{"id":509,"date":"2009-03-18T10:38:21","date_gmt":"2009-03-18T08:38:21","guid":{"rendered":"http:\/\/alfr.blogsport.de\/?p=509"},"modified":"2009-03-18T10:38:21","modified_gmt":"2009-03-18T08:38:21","slug":"die-geschichte-der-antifaschistischen-aktion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.antifaschistische-linke.de\/?p=509","title":{"rendered":"Die Geschichte der Antifaschistischen Aktion"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.antifaschistische-linke.de\/Bilder\/antifa-logo-historisch.png\" align=\"left\" width=\"120\" alt=\"Antifaschistische Aktion\" \/>Im folgenden geht es um die Entstehung der Antifaschistischen Aktion von 1932. Um zu verstehen, wie es zur Gr\u00fcndung dieser Initiative kam, ist es notwendig, die geschichtliche Entwicklung zu betrachten, aus der diese Bewegung entstanden ist. Entscheidend f\u00fcr die Politik und organisatorische Gestaltung waren sowohl die Erfahrungen der Kampforganisationen kommunistischer als auch sozialdemokratischer ArbeiterInnen. Dar\u00fcberhinaus spielten die Erfahrungen und Niederlagen der revolution\u00e4ren Aufst\u00e4nde innerhalb des Deutschen Reiches und Weimar seit 1918 eine Rolle.<\/p>\n<p>Im folgenden wird deshalb kurz dargestellt, welche Aufst\u00e4nde es gegeben hat, um dann zur Suche nach Fehlern und fortschrittlichen Ans\u00e4tzen innerhalb der Antifaschistischen Aktion zu kommen. Um zu begreifen, welche Unzul\u00e4nglichkeiten dazu f\u00fchrten, da\u00df auch ein alles in allem positiv zu bewertender Ansatz linker Kr\u00e4fte &#8211; wie die Antifaschistische Aktion &#8211; nicht vermochte, faschistische Tendenzen innerhalb der Weimarer Republik und letztlich den Faschismus umgreifend zu bek\u00e4mpfen oder aufzuhalten, ist ein Verst\u00e4ndnis des geschichtlichen Hintergrundes unabdingbar.<!--more--><\/p>\n<p><a href=\"#1\">Der 9. November 1918<\/a><br \/>\n<a href=\"#2\">Vaterland statt Klassenkampf<\/a><br \/>\n<a href=\"#3\">Der 9. November -Revolution und &#8222;Dolchsto\u00df&#8220;<\/a><br \/>\n<a href=\"#4\">Die Rolle der SPD<\/a><br \/>\n<a href=\"#5\">Bewaffnete Aufst\u00e4nde<\/a><br \/>\n    <a href=\"#6\">&#8211;Freikorps<\/a><br \/>\n    <a href=\"#7\">&#8211;Berlin 1919<\/a><br \/>\n    <a href=\"#8\">&#8211;Fr\u00fchjahr 1919<\/a><br \/>\n<a href=\"#9\">Der Kapp-L\u00fcttwitz-Putsch 1920<\/a><br \/>\n    <a href=\"#10\">&#8211;Generalstreik als Waffe gegen den Putsch<\/a><br \/>\n<a href=\"#11\">Fortschritt oder Reaktion 1921-1923<\/a><br \/>\n    <a href=\"#12\">&#8211;Mitteldeutscher Aufstand<\/a><br \/>\n    <a href=\"#13\">&#8211;Der Rathenaumord und die erste antifaschistische Einheitsfront<\/a><br \/>\n    <a href=\"#14\">&#8211;1923<\/a><br \/>\n    <a href=\"#15\">&#8211;Eine andere Seite<\/a><br \/>\n<a href=\"#16\">Zeit der Konsolidierung<\/a><br \/>\n    <a href=\"#17\">&#8211;Politik der Kommunistischen Internationale<\/a><br \/>\n    <a href=\"#18\">&#8211;&#8222;Abweichler&#8220; und &#8222;Vers\u00f6hnler&#8220;<\/a><br \/>\n    <a href=\"#19\">&#8211;Analyse contra Einheitspolitik<\/a><br \/>\n    <a href=\"#20\">&#8211;Die Sozialfaschismusthese<\/a><br \/>\n    <a href=\"#21\">&#8211;Warum Wehrverb\u00e4nde?<\/a><br \/>\n<a href=\"#22\">SPD-nahe Organisationen<\/a><br \/>\n    <a href=\"#23\">&#8211;Das Reichbanner Schwarz-Rot-Gold<\/a><br \/>\n    <a href=\"#24\">&#8211;Die Eiserne Front<\/a><br \/>\n<a href=\"#25\">KPD-nahe Organisationen<\/a><br \/>\n    <a href=\"#26\">&#8211;Proletarische Hundertschaften &#8211; Vorl\u00e4ufer des RFB<\/a><br \/>\n    <a href=\"#27\">&#8211;Die Gr\u00fcndung des Roten Frontk\u00e4mpferbundes (RFB)<\/a><br \/>\n<a href=\"#28\">Exkurs zu den Unterorganisationen des RFB<\/a><br \/>\n    <a href=\"#29\">&#8211;Roter Jungsturm (RJ)<\/a><br \/>\n    <a href=\"#30\">&#8211;Die Rote Marine<\/a><br \/>\n    <a href=\"#31\">&#8211;Der Rote Frauen- und M\u00e4dchenbund (RFMB)<\/a><br \/>\n<a href=\"#32\">Einheitsfrontbestrebungen anhand der F\u00fcrstenenteignungskampagne<\/a><br \/>\n<a href=\"#33\">Bilder der Stra\u00dfen<\/a><br \/>\n<a href=\"#34\">Das Ende von Weimar<\/a><br \/>\n    <a href=\"#35\">&#8211;Der Beginn der Weltwirtschaftskrise<\/a><br \/>\n    <a href=\"#36\">&#8211;Die parlamentarische Demokratie auf dem Weg zum Nationalsozialismus<\/a><br \/>\n    <a href=\"#37\">&#8211;Die hinhaltende SPD<\/a><br \/>\n<a href=\"#38\">Der Preu\u00dfenschlag<\/a><br \/>\n    <a href=\"#39\">&#8211;Zur Bedeutung Preu\u00dfens<\/a><br \/>\n    <a href=\"#40\">&#8211;Das Z\u00f6gern wird zur Ohnmacht<\/a><br \/>\n<a href=\"#41\">Zur\u00fcck zum Antifaschismus<\/a><br \/>\n    <a href=\"#42\">&#8211;Der Kampfbund gegen den Faschismus (KGF)<\/a><br \/>\n    <a href=\"#43\">&#8211;Die Antifaschistische Aktion<\/a><br \/>\n<a href=\"#44\">Roter Massenselbstschutz<\/a><br \/>\n    <a href=\"#45\">&#8211;Auseinandersetzungen<\/a><br \/>\n    <a href=\"#46\">&#8211;Verschiedene Ans\u00e4tze<\/a><br \/>\n<a href=\"#47\">Fazit<\/a><br \/>\n<a href=\"#48\">Einige Gr\u00fcnde des Scheiterns des antifaschistischen Widerstands<\/a><br \/>\n    <a href=\"#49\">&#8211;Anmerkungen zu inhaltlichen Schw\u00e4chen<\/a><br \/>\n    <a href=\"#50\">&#8211;Letzte Worte<\/a><\/p>\n<p><strong><a name=\"1\">Der 9. November 1918<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Der Krieg sollte nur wenige Wochen dauern, das jedenfalls war das Versprechen der deutschen kriegf\u00fchrenden Regierung beim Ausbruch des I. Weltkrieges im August 1914. Aus Monaten wurden Jahre, ohne da\u00df ein Ende des Krieges abzusehen war. Massenhafter Tod und unvorstellbares Elend lie\u00dfen die anf\u00e4ngliche nationale Kriegsbegeisterung schnell schwinden. Im besonderen die katastrophale Lebensmittelversorgung in Ballungsgebieten (St\u00e4dten, Industrieregionen) und an der Front hatte die Bev\u00f6lkerung und einen Teil der Soldaten mehr und mehr gegen den Krieg eingenommen.<\/p>\n<p>Mit Kriegsbeginn wurde \u00fcber jede deutsche Provinz der Belagerungszustand verh\u00e4ngt, zur Steigerung und Aufrechterhaltung der Produktion auch w\u00e4hrend des Krieges und zur Vermeidung von Streiks und Unruhen wurden Arbeitsschutzgesetze aufgehoben.<\/p>\n<p>Die Militarisierung der Betriebe, die Einsetzung vonFrauen in die der R\u00fcstungsindustrie, die \u00dcberwachung und das Verbot mi\u00dfliebiger Versammlungen, die Einberufung &#8222;aufgefallener R\u00e4delsf\u00fchrer&#8220; zum Milit\u00e4r, Sicherheitshaft und kriegsrechtlich schnelle Verurteilung linker Kr\u00e4fte sowie eine scharfe Zensur \u00fcber alle Publikationen, waren die wichtigsten Instrumente, die der Staatsgewalt im Krieg zus\u00e4tzlich zur Verf\u00fcgung standen, um die Kriegsproduktion ideologisch und \u00f6konomisch aufrecht zu erhalten.<\/p>\n<p><strong><a name=\"2\">Vaterland statt Klassenkampf<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Die sozialdemokratische Reichtstagsfraktion hatte die zur Kriegsf\u00fchrung ben\u00f6tigten Kredite im August 1914 bewilligt (<em>\u00bbWir lassen in der Stunde der Gefahr das eigene Vaterland nicht im Stich\u00ab<\/em>) und trug w\u00e4hrend des Krieges mehrheitlich die obrigkeitstaatliche Politik (Verzicht auf Lohnforderungen und Streikma\u00dfnahmen, Zusammenarbeit mit Unternehmern und staatlichen Stellen).<\/p>\n<p>Sie hatte innenpolitisch &#8222;Burgfrieden&#8220; geschlossen mit den Nationalisten und Reaktion\u00e4ren und verzichtete bereitwillig auf eine grundlegende Konfrontation mit den \u00f6konomisch und politisch Herrschenden. Die revisionistischen Positionen, die unterschwellig schon vor Beginn des I. Weltkrieges die Politik der Sozialdemokratie und Gewerkschaften bestimmt hatten, beherrschten nunmehr offen ihre Politik.<\/p>\n<p>Je l\u00e4nger der Krieg jedoch andauerte, desto br\u00fcchiger wurde der Burgfrieden. Die Milit\u00e4rdiktatur im Innern des Landes, wachsende Not und Elend, zunehmender Vertrauensverlust der Bev\u00f6lkerung in die alten obrigkeitsstaatlichen Autorit\u00e4ten und eine wachsende Opposition innerhalb der traditionellen ArbeiterInnenorganisationen SPD und Gewerkschaften, dazu eine wachsende antimilitaristisch gepr\u00e4gte Kriegsm\u00fcdigkeit versch\u00e4rften die Spannungen im Gesellschaftsgef\u00fcge, vor allem zwischen den Klassen.<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund entstand eine politische oppositionelle Massenbewegung, die das Geschehen Ende 1918 entscheidend bestimmte.<\/p>\n<p><strong><a name=\"3\">Der 9. November -Revolution und &#8222;Dolchsto\u00df&#8220;<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Kam es im April 1917 schon zu einer Streikbewegung in der R\u00fcstungsindustrie und bereits im August 1917 zu einer Meuterei in der deutschen Flotte, blieben all diese Aktionen trotzdem bis dahin zun\u00e4chst erfolglos.<\/p>\n<p>Mit der Oktoberrevolution 1917 in Ru\u00dfland, dem Sieg der Revolution\u00e4rInnen \u00fcber das alte Zarenreich, bekamen die revolution\u00e4ren Kr\u00e4fte im Deutschen Reich einen entscheidenden Impuls.<\/p>\n<p>Als nach der gescheiterten deutschen Offensive vom Sommer 1918 die milit\u00e4rische Niederlage un\u00fcbersehbar bevorstand, vollzog die monarchistisch-nationalistische &#8222;Obere Heeresleitung&#8220; unter Generalfeldmarschall von Hindenburg und Ludendorff eine pl\u00f6tzliche Wende und forderte die Bildung einer parlamentarischen &#8211; auch von der SPD mitgetragenen &#8211; Reichsregierung als Voraussetzung f\u00fcr Waffenstillstandsverhandlungen. Mit diesem taktischen Schwenk wollten sich die reaktion\u00e4ren &#8211; mit ihrer Kriegspolitik gescheiterten &#8211; Milit\u00e4rs aus der Verantwortung f\u00fcr die Folgen des verlorengegangenen Krieges ziehen.<\/p>\n<p>Zugleich wurde damit der Grundstein f\u00fcr die &#8222;Dolchsto\u00dflegende&#8220; gelegt, welche die Entstehung der Weimarer Republik mit dem Makel republikanischen Kapitulantentums verband. F\u00fcr die reaktion\u00e4ren Kr\u00e4fte war der I. Weltkrieg nur deshalb verloren gegangen, weil die verha\u00dften &#8222;Sozialisten und Demokraten den deutschen Soldaten den Dolch in den R\u00fccken gerammt&#8220; hatten.<\/p>\n<p>Als Kaiser Wilhelm II. die Gesetze zur Einf\u00fchrung einer Parlamentarischen Monarchie unterschrieb, meuterten in Wilhelmshaven bereits Mannschaften gegen die Marineleitung, die zur &#8222;Ehrenrettung&#8220; der kaiserlichen Marine einen letzten und chancenlosen Flottenvorsto\u00df unternehmen lassen wollte.<\/p>\n<p>Die ersch\u00f6pften und kriegsm\u00fcden Matrosen verstanden dies als Kampfansage auf &#8222;ihre friedenswillige&#8220; Reichsregierung.<\/p>\n<p>Am 3. November 1918 erfolgte der Aufstand der Kieler Matrosen; Dockarbeiter schlossen sich dem Aufstand an und beschlossen den Generalstreik. Zwischen dem 4. und 9. November 1918 verbreitete sich der Aufstand \u00fcber ganz Deutschland. In vielen St\u00e4dten \u00fcbernahmen spontan gew\u00e4hlte Arbeiter- und Soldatenr\u00e4te die Kontrolle, so zum Beispiel in L\u00fcbeck, Hamburg, Bremen, Wilhelmshaven, Hannover, K\u00f6ln und vielen anderen St\u00e4dten.<\/p>\n<p><em>\u00bb\u00dcberall geschah wie auf stillschweigende Verabredung dasselbe: Die Soldaten der Garnisonen w\u00e4hlten Soldatenr\u00e4te, die Arbeiter w\u00e4hlten Arbeiterr\u00e4te, die Milit\u00e4rbeh\u00f6rden ergaben sich oder flohen. Die zivilen Beh\u00f6rden erkannten erschrocken und versch\u00fcchtert die neue Oberhoheit der Arbeiter- und Soldatenr\u00e4te an. Das \u00e4u\u00dfere Bild war \u00fcberall dasselbe: \u00dcberall gro\u00dfe Umz\u00fcge auf den Stra\u00dfen, gro\u00dfe Versammlungen auf den Marktpl\u00e4tzen (&#8230;). \u00dcberall wurden als erstes die politischen Gefangenen befreit, nach den Gef\u00e4ngnissen die Rath\u00e4user, die Bahnh\u00f6fe, die Generalkommandos, manchmal auch Zeitungsredaktionen besetzt.\u00ab<\/em><\/p>\n<p>(Sebastian Haffner, Die Verratene Revolution, M\u00fcnchen 1969)<\/p>\n<p>Der 9. November markiert das Ende des I.Weltkrieges; in der Nacht zum 10. November floh Kaiser Wilhelm II. \u00fcber Belgien nach Holland. Im Zuge der Revolution wurden verschiedene politische und soziale Errungenschaften wie der 8-Stundentag oder allgemeine (und Frauen-)Wahlrecht erk\u00e4mpft (zuvor 3-Klassen-Wahlrecht!).<\/p>\n<p><strong><a name=\"4\">Die Rolle der SPD<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Die Rolle der SPD l\u00e4\u00dft sich nur aus ihrer traditionellen Position als Vertreterin der revolution\u00e4ren ArbeiterInnenschaft verstehen.<\/p>\n<p>Die R\u00e4te als (spontan entstandene) radikaldemokratische Basisorganisationen waren nicht unmittelbar sozialistische oder spartakistisch\/kommunistische Organisationen.<\/p>\n<p>Die Streikbewegung, die sich Arbeiter- und Soldatenr\u00e4te als F\u00fchrungs- und Organisationsgremien schufen, waren mehrheitlich SozialdemokratInnen und glaubten sich eins mit ihrerParteif\u00fchrung im Willen um eine grundlegende, revolution\u00e4re Ver\u00e4nderung.<\/p>\n<p>Das Bewu\u00dftsein breiter Schichten der ArbeiterInnen, die die Revolution mittrugen, war auf die SPD fixiert. Einer Partei, die alles andere als die Revolution im Sinn hatte und die sich im Kern auch schon ordnungsgem\u00e4\u00df in das b\u00fcrgerliche Parteienspektrum eingegliedert hatte. (Ebert, Vorsitzender der SPD zu Prinz Max von Baden am 6. November 1918: <em>\u00bbWenn der Kaiser abdankt, ist die soziale Revolution unvermeidlich. Ich aber will sie nicht, ja ich hasse sie wie die S\u00fcnde.\u00ab<\/em>). Zwar stimmten die SozialdemokratInnen der staatsrechtlichen Stellung der R\u00e4te zu: <em>\u00bbDie politische Macht liegt in den H\u00e4nden der Arbeiter- und Soldatenr\u00e4te der deutschen sozialistischen Republik. Ihre Aufgabe ist es, die Errungenschaften der Revolution zu behaupten und auszubauen, sowie die Gegenrevolution niederzuhalten.\u00ab<\/em> Doch je mehr die R\u00e4te ihre Kompetenzen auszu\u00fcben versuchten, desto st\u00e4rker propagierte die SPD die Nutzlosigkeit der R\u00e4tevertretungen, da es inDeutschland ja eine &#8222;revolution\u00e4re Regierung&#8220; g\u00e4be. Sie war von Beginn an damit besch\u00e4ftigt, im B\u00fcndnis mit den alten gesellschaftlichen Kr\u00e4ften (Milit\u00e4r, Junkertum, Verwaltung) die revolution\u00e4re Bewegung &#8222;zur\u00fcckzurollen&#8220;.