{"id":3996,"date":"2015-03-30T22:31:51","date_gmt":"2015-03-30T20:31:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.antifaschistische-linke.de\/?p=3996"},"modified":"2015-04-03T19:53:08","modified_gmt":"2015-04-03T17:53:08","slug":"erinnern-heisst-handeln-aufruf-zum-antikapitalistischen-block-2015","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.antifaschistische-linke.de\/?p=3996","title":{"rendered":"Erinnern hei\u00dft Handeln! Aufruf zum Antikapitalistischen Block 2015"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.antifaschistische-linke.de\/wp-content\/uploads\/header_fertig.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\" wp-image-3998 alignleft\" src=\"http:\/\/www.antifaschistische-linke.de\/wp-content\/uploads\/header_fertig.jpg\" alt=\"header_fertig\" width=\"540\" height=\"114\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Antikapitalistischer Block auf der 1.Mai-Demonstration<\/strong><br \/>\nTreffpunkt 10.30 Uhr | St\u00fchlinger Kirchplatz<br \/>\nbeim Stand vom <a href=\"http:\/\/liz-freiburg.org\">Linken Zentrum Freiburg <em>\u00a1adelante!<\/em><\/a><\/p>\n<p><strong>Erinnern hei\u00dft Handeln!<\/strong><br \/>\n<strong>Damals wie heute: Gemeinsam gegen Faschismus, Krieg und Reaktion!<\/strong><\/p>\n<p><em>Krieg in der Ukraine und Syrien, autorit\u00e4re Sparpolitik und die sich versch\u00e4rfenden Klassenk\u00e4mpfe in S\u00fcdeuropa, der Wahlsieg Syrizas in Griechenland, der wegweisende Aufbruch in Rojava, eine immer autorit\u00e4rer werdende Gesetzgebung in der T\u00fcrkei und neuerdings auch in Spanien, die Festung Europa, rechte Massenmobilisierungen und Wahlerfolge in der BRD, staatliche Unterst\u00fctzung f\u00fcr die faschistische M\u00f6rderbande des NSU, Waffenlieferungen an reaktion\u00e4re Regime in vom Westen erst destabilisierten Krisenregionen, die Durchsetzung von Freihandelsabkommen und immer aggressiver auftretende Imperialismen verdeutlichen: an relevanten Themen, mit denen man sich dieses Jahr anl\u00e4sslich des 1. Mai auseinandersetzen k\u00f6nnte, mangelt es wahrlich nicht. Allzu offensichtlich befindet sich der Kapitalismus in der Krise, allzu offensichtlich produziert er bei seinen Versuchen der Krisenbew\u00e4ltigung immer neue, gewaltigere Krisen, allzu offensichtlich tr\u00e4gt die Krise zu einem Erstarken reaktion\u00e4rer und faschistischer Kr\u00e4fte in weiten Teilen Europas bei.<\/em><\/p>\n<p><strong>Die Geschichte lehrt uns: Erinnern hei\u00dft Handeln!<\/strong><br \/>\nDennoch stellen wir den Tag unserer Klasse dieses Jahr nicht in den direkten Zusammenhang mit diesen Entwicklungen, sondern unter das Zeichen des Erinnerns. Mit Erinnern meinen wir dabei weder ein moralgetr\u00e4nktes Ritual noch die Besch\u00e4ftigung mit Geschichte im Sinne der b\u00fcrgerlichen Wissenschaft: Erinnern ist f\u00fcr uns immer die Aneignung und Verteidigung unserer Geschichte. Erinnern hei\u00dft f\u00fcr uns immer auch k\u00e4mpfen. Dies bedeutet nicht nur, dass uns unsere Geschichte antreibt, motiviert und uns Verpflichtung ist, sondern auch, dass wir als Linke um die Deutungshoheit unserer Geschichte k\u00e4mpfen m\u00fcssen. Und genau auf diesem Gebiet sehen wir gravierende Entwicklungen im Gange.