein Gespenst kehrt zur\u00fcck&#8230; Kommunistische Partei im 21. Jahrhundert, keine Ortsangabe 2014, S. 26- 28, S. 27; online unter http:\/\/komaufbau.org\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/Ein_Gespenst_kehrt_zurueck-Kommunistische_Partei_im_21._Jahrhundert.pdf [abgerufen am 06.11.2014]; vgl. Kommunistischer Aufbau, Ein Gespenst kehrt zur\u00fcck&#8230; Kommunistische Partei im 21. Jahrhundert, keine Ortsangabe 2014, S. 6; vgl. ebd, S. 8- 9; vgl. ebd, S. 19; online unter http:\/\/komaufbau.org\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/Ein_Gespenst_kehrt_zurueck-Kommunistische_Partei_im_21._Jahrhundert.pdf [abgerufen am 06.11.2014].<br \/>\n[12] Exemplarisch: vgl. Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB), Agenda 2010 hat Spaltung der Gesellschaft vorangetrieben, Pressemitteilung 038 vom 13.03.2008, online unter http:\/\/www.dgb.de\/presse\/++co++457f6bd4-155f-11df-4ca9-00093d10fae2, abgerufen am 11.11.2014.<br \/>\n[13] Humburg, Harald, Mehr als 8 Monate Arbeitskampf bei Neupack. Prek\u00e4r Besch\u00e4ftigte wehren sich. Erfahrungen, Schlussfolgerungen, Lehren \u2013 ein erster Versuch. Stand August 2013, online unter http:\/\/www.labournet.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Neupack-Humburg.pdf, S. 6. <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr eine solidarische\u00a0 Gesellschaft k\u00e4mpfen! Bei uns bleibt nichts liegen. Und der n\u00e4chste 1. Mai kommt bestimmt! 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