<\/p>\n<p>Auf dem Reichskongre\u00df der Arbeiter- und Soldatenr\u00e4te in Berlin im Zirkus Krone vom 16. bis 20. Dezember 1918 ging es um die Frage der Volksvertretung. Hier wurde die Entscheidung zwischen R\u00e4tesystem oder Nationalsversammlung (b\u00fcrgerlicher Demokratie) durch die Arbeiter- und Soldatenr\u00e4te gef\u00e4llt, die zun\u00e4chst mit dem &#8222;Rat der Volksbeauftragten&#8220; der SPD und USPD ihr Vertrauen aussprachen, im tr\u00fcgerischen Glauben daran, da\u00df ihren Forderungen nach Sozialisierung der Industrie, nachErgreifung aller Ma\u00dfnahmen zur Entwaffnung der konterrevolution\u00e4ren Truppen, nach Errichtung einer Volkswehr anstelle der Reichswehr u.a. unverz\u00fcglich Folge geleistet w\u00fcrde. Die Wahl der Nationalversammlung wurde auf den 19. Januar 1919 angesetzt. Damit hattensich bereits tendenziell die rechten F\u00fchrer der Sozialdemokratie durchgesetzt und noch im Jahre 1918 begann die blutige Niederschlagung revolution\u00e4rer Kr\u00e4fte unter F\u00fchrung der SPD, die mehr Opfer mit sich brachte als die Revolution selbst. (Angriff auf die Volksmarinedivision durch die Reichswehr in Berlin; 24. Dezember 1918).<\/p>\n<p>Doch am gestecktenZiel der SPD mit allen Mitteln, selbst gegen gro\u00dfe Teile der ArbeiterInnen, eine Nationalversammlung durchzusetzen, kam es zum Bruch mit der USPD. Die SPD verfolgte ihr Ziel unter anderem bereits zu dieser Zeit in B\u00fcndnissen mit reaktion\u00e4ren Kr\u00e4ften in Milit\u00e4r und Wirtschaft.<\/p>\n<p><strong><a name=\"5\">Bewaffnete Aufst\u00e4nde<\/a><\/strong><br \/>\n<strong><a name=\"6\">&#8211;Freikorps<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Oben bereits erw\u00e4hnt ist die Tatsache, da\u00df unter der F\u00fchrung der SPD rechte Freikorpsverb\u00e4nde gegen aufst\u00e4ndische Soldaten und streikende ArbeiterInnen eingesetzt wurden.<\/p>\n<p><em>\u00bbBereits seit Ende November\/ Anfang Dezember 1918 hatten kaiserliche Offiziere im Auftrag der OHL (oberste Heeresleitung, d.V.) in vielen Teilen Deutschlands der Reaktion ergebene Kr\u00e4fte zu konterrevolution\u00e4ren Formationen zusammengefa\u00dft, denen sie die von 1912\/13 bekannte und popul\u00e4re Bezeichnung &#8222;Freikorps&#8220; gaben. Die rekrutierten sich vorwiegend aus dem Offiziers- und Unteroffizierskorps der kaiserlichen Armee, aus Studentenkreisen, aus kleinb\u00fcrgerlich-b\u00e4uerischen Elementen sowie aus Randschichten der werkt\u00e4tigen Klassen. Politisch-ideologisch standen die Freikorps auf dem Boden eines militanten Antikommunismus und Chauvinismus mit starken monarchistischen Tendenzen. Gliederung, Bewaffnung, Ausr\u00fcstung und Ausbildung entsprachen ihrem B\u00fcrgerkriegsauftrag. Die Kommandogewalt der Offiziere war in ihnen wieder v\u00f6llig hergestellt. Gest\u00fctzt auf Geldmittel des Reiches sowie auf betr\u00e4chtliche finanzielle Zusch\u00fcsse von Konzernen und reaktion\u00e4ren Organisationen, konnten ihren Angeh\u00f6rigen einen hohen Sold zahlen.\u00ab<br \/>\n<\/em><br \/>\n(Dreetz\/Ge\u00dfner\/Sperling, Bewaffnete Aufst\u00e4nde inDeutschland 1918-1923, Milit\u00e4rverlag der DDR, 1988).<\/p>\n<p><strong><a name=\"7\">&#8211;Berlin 1919<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Noch vor den Wahlen zur Nationalversammlung wurden Schritte seitens der politischen F\u00fchrung eingeleitet, die auf die Bek\u00e4mpfung revolution\u00e4rer Errungenschaften schlie\u00dfen lie\u00dfen. So wurde der Berliner Polizeipr\u00e4sident Emil Eichorn, der als linker Vertreter der USPD galt, von der SPD aus dem Amt entfernt und steckbrieflich gesucht. Dies war Anla\u00df und Ausgangspunkt f\u00fcr die bewaffneten Auseinandersetzungen im Berliner Zeitungsviertel. Waren es zun\u00e4chst Demonstrationen f\u00fcr den Erhalt des fortschrittlichen Polizeipr\u00e4sidenten Eichorn und f\u00fcr Volksbewaffnung gewesen, m\u00fcndeten diese in dem Entschlu\u00df, notfalls bewaffnet gegen die Regierung vorzugehen und deren Absetzung zu fordern.<\/p>\n<p>Ab dem 4. Januar bis zum 12. Januar 1919 kam es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Revolution\u00e4rInnen und eingesetzten Freikorpsverb\u00e4nden. Verhielt sich die Reichswehr in Berlin anf\u00e4nglich weitesgehend neutral, ging die politische F\u00fchrung der SPD mit Noske (offiziell &#8222;Befehlshaber der regierungstreuen Truppen in und um Berlin&#8220;) mit den Worten <em>\u00bbMeinetwegen! einer mu\u00df der Bluthund werden, ich scheue die Verantwortung nicht.\u00ab<\/em>, in die Geschichte ein. Er erlies im Laufe der K\u00e4mpfe den Befehl, jedeN bewaffneteN ArbeiterIn zu erschie\u00dfen. Ihren H\u00f6hpunkt und Ende fanden die K\u00e4mpfe in denAuseinandersetzungen um das &#8222;Vorw\u00e4rts&#8220;-Verlags- und Druckhaus. (Die Zeitung &#8222;Vorw\u00e4rts&#8220; war das Organ der SPD).Die Tage der K\u00e4mpfe und die anschlie\u00dfenden Durchsuchungen nach Waffen, vor allem bei kommunistischen ArbeiterInnen kosteten mehreren hundert Revolution\u00e4rInnen das Leben. Im Zuge der Razzien und Festnahmen wurden am 15. Januar 1919 Rosa Luxemburg und Karl Leibknecht durch konterrevolution\u00e4re Truppen ermordet.<\/p>\n<p>Unter dem Eindruck der blutigen Niederschlagung der revolution\u00e4ren Soldaten und ArbeiterInnen fand am 19. Januar 1919 die Wahl zur Nationalversammlung statt. Als Sieger gingen die b\u00fcrgerlichen Parteien der Mitte unter F\u00fchrung der SPD (Ebert) hervor. Die am 1. Januar 1919 gegr\u00fcndete KPD beteiligte sich folgerichtig nicht an der Wahl zur Nationalversammlung, da sie f\u00fcr ein R\u00e4tesystem eintrat. So begann die Weimarer Republik auf dem Blut der Revolution\u00e4rInnen ihre Geschichte.<\/p>\n<p><strong><a name=\"8\">&#8211;Fr\u00fchjahr 1919<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Auch die Folgezeit der revolution\u00e4ren Erhebung vom 9. November 1918, das Fr\u00fchjahr 1919, war dadurch gekennzeichnet, da\u00df \u00fcber das gesamte DeutscheReich verteilt immer wieder Forderungen nach einer R\u00e4teregierung, einem sozialistischen System erhoben wurden. So kam es beispielsweise sowohl in Mitteldeutschland, um Halle als auch im Ruhrgebiet zu gro\u00dfen Massenstreiks, die die Wahl von Betriebs- und Arbeiter- und Soldatenr\u00e4ten forderten. Immer wieder wurden reaktion\u00e4re bewaffnete Freikorps und Reichswehr gegen die ArbeiterInnen eingesetzt. In Bremen und in M\u00fcnchen wurde der Versuch unternommen, eine R\u00e4teregierung zu errichten und durchzusetzen. \u00dcberdauerte die Bremer R\u00e4terepublik lediglich knapp zwei Wochen &#8211; sie wurde bereits am 6. Februar 1919 niedergeschlagen &#8211; konnte in M\u00fcnchen die R\u00e4terepublik l\u00e4nger \u00fcberleben (2 Phasen). Aber auch sie wurde nach einem Monat blutig niedergeschlagen und fand am 4. Mai 1919 ihr Ende. Beide R\u00e4terepubliken wurden auf Befehl aus Berlin von Reichswehrminister Noske (SPD) niedergeschlagen. Auch hier erging jeweils der Befehl, keine F\u00fchrerInnen der R\u00e4te lebend entkommen zu lassen.<\/p>\n<p><em>\u00bbVon Januar bis Mai 1919, mit Ausl\u00e4ufern bis in den Hochsommer hinein, tobte inDeutschland ein blutiger B\u00fcrgerkrieg, der tausende vonTodesopfern und uns\u00e4gliche Bitterkeit (unter den revolution\u00e4ren ArbeiterInnen, d. V.) hinterlie\u00df (&#8230;). \u00dcberall ging es nur um eins: um die Existenz der Arbeiter- und Soldatenr\u00e4te und damit um die Legitimit\u00e4t der Revolution. Noskes &#8222;St\u00e4dteeroberer&#8220;, General Maerker, hat das ganz offen ausgesprochen: &#8222;Im Kampf der Reichsregierung (unter Federf\u00fchrung der SPD, d.V.) handelte es sich ausschlie\u00dflich um die Erhaltung der politischen Macht. Zu diesem rein politischen Zweck wurde die Truppe eingesetzt: als Machtmittel zur Festigung der inneren Politik. Die Schw\u00e4che der Regierung gestattete es aber nicht, das offen zu sagen. Sie f\u00fcrchtete sich, Farbe zu bekennen, und zu erkl\u00e4ren, da\u00df die Freiwilligentruppe dazu diene, die R\u00e4teherrschaft zu beseitigen, wo sie noch bestand, denn darauf kam es letzten Endes an. Sie umging es, indem sie milit\u00e4rische Angelegenheiten zum Anla\u00df desEingreifens machte. Mir lag dieses unaufrichtige Verhalten keineswegs. Ich h\u00e4tte den Arbeiterf\u00fchrern gegen\u00fcber sicherer dagestanden, wenn ich offen h\u00e4tte erkl\u00e4ren k\u00f6nnen: Meine Anwesenheit bedeutet den Kampf gegen die von euch erstrebte R\u00e4teherrschaft und gegen die Gewaltherrschaft des bewaffneten Proletariats.&#8220;\u00ab<\/em><\/p>\n<p>(Sebastian Haffner, Die verratene Revolution, M\u00fcnchen 1969).<\/p>\n<p>Die Niederschlagung der M\u00fcnchener R\u00e4terepublik am 4. Mai 1919 steht als Ende der Novemberrevolution im Deutschen Reich. Haupts\u00e4chliche Ursachen f\u00fcr das Scheitern sind nicht nur in der milit\u00e4rischen Schw\u00e4che und der voneinander isoliert stattgefundenen Aufst\u00e4nde der Revolution\u00e4rInnen zu suchen. Politisch entscheidend war das Vertrauen des Gros der Basis in die F\u00fchrung der SPD, die es immer wieder verstand in den Verhandlungen (basis)demokratisch aufzutreten, aber parallel in Wirtschaft, Politik und Milit\u00e4r l\u00e4ngst mit den reaktion\u00e4ren Kr\u00e4ften ein B\u00fcndnis eingegangen war, um ihre machtpolitische Stellung als nun staatstragende Partei abzusichern.<\/p>\n<p>Zwar hatte sich der R\u00e4tegedanke &#8211; in Anlehnung der Oktoberrevolution 1917 in Ru\u00dfland -, der den politischen Ausdruck f\u00fcr die Errungenschaften der Revolution darstellte, gegen den rechten Fl\u00fcgel (F\u00fchrer) der Sozialdemokratie nicht durchsetzen k\u00f6nnen, dennoch kam es noch bis Ende 1923 immer wieder zu Erhebungen und Bestrebungen revolution\u00e4rer Kr\u00e4fte.<\/p>\n<p><strong><a name=\"9\">Der Kapp-L\u00fcttwitz-Putsch 1920<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Rechtsreaktion\u00e4re Kr\u00e4fte, bestehend aus Kreisen der Wirtschaft, adeligen Offizieren, sowie Vertretern aus dem deutschnationalen Parteienspektrum versuchten im M\u00e4rz des Jahres 1920 einen Putsch, um eine Milit\u00e4rdiktatur zu erzwingen. Die ersten Putschvorbereitungen wurden von einflu\u00dfreichen Kapitalisten ma\u00dfgebend unterst\u00fctzt, so z.B von Hugo Stinnes und Wolfgang Kapp, Gutsbesitzer, Direktor der ostpreu\u00dfischen Generallandschaft (einer \u00f6ffentlich rechtlichen Kreditanstalt).Er war desweiteren im Aufsichtsrat der DeutschenBank und im Hauptvorstand der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) t\u00e4tig und arbeitete Hand in Hand mit dem General der Infantrie,Walter Freiherr von L\u00fcttwitz.<\/p>\n<p><em>\u00bbVon Reusch, Krupp, Hugenberg, Stinnes, der Deutschen Bank, der Commerzbank, der Dresdner Bank, der Nationalbank und \u00e4hnlichen Kreisen finanziert, von der deutschnationalen und volksparteilichen F\u00fchrung unterst\u00fctzt, schufen sie eine Dachorganisation der Verschw\u00f6rer, die &#8222;Nationale Vereinigung&#8220;, mit Pabst, Ludendorff, L\u00fcttwitz und dem als Ultrachauvinisten bekannten antikommunistischen Gutsbesitzer Kapp an der Spitze, (&#8230;). Bereits Mitte September 1919 erlie\u00df L\u00fcttwitz, dem die republikanische Regierung (&#8230;) den h\u00f6chsten Offiziersposten (Befehlshaber des Reichswehrgruppenkommandos I) \u00fcberlassen hatte, einen &#8222;Vorbereitenden Befehl zur Unterdr\u00fcckung gr\u00f6\u00dferer Unruhen&#8220;, der zum &#8222;r\u00fccksichtslosen Gebrauch der Machtmittel&#8220; verpflichtete und durch &#8222;allgemeine Richtlinien f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Generalstreiks&#8220; erg\u00e4nzt wurde. W\u00e4hrend die Reaktion\u00e4re im ganzen Lande einen w\u00fcsten Propagandafeldzug gegen die Regierung starteten, entwarfen die Staatsstreichler im engsten Kreise eine Notstandsverfassung, deren Inhalt sich in einem Satz zusammenfassen l\u00e4\u00dft: Wer nicht pariert, wird arretiert.<\/p>\n<p>Die ultrachauvinistischen und verbissen antisowjetischen Verschw\u00f6rer rechneten sich nicht zuletzt deshalb eine Chance f\u00fcr ihr &#8222;Unternehmen&#8220; aus, weil sie die weltpolitische Situation f\u00fcr die Wiedererrichtung eines schwarzwei\u00dfroten Reiches f\u00fcr g\u00fcnstig hielten.\u00ab<\/em><\/p>\n<p>(Wolfgang Ruge,Weimar &#8211; Republik auf Zeit, S. 51; das europ\u00e4ische buch; Literaturvertrieb GmbH Westberlin, (c) 1969 by Deutscher Verlag der Wissenschaften Berlin, DDR).<\/p>\n<p>Am 13. M\u00e4rz 1920 wurde der Putsch \u00fcber Berlin ausgel\u00f6st. Kapp ernannte sich selbst zum Reichskanzler und preu\u00dfischen Ministerpr\u00e4sidenten. Friedrich Ebert, damaliger Reichspr\u00e4sident und fast alle Mitglieder der Regierung flohen erst nachDresden und dann nach Stuttgart, weil bekannt geworden war, da\u00df die Putschisten diese verhaften lassen wollten.<\/p>\n<p><strong><a name=\"10\">&#8211;Generalstreik als Waffe gegen den Putsch<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Zu dieser Zeit lebten etwa vier Millionen ArbeiterInnen im Ruhrgebiet. Viele waren im Bergarbeiterstreik von 1912, sowie in Streikk\u00e4mpfen des I. Weltkrieges und an der Novemberrevolution 1918 beteiligt gewesen. Deshalb war es nicht verwunderlich, da\u00df gerade diese Region an der Spitze des Kampfes gegen die rechten Putschisten stand. Der milit\u00e4rische Ausnahmezustand wurde per Verordnung \u00fcber die Regierungsbezirke Arnsberg, D\u00fcsseldorf, Minden und M\u00fcnster erlassen. Dagegen wuchs die Emp\u00f6rung zusehends. Die Vertreter der drei ArbeiterInnenparteien USPD, KPD,SPD verurteilten den Putsch und forderten geeint den Generalstreik, der am 14. M\u00e4rz 1920 mit einem gemeinsamen Aufruf eingeleitet wurde.<\/p>\n<p>Zwei Zielsetzungen charakterisierten die politischen Vorstellungen: Zum ersten die Erringung der politischen Macht auf der Grundlage des R\u00e4tesystems und zum zweiten die sofortige Sozialisierung vieler Betriebe. Es folgte der Generalstreik und Demonstrationen in Bochum, Duisburg, Essen, Hagen, Hamborn, Haspel, Unna und Wetter. Zur Verteidigung und Durchsetzung des Generalstreiks und der politischen Forderungen begannen sich die ArbeiterInnen zu bewaffnen.Sie schafften es innerhalb weniger Tage ca. 10000 M\u00e4nner und erstmalig auch einen gr\u00f6\u00dferen Anteil vonFrauen, in bewaffneten Verb\u00e4nden der Roten Ruhrarmee aufzustellen und ihre politische und milit\u00e4rische F\u00fchrung sowie die Versorgung der Arbeiterformationen weitgehend zu sichern. \u00c4hnliche Volkswehren wie die Rote Ruhrarmee waren die erste Volksarmee Th\u00fcringens, die Rote Vulkanarmee inStettin, die Rostocker ArbeiterInnenwehren und die Roten Garden in der Niederlausitz. In diesem, mehrere tausend ArbeiterInnen umfassenden Wehren, waren vorwiegend politisch organisierte ArbeiterInnen, die \u00fcber milit\u00e4rische Erfahrung noch aus dem I.Weltkrieg verf\u00fcgten. Sie entstanden auf Orts-, weniger auf Betriebsbasis. Mit dem Generalstreik war den Putschisten die \u00f6konomische und politische Basis entzogen worden und der Putsch war somit gescheitert.