<\/p>\n<p>Dass sich 2015 die Befreiung von Auschwitz durch die Rote Armee, das Ende des Zweiten Weltkriegs, die Befreiung Europas vom Faschismus sowie eine ganze Reihe weiterer Ereignisse, die f\u00fcr das kollektive Ged\u00e4chtnis der Linken wichtige Bezugspunkte bilden m\u00fcssen, zum 70. Mal j\u00e4hren, ist dabei f\u00fcr uns weniger entscheidend als die Massivit\u00e4t des gegenw\u00e4rtigen allumfassenden geschichtspolitischen Angriffs von rechts. Denn diesem k\u00f6nnen sich bald keine Zeitzeugen mehr in den Weg stellen und seine Wirkungsmacht reicht bis in die Linke hinein. Wenn zum Beispiel f\u00fcr die Geschichte des Deutschen Faschismus auf der einen Seite G\u00f6tz Aly bis weit in die alternative Szene zum Stichwortgeber wird oder Guido Knopp \u201euns Deutschen\u201c ein Geschichtsbild auf den Leib schneidert, das von \u00f6konomischen Strukturen, Profiteuren und Verantwortung der Eliten, aber auch vom Widerstand der Arbeiterbewegung nichts wissen will, ist es h\u00f6chste Zeit zu intervenieren.<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p><strong>Geschichte wird gemacht<\/strong><br \/>\n&#8222;Die Gedanken der herrschenden Klasse sind in jeder Epoche die herrschenden Gedanken, d.h. die Klasse, welche die herrschende materielle Macht der Gesellschaft ist, ist zugleich ihre herrschende geistige Macht.&#8220; &#8211; Karl Marx\/ Friedrich Engels: Die deutsche Ideologie (1846)<\/p>\n<p>Man kommt nicht umhin, festzustellen, dass die geistig-moralische Wende, die Helmut Kohl 1980 propagiert hatte, weitgehend abgeschlossen ist. Unter diesem Schlagwort sollte der St\u00e4rkung der Linken, die in Folge der Ereignisse um 1968 eingetreten war, ein konservativer geschichtspolitischer Rollback entgegengesetzt werden, und in diesem Sinn auch wieder ein nationaleres Geschichtsbild geformt werden. Zur St\u00e4rkung der au\u00dfenpolitischen Rolle der BRD, um eine Partnerschaft mit dem Westen auf Augenh\u00f6he zu erreichen, bedurfte es der L\u00f6sung der BRD aus ihrer \u201edem\u00fctigen\u201c Rolle, die sie nach 1945 angenommen habe. Notwendig einher ging damit die Relativierung der Schrecken des Zweiten Weltkriegs und des faschistischen Massenmordes.<\/p>\n<p>Wie tiefgreifend und erfolgreich dieser geschichtspolitische Angriff war, ist heute \u00fcberall mit H\u00e4nden zu greifen. Etwa wenn gr\u00fcne Politiker Kriege nicht trotz, sondern gerade wegen Auschwitz f\u00fchren wollen; wenn der neurechte \u201eVerfassungssch\u00fctzer\u201c Eckhard Jesse anl\u00e4sslich des Jahrestags der nach Gurs deportierten Juden in der Freiburger Universit\u00e4t \u00fcber den \u201eweichen Extremismus\u201c der Linkspartei spricht; wenn wir uns die doppelte Unversch\u00e4mtheit anh\u00f6ren m\u00fcssen, dass das KZ Buchenwald \u201e1945 in die Unfreiheit befreit\u201c wurde; wenn es normal geworden ist, das Nazi-Regime und die DDR als die \u201ebeiden deutschen Diktaturen\u201c zu bezeichnen.<br \/>\nDoch verwundern braucht uns diese Geschichtsverdrehung nicht. Der Fortbestand eines (militanten) Antikommunismus, die Kontinuit\u00e4t faschistischer Funktion\u00e4re in den Institutionen nach 1945, die gezielte Ausrichtung deutscher Geheimdienste gegen die Linke oder heutzutage die Verstrickungen deutscher Beh\u00f6rden in den NSU-Komplex: all das beweist, wo der Staat steht. Und damit geht logischerweise einher, dass er und mit ihm die Profiteure dieses Gesellschaftssystems ein starkes Interesse an einer b\u00fcrgerlichen Deutungshoheit \u00fcber die Geschichte haben m\u00fcssen.<\/p>\n<p><strong>Unsere Geschichte aneignen!<\/strong><br \/>\nDass wir mit einer rechten Umdeutung der Geschichte, die sich oft hart an der Grenze zum Revisionismus befindet, in j\u00fcngster Vergangenheit noch st\u00e4rker konfrontiert werden, h\u00e4ngt mit zwei Punkten zusammen: zum einen k\u00f6nnen sich die Opfer des Faschismus nicht mehr gegen ihre Vereinnahmung wehren. Je weniger Menschen ihre moralische und politische Autorit\u00e4t als antifaschistische Widerstandsk\u00e4mpfer in die Waagschale der geschichtlichen Auseinandersetzung werfen k\u00f6nnen, desto mehr sind wir gefordert, unsere Geschichte lebendig zu halten. Dies beinhaltet die Einnahme eines Klassenstandpunkts auch im Ringen um die Geschichtsbilder. Auf die ebenso bewegende wie wortgewaltige Unterst\u00fctzung von Auschwitz-\u00dcberlebenden, die 1999 anl\u00e4sslich der ersten offenen milit\u00e4rischen Beteiligung Deutschlands an einem Angriffskrieg nach 1945 klar stellten, dass man Jugoslawien nicht in ihrem Namen bombardieren kann, werden wir in naher Zukunft nicht mehr z\u00e4hlen k\u00f6nnen.