<\/p>\n<p>Nachdem die Putschisten abgesetzt waren, \u00fcbernahm die SPD wieder die politische F\u00fchrung.Die bewaffneten Ruhraufst\u00e4ndischen weigerten sich jedoch mehrheitlich die Waffen abzugeben und ihre politischenVorstellungen fanden in der Forderung nach einer R\u00e4teregierung ihren Ausdruck.<\/p>\n<p><em>\u00bbDie drei sozialistischen Parteien des Industriegebietes, die heute morgen zu einer Konferenz hier vereinigt waren, stellten sich einm\u00fctig auf den Standpunkt, da\u00df alle Kr\u00e4fte eingesetzt werden m\u00fcssen, um die Reaktion niederzuschlagen. (&#8230;) Wir verlangen sofortige Einstellung der Truppenbewegung, da wir sonst gezwungen sind, in berechtigter Abwehr zum Angriff zu schreiten, um zu verhindern, da\u00df zusammengezogene reaktion\u00e4re Truppenk\u00f6rper im Industriegebiet den wei\u00dfem Schrecken einf\u00fchren. (&#8230;).<\/p>\n<p>Im Gegensatz zu allen anderen Behauptungen erkl\u00e4ren wir, da\u00df im Industriegebiet gr\u00f6\u00dfte Ruhe und Ordnung herrscht und die Arbeit mit Ausnahme der unter Waffen stehenden Arbeiter voll aufgenommen wurde. Wir bitten sofortige Entscheidung zu treffen.\u00ab<\/em><\/p>\n<p>(Forderung der drei ArbeiterInnenparteien SPD, USPD und KPD des Industriegebietes an Reichspr\u00e4sident Ebert nachEinstellung des Vormarsches gegenrevolution\u00e4rer Truppen, Hagen, 21. M\u00e4rz 1920).<\/p>\n<p>Wieder spielte die SPD die Rolle, die sie schon w\u00e4hrend der Aufst\u00e4nde im November 1918 gespielt hatte. Unter Zusicherung, die rechten Freikorpsverb\u00e4nde nicht gegen die Revolution\u00e4rInnen einzusetzen, wurden die ArbeiterInnen dazu gebracht, ihre Waffen abzuliefern (Bielefelder Abkommen).<\/p>\n<p>Ihr Versprechen hielt die SPD, nicht die rechts-reaktion\u00e4ren Freikorps marschierten in das Ruhrgebiet ein, sondern die Reichswehr r\u00fcckte vor und metzelte die gr\u00f6\u00dftenteils entwaffneten ArbeiterInnen nieder. Allerdings waren die Freikorps kurzerhand in die Reichswehr als bezahlte S\u00f6ldner eingegliedert worden. So marschierten die gleichen reaktion\u00e4ren Freikorpsler nicht mit dem Totenkopf am Helm, sondern mit der Legitimation zum T\u00f6ten als Reichswehrler ein.<\/p>\n<p>Mehrere tausend ArbeiterInnen lie\u00dfen bei diesem Verrat der SPD ihr Leben (sofortige Erschie\u00dfungen, Folterungen durch die Truppen) und wurden zu Tausenden anschlie\u00dfend in die Gef\u00e4ngnisse geworfen. In einem Brief vom 2. April eines Mitgliedes des Freikorps der &#8222;Brigade Epp&#8220; an nationalistische Krankenschwestern hie\u00df es:<\/p>\n<p><em>\u00bbGestern Vormittag (&#8230;) kam ich zu meiner Kompanie, und nachmittags um 1 Uhr machten wir den ersten Sturm. Wenn ich Euch alles schreiben w\u00fcrde, da w\u00fcrdet ihr sagen, das sind L\u00fcgen. Pardon gibt es \u00fcberhaupt nicht. Selbst die Verwundeten erschie\u00dfen wir noch. Die Begeisterung ist gro\u00dfartig, fast unglaublich. Unser Batallion hat zwei Tote. Die Roten 200 bis 300.Alles, was und in die H\u00e4nde kommt, wird mit dem Gewehrkolben zuerst abgefertigt und dann mit der Kugel. Ich dachte w\u00e4hrend des ganzen Gefechts an Station A. Das kommt n\u00e4mlich daher, da\u00df wir auch zwei Rote-Kreuz-Schwestern sofort erschossen haben, von denen jede eine Pistole bei sich trug. Mit Freuden schossen wir auf diese Schandbilder, und wie sie geweint und gebeten haben, wir sollten ihnen das Leben lassen. Nichts! Wer mit der Waffe angetroffen wird, der ist unser Gegner und mu\u00df dran glauben. Gegen die Franzosen waren wir im Feld viel humaner.\u00ab<\/em><\/p>\n<p>(W. Ruge, s.o., S. 71. Quelle: MA, Nr. R 4454, Bl. 1 ff.).<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Revolution\u00e4rInnen teilweise bestialisch hingerichtet und abgeschlachtet wurden, konnten die rechten Putschisten vor allem in den Prozessen damit rechnen, mit Samthandschuhen angefa\u00dft zu werden. Von 705 amtlich bekanntgewordenen Straftaten der Rechten waren bis 1922 bereits 412 amnestiert, 176 Verfahren eingestellt, 109 durch Tod oder sonstige Gr\u00fcnde nicht weiter verfolgt, noch nicht erledigt 7 und bestraft sage und schreibe 1 Person.<\/p>\n<p>(Quelle: Walter Tolmein, Die Entstehung und Entwicklung der Weimarer Republik bis Eberts Tod, S. 110, Hannover 1973).<\/p>\n<p><strong><a name=\"11\">Fortschritt oder Reaktion 1921-1923<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Nach dem Versuch der Rechten unter F\u00fchrung von Kapp und L\u00fcttwitz einen Putsch zu wagen und dem anschlie\u00dfenden Generalstreik und dessen blutiger Niederschlagung unter politischer Verantwortung der SPD waren gro\u00dfe Teile der sich als revolution\u00e4r begreifenden Kr\u00e4fte ermordet worden oder sa\u00dfen in den Gef\u00e4ngnissen.Die Hoffnung der Errichtung einer Alternative &#8211; eines R\u00e4testaates &#8211; zur b\u00fcrgerlichen Demokratie der Weimarer Republik unter der politischen F\u00fchrung der b\u00fcrgerlichen Parteien im Pakt mit dem reaktion\u00e4ren Milit\u00e4rwesen und unter der Dirigentenschaft des nationalistischen Gro\u00dfkapitals der Gro\u00dfindustrie war zu diesem Zeitpunkt faktisch geschwunden. Nicht nur psychologisch und politisch auch praktisch waren die revolution\u00e4ren ArbeiterInnen weitesgehend entwaffnet.<\/p>\n<p>Nichtsdestotrotz waren nicht alle revolution\u00e4renVorstellungen innerhalb der Bev\u00f6lkerung verlorengegangen. So gab es in der WeimarerRepublik Gebiete, in denen fortschrittliche Kr\u00e4fte hohe Stimmenanteile gewinnen konnten. Zwar erstarkten die rechten deutschnationalen Kr\u00e4fte republikweit betrachtet immer mehr, jedoch hatten gerade in Industrieregionen die ArbeiterInnenparteien ein gro\u00dfe Anh\u00e4ngerInnenschaft.<\/p>\n<p><strong><a name=\"12\">&#8211;Mitteldeutscher Aufstand<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Im damaligen Mitteldeutschland (Merseburg, Halle, Leuna, Mansfelder Land) waren gr\u00f6\u00dfere Industriezweige ans\u00e4ssig, vor allem im Bereich der Chemie-, Metall-, und Bergbauindustrie. Die dort lebenden ArbeiterInnen waren nicht nur in der Novemberrevolution emanzipiert aufgetreten und hatten sich aktiv in die K\u00e4mpfe eingebracht, sondern auch w\u00e4hrend des Kapp-L\u00fcttwitz-Putsches wurde der Generalstreik und Gro\u00dfdemonstrationen durch diese ArbeiterInnen ma\u00dfgeblich vorangetrieben.<\/p>\n<p>Dieser Landstrich kann faktisch als Hochburg radikaler linker ArbeiterInnen betrachtet werden. Daraus ergab sich im Jahre 1921 eine folgenschwere Situation.<\/p>\n<p>Bei denWahlen zum Preu\u00dfischen Landtag am 20. Januar 1921 erzielte die kommunistische Partei vergleichsweise hohe Stimmenanteile. Allein die Zahlen imMansfelder Land machten deutlich, wie stark die Kommunistische Partei dort war:<\/p>\n<p>Die VKPD (Vereinigte Kommunistische Partei &#8211; Zusammenschlu\u00df linker USPD und der KPD) erhielt 33374 Stimmen, die USPD 4311 Stimmen, die SPD 9920 Stimmen, die DDP 5892 Stimmen, die Zentrumspartei 2504 Stimmen, die DVP 10402 Stimmen und die DNVP 15483 Stimmen.<\/p>\n<p>Die Zahlen zeigen nicht nur die St\u00e4rke der KommunistInnen, sondern verdeutlichen ebenfalls die immer st\u00e4rker werdende Polarisierung innerhalb der Gesellschaft, denn auch die Rechten hatten einen betr\u00e4chtlichen Stimmenanteil zu verzeichnen.<\/p>\n<p><em>\u00bbDiese Situation ist f\u00fcr den sozialdemokratischen Oberpr\u00e4sidenten (der Provinz Sachsen, d.V.) Otto H\u00f6rsing (sp\u00e4ter F\u00fchrer des Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, d.V.) Anla\u00df, eine Konferenz in Merseburg einzuberufen, an der Landr\u00e4te, Oberb\u00fcrgermeister, F\u00fchrer der Schutzpolizei, die Direktoren des Leunawerkes, des Mansfelder Kupferschieferbergbaus, der Mitteldeutschen Braunkohlekonzerne und die Gutsbesitzer der Umgebung teilnehmen. Es wird beschlossen, gegen das Mitteldeutsche Industriegebiet eine Polizeiaktion zur Herstellung der Staatsautorit\u00e4t&#8220; durchzuf\u00fchren.<\/em><\/p>\n<p>(Weimarer Republik, Hrsg: vom Kunstamt Kreuzberg und dem Institut f\u00fcr Theaterwissenschaften der Universit\u00e4t K\u00f6ln,<br \/>\nELEFANTENPRESS reg., S. 256).<\/p>\n<p>Diese Polizeiaktion wurde vorbereitet durch eine ungeheuerliche Pressehetze gegen radikale ArbeiterInnen, dessen propagandistische Kernaussage darin bestand, zu behaupten, da\u00df ein kommunistischer Putsch unmittelbar bevorstehe. Im M\u00e4rz 1921 wurde diese Polizeiaktion durchgef\u00fchrt. Das bedeutete Hausdurchsuchungen bei linken ArbeiterInnen, Verhaftungen sowie polizeiliche Kontrollen und \u00dcberwachung in den Betrieben.<\/p>\n<p>Die Antwort gro\u00dfer Teile der ArbeiterInnen waren nicht nur Streiks und Betriebsbesetzungen. Es kam von Mitte M\u00e4rz bis Ende M\u00e4rz zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen sich bewaffnenden ArbeiterInnen und der Polizei (teilweise auchReichswehr). Den H\u00f6hepunkt bildeten die Auseinandersetzungen um das Chemiewerk Leuna. Im Zusammenhang mit dem Mitteldeutschen Aufstand wurde der Name Max Hoelz bekannt. Dieser schaffte es innerhalb weniger Tage die gr\u00f6\u00dfte Gruppe bewaffneter ArbeiterInnen um sich zu scharen (etwa 1000 Menschen).<\/p>\n<p>Max Hoelz schrieb in seiner Biographie &#8222;Vom Wei\u00dfen Kreuz zur Roten Fahne&#8220;:<\/p>\n<p><em>\u00bbDer Aufstand der mitteldeutschen Arbeiter im M\u00e4rz 1921 war die unmittelbare Folge der Provokation H\u00f6rsings, der nach dem Prinzip handelte &#8222;Der Angriff ist die beste Parade!&#8220;.Er wu\u00dfte, da\u00df die mitteldeutsche Arbeiterschaft ihren revolution\u00e4ren Elan nicht eingeb\u00fc\u00dft hatte und da\u00df die g\u00e4hrende Unruhe bald zu Entladungen f\u00fchren mu\u00dfte. Deshalb kam er zuvor, schickte &#8211; angeblich um Werksdiebst\u00e4hle zu verhindern &#8211; seine bis an die Z\u00e4hne bewaffneten Sipos (Sicherheitspolizei, d. V.) in die mitteldeutschen Betriebe und Bergwerke. H\u00f6rsing provozierte die unterern\u00e4hrten und ausgemergelten Arbeiter dadurch, da\u00df er ihnen zumutete, unter Aufsicht der Polizei zu arbeiten.\u00ab<\/em><\/p>\n<p>Ende M\u00e4rz hatte sich die milit\u00e4rische Polizei\u00fcbermacht durchgesetzt. Auch dieser Aufstand forderte wieder einen hohen Blutzoll und Verhaftungen. Mehrere hundert Tote und \u00fcber 3000 Verhaftete waren zu verzeichnen.<\/p>\n<p>Kritisch bleibt auf Seiten (der F\u00fchrung) der Revolution\u00e4re anzumerken, da\u00df gerade aufgrund der seit 1918 immer wieder stattgefundenen bewaffneten Aufst\u00e4nde und des t\u00e4glichen Streikkampfes innerhalb der KPD eine Diskussion um den Sinn von bewaffneten Aufst\u00e4nden im Gange war. Von einigen KommunistInnen wurde die gesellschaftliche Situation so analysiert, da\u00df die Chance \u00fcber bewaffnete Aufst\u00e4nde unmittelbar eine sozialistische Republik zu errichten, zu dieser Zeit nicht bestehen w\u00fcrde. Mitten in diese Diskussionen platzte die Provokation H\u00f6rsings. Auf dr\u00e4ngen der Kommunistischen Internationale bef\u00fcrwortete die KPD den Provokationen H\u00f6rsings mit bewaffneten Aktionen zu begegnen. Hierbei mu\u00df kritisch gesehen werden, da\u00df die Kommunistische Internationale die Situation die gesamten 20er Jahre teilweise noch in den 30ern in Deutschland grunds\u00e4tzlich so bewertete, da\u00df die Entwicklung der kapitalistischen Demokratie in der Zwangsl\u00e4ufigkeit des Sieges der revolution\u00e4renArbeiterInnenschaft enden w\u00fcrde. D.h., zum einen wurde das Bewu\u00dftsein breiterArbeiterInnenschichten als revolution\u00e4r beurteilt, zum anderen die Zeit als reif f\u00fcr den Umsturz der Republik. Das dies eine fatale Einsch\u00e4tzung war, kann heute r\u00fcckblickend beurteilt werden.<\/p>\n<p><em>\u00bbDie Delegierten der KI dr\u00e4ngten die KPD-F\u00fchrung, diese Provokation mit dem bewaffneten Aufstand zu beantworten.<\/p>\n<p>Das Scheitern war total und seine Konsequenzen schwerwiegend. Von den 350000 Mitgliedern, die die Partei Ende 1920 z\u00e4hlte (nach ihrer Vereinigung mit der USPD), blieben im Sommer 1921 nur noch 180442 \u00fcbrig.\u00ab<\/em><\/p>\n<p>(Aufstieg und Untergang der KPD, Kommunistische Politik zwischen 1918 und 1935, Brosch\u00fcre der Ex-Nato-Gruppe, Fr\u00fchjahr 1989).<\/p>\n<p>Im Anschlu\u00df an den Mitteldeutschen Aufstand kam es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Teilen der KPD-F\u00fchrung und der Kommunistischen Internationale.<\/p>\n<p><strong><a name=\"13\">&#8211;Der Rathenaumord und die erste antifaschistische Einheitsfront<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Am 24. Juni 1922 wurde der damalige deutsche Au\u00dfenminister Walter Rathenau, Angeh\u00f6riger der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) durch ein Mitglied der ultrarechten, militaristischen &#8222;Organisation Konsul&#8220; ermordet.<\/p>\n<p>Anla\u00df und Ursache des Mordes an Rathenau war dessen Funktion als Au\u00dfenminister und seine Rolle im Zustandekommen des sogenannten Rapallovertrages. Eines politisch-wirtschaftlichen Abkommens mit der Sowjetunion, welches deren staatliche Souver\u00e4nit\u00e4t als erster sozialistischer Staat faktisch (international) anerkannte. Das wurde von den Rechten nat\u00fcrlich als Schlag ins Gesicht aufgefa\u00dft; nicht nur, da\u00df die &#8222;Novemberverbrecher&#8220; der Monarchie 1918 ein Ende gesetzt hatten, jetzt begannen selbst b\u00fcrgerliche Kreise mit dem &#8222;Bolschewismus zu paktieren&#8220;.<\/p>\n<p><em>\u00bbAn sich war der Rathenaumord nichts ungew\u00f6hnliches, wenn man so will, denn Morde an Sozialisten und Pazifisten hatte es vorher en gros gegeben, ohne da\u00df viel passierte. Gepaart nun auch mit faschistischen Akzenten, entsteht eine sehr breite Massenbewegung. Die Einheitsfrontaktionen, von der KPD damals durch B\u00fcndnisangebote eingeleitet, f\u00fchren zu riesigen Demonstrationen in allen Gro\u00dfst\u00e4dten. Mit dem wunderlichen Akzent, damals existierte neben der KPD noch die rechte USPD, und davon rechts die SPD, da\u00df nicht nur die drei Arbeiterparteien, und zwar gemeinsam, sondern auch die Deutsche Demokratische Partei zu Aktionen aufrufen, und nat\u00fcrlich die freien Gewerkschaften, und nat\u00fcrlich nicht die christlichen Gewerkschaften. Das ist also eine ungeheuer starke antifaschistische Welle&#8230; Da bildet sich also so etwas wie antifaschistisches Bewu\u00dftsein, so auch terminologisch ausgedr\u00fcckt. Aber mit dieser Terminologie ist die gedankliche Verbindung mit den italienischen Faschisten gemeint, die in dieser Zeit die Macht ergreifen.\u00ab<\/em><\/p>\n<p>(Wolfgang Abendroth; Antifaschismus oder Niederlagen beweisen nichts, als das wir wenige sind; Frankfurt 1983).<\/p>\n<p>Zwar entwickelte sich seit der Machtergreifung der italienischen Faschisten im Jahre 1922 innerhalb der Kommunistischen Internationale eine Diskussion um die Gefahr des Faschismus auch in Deutschland, jedoch wurden die Ans\u00e4tze der breiteren Einheitsfrontpolitik, wie zur Zeit des Rathenaumordes, schwerpunktm\u00e4\u00dfig nicht weiter verfolgt. Im Faschismus selbst wurde zu dieser Zeit keine konkret drohende Gefahr gesehen, au\u00dfer f\u00fcr die sp\u00e4tere KPD oppositionelle Gruppe (um Thalheimer) spielte die Weiterentwicklung der Einheitsfrontpolitik bis zum Massenaufstieg der NSDAP ab 1928 keine zentrale Rolle.<\/p>\n<p><strong><a name=\"14\">&#8211;1923<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Das Jahr 1923 markiert den Abschlu\u00df der revolution\u00e4ren Aufst\u00e4nde in Deutschland sowie der Versuche rechter und faschistischer Kr\u00e4fte in der noch unsicheren Weimarer Republik an die Macht zu putschen. Wie unklar und unterschiedlich die Situation zu dieser Zeit war, dokumentieren die Ereignisse in diesem Jahr.<\/p>\n<p>Die durch den 1919 unterzeichneten &#8222;Versailler Vertrag&#8220; auferlegten Reparationszahlungen sowie die Besetzung des Ruhrgebietes und Profitierung der Siegerm\u00e4chte vor allem vom Kohleabbau, trafen in erster Linie die arbeitenden Bev\u00f6lkerung. Zur Besetzung Anfang des Jahres 1923 war es deshalb gekommen, weil die deutsche Regierung gro\u00dfe Teile der Reparationszahlungen eingestellt hatte. Die ohnehin labile wirtschaftliche Lage und die folgende Besetzung des Ruhrgebietes gab der amtierenden deutschen Regierung die Legitimation, eine Politik durchzuf\u00fchren, die in der sogenannten Hyperinflation m\u00fcndete.<\/p>\n<p><em>\u00bbTollhaus riesigster Proportionen nannte Stefan Zweig die Deutsche Inflation. Und in der Tat: Nie und nirgends in der Geschichte der Menschheit hat die W\u00e4hrung solche schwindelerregenden Spr\u00fcnge gemacht wie 1923 in Deutschland. (&#8230;) Bettler wurden zu Multimilliard\u00e4ren und standen dennoch hungrig vor den kargen Schmalz- und Pferdewurstauslagen der Schaufenster. Arbeiter schleppten ihren Wochenverdienst, der fr\u00fcher in einer schmalen Lohnt\u00fcte Platz hatte, in Rucks\u00e4cken und W\u00e4schek\u00f6rben nach Hause und konnten, wenn sie ihr Geld nicht gleich ausgaben, kaum soviel Kohlen kaufen, wie die Scheine wogen, die sie daf\u00fcr zu entrichten hatten. Oft genug verdoppelten sich die Preise im Laufe vonStunden. Eine Summe, f\u00fcr die man morgens noch ein Pfund Fleisch erhalten hatte, reichte abends kaum noch f\u00fcr einen Kanten Brot. F\u00fcr Ersparnisse, die Beamtenfrauen m\u00fchselig in Jahrzehnten zur\u00fcckgelegt hatten, konnte man schlie\u00dflich gerade noch einen Stra\u00dfenbahnfahrschein l\u00f6sen. (&#8230;).<\/p>\n<p>Spekulanten und Wucherer ergaunerten sich Devisen, kauften f\u00fcr einen Pappenstiel ganze Fabriken und verjubelten astronomische Summen in den wie Pilze aus dem Boden schie\u00dfenden Vergn\u00fcgungslokalen. Das Tempo des Lebens \u00fcberschlug sich in wahnsinniger Hektik. Der Am\u00fcsierrummel erreichte Ausma\u00dfe, denen gegen\u00fcber die panisch enthemmtem Gelage in den Pestjahren des Mittelalters wie schlichte Veranstaltungen gesitteter Gesangsvereine anmuteten.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Arbeitervorst\u00e4dte &#8211; nun mehr und mehr zu Arbeislosenvorst\u00e4dten werdend &#8211; im tristen und unheimlichen Dunkel lagen, weil den Haushalten sogar das Geld f\u00fcr einen k\u00fcmmerlichen Kerzenstummel fehlte, w\u00e4hrend unz\u00e4hlige Angestellte, kleine Beamte und Rentenempf\u00e4nger, verzweifelt dasEnde allen Seins herbeisehnend, den Gashahn \u00f6ffneten, solange sie noch den von den Stadtverwaltungen gelieferten todbringenden Hauch bezahlen konnten, schwelgten Halbweltgr\u00f6\u00dfen und Parvenus hinter pomp\u00f6sen Vorh\u00e4ngen der Luxusbars in Perversit\u00e4ten.\u00ab<\/em><\/p>\n<p>(W. Ruge, s.o., S.111\/112).<\/p>\n<p>Nicht nur die arbeitende Bev\u00f6lkerung, auch gro\u00dfe Teile des selbst\u00e4ndigen Mittelstandes verarmte schlagartig. Diese katastrophale Situation veranla\u00dfte viele Parteien links wie rechts (mit Ausnahme der NSDAP) zum passiven Widerstand gegen die Besatzung aufzurufen. Diesem folgten alle Teile der ArbeiterInnen.<\/p>\n<p>Der gemeinsame Aufruf zum (passiven) Widerstand hatte nicht ausschlie\u00dflich eine St\u00e4rkung des antifaschistischen Bewu\u00dftseins zur Folge, da\u00df sich unter anderem im sogenannten &#8222;Antifaschistentag&#8220; (initiiert von der KPD) am 29. Juli 1923 manifestierte. Vielmehr kam es gleichzeitig zu einer starken nationalistischen Welle in ganz Deutschland, in dem eben gegen die alliierte (franz\u00f6sische) Besetzung des Ruhgebietes vorwiegend mit nationalistischen Parolen polemisiert wurde. Auch die KPD war nicht im Stande hier ein differenzierte Position zu Wege zu bringen. Im Gegenteil, selbst obere Funktion\u00e4re sprangen in fataler Weise auf den nationalistischen Zug auf, der damals durch das Land brauste. Das reichte in einzelnen Ortsverb\u00e4nden zu gemeinsamen Plakaten von v\u00f6lkischen und kommunistischen Rednern, die zur Diskussion einluden. Erst an diesem Punkt griff die F\u00fchrung der Partei &#8211; allerdings zu sp\u00e4t &#8211; ein. Bekanntestes Beispiel der verfehlten Politik bez\u00fcglich d er nationalen Frage, ist die Rede Karl Radeks auf der erweiterten Exekutive der KI am 20. Juni 1923 zum Tode Albert Leo Schlageters (faschistsicher S\u00f6ldner, der gegen die franz\u00f6sische Besatzung des Ruhrgebietes Sabotageakte ver\u00fcbte und zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde):<\/p>\n<p><em>\u00bb(&#8230;) W\u00e4hrend der ganzen Rede der Genossin Zetkin \u00fcber die Widerspr\u00fcche des Faschismus schwirrte mir im Kopf der Name Schlageter herum und sein tragisches Geschick. Wir sollten seiner Gedenken, hier, wo wir politisch zum Faschismus Stellung nehmen. Die Geschicke dieses M\u00e4rtyrers des deutschen Nationalismus sollen nicht verschwiegen, nicht mit einer abwertenden Phrase erledigt werden. Sie haben uns, sie haben dem deutschen Volke vieles zu sagen.<\/p>\n<p>Wir sind keine sentimentalen Romantiker, die an der Leiche die Feindschaft vergessen und wir sind keine Diplomaten die sagen: am Grabe Gutes reden oder Schweigen. Schlageter, der mutige Soldat der Konterrevolution, verdient es von uns, Soldaten der Revolution, m\u00e4nnlich-ehrlich gew\u00fcrdigt zu werden. (&#8230;)<\/p>\n<p>Vom Kampf sprechen die Genossen Schlageters an seinem Grabe. Den Kampf weiterzuf\u00fchren, schw\u00f6ren sie. Der Kampf richtet sich gegen einen Feind, der bis an die Z\u00e4hne bewaffnet ist, w\u00e4hrend Deutschland entwaffnet, w\u00e4hrend Deutschland zerm\u00fcrbt ist. Soll das Wort vom Kampfe keine Phrase sein, (&#8230;) so erfordert dieser Kampf die Erf\u00fcllung einer Reihe von Vorbedingungen. Er fordert von dem deutschen Volke, da\u00df es bricht mit denen, die es nicht nur in die Niederlage hineingef\u00fchrt haben, sondern diese Niederlage, die Wehrlosigkeit des deutschen Volkes verewigen, indem sie die Mehrheit des deutschen Volkes als den Feind behandeln. (&#8230;)<\/p>\n<p>Die Sache des Volkes zur Sache der Nation gemacht, hei\u00dft die Sache der Nation zur Sache des Volkes. (&#8230;)<\/p>\n<p>Dies hat die Kommunistische Partei Deutschlands, dies hat die Kommunistische Internationale an dem Grabe Schlageters zu sagen. Sie hat nichts zu verh\u00fcllen, denn nur die volle Wahrheit ist imstande, sich den Weg zu den tief leidenden, innerlich zerissenen, suchenden nationalen Massen Deutschlands zu bahnen.(&#8230;)\u00ab<\/em><\/p>\n<p><strong><a name=\"15\">&#8211;Eine andere Seite<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Auf der anderen Seite kam es noch in diesem Jahr im Osten Deutschlands (Th\u00fcringen) zu massiven Generalstreiks gegen die rechtsgerichtete Regierung unter F\u00fchrung Cunos.<\/p>\n<p><em>\u00bbDas Kabinett Cuno steuerte brutal auf die schrittweise Verwirklichung eines von Stinnes entworfenen Planes zur Niederzwingung aller fortschrittlichen Kr\u00e4fte und zur uneingeschr\u00e4nkten Restauration der Macht des deutschen Monopolkapitals zu. Dieser Plan sah u.a. vor, alle Arbeiter 10 bis 15 Jahre lang zu zwei unbezahlten t\u00e4glichen \u00dcberstunden zu verpflichten, f\u00fcr die Dauer von 5 Jahren jegliche Streiks zu verbieten, die Akkumulation von Kapital mit allen Mitteln zu f\u00f6rdern und s\u00e4mtliche seit Krieg und Novemberrevolution in Kraft getretenen Gesetze zu &#8222;\u00fcberpr\u00fcfen&#8220;.<\/p>\n<p>Die Realisierung eines solchen Programms, das sich der auf die Verfassung vereidigte Reichskanzler (Cuno, d.V.) zu eigen machte, h\u00e4tte die v\u00f6llige Liquidierung des in der republikanischen Gesetzgebung verankerten sozialen und politischen Fortschritts und damit faktisch das Ende der Weimarer Republik bedeutet.\u00ab<\/em><\/p>\n<p>(W. Ruge,s.o,S. 116\/117)<\/p>\n<p>Diese politische Situation m\u00fcndete schlie\u00dflich im Generalstreik, vor allem durchgef\u00fchrt in Th\u00fcringen,Sachsen und Berlin, was die Absetzung Cunos bedeutete (R\u00fccktritt am 12. August 1923). Das f\u00fchrte zur Bildung der Gro\u00dfen Koalition zwischen SPD und DVP. Unmittelbar machte dies wiederum den Weg f\u00fcr eine fortschrittliche Koalition zwischenSPD und KPD in Th\u00fcringen m\u00f6glich, die bereits einen Monat sp\u00e4ter gebildet wurde.<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund kam es im Oktober 1923 zum Hamburger Aufstand, der jedoch isoliert und allein durch die KPD gef\u00fchrt wurde und scheiterte. (Daran schlo\u00df sich ein vor\u00fcbergehendes Verbot der KPD an.) Damit war auch die fortschrittliche Koalition in Th\u00fcringen faktisch aufgel\u00f6st und mit dem Einmarsch der Reichswehr in Th\u00fcringen (zuvor Ausnahmezustand in Sachsen und ebenfalls Einmarsch) mu\u00dften die kommunistischen Minister Th\u00fcringens Anfang November zur\u00fccktreten.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend in Mitteldeutschland die linken fortschrittlichen Kr\u00e4fte um die Frage der Macht rangen, stellte sich die Situation im S\u00fcden der Weimarer Republik g\u00e4nzlich anders dar.<\/p>\n<p>War es schon im September in Bayern zu Unruhen durch rechte Kr\u00e4fte gekommen (Ausnahmezustand), m\u00fcndete dies am 9. November 1923 im &#8222;Marsch auf die Feldherrenhalle&#8220; durch die Faschisten um Adolf Hitler und Generalfeldmarschall a. D. Ludendorff. Hierbei handelte es sich um den Versuch der Faschisten, zun\u00e4chst in Bayern (M\u00fcnchen) die Macht zu erlangen, um dann mit dem &#8222;Marsch auf Berlin&#8220; eine faschistische Diktatur nach dem Vorbild Mussolinis in Italien zu schaffen. (Dieser war im Oktober 1922 Ministerpr\u00e4sident Italiens mit dem &#8222;Marsch auf Rom&#8220; geworden). Bei dem mi\u00dflungenen Putschversuch der deutschen Faschisten in M\u00fcnchen kam es zu mehreren Toten (16 Faschisten und 3 Polizisten). Die NSDAP wurde vor\u00fcbergehend verboten. Der anschlie\u00dfende Proze\u00df belohnte allerdings die Putschisten mit milden Urteilen und Hitler wurde zu f\u00fcnf Jahren Festungshaft verurteilt. Nach knapp einem Jahr wurde er bereits entlassen.Diese Zeit hatte er genutzt um &#8222;Mein Kampf&#8220; zu verfassen.<\/p>\n<p><strong><a name=\"16\">Zeit der Konsolidierung<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Nachdem die wirtschaftliche Talfahrt und die Inflation \u00fcberwunden waren (Wiedereinsetzung der Zahlungen an die Siegerm\u00e4chte gem\u00e4\u00df des Versailler Vertrages sowie gleichzeitiger Verzicht einiger Forderungen der Siegerm\u00e4chte; Dawes-Plan), setzte sich in Deutschland die konsolidierende Politik der SPD durch; sie arrangierte sich mit dem Gro\u00dfkapital, die Gr\u00e4ben der revolution\u00e4ren ArbeiterInnenschaft wurden auf der einen Seite immer tiefer. Auf der anderen Seite bedeutete das f\u00fcr die SPD-treuen ArbeiterInnen, da\u00df diese in der Tat kein Interesse mehr an einer grundlegenden Ver\u00e4nderung der Gesellschaft hatten. Es ging vielmehr darum, mit Hilfe der parlamentarischen Demokratie und der &#8222;ihrigen Regierung&#8220; die k\u00e4rglich erworbenen Privilegien zu erhalten.<\/p>\n<p>F\u00fcr die an den Aufst\u00e4nden Beteiligten war noch nicht vergessen, da\u00df die SPD von 1918-23 mit ultrarechten Reichswehrverb\u00e4nden und Freikorpstruppen zusammengearbeitet hatte. Die Gef\u00e4ngnisse waren voll mit abgeurteilten Revolution\u00e4rInnen.<\/p>\n<p>Emil Julius Gumbel analysierte 1922 in seinem Buch &#8222;Vier Jahre politischer Mord&#8220; die Urteile der damaligen Rechtssprechung und kam zu der Erkenntnis, da\u00df die von nationalen B\u00fcnden Begangenen Morde kaum geahndet worden waren, die wenigen von Linken begangenen Taten jedoch stets rigoros bestraft wurden. Dazu noch einmal Abendroth:<\/p>\n<p><em>\u00bbBei den Linken wirkt in dieser Restaurationsphase der Republik, die immer deutlicher ihre Verkn\u00fcpfungen mit dem monarchistischen Obrigkeitsstaat hervorhebt, stabilisierend der B\u00fcrgerkrieg nach, jetzt als Empfindungslage der Linken: der B\u00fcrgerkrieg zu Beginn der Republik und die Periode des unmittelbaren gemeinsamen Terrors der Rechten, der rechtesten Sozialdemokratie., Typ Noske, Typ Ebert, mit den Freikorps gegen die Arbeiterklasse&#8230; Aber es ist klar, was an den Empfindungen zur\u00fcckbleibt und da\u00df infolgedessen auch die Vertiefung der Spaltung in der ArbeiterInnenbewegung h\u00e4ngenbleibt und weshalb bei jedem schweren R\u00fcckschlag eine ultralinke Welle entsteht.\u00ab<\/em><\/p>\n<p>Anstelle einer revolution\u00e4ren Ver\u00e4nderung trat die Festigung der Weimarer Republik. Politisch war diese Phase bestimmt von der &#8222;Weimarer Koalition&#8220;, die sich aus den Parteien SPD, Zentrum und Deutsche Demokratische Partei (DDP) sowie der Deutsche Volkspartei (DVP) zusammensetzte.<\/p>\n<p>St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck wurden die sozialen und demokratischen Rechte, die Hunderttausende mit der Novemberrevolution 1918 erk\u00e4mpft hatten, r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht.<\/p>\n<p>Die Verabschiedung eines Erm\u00e4chtigungsgesetzes am 8. Dezember 1923 durch die Reichstagsmehrheit unter Wilhelm Marx (Zentrum) mit Zustimmung der SPD zur notwendigen Zweidrittelmehrheit, gab der Regierung die ersten Volllmachten f\u00fcr einen freien Weg, Ma\u00dfnahmen zur Stabilisierung der kapitalistischen Wirtschaft zu ergreifen.<\/p>\n<p>Innenpolitisch verschob sich das Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis im Parlament (in den folgenden Wahlen im Laufe der 20er Jahre) immer weiter zugunsten der rechten und reaktion\u00e4ren Parteien. So stimmten bei den Reichstagswahlen am 4. Mai 1924 \u00fcber 10 Millionen Wahlberechtigte (ca. 34%) f\u00fcr die rechtsb\u00fcrgerlichen Parteien. F\u00fcr die SPD stimmten 6 Millionen (20,5%). Die KommunistInnen erhielten 3.7 Millionen Stimmen (12,6%).<\/p>\n<p>Ausdruck der vollst\u00e4ndigen Restauration der reaktion\u00e4r-konservativen Kr\u00e4fte innerhalb der Gesellschaft war die Wahl Hindenburgs zum Reichspr\u00e4sidenten nach dem Tode des rechten SPDlers Friedrich Ebert im Jahre 1925.<\/p>\n<p><strong><a name=\"17\">&#8211;Politik der Kommunistischen Internationale<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Als einzige relevante (Massen-)Partei unterst\u00fctzte und organisierte die KPD, die vom 23. November 1923 bis zum 1. M\u00e4rz 1924 in Folge des Hamburger Aufstandes vor\u00fcbergehend verboten worden war, die politischen Forderungen der sich als revolution\u00e4r verstehenden ArbeiterInnen.<\/p>\n<p>Trotz ihres eigenen Anspruchs revolution\u00e4re Politik zu betreiben und sich die KPD selbst eng auf der Seite der Revolution\u00e4rInnen sah, sollte die Politik vor dem Hintergrund der Einbindung der KPD in die Kommunistische Internationale (KI) betrachtet werden. Vor allem die Motivation der F\u00fchrung der KPD bestimmte Entscheidungen zu fordern, ist anhand der Beschl\u00fcsse der KI h\u00e4ufig abzuleiten.<\/p>\n<p>Bei der Politik der KI in Bezug auf die Weimarer Republik mu\u00df die spezielle Rolle der deutschen Au\u00dfenpolitik f\u00fcr die Sowjetunion gesehen werden. Grunds\u00e4tzlich ist von Bedeutung, da\u00df die Dominanz und der Vorbildcharakter, den die KPDSU innerhalb der KI hatte, die Beschl\u00fcsse der KI stark bestimmten. In diesem Zusammenhang kam die (zwangsl\u00e4ufige?) widerspr\u00fcchliche Rolle der KPDSU bez\u00fcglich der Regierenden in der Weimarer Republik und der KPD als Opposition zum Tragen.<\/p>\n<p>Mit dem Vertrag von Rapallo hatte die Weimarer Koalition und damit Deutschland als erster (einziger) Staat die Souver\u00e4nit\u00e4t der Sowjetunion als erstes sozialistisches Land anerkannt. Nicht nur das; ein ausgiebiger wirtschaftlicher Handel wurde besiegelt. Bekanntestes Beispiel f\u00fcr die Zusammenarbeit der beiden Staaten, was schon in jener Zeit Ende der 20er Jahre f\u00fcr Furore sorgte, waren die Abkommen der gegenseitigen Hilfestellungen innerhalb des Milit\u00e4rapparates. So wurden die Offiziere der sich als revolution\u00e4re verstehenden Roten Armee der Sowjetunion in deutschen Kasernen durch jene Reichswehr ausgebildet, die gleichzeitig f\u00fcr die Unterdr\u00fcckung der Opposition (u.a. der KPD) zust\u00e4ndig war. Im Gegenzug wurde sogar ein Teil der Milit\u00e4rproduktion Deutschlands in die Sowjetunion verlagert und ebenso der sowjetische Milit\u00e4rapparat durch deutsche Waffen best\u00fcckt.<\/p>\n<p>Diese sollten f\u00fcr die Sowjetunion gleichzeitig zu milit\u00e4rischen Verteidigung gegen die imperialistischen Staaten, wie Deutschland und andere westliche Staaten dienen. So hatten die Beziehungen zum deutschen Staat, unter F\u00fchrung der republikanischen Parteien (SPD, Zentrum, DVP) sowohl national als auch international f\u00fcr die bis dato relativ schwach entwickelte\/ instabile Sowjetunion eine Schl\u00fcsselfunktion.<\/p>\n<p>In den sp\u00e4ten Analysen und Beschl\u00fcssen der KI bleibt der Eindruck nicht aus, da\u00df die F\u00fchrung der KPD teilweise auch dazu genutzt wurde, die Au\u00dfenpolitik der Sowjetunion je nach Notwendigkeiten, innerhalb Deutschlands zu unterst\u00fctzen bzw. praktisch umzusetzen.<\/p>\n<p><strong><a name=\"18\">&#8211;&#8222;Abweichler&#8220; und &#8222;Vers\u00f6hnler&#8220;<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Ebenfalls von Bedeutung f\u00fcr die Politik der KPD waren die Machtk\u00e4mpfe innerhalb der KPDSU. Diese spiegelten sich zum Teil auch in der KPD wieder.<\/p>\n<p>Nach dem Tode Lenins 1924 setzte der Kampf um die F\u00fchrung der kommunistischen Partei in der Sowjetunion ein, der zun\u00e4chst von der Gruppe Stalin, Sinowjew, Bucharin gegen Trotzki und seine Anh\u00e4nger gef\u00fchrt wurde. Sp\u00e4ter spalteten sich wiederum Sinowjew und Kamenjew von der Mehrheitsgruppe ab und bildeten einen Block mit Trotzki. Im Fr\u00fchjahr 1928 gab es in der Mehrheit eine neue Fraktionierung.Der Kampf der engeren Gruppe um Stalin bereitete sich auf den Kampf gegen den Rest vor; selbst der jahrelang eng Vertraute Bucharin wurde dazu &#8222;abgesetzt&#8220;.<\/p>\n<p>Bei diesen Auseinandersetzungen innerhalb der KPDSU blieb die Wirkung auf die KI nicht aus, was sich aus der vorhin beschriebenen Vorbildfunktion der Sowjetunion ergab. Entsprechend fand auch innerhalb der KI (automatisch) eine Fraktionierung statt.<\/p>\n<p>So wurde im Februar 1928 ein Abkommen mit der Leitung der KPD (Th\u00e4lmann, Neumann, Remmele) geschlossen, das den Kampf gegen &#8222;Vers\u00f6hnler&#8220; und &#8222;Sozialdemokraten&#8220; auf die Tagesordnung setzte. Dieses Abkommen mu\u00df aber so verstanden werden, da\u00df dies nicht nur die Politik in Bezug auf die Sozialdemokratie in Form der SPD meinte, sondern dieser Kampf gegen die &#8222;Vers\u00f6hnler&#8220; etc. auch als organisationsinterner Kampf zu verstehen war.<\/p>\n<p>Die Konsequenz dieser Linie war ein ultralinker Kurs. Woraus bestand dieser?<\/p>\n<p><strong><a name=\"19\">&#8211;Analyse contra Einheitspolitik<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Sp\u00e4testens seit der Novemberrevolution bzw. der Niederschlagung der revolution\u00e4ren Aufst\u00e4nde war es klar geworden, da\u00df die einst geeinte st\u00e4rkste ArbeiterInnenbewegung in Europa gespalten war. Trotz dieser Spaltung kam es immer wieder zur Zusammenarbeit. Diese Zusammenarbeit oder vielmehr die Hoffnung, da\u00df die ArbeiterInnenbewegung wieder vereint werde, der Gedanke einer einheitlichen Front gegen die Klassenfeinde der Bourgeoisie und des Gro\u00dfkapitals, war immer wieder zentraler Punkt innerhalb der Politik der KPD. So kam es auf der einen Seite zu heftigen Abgrenzungen gegen die (F\u00fchrung) der SPD auf der anderenSeite auch zu Einheitsfronten, als deren pr\u00e4gnantestes Beispiel der Generalstreik zur Bezwingung des Kapp-Putsches steht, aber auch die fortschrittliche Regierungskoalition in Th\u00fcringen 1923 war Ausdruck des einheitlichen Vorgehens gegen reaktion\u00e4re Entwicklungen in der Weimarer Republik.<\/p>\n<p>Seit der Konsolidierungsphase ab 1924 wurde die Schaffung einheitlicher Aktionen, alle unterschiedlichen Parteien und Gruppen der ArbeiterInnenklasse, insbesondere die Gewerkschaften, als B\u00fcndnispartnerInnen begr\u00fc\u00dft. Damit ging der Versuch einher, innerhalb der jeweiligen Organisationen kommunistische Positionen durchzusetzen und vor allem die Basis zu radikalisieren. Demzugrunde lagen eben die Erfahrungen aus der erfolgreichen Abwehr des Kapp-Putsches und die Tatsache, da\u00df seit Festigung der gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse an eine bewaffnete Umw\u00e4lzung nicht mehr zu denken war. So bestand eine Hauptaufgabe der Politik der KPD imerreichen und Verteidigen tagespolitischer Forderungen. Dies war lediglich in Zusammenhang mit anderen Kr\u00e4ften m\u00f6glich und das wurde vor allem in Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften verwirklicht.<\/p>\n<p>Im Jahre 1928, mit der Zuspitzung der Lebensverh\u00e4ltnisse und der sichtbarwerdenden Krise der Weimarer Republik, wurde dieser Kurs der Politik grunds\u00e4tzlich ge\u00e4ndert: Im Reformismus, sprich in der Sozialdemokratie, wurde jetzt &#8211; neben denoffen reaktion\u00e4ren und faschistischen Kr\u00e4ften &#8211; als ein Hauptfeind der ArbeiterInnenklasse ausgemacht, den es mit der gleichen Intensit\u00e4t zu bek\u00e4mpfen galt, wie die rechten Kr\u00e4fte. Die &#8222;Rechtspolitiker&#8220; in den eigenen Reichen, also jene Leute, die noch Jahre zuvor (erfolgversprechende) Einheitsfrontpolitik betrieben hatten, wurden in der Konsequenz dieses Kursschwenkes aus zentralen Funktionen abgesetzt. Ziel war es in dieser Phase, nicht mit den &#8222;Sozialfaschisten&#8220; &#8211; vor allem der SPD &#8211; zusammenzuarbeiten. Von dieser Politik versprach man sich, die Polarisierung der ArbeiterInnen auf die eigene Partei lenken zu k\u00f6nnen. Zu den folgerichtigen Konsequenzen z\u00e4hlte dann auch die Gr\u00fcndung der &#8222;Revolution\u00e4ren Gewerkschaftsopposition&#8220; (RGO), da es keinen gemeinsamen Kampf mit der SPD geben sollte, schon gar nicht in einer Organisation.<\/p>\n<p>Deutlich wird diese \u00c4nderung im Vergleich zweier Erkl\u00e4rungen Stalins. Die eine von 1925, in der er sich noch eindeutig gegen sektiererische Politik wendet: <em>\u00bbDiese Leute wollen die Gewerkschaften von au\u00dfen attackieren, indem sie sie als feindliches Lager betrachten. Sie begreifen nicht, da\u00df bei einer solchen Politik, die Arbeiter sie naturgem\u00e4\u00df als Feinde betrachten werden (&#8230;) Sie begreifen nicht, da\u00df eine solche Politik dem Eindringen der Kommunisten in die Millionenmassen der Arbeiter Abbruch tut, statt es zu erleichtern.\u00ab<\/em> Sprach sich Stalin hier noch eindeutig f\u00fcr eine Taktik aus, die den Verbleib in den SPD-gef\u00fchrten Massenorganisationen favorisierte, erkl\u00e4rte er 1929: <em>\u00bbVollkommen denkbar w\u00e4re daher eine Situation, in der es notwendig werden kann, parallele Massenorganisationen der Arbeiter zu schaffen, entgegen dem Willen der sich an die Kapitalisten verkauften Bonzen<\/em> (Gewerkschaftsfunktion\u00e4re, d.V.) (&#8230;) <em>Es ist durchaus m\u00f6glich, da\u00df auch in Deutschland die Entwicklung in dieser Richtung verlaufen wird.\u00ab<\/em><\/p>\n<p>Die Konsequenz dieser &#8222;sprunghaften&#8220; Politik der KPD innerhalb weniger Jahre war nicht nur das &#8222;Absetzen&#8220; und &#8222;S\u00e4ubern&#8220; der eigenen Reihen, sondern eine nicht mehr vermittelte und somit nachvollziehbare Linie der politischen Taktik der KPD. Die immer weitere Zersplitterung der ArbeiterInnenbewegung und deren ideologische Uneinigkeit sollte Ende der Weimarer republik ein entscheidender Hemmschuh auf Seiten der sich als revolution\u00e4r verstehenden ArbeiterInnenschaft werden.<\/p>\n<p><strong><a name=\"20\">&#8211;Die Sozialfaschismusthese<\/a><\/strong><\/p>\n<p>War das Erkl\u00e4ren der &#8222;Sozialfaschisten&#8220; als eine der vordringlich zu bek\u00e4mpfenden Gefahren zum einen aus dem taktischen Kalk\u00fcl der KPDSU zu erkl\u00e4ren, so fu\u00dfte zum anderen das Annehmen dieser These &#8211; auch bei der KPD-Basis &#8211; auf die Rolle der SPD. Diese war dadurch gekennzeichnet, nur wenige Jahre zuvor, revolution\u00e4re Bestrebungen in rabiatester und blutiger Weise Hand in Hand mit den Rechten niedergeschlagen zu haben.<\/p>\n<p>Doch die Sozialfaschismusthese umfa\u00dfte mehr als nur taktisches Kalk\u00fcl, an sie schlo\u00df sich eine Analyse der Verh\u00e4ltnisse an, die aus heutiger Sicht als gravierende Fehleinsch\u00e4tzung der gesellschaftlichen Kr\u00e4fte zu bewerten ist. Auf der einenSeite die Untersch\u00e4tzung der sich entwickelnden faschistischen Massenbewegung und auf der anderenSeite das &#8222;Vertrauen&#8220; in das vermeintlich materialistisch-historische Bewu\u00dftsein des gr\u00f6\u00dften Teils der deutschen ArbeiterInnenbewegung.<\/p>\n<p>So wurden Signale, die Vergleiche h\u00e4tten zulassen k\u00f6nnen, wie beispielsweise des sich aufschwingenden Faschismus in Italien Anfang der 20er Jahre, nicht ausreichend wahrgenommen. Dort war Mussolini ohne gr\u00f6\u00dferen Widerstand (ohne jene in Vergessenheit geraten zu lassen, die Widerstand leisteten) der ArbeiterInnen an die Macht gekommen.<\/p>\n<p>Lediglich die (zuvor erw\u00e4hnte) Gruppe um August Thalheimer, die sich ab 1930 als KPD-O &#8211; sp\u00e4ter nur noch KPO (Kommunistische Partei-Opposition) &#8211; konstituierte, war bem\u00fcht, \u00fcber das Charakterisieren der Reaktion\u00e4ren Kr\u00e4fte hinaus, auch in der Gesellschaftsanalyse die soziale Zusammensetzung der faschistischen Massenbewegung und damit verbunden das Bewu\u00dftsein eines gro\u00dfen Teils der ArbeiterInnenbewegung und des Mittelstandes zu untersuchen. Jedoch mu\u00df hier gleich eingeschr\u00e4nkt werden, so differenziert und z.T. richtig die Analyse Thalheimers auch war, breitere Schichten konnte diese Auseinandersetzung mit dem aufkommenden Faschismus nicht erreichen. Mit dem Ausschlu\u00df Thalheimer aus der KPD war die Chance vertan, \u00fcberhaupt noch gr\u00f6\u00dfere Kreise zu erreichen.<\/p>\n<p><em>\u00bbThalheimer ging davon aus, da\u00df in dem Ma\u00dfe, wie soziale Konflikte und \u00f6konomischen Krisen die Erhaltung des gesellschaftlichen Gesamtsystems gef\u00e4hrden, die parlamentarische Demokratie funktionslos w\u00fcrde. Er schrieb: &#8222;Die Aush\u00f6hlung des b\u00fcrgerlich-parlamentarischen Regimes erfolgt schrittweise. Und die Bourgeoisie ist dabei der Hauptagent. (&#8230;) Ihre Sache ist es, die Bedingungen zu schaffen, damit sozial &#8218;gerettet&#8216; und politisch vergewaltigt werden kann.&#8220; Grundlage seiner Einsch\u00e4tzung ist die Ohnmacht der Arbeiterschaft und die arbeiterfeindliche Radikalisierung von Mittelschichten sowie die Unf\u00e4higkeit des Gro\u00dfb\u00fcrgertums, mittels der traditionellen politischen Repr\u00e4sentation der sozio\u00f6konomischen Desorganisation zu begegnen. Er kennzeichnete die wesentlichen Z\u00fcge des Faschismus so: &#8222;Die &#8218;Verselbst\u00e4ndigung der Exekutivgewalt&#8216;, die politische Unterwerfung aller Massen, einschlie\u00dflich der Bourgeoisie selbst, unter die faschistische Staatsmacht bei sozialer Herrschaft der Gro\u00dfbourgeoisie und der Grundbesitzer&#8220;\u00ab<\/em>.<\/p>\n<p>(Albrecht Lein, Antifaschistische Aktion 1945 &#8211; Die &#8222;Stunde Null&#8220; in Braunschweig, G\u00f6ttinger politikwissenschaftliche Forschungen, Band II, 1978).<\/p>\n<p>In der Einsch\u00e4tzung der Hauptgefahr legt die Faschismusanalyse der KPD andere Schwerpunkte. Dazu schreibt Lein:<\/p>\n<p><em>\u00bbDemgegen\u00fcber sieht die KPD-Sozialfaschismusthese zwar auch die Hauptgefahr in den Zwischenschichten, aber vor allem in den Randschichten der Arbeiterschaft. Weil das Proletariat in der Offensive sei, m\u00fcsse es die politische Hauptst\u00fctze in der Bourgeoisie in der Arbeiterschaft (SPD. d.V.) bek\u00e4mpfen und zerschlagen. Dabei sei, kurz vor dem Sieg der Revolution, der sich mit sozialen Phrasen tarnende Faschismus, der Sozialfaschismus, gef\u00e4hrlicher als der b\u00fcrgerliche Faschismus, der im \u00fcbrigen nicht deutlich als eigene terroristische Herrschaftsform benannt wird. Denn im Grunde sei die Bourgeoisie nicht mehr f\u00e4hig, dem Ansturm des Proletariats standzuhalten, sei also potentiell bereits geschlagen. Der Glaube an die Mechanik des Sieges gegen\u00fcber der gegnerischen Klasse und der Verzicht auf jegliche B\u00fcndnispolitik innerhalb de Arbeiterschaft wie auch anderen Klassen und Schichten sind m.E. die wesentlichen Fehler dieser Analyse.\u00ab<\/em><\/p>\n<p>H\u00e4tte sich um die Analyse dieser beiden Ans\u00e4tze auch damals streiten lassen, so war die Ansicht der KPD, das Proletariat sei in der Offensive und die sp\u00e4tere Notverordnungspolitik der Weimarer Republik unterscheide sich nur noch in Nuancen vom Faschismus, doch grundfalsch. Mit dieser Analyse nahm sie den b\u00fcrgerlichen Kreisen, die bereit gewesen w\u00e4ren, sich in eine breite anti-nationalsozialistische Front zu stellen, jegliche M\u00f6glichkeit der Zusammenarbeit mit revolution\u00e4ren Kr\u00e4ften. Dar\u00fcberhinaus verharmloste sie nicht nur die terroristische Qualit\u00e4t des Faschismus, auch nahm sie damit indirekt die Dringlichkeit der Abwehr des Faschismus nicht ernst genug. Aber all das bleibt fast nebens\u00e4chlich, in Anbetracht der Tatsache, welche praktischen Konsequenzen vor\u00fcbergehend aus dieser Analyse erfolgten. Selbst bis 1932 wurde sich seitens der KPD-F\u00fchrung im widerspr\u00fcchlichen Kurs in erster Linievon der SPD abgegrenzt. Da von der SPD als staatstragende Kraft nichts anderes zu erwarten war, als Ablehnung, beging die KPD-F\u00fchrung den Fehler, sich mehr mit der Polemisierung gegen de SPD-F\u00fchrung zu befassen als auf die weitesgehend von der Basis geforderten Einheitsaktionen einzugehen und diese Zusammenarbeit herauszustellen. Dies \u00e4nderte sich erst mit der offiziellen Gr\u00fcndung der AntifaschistischenAktion.<\/p>\n<p>Antifaschistische Organisationen in der Weimarer Zeit<\/p>\n<p>Im folgenden werden die verschiedenen (militanten) Organisationen (Wehrverb\u00e4nde) der linken Kr\u00e4fte (SPD und KPD) dargestellt. Im letzten, ausf\u00fchrlichsten Teil sollen nochmals Fehler und unterschiedliche konstruktive Ans\u00e4tze der Antifaschistischen Aktion beleuchtet werden.<\/p>\n<p><strong><a name=\"21\">&#8211;Warum Wehrverb\u00e4nde?<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Heute mutet es ein wenig befremdlich an, wenn in der Auseinandersetzung mit linker Geschichte Wehrverb\u00e4nde auftauchen. Diese werden heute f\u00e4lschlicherweise oft als militaristische Schl\u00e4gertrupps oder mit sonstigen Platit\u00fcden abgetan. Aber auch die Tatsache linker Wehrverb\u00e4nde geh\u00f6rt zur Geschichte der revolution\u00e4ren Bewegung. Gerade in Bezug auf die Entstehung der Antifaschistischen Aktion spielten diese Verb\u00e4nde eine zentrale Rolle.<\/p>\n<p>Nach dem I. Weltkrieg stellte sich die Situation f\u00fcr einen gro\u00dfen Teil der m\u00e4nnlichen Bev\u00f6lkerung so dar, da\u00df sie faktisch keine &#8222;Nutzen&#8220; innerhalb der Gesellschaft hatten. Das soll hei\u00dfen, da\u00df viele Menschen mit sehr jungen Jahren 1914 &#8222;kriegsbegeistert in die Schlacht&#8220; gezogen waren, sich auf linker Seite an der Revolution beteiligt hatten, jetzt aber, in sogenannten Friedenszeiten, weder einen Beruf gelernt noch sonstige Perspektiven vor Augen hatten.<\/p>\n<p>So war es auch f\u00fcr linke Kreise von Bedeutung, da\u00df nicht ein \u00fcberwiegender Teil der ehemaliegn Kriegteilnehmer in die rechten (Freikorps-)Verb\u00e4nde gingen, um dort ihre &#8222;Kenntnisse&#8220; vom Krieg umzusetzen, sondern mit einer linken Perspektive von einer anderen Gesellschaft verbunden, ihre &#8222;F\u00e4higkeiten&#8220; einbringen sollten. Desweiteren stellten die objektiven politischen Bedingungen die Frage nach der Notwendigkeit einer militanten Verteidigung von ArbeiterInnenvierteln und politischen und sozialen Errungenschaften.<\/p>\n<p>Zwar war im Versailler Vertrag festgelegt worden, da\u00df die deutsche Reichswehr 100000 Mann nicht \u00fcberschreiten durfte und desweiteren galt dar\u00fcberhinaus &#8211; wie heute &#8211; ein Verbot nichtstaatlicher paramilit\u00e4rischer Organisationen und Parteien (Gewaltmonopol des Staates), jedoch sah die Realit\u00e4t anders aus. Da\u00df neben der regul\u00e4ren Reichwehr, die stark rechtsgerichtete sogenannte &#8222;Schwarze Reichswehr&#8220; existierte sowie zahlreiche rechte\/faschistische Wehrverb\u00e4nde, war in jener Zeit ein offenes Geheimnis. So existierte beispielsweise seit 1920 die SA (Sturmabteilung), seit 1925 die SS (Schutzstaffel), beides Unterorganisationen der NSDAP, der Stahlhelm, der Jungdeutsche Orden, der Wehrwolf, die Organisation Consul (f\u00fcr die Ermordung des Au\u00dfenministers Rathenau verantwortlich) etc. Die Mitglieder dieser Organisationen rekrutierten sich zum gr\u00f6\u00dften Teil aus den ehemaligen Freikorps.<\/p>\n<p><em>\u00bbDie Freikorps hatten 1919 eine St\u00e4rke von ca. 400000 Mann. Getragen von diesen Milit\u00e4rkreisen wurde schon 1918 ein politischer Geheimdienstapparat aufgebaut, der vor allem auf konterrevolution\u00e4re Aktionen gegen die ArbeiterInnenbewegung ausgerichtet war. Der &#8222;politische Nachrichten- und Erkennungsdienst&#8220; der vorl\u00e4ufigen Reichwehr war bereits 1919 wieder reorganisiert. Er fu\u00dfte auf \u00fcber ganz Deutschland verteilte \u00f6rtliche Organe, den speziell eingerichteten Nachrichtenstellen (Nst) und sp\u00e4ter Abwehrstellen (Ast) bei den Wehrkreiskommandos, den Brigaden und sonstigen Einheiten der vorl\u00e4ufigen Reichswehr sowie der Freikorps. Dieser milit\u00e4rische Geheimdienst legte mit seinem weit verzweigten Spitzelnetz die Voraussetzungen f\u00fcr die Entwicklung der politischen Polizei in den ersten Jahren nach 1918.<\/p>\n<p>Aus dem Potential der Freikorps rekrutierte sich au\u00dferdem die entstehende Sicherheitspolizei (SiPo), die auf eine St\u00e4rke von 100000 Mann kam.<\/p>\n<p>Die politische Einstellung der SiPo wurde beim Kapp-Putsch 1920 offenkundig, als sie sich auf die Seite der reaktion\u00e4ren Kapp-Putschisten schlug.<\/p>\n<p>Aber nicht nur aus diesem Grund wurde die SiPo aufgel\u00f6st, sondern auf Befehl der Siegerm\u00e4chte (der Entente), die in der Sicherheitspolizei eine milit\u00e4rische Institution sahen.<\/p>\n<p>Die SiPo wurde durch die neue Polizei ersetzt, die Schutzpolizei (SchuPo). Zwar war die SchuPo ein wenig ver\u00e4nderter Apparat, das Personal aber blieb das gleiche. Fast alle SiPo-Leute wurden zu SchuPos.Die Schutzpolizei bestand schlie\u00dflich aus 150000 Mann, 85000 davon entfielen auf die preu\u00dfische Polizei.<\/p>\n<p>Diese Polizei war, allen Beteuerungen und Selbstt\u00e4uschungen der SPD zum Trotz, nat\u00fcrlich rechts. Schon die Ausbildungspl\u00e4ne spiegelten diese Ausrichtung wieder. Z.B. wurde in Planspielen grunds\u00e4tzlich gegen kommunistische Umsturzversuche vorgegangen, Aktionen gegen rechte Gruppen kamen in den polizeilichen Planungen nicht vor. Die rechte\/faschistische Gesinnung der Polizisten lie\u00df sich aber auch direkter ablesen. So waren 90% der Beamten im reaktion\u00e4ren &#8222;Dillenburger Verband&#8220; organisiert, \u00f6fter auch im &#8222;Stahlhelm&#8220;, einer paramilit\u00e4rischen rechtsradikalen Organisation und \u00e4hnlichen Gruppierungen.\u00ab<\/em><\/p>\n<p>(Kein Vergeben &#8211; Kein Vergessen! Brosch\u00fcre zur Demo am 17.11.1990 in G\u00f6ttingen, Autonome Antifa (M), 1990).<\/p>\n<p>Vor diesem gesellschaftlichen Hintergrund gr\u00fcndete die SPD, zusammen mit den anderen b\u00fcrgerlich demokratischen Parteien, eine republikanische Garde als &#8222;H\u00fcter der Republik&#8220; das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold. Seine ideologische Ausrichtung, einerseits gegen die rechten Kr\u00e4fte als Sch\u00fctzer der Republik aufzutreten und andererseits aber auch handfesten Anti-Kommunismus als Grundlage zu besitzen, war die Totalitarismusthese.<\/p>\n<p>Die KPD hingegen gr\u00fcndete eine militante Organisation, deren Grundlage der Antiimperialismus bildete; den Roten Frontk\u00e4mpferbund.<\/p>\n<p>Beide Organisationen spielten auf &#8222;soldatische Traditionen&#8220; an.<\/p>\n<p><strong><a name=\"22\">SPD-nahe Organisationen<\/a><\/strong><br \/>\n<strong><a name=\"23\">&#8211;Das Reichbanner Schwarz-Rot-Gold<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Auf Initiative des rechten SPD-Fl\u00fcgels wurde am 22. Februar 1924 das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold als &#8222;Bund republikanischer Kriegsteilnehmer&#8220; in Magdeburg gegr\u00fcndet. Die Organisationen stand unter der Leitung von Friedrich Otto H\u00f6rsing (SPD), Oberpr\u00e4sident der Provinz Sachsen und rechter Sozialdemokrat. Ideologisch war das Reichbanner abh\u00e4ngig von der SPD, obwohl alle Parteien der &#8222;Weimarer Koalition&#8220; das Reichbanner st\u00fctzten und dieses als &#8222;H\u00fcter der Republik&#8220; sahen.<\/p>\n<p>Diese Parteien wirkten federf\u00fchrend im Interesse der Industriellen und der mit ihnen verbundenen SPD und wirkten demgem\u00e4\u00df auch nicht im Sinne einer wirkungsvollen antifaschistischen und antimilitaristischen Arbeit.<\/p>\n<p><em>\u00bbNun w\u00e4re es voreilig zu vermuten, der Reichbanner sei in Braunschweig eine Art organisierte Linksfraktion in der SPD gewesen. Denn in seiner Bildungsarbeit bem\u00fchte sich der Reichsbanner die Geschichte der Rheinbundstaaten, um die Monarchie als antinational darzustellen und pflegte die Erinnerung an die Revolution von 1848, um nachzuweisen, da\u00df die Weimarer Verfassung &#8222;kein willk\u00fcrliches Revolutionsprodukt&#8220; w\u00e4re, sondern &#8222;auf der Linie einer geschichtlichen Entwicklung&#8220; l\u00e4ge. Man wollte &#8222;den Staat &#8230; zu einem wirklichen Heim f\u00fcr alle B\u00fcrger werden lassen&#8220; und nahm den &#8222;reinen wahren Nationalismus&#8220; f\u00fcr sich in Anspruch. Man wollte nur nicht &#8222;national um einer Herrenschicht&#8220;, sondern &#8222;national um des ganzen Volkes&#8220; sein.<\/p>\n<p>Die Politik der Identifizierung mit der Nation und der Republik, die durch die Bildungsarbeit erreicht werden sollte, konnte f\u00fcr das Verh\u00e4ltnis von Mitgliedschaft und F\u00fchrung nicht ohne Folgen bleiben und blieb es auch nicht, (&#8230;). Die St\u00e4rkung von Indentifikationen mu\u00dfte n\u00e4mlich Hemmung von Konflikt- und Kritikbereitschaft innerhalb der eigenen Organisation f\u00fchren.\u00ab<\/em><\/p>\n<p>(Albrecht Lein, Antifaschistische Aktion 1945 &#8211; Die &#8222;Stunde Null&#8220; in Braunschweig, S. 89, G\u00f6ttinger Politikwissenschaftliche Forschungen; Hrsg.: Die Direktoren Pr. Dr. W. Euchner, Pr. Dr. P . L\u00f6sche, Pr. Dr. E. A. Roloff, (c) 1978.)<\/p>\n<p>Die meisten der ca. 3 Millionen Mitglieder des Reichbanners waren zwar antimilitaristisch und antifaschistisch eingestellt, aber die Reichsbannerleitung, vor allem ihr Vorsitzender H\u00f6rsing, bek\u00e4mpfte von Beginn an jeden Versuch vonReichsbannermitgliedern, mit KommunistInnen oder anderen konsequent linken Kr\u00e4ften zusammenzuarbeiten.<\/p>\n<p><strong><a name=\"24\">Die Eiserne Front<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Mit dem Aufruf zum Zusammenschlu\u00df aller republikanischen Kr\u00e4fte und deren einheitlichem Kampf gegen die Nationalsozialisten und f\u00fcr die Rettung der demokratischen Republik wurde im November 1931 die &#8222;Eiserne Front&#8220; geschaffen. Sie sollte der neue Kampfbund vom Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund (ADGB), den ArbeitersportlerInnen, dem allgemeinen freien Angestelltenbund (AfA), der Reichsbannerleitung und der SPD werden.<\/p>\n<p>Nachdem bei denSeptemberwahlen 1930 die NSDAP gro\u00dfe Stimmengewinne verzeichnen konnte (von 12 auf 107 Abgeordnetensitze) und sich im Oktober 1931 die nationalen\/faschistischen Kr\u00e4fte (NSDAP, Stahlhelm, Deutschnationale Volkspartei (DNVP)) mit Teilen des Gro\u00dfkapitals und Medienimperien zur &#8222;Harzburger Front&#8220; zusammengeschlossen hatten, hielt es das Reichsbanner f\u00fcr allerh\u00f6chste Zeit, einen antinazistischen Abwehrbund zu schaffen.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich wie das 1924 gegr\u00fcndete Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, sollte auch die Eiserne Front eine \u00fcberparteiliche Organisation werden. Allerdings entsprach ihre innere Struktur dem Status der beteiligten Verb\u00e4nde.<\/p>\n<p>Die SPD-F\u00fchrung \u00fcbernahm die gesamtpolitische F\u00fchrung, dem Reichsbanner wurde die technische Leitung \u00fcbertragen und der ADGB stellte in Betrieben und Berufsgruppen sogenannte &#8222;Hammerschaften&#8220; auf, mit denen \u00dcbergriffe von Faschisten abgewehrt werden sollten.<\/p>\n<p>Die Hoffnungen, es w\u00fcrden sich noch andere gr\u00f6\u00dfere B\u00fcnde und Gewerkschaften anschlie\u00dfen, erf\u00fcllte sich allerdings nicht.Es gelang nicht, den Widerstand \u00fcber sozialdemokratische Kr\u00e4fte hinaus zu mobilisieren. Dies auch deshalb, weil es ein Verbot der Leitung gab, welches untersagte, da\u00df kommunistsich Organisierte Mitglied werden durften.<\/p>\n<p>Kampfzeichen der Eisernen Front waren drei parallele Pfeile auf rotem Grund von oben links nach unten rechts. Sie sollten auf die Kampfprinzipien &#8222;Einigkeit, Aktivit\u00e4t, Disziplin&#8220; hinweisen. Auf Plakaten der Eisernen Front wurde allerdings noch eine weitere politische Ausrichtung der drei Pfeile deutlich. Der obere zerschl\u00e4gt ein Hakenkreuz, der mittlere eine Krone (Symbol der Monarchie und des Junkertums), der untere Hammer und Sichel, womit der antikommunistische Kurs auch offen als Programm vertreten wurde.<\/p>\n<p>Die Eiserne Front betitelte ihre K\u00e4mpfe als &#8222;Abwehrk\u00e4mpfe&#8220;, so waren sie denn auch zum gr\u00f6\u00dften Teil eher Alibi der SPD, ein antifaschistisches Gesicht zu zeigen.<\/p>\n<p>Carl von Ossietzky, linksliberaler Schriftsteller, brachte im Januar 1932 in der &#8222;Weltb\u00fchne&#8220; die politische Schizophrenie der Eisernen Front auf den Punkt:<\/p>\n<p><em>\u00bbEin neues Schlagwort soll jetzt, nach Beendigung des weihnachtlichen Burgfriedens, seine Wirkung erweisen. Die &#8222;Eiserne Front&#8220; der Republikaner formiert sich. SPD, das Reichsbanner, Gewerkschaften verschiedener Richtung, republikanische B\u00fcnde, sie alle wollen sich zur Abwehr des Fascismus zusammenschlie\u00dfen. Die Front ist lang, daran ist kein Zweifel, wie tief sie geht, welches ihre ideelen Reserven sind, da\u00df l\u00e4\u00dft sich noch nicht leicht absch\u00e4tzen. Einige Abschnitte der Front, dort wo Arbeiter stehen, verdienen wohl wirklich eisern genannt zu werden, andre sind aus biegsameremStoff gemacht und einige nicht besser als Pfannkuchenteig. (&#8230;).<\/p>\n<p>Es ist nicht leicht, zu einer Bewegung kritisch Stellung zu nehmen, der jedes gute Gl\u00fcck zu w\u00fcnschen ist. Der Einzelne, der zur Aktivit\u00e4t gegen den Fascismus gewillt ist, darf nicht entmutigt werden. Aber gerade weil der einzelne Combattant so hoch einzusch\u00e4tzen ist, deshalb mu\u00df deutlich ausgesprochen werden, da\u00df das Schw\u00e4chste an der Eisernen Front die Kommandoh\u00f6hen sind.(&#8230;).<\/p>\n<p>Die F\u00fchrerschicht, unter ganz anderen Verh\u00e4ltnissen gebildet und gereift, steht m\u00fcde und weise vor einem Wirtschaftswirrwarr, der die gewohnten Klassengrenzen verwischt und die gelernte Marxfibel scheinbar ad absurdum f\u00fchrt. Herr Hilferding zum Beispiel konstatiert allgemeine K\u00f6rperschw\u00e4che des Kapitalismus, folgert daraus aber nicht etwa die Notwendigkeit, den Patienten baldigst abzus\u00e4gen, sondern fordert vielmehr die Arbeiter auf, ihn hochzup\u00e4ppeln, damit sie wieder mehr verdienen. Hilferding ist gewi\u00df ein Mann von starkem theoretischem Fundament und Bef\u00e4higung zu weitem weltpolitischem Blick, aber so, ohne Ziel und ohne Feuer, gleicht er allzu sehr einem hochgebauten Leuchtturm, auf dem nur eine kleine Stearinkerze steht. Der Glaube an die geschichtsbildende Kraft des Proletariats ist dahin, die eigene Mutlosigkeit der F\u00fchrerkaste wird auf die ganze Klasse projeziert.\u00ab<\/em><\/p>\n<p>Dem ist nichts hinzuzuf\u00fcgen.<\/p>\n<p><strong><a name=\"25\">KPD-nahe Organisationen<\/a><\/strong><br \/>\n<strong><a name=\"26\">&#8211;Proletarische Hundertschaften &#8211; Vorl\u00e4ufer des RFB<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Die proletarischen Hundertschaften waren regional organisierte Arbeiterwehren und bestanden aus Mitgliedern (nur vereinzelt Frauen) des kommunistischen Ordnerdienstes, der u.a. zum Versammlungs- und Funktion\u00e4rsschutz der KPD gegr\u00fcndet worden war. Die Hundertschaften waren milit\u00e4risch ausgebildet und geschult. Obwohl Bewaffnung illegal war, verf\u00fcgten zahlreiche Mitglieder der Hundertschaften \u00fcber Waffen noch aus dem I. Weltkrieg oder den revolution\u00e4ren Aufst\u00e4nden der vergangenen Jahre.<\/p>\n<p>Im Mai 1923 gab es (laut des Parteibuches &#8222;Der bewaffnete Aufstand, aus dem Jahre 1928) dreihundert proletarische Hundertschaften, vor allem in Berlin, im Ruhrgebiet, in Sachsen und Th\u00fcringen mit insgesamt etwa 250000 Mitgliedern.Die proletarischen Hundertschaften wurden am 23. November 1923 &#8211; zusammen mit der KPD &#8211; , kurz nach dem &#8222;Hamburger Aufstand&#8220;, vom preu\u00dfischen Innenminister Severing (SPD) verboten.<\/p>\n<p><strong><a name=\"27\">&#8211;Die Gr\u00fcndung des Roten Frontk\u00e4mpferbundes (RFB)<\/a><\/strong><\/p>\n<p><em>\u00bbDie Hoffnung auf den unmittelbar bevorstehenden Sieg der Revolution inDeutschland hatte die kommunistische Partei im Herbst 1923 zwar begraben m\u00fcssen; das bedeutete jedoch keineswegs, da\u00df sie damit auch das Instrument, da\u00df ihr zu Erreichung dieses Ziels hatte dienen sollte, die proletarischen Hundertschaften, f\u00fcr untauglich erachtete. Sowohl in der Komintern-Diskussion \u00fcber die &#8222;Lehren der deutschen Ereignisse&#8220; des Oktober 1923 als auch in den Referaten,Antr\u00e4gen und Resolutionen des IX. Parteitages im April 1924 wurde die Arbeit in den &#8222;Organen der Einheitsfront von unten&#8220; &#8211; und zu ihnen z\u00e4hlten die Hundertschaften &#8211; als vordringlich bezeichnet.\u00ab<\/em><\/p>\n<p>(Kurt G.P. Schuster, Der Rote Frontk\u00e4mpferbund 1924-1929, Beitr\u00e4ge zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien, Band 55, Drost-Verlag, 1975).<\/p>\n<p>Aufgrund der wachsenden Bedrohung der ArbeiterInnen und des Klein- und Mittelstandes durch die Wirtschaftspolitik der rechtsb\u00fcrgerlichen Parteien und der direkten Angriffe von Seiten der rechtsradikalen Freikorps, beschlo\u00df die KPD die Gr\u00fcndung einer &#8222;proletarischen Wehr- und Schutzorganisation&#8220;.<\/p>\n<p>Ziel dieser Organisation, die zwar eine eigenst\u00e4ndige Struktur besa\u00df, aber politisch von der KPD bestimmt wurde, war zum einen der Schutz der ArbeiterInnen vor \u00dcberf\u00e4llen von Faschisten und der Polizei. Zum anderen besa\u00df die politische Massenarbeit einen enormen Stellenwert, denn die ArbeiterInnenklasse sollte <em>\u00bb\u00fcber die Methoden und Mittel des Imperialismus und die Hintergr\u00fcnde der in seinem Namen gef\u00fchrten Kriege aufgekl\u00e4rt und somit ihr Klassenbewu\u00dftsein vertiefen\u00ab<\/em>.<\/p>\n<p>(Selbstdarstellung des RFB)<\/p>\n<p>Im Mai 1924 beschlo\u00df die Zentrale der KPD in Berlin, mit der Gr\u00fcndung der proletarischen Wehrorganisation &#8222;Roter Frontk\u00e4mpferbund&#8220; (RFB) in den Bezirken Th\u00fcringen und Halle-Merseburg zu beginnen (Anla\u00df bzw. Ausl\u00f6ser war der sogenannte &#8222;Blutsonntag von Halle&#8220;). In diesen Bezirken besa\u00df die kommunistische Partei eine gefestigte Position und konnte auf den noch vorhandenen Strukturen der 1923 verbotenen &#8222;proletarischen Hundertschaften&#8220;, die in dieser Gegend sehr stark gewesen waren, aufbauen.<\/p>\n<p>Am 31. Juli 1924 fand im Volkspark zu Halle die Gr\u00fcndungsversammlung des RFB statt.<\/p>\n<p>Um der Gefahr eines erneuten Verbotes aus dem Wege zu gehen, wurde beschlossen, (zun\u00e4chst) keine bekannten Parteifunktion\u00e4re in den Vordergrund treten zu lassen.<\/p>\n<p>In den folgenden Monaten wurden mehrere Unterorganisationen des RFB gegr\u00fcndet. Der Rote Jungsturm, die Rote Marine und der Rote Frauen- und M\u00e4dchenbund (RFMB).<\/p>\n<p><strong><a name=\"28\">Exkurs zu den Unterorganisationen des RFB<\/a><\/strong><br \/>\n<strong><a name=\"29\">&#8211;Roter Jungsturm (RJ)<\/a><\/strong><\/p>\n<p>&#8211; Rote Jungfront<\/p>\n<p>Neben den Soldaten richtete der RFB sein Hauptaugenmerk auf die ArbeiterInnenjugend. Sie kannte weder Krieg direkt, noch Milit\u00e4rdienst aus eigener Erfahrung und konnte deshalb von den romantisierenden nationalistischen M\u00e4rchen \u00fcber den heldenhaften Krieg stark beeinflu\u00dft werden.<\/p>\n<p>Um den Interessen von Jugendlichen besser und direkter Rechnung tragen zu k\u00f6nnen, wurde als Jugendorganisation des RFB am 22. August 1924 in Jena der Rote Jungsturm (RJ) gegr\u00fcndet, der im Januar 1925 in Rote Jungfront umbenannt wurde. Die RJ besa\u00df eine eigenst\u00e4ndige Organisationsstruktur und sollte Jugendliche im Alter von 16 bis 21 Jahren ansprechen.<\/p>\n<p>Schon eine Woche nach seiner Gr\u00fcndung in Th\u00fcringen hatte der RJ \u00fcber 2000 Mitglieder.<\/p>\n<p><strong><a name=\"30\">&#8211;Die Rote Marine<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Eine weitere Unterorganisation des RFB war die Rote Marine (RM), deren erste Formation im September 1925 inBremen gegr\u00fcndet wurde.<\/p>\n<p>Aufgrund der \u00fcberschaubaren Gr\u00f6\u00dfe der Reichsmarine war es f\u00fcr die Rote Marine nahezu unm\u00f6glich, Matrosen f\u00fcr den Bund zu gewinnen. Sie blieb auch deshalb mitgliedsschwach, weil die meisten kommunistisch orientierten Matrosen vor der Gr\u00fcndung der RM bereits dem RFB beigetreten waren, und eine Mitgliedschaft in beiden Organisationen untersagt war.<\/p>\n<p>Mitglieder der Roten Marine waren haupts\u00e4chlich ehemalige Matrosen oder Hafen- und Werftarbeiter. Die bedeutendste Abteilung des Bundes befand sich in Hamburg, wo es 1927 nach eigenen Angaben 400 Rote Matrosen gab. Weitere Sektionen bestanden in K\u00f6nigsberg, L\u00fcbeck, Unterweser und Kiel. Politisch war die Rote Marine der jeweiligen Gauf\u00fchrung untergeordnet und finanziell von der RFB-Bundesf\u00fchrung abh\u00e4ngig. Die Rote Marine hatte den gleichen organisatorischen Aufbau wie der RFB.<\/p>\n<p><strong><a name=\"31\">&#8211;Der Rote Frauen- und M\u00e4dchenbund (RFMB)<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Schon auf der I. Reichskonferenz des RFB stand die Bildung einer unabh\u00e4ngigen Rotfrontk\u00e4mpferinnenorganisation auf der Tagesordnung, da die Rolle der Frauen im RFB von Anfang an nicht gekl\u00e4rt war.<\/p>\n<p><em>\u00bbZun\u00e4chst war keineswegs klar, welche Rolle der &#8222;revolution\u00e4ren&#8220; Frau in der Bewegung zugedacht war. Richtlinien und Satzungen gaben dar\u00fcber keinen Aufschlu\u00df, aber die Kameradinnen waren von Anfang an mit dabei und wurden an einigen Orten sogar in Funktion\u00e4rsstellen gew\u00e4hlt.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>(Kurt G.P. Schuster, s.o.)<\/p>\n<p>Nach kontroverser Diskussion setzte sich die Ansicht durch, da\u00df eine eigenst\u00e4ndige Frauenorganisation weit mehr Anziehungskraft auf Arbeiterinnen haben w\u00fcrde als der RFB.<\/p>\n<p><em>\u00bbAls die Bezirksleiter mit dem Projekt der Frauenabteilung vor ihre Bezirkskonferenz traten, scheinen sie doch auf einen weitverbreiteten Widerstand gesto\u00dfen zu sein. Das zeigt sich deutlich im Protokoll der II. Reichskonferenz, deren zweiter Verhandlungstag &#8211; neben der Abstimmung der Antr\u00e4ge &#8211; diesem Thema gewidmet war.\u00ab<\/em><\/p>\n<p>(Kurt G.P. Schuster, s.o.)<\/p>\n<p>Zudem gab es Antr\u00e4ge von einigen Bezirken, da\u00df Frauen und M\u00e4dchen k\u00fcnftig nicht mehr an Aufm\u00e4rschen und Veranstaltungen teilnehmen sollten, da sie &#8222;den Anstrengungen nicht gewachsen&#8220; seien und die milit\u00e4rische Disziplin st\u00f6ren w\u00fcrden.<\/p>\n<p><em>\u00bbDie anschlie\u00dfenden Diskussion erbrachte eine bunte Reihe von Argumenten unterschiedlicher Qualit\u00e4t und Provenienz (Herkunft, d.V.) f\u00fcr und wider die Losl\u00f6sung vom Bunde: Die Rolle der Frau in der Pariser Kommune, die Tatsache, da\u00df Rosa Luxemburg eine Frau war, die Verwendbarkeit der Frau im Sanit\u00e4tsdienst, die durch denEinsatz von Frauen m\u00f6glicherweise steigende Anziehungskraft des Bundes, die Tatsache, da\u00df der Gegner (die rechts-reaktion\u00e4ren B\u00fcnde, d.V.) sich im Luisenbund ebenfalls eine Frauenabteilung geschaffen habe, wurden f\u00fcr den Verbleib der Frauen und M\u00e4dchen im RFB ins Feld gef\u00fchrt; dagegen sprach in den Augen der Delegierten die physiologische Unzul\u00e4nglichkeit der Frau im &#8222;milit\u00e4rischen&#8220; Dienst, die St\u00f6rung des disziplinierten milit\u00e4rischen Auftretens, die Zersetzung der &#8222;Manneszucht&#8220; durch die M\u00e4dchen, die &#8222;immer wieder erwiesene&#8220; geringe politische und auch nervliche Standhaftigkeit der Frau.\u00ab<\/em><\/p>\n<p>(Kurt G.P. Schuster, s.o.)<\/p>\n<p>Die Reichskonferenz beschlo\u00df, <em>\u00bbdie bestehenden Frauen- und M\u00e4dchenabteilungen obligatorisch vom RFB loszul\u00f6sen und die Erfassung und Sammlung der Frauen im Roten Frauenbund durchzuf\u00fchren\u00ab<\/em>. Die Bundesleitung wurde beauftragt, die Initiative zur Gr\u00fcndung des neuen Bundes zu ergreifen.<\/p>\n<p><em>\u00bbNicht erw\u00e4hnt worden war in der Diskussion ein Argument, das in den \u00dcberlegungen der Zentrale der KPD angeblich eine Rolle gespielt haben soll. Clara Zetkin hat danach die Ansicht vertreten, da\u00df bei der Angliederung der Frauen an den RFB die Werbekraft auf das weibliche Publikum zu gering sei und da\u00df &#8211; um den &#8222;Radius&#8220; der ansprechbaren Frauen zu erweitern &#8211; die organisatorische Selbst\u00e4ndigkeit der Frauenorganisation w\u00fcnschenswert w\u00e4re.\u00ab<\/em><\/p>\n<p>(Kurt G.P. Schuster, s.o.)<\/p>\n<p>Da es zun\u00e4chst nur bei diesem Appell blieb, legte MarthaGr\u00fcnert, Delegierte auf der II. Reichskonferenz 1925 und sehr engagiert in der Frage der Frauenorganisation, bei der Bundesleitung in Berlin folgenden Entwurf vor:<\/p>\n<p><em>\u00bbDie Frauenliga hat die Aufgabe, den Kampf f\u00fcr soziale Verbesserungen wie Mutterschutz, Kinderhilfe, Schulpflege usw. zu f\u00fchren; f\u00fcr Abschaffung der [[section]]128 und [[section]]219 einzutreten, (&#8230;) in enger Verbindung mit dem RFB.\u00ab<\/em><\/p>\n<p>Der KPD gingen die politischen Ambitionen dieses Entwurfs jedoch entschieden zu weit. Der Bund solle nicht zu einem Parteiersatz werden. Gerade politisch brisante Themen wie Mutterschutz oder Abschaffung des Abtreibungsparagraphen 218 beanspruchte die KPD f\u00fcr sich.<\/p>\n<p>So wurde auf der am 29. November 1925 einberufenen Reichskonferenz des &#8222;provisorischen Komitees des Roten Frauenbundes&#8220; der Rote Frauen- und M\u00e4dchenbund (RFMB) gegr\u00fcndet, dessen Satzung bis auf den Paragraphen 3 mit der des RFB identisch war.<\/p>\n<p>Der Vorschlag von Martha Gr\u00fcnert, der sich in konkreten Forderungen zum &#8222;Zweck des Bundes&#8220; (Satzungsparagraph 3) \u00e4u\u00dferte, wurde durch allgemeine und verschwommenere Formulierungen ersetzt. Somit war klar, da\u00df der RFMB, wie schon der RFB als &#8222;Vorschule der Partei&#8220; zu verstehen sein sollte.<\/p>\n<p>Die Auseinandersetzungen um den Zweck des Bundes gingen jedoch dar\u00fcber hinaus.