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eWir \u00dcberlebenden von Auschwitz und anderen Massenvernichtungslagern verurteilen den Mi\u00dfbrauch, den Sie und andere Politiker mit den Toten von Auschwitz, mit dem von Hitlerfaschisten im Namen der deutschen Herrenmenschen vorbereiteten und begangenen V\u00f6lkermord an Juden, Sinti und Roma und Slawen betreiben. Was Sie tun, ist eine aus Argumentationsnot f\u00fcr Ihre verh\u00e4ngnisvolle Politik geborene Verharmlosung des in der bisherigen Menschheitsgeschichte einmaligen Verbrechens. [&#8230;] Weltfrieden und internationale Sicherheit werden jetzt gef\u00e4hrdet, indem gegen ein Gr\u00fcndungsmitglied der UNO Krieg gef\u00fchrt wird, Krieg von deutschem Boden aus, Krieg gegen ein Land, das gr\u00f6\u00dfte Opfer im Kampf gegen Hitler erbrachte und Unsch\u00e4tzbares zur Befreiung Europas vom Faschismus leistete. Sich als Begr\u00fcndung f\u00fcr einen solchen Krieg auf Auschwitz zu berufen, ist infam.\u201c<\/p>\n<p>(Esther Bejarano, Peter Gingold, Kurt Goldstein, Walter Bloch, Henny Dreifu\u00df, G\u00fcnter H\u00e4nsel, Werner Stertzenbach)<\/p><\/blockquote>\n<p>Der zweite Grund, warum eine rechte Umdeutung der Geschichte gerade jetzt energischer auftritt, ist die Offenbarung der Krise des Kapitalismus mit dem Ausbruch der Finanzkrise 2008. Je offensichtlicher sich das Gerede von \u201eder Alternativlosigkeit des Kapitalismus\u201c und \u201edem Ende der Geschichte\u201c als falsch entpuppt, desto aggressiver wird versucht werden, Alternativen zu diskreditieren.<br \/>\n<strong><br \/>\nSo, wie es ist, wird es nicht bleiben!<\/strong><br \/>\nWas tun? Wie k\u00f6nnen wir uns gegen die Umdeutung unserer Geschichte wehren? Wir m\u00fcssen uns wieder ein lebendiges Geschichtsbild aneignen, das uns Motivation und Verpflichtung, Antrieb und Selbstbewusstsein in den tagespolitischen K\u00e4mpfen gibt. Eine der wichtigsten Aufgaben dabei ist das Niederrei\u00dfen des totalitarismustheoretischen Dogmas mit all seinen Auswirkungen \u2013 auf die Geschichtsschreibung von Faschismus, Krieg und Widerstand, aber auch auf die D\u00e4monisierung der Arbeiterbewegung und ihrer Staaten. Wir m\u00fcssen unsere Geschichte gegen Angriffe von rechts verteidigen. Und das tun wir am besten, wenn wir im Wissen um unsere Geschichte \u2013 all ihrer Verdienste und Errungenschaften, aber auch der Fehler und Niederlagen \u2013 voranschreiten und uns bewusst halten: So, wie es ist, wird es nicht bleiben! In diesem Sinn wollen wir auch dieses Jahr mit einem antikapitalistischen Block auf der traditionellen 1. Mai-Demonstration in Freiburg einen ersten Schritt tun, bei dem wir f\u00fcr eine Aneignung und Verteidigung der Geschichte der Linken, unserer Geschichte, eintreten.<\/p>\n<p><em>\u201eAber heute haben wir alle diese Erfahrung, heute muss jeder wissen was Faschismus bedeutet. F\u00fcr alle k\u00fcnftigen Generationen gibt es keine Entschuldigung, wenn sie den Faschismus nicht verhindern.\u201c<\/em> &#8211; Peter Gingold<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Antikapitalistischer Block auf der 1.Mai-Demonstration Treffpunkt 10.30 Uhr | St\u00fchlinger Kirchplatz beim Stand vom Linken Zentrum Freiburg \u00a1adelante! 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