<\/p>\n<p><em>\u00bbDabei wurde von den Frauen die Quadratur des Kreises erwartet: Sie sollten keine &#8222;milit\u00e4rische Organisation&#8220; sein, aber eine &#8222;Kampforganisation proletarischer Frauen&#8220;.Sie sollten kein &#8222;kleinb\u00fcrgerlicher&#8220; Verein sein, aber &#8222;Methoden anwenden, wie sie bisher nur mit Erfolg von b\u00fcrgerlichen Vereinen gebraucht wurden&#8220;. Sie durften nicht &#8222;den proletarischen Charakter&#8220; ihrer Veranstaltungen verwischen, aber sollten die &#8222;Tatsache beachten&#8220;, da\u00df Frauen &#8222;ein starkes Unterhaltungs- und Bildungsbed\u00fcrfnis haben&#8220;. F\u00fcr die Gr\u00fcndungsversammlung sollte ein &#8222;freundliches&#8220; Lokal gesucht werden!\u00ab<\/em><\/p>\n<p>(Kurt G.P. Schuster, s.o.)<\/p>\n<p>Als Vorsitzende wurde Clara Zetkin gew\u00e4hlt, die diesen Posten jedoch von Anfang an nur fomal besetzte und ihre Hauptaufgabe in der KPD-Zentrale sah. Eigentliche Vorsitzende und organisatorischer Kopf war Helene Overlach, aus der Ortsgruppe Hamburg\/ Wasserkante. Nach eigenen Angaben geh\u00f6rten dem Roten Frauen- und M\u00e4dchenbund zum Zeitpunkt seiner ersten Reichskonferenz im November 1926 ca. 25000 Frauen an.<\/p>\n<p>Das Mindestalter wurde auf 16 Jahre festgelegt. \u00c4hnlich wie die Rote Jungfront beim RFB wurde auch beim RFMB eine Jugendorganisation, die sogenannten &#8222;M\u00e4delgruppen&#8220; eingerichtet. In Ihnen sollten M\u00e4dchen von 14 bis 18 Jahren zusammengefa\u00dft werden.<\/p>\n<p>Frauen, die Mitglied beim RFMB wurden, leisteten, \u00e4hnlich wie die M\u00e4nner beim RFB, einen Fahneneid, der &#8222;im Zeichen des Blutes&#8220; einen &#8222;heiligen Schwur bis zum Tod&#8220; ausdr\u00fccken sollte.<\/p>\n<p>Die Meldungen und Berichte \u00fcber den RFMB waren, selbst in KPD- und RFB-Publikationen, mehr als d\u00fcrftig.<\/p>\n<p>Zur II. RFMB-Reichskonferenz vom 10. Februar 1928, die bei Berlin stattfand, gab es beispielsweise nur eine kurze Notiz in der &#8222;Roten Fahne&#8220;, dem Zentralorgan der KPD. Dagegen wurde \u00fcber Konferenzen des RFB seitenweise berichtet, Reden und Diskussionbeitr\u00e4ge sogar h\u00e4ufig im Wortlaut abgedruckt.<\/p>\n<p>Nachdem der preu\u00dfische Innenminister Severing von der SPD am 3. Mai 1929 den Roten Frontk\u00e4mpferbund und seine Unterorganisationen, die Rote Jungfront und die Rote Marine verboten hatte, konnte dern von diesem Verbot nicht betroffene RFMB ncoh am 17. August 1929 legal seine III. Reichskonferenz nach Erfurt einberufen.<\/p>\n<p>Durch die politischen Verbote kam diesem Treffen verst\u00e4ndlicherweise eine besondere Bedeutung zu. Helene Overlach, 2. Vorsitzende des RFMB, rief alle Proletarierinnen dazu auf, <em>\u00bbSoldaten f\u00fcr die Revolution\u00ab<\/em> zu werden und die legalen Nachfolgeorganisationen des RFB, wie die Antifaschistischen Jungen Garden, zu unterst\u00fctzen und ihnen beizutreten.<\/p>\n<p>Nachdem Helene Overlach im Jahre 1930 bei einer Demonstration schwer verletzt wurde und danach zur Schulung in die Sowjetunion ging, finden sich keine Berichte oder Dokumentationen \u00fcber die T\u00e4tigkeit des RFMB mehr.<\/p>\n<p>Nach wie vor bleibt ungekl\u00e4rt, welchen gesellschaftlichen und innerparteilichen Stellenwert der RFMB tats\u00e4chlich hatte. Selbst die Publikationen der KPD und des RFB, wie bereits erw\u00e4hnt, geben wenig Aufschlu\u00df \u00fcber die tats\u00e4chliche Bedeutung und liefern auch ein verzerrtes Bild dieser Frauenorganisation. Festzuhalten bleibt, da\u00df die in Ans\u00e4tzen bekannten und dargestellten Auseinandersetzungen um die Gr\u00fcndung des RFMB als eigenst\u00e4ndige oder eingegliederte Organsiation, anschaulich dokumentieren, welches &#8211; aus heutiger Sicht &#8211; zum Teil r\u00fcckst\u00e4ndiges Frauenbild, auch auf linker Seite als &#8222;Norm&#8220; galt.<\/p>\n<p>Es dokumentiert ebenfalls, da\u00df zwar eine Auseinandersetzung um die Funktion und Wirkungsweise des [[section]]218 oder die Bedeutung des Mutterschutzes stattgefunden hatte, jedoch eine tiefergehende (marxistische) Auseinandersetzung um die geselschaftliche Trennung von Reprodutions- und Produktionsarbeit im Kapiatalismus und der daraus resultierenden Frauenrolle nicht realisiert worden ist. So fehlt folglich auch eine breitere Auseinandersetzung um die Funktion der Kleinfamilie f\u00fcr den aufkommenden Faschismus. Nicht nur beim RFMB, RFB und KPD, sondern in der gesamten linken\/proletarischen Bewegung spielten diese Fragen eine untergeordnete Rolle.<\/p>\n<p><strong><a name=\"32\">Einheitsfrontbestrebungen anhand der F\u00fcrstenenteignungskampagne<\/a><\/strong><\/p>\n<p>In der ersten H\u00e4lfte des Jahres 1926 stand f\u00fcr den RFB der <em>\u00bbKampf f\u00fcr die F\u00fcrstenenteignung&#8220;<\/em> im Vordergrund. Die F\u00fcrsten &#8211; deren Verm\u00f6gen und Besitzt\u00fcmer 1918 zwar beschlagnahmt aber nicht enteignet worden waren &#8211; forderten von der Regierung insgesamt etwa 2,5 Milliarden Reichsmark Entsch\u00e4digung. Allein f\u00fcr die Hohenzollern zahlte der Staat j\u00e4hrlich 600000 Reichsmark.<\/p>\n<p>Beginn der Kampagne war der von der KPD am 25. November 1925 eingebrachte Gesetzentwurf, der die entsch\u00e4digungslose Enteignung der ehemaligen F\u00fcrstent\u00fcmer forderte. Da der Entwurf erwartungsgem\u00e4\u00df abgelehnt wurde, strebte die KPD einen Volksentscheid an. Zu dessen Durchf\u00fchrung war zun\u00e4chst ein Volksbegehren erforderlich, dei dem sich am 17. M\u00e4rz 1926 rund 12,5 Millionen Wahlberchtigte f\u00fcr den Volksentscheid aussprachen. Das waren weit mehr als die erforderlichen 10%; der Volksentscheid wurde f\u00fcr den 20. Juni 1926 angesetzt.<\/p>\n<p>Von der KPD wurde die Kampagne als gro\u00dfer Erfolg in der Frage der Einheitsfront gewertet. Gro\u00dfe Teile der mittelst\u00e4ndischen Bev\u00f6lkerungsschicht, die konkret von der Inflation um ihre Ersparnisse gebracht worden waren und im allgemeinen mit der fortschreitenden Monopolisierung des Kapitals (immer mehr Gro\u00dfbetriebe, immer weniger Mittelst\u00e4ndische- und Kleinbetriebe) betroffen waren, votierten dementsprechend f\u00fcr die Enteignung. Deshalb &#8211; schon allein aus wahltaktischen Gr\u00fcnden &#8211; beteiligte sich die SPD nach anf\u00e4nglichem Z\u00f6gern and der Kampagne. Die F\u00fchrung des Reichsbanners untersagte ihren Mitgleidern zwar die Zusammenarbeit mit KommunistInnen, sprach sich aber f\u00fcr die Kampagne aus. Allein in Th\u00fcringen bildeten sich &#8211; trotz der Anweisung der Reichsbannerf\u00fchrung &#8211; \u00fcber 30 Einheitsfront-Komitees, denen KommunistInnen, SozialdemokratInnen, Rotfrontk\u00e4mpfer, Gewerkschafts- und Reichsbannermitglieder angeh\u00f6rten.<\/p>\n<p><em>\u00bbWer den F\u00fcrsten nur einen Pfennig gibt, bezahlt die Maschinengewehre der Monarchisten\u00ab<\/em>, hie\u00df es auf einer Kundgeung der Roten Jungfront, der Jugendorganisation des RFB, am 3. Februar 1926 in Berlin\/Wedding. In Berlin nahmen am 27. Januar 1926 rund 150000 Menschen an einer Demonstration f\u00fcr die F\u00fcrstenenteignung teil.<\/p>\n<p>Trotz der breiten Mobilisierung und Gr\u00f6\u00dfe der Kampagne fehlten am 20. Juni 4,5 Millionen Stimmen. 15,5 Millionen Stimmen waren mit ihrer &#8222;Ja&#8220;-Stimme f\u00fcr die entsch\u00e4digungslose Enteignung der F\u00fcrsten eingetreten. Das waren mehr, als Hindenburg bei seiner Wahl zum Reichspr\u00e4sidenten, nach dem Tode Eberts, 1925 bekommen hatte. Auch wenn die Kampagne ihr Ziel nicht erreicht hatte, wurde sie von der KPD ausschlie\u00dflich als Niederlage gewertet. Ein Teilerfolg war beispielsweise, da\u00df ein beachtlicher Zuwachs an Mitgliedern zu verzeichnen war.<\/p>\n<p>Die Kampagne war zugleich Teil des antimilitaristischen Kampfes, denn die Kron- und Erbprinzen besa\u00dfen teilweise F\u00fchrungspositionen in den militaristischen Verb\u00e4nden. Beispielsweise waren die Hohenzollernprinzen August Wilhelm und Eitel Friedrich hohe F\u00fchrer imStahlhelm und sp\u00e4ter in der SA. Erbprinz Josias von Waldeck-Pyrmont geh\u00f6rte zum Jungdeutschen Orden, war SS-F\u00fchrer und sp\u00e4ter KZ-Kommandeur.<\/p>\n<p><strong><a name=\"33\">Bilder der Stra\u00dfen<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Angesichts der Gefahr, die der RFB durch die jederzeit von Polizei oder militaristischen Verb\u00e4nden erfolgenden \u00dcberf\u00e4lle ausgesetzt war, traf der Bund bei seinem \u00f6ffentlichen Auftreten Sicherungsma\u00dfnahmen. Auch die Erfahrungen aus den Niederschlagungen der revolution\u00e4ren Aufst\u00e4nde sowie den anschlie\u00dfenden Verfolgungen waren Hintergrund daf\u00fcr, da\u00df alle gr\u00f6\u00dferen Demonstrationen durch einen Beobachtungs- und Meldedienst gesichtert wurde, der den Zug unmittelbar und in den Nebenstra\u00dfen begleitete. Au\u00dferdem marschierten besondere Sicherungsgruppen hinter der Fahne im Zuge und am Ende des Zuges. Bei gegebenen Anl\u00e4ssen begleiteten diese Sicherungsgruppen die Demonstrationen auch in Reihen am Stra\u00dfenrand.<\/p>\n<p>Diese Ma\u00dfnahmen dienten dem Schutz vor Zusammenst\u00f6\u00dfen und dem Eindringen vonSpitzeln und Provokateuren in Demonstrationen. Desweiteren verfolgte das disziplinierte Auftreten den Zweck, bei der Bev\u00f6lkerung und der Polizei als politisch starke und handlungsf\u00e4hige Bewegung bzw. Organisation aufzutreten.<\/p>\n<p>Massenaufm\u00e4rsche und Paraden hatten in jener Zeit gro\u00dfe agitatorische Bedeutung, was bei der Betrachtung aus heutiger Sicht, von erheblicher Bedeutung sein sollte. Es gab damals weder Fernsehen &#8211; das Kino steckte in den Kinderschuhen &#8211; noch war das Radio ein Massenmedium. So mu\u00df sich vor Augen gef\u00fchrt werden, da\u00df eine &#8222;Doppel\u00f6ffentlichkeit&#8220; (Medienwirklichkeit und Realit\u00e4t) wie in der heutigen Gesellschaft, nicht existent war. Das politische Leben spielte sich vor allem auf der Stra\u00dfe ab. Hier gab es authentische Bilder und Informationen, hier konnte sich ein Bild von der \u00dcberzeugungskraft der jeweiligen politischen Organisation gemacht werden. So erh\u00f6hten Demonstrationen die politische Ausstrahlungskraft, wirkten entsprechend auf die eigenen Mitglieder und waren, neben Streiks, das wichtigste politische Mittel, zur Durchsetzung politischer Forderungen.<\/p>\n<p>Die Paraden rechter, reaktion\u00e4rer Verb\u00e4nde, allen voran der Stahlhelm, hatten die Atmosph\u00e4re in vielen deutschen St\u00e4dten seit Ende 1923 bestimmt.<\/p>\n<p>Dieses Bild ver\u00e4nderte sich schon kurz nach der Gr\u00fcndung des Reichbanners Schwarz-Rot-Gold und des RFB. Das Auftreten der gut organsierten und disziplinierten Rotfrontk\u00e4mpferabteilungen, die zumeist von Spielmannsz\u00fcgen oder Schalmeienkapellen angef\u00fchrt wurden, ver\u00e4nderte die Stimmung innerhalb der ArbeiterInneschaft, mobilisierte, gab politisches Bewu\u00dftsein (zur\u00fcck) und demonstrierte die eigene St\u00e4rke.<\/p>\n<p>Der Gesang revolution\u00e4rer Marsch- und Kampflieder spielte dabei eine besondere Rolle. Nicht allein als Mittel, das Zusammengeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchl und die Disziplin innerhalb der einzelnenen Kolonnen zu st\u00e4rken, vielmehr wirkten die Texte aufkl\u00e4rend, werbend und mobilisierend nach au\u00dfen. In der ersten Zeit des RFB wurden, neben bekannten ArbeiterInnenliedern, besonders jene Lieder gesungen, die in den K\u00e4mpfen der Novemberrevolution 1918 entstanden waren. Die Texte berichteten in einfachen Worten von den K\u00e4mpfen, Opfern und Erlebnissen jener Tage.<\/p>\n<p><strong><a name=\"34\">Das Ende von Weimar<\/a><\/strong><br \/>\n<strong><a name=\"35\">&#8211;Der Beginn der Weltwirtschaftskrise<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Als unmittelbare Folge der 1929 einsetzenden Weltwirtschaftskrise versch\u00e4rften sich die sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen vor allem f\u00fcr die Lohnabh\u00e4ngigen auch inDeutschland.<\/p>\n<p>Produktionsstillegungen, zahlungsunf\u00e4hige Banken, leere Kassen bei den Sozialversicherungen, sprunghaft ansteigende Massenarbeitslosigkeit, gar Hunger und Elend verst\u00e4rkten auch die politischen Gegens\u00e4tze.<\/p>\n<p>Auseinandersetzungen zwischen ArbeiterInnenorganisationen und den inzwischen erstarkten faschistischen Verb\u00e4nden der NSDAP, vor allem der SA, nahmen mehr und mehr zu und forderten die ersten Opfer.<\/p>\n<p>Innerhalb des Parlaments versuchte die &#8222;Weimarer Koalition&#8220; durch Kl\u00fcngeleien mit der Gro\u00dfindustrie ihre Macht zu erhalten, was immer auch bedeutete, soziale Rechte der ArbeiterInnen einzuschr\u00e4nken bzw. abzuschaffen.<\/p>\n<p>Politische Auseinandersetzungen fanden ihren Ausdruck vor allem in den K\u00e4mpfen auf der Stra\u00dfe, insbesondere die ArbeiterInnenviertel wurden h\u00e4ufig Zeilscheibe faschistischer und polizeilicher Provokationen bzw. Terrors.<\/p>\n<p>In dieser \u00e4u\u00dferst angespannten Situation versuchten die b\u00fcrgerlichen Regierungsaparteien das verst\u00e4rkte Auftreten des RFB mit verschiedenen Verboten von Demonstrationen zu behindern. Offiziell sollten die Verbote &#8222;links und rechts&#8220; treffen. Am 13. Dezember 1928 erlie\u00df der Berliner Polizeipr\u00e4sident Z\u00f6rgiebel ein &#8222;allgemeines Demonstrationsverbot&#8220; \u00fcber Berlin, welches im M\u00e4rz 1929 auf das ganze Reich ausgeweitet wurde. Au\u00dferdem wurden im M\u00e4rz 1929 alle Polizeibeh\u00f6rden Preu\u00dfens angewiesen, <em>\u00bbmit allen zu Gebote stehenden Mitteln\u00ab<\/em> gegen die <em>\u00bbradikalen Organisationen\u00ab<\/em> vorzugehen.<\/p>\n<p>Einer Information des Stahlhelmbundvorstandes ist jedoch zu entnehmen, da\u00df die Anweisung des sozialdemokratischen Innenministers allein gegen RFB, KPD und radikale linke Kr\u00e4fte gerichtet war:<\/p>\n<p><em>\u00bbVon sonst gut unerrichteter Seite h\u00f6re ich, da\u00df der vor einigen Tagen ver\u00f6ffentlichte Erla\u00df des Preu\u00dfischen Innenministers &#8222;gegen die Verb\u00e4nde&#8220; auf die Kommunisten gem\u00fcnzt sei und das man die leicht erkennbare Spitze gegen die Rechtsverb\u00e4nde nur angwandt habe, um von dem eigentlich verfolgten Zweck abzulenken. Wie die letzten Betriebsr\u00e4tewahlen deutlich gezeigt h\u00e4tten, liefen die Sozialdemokraten und freien Gewerkschaften Gefahr, von den Kommunisten an die Wand gequetscht zu werden; deshalb m\u00fc\u00dften diese jetzt einen Schlag gegen die Kommunisten unternehmen, zumal die Haupterfolge der kommunistischen Partei gerade in Gebieten errungen w\u00fcrden, die bisher sozialdemokratsicher Dom\u00e4ne gewesen seien,&#8230;\u00ab<\/em>.<\/p>\n<p>Der Berliner Polizeipr\u00e4sident Karl Z\u00f6rgiebel (SPD) hielt das Demonstrationsverbot auch f\u00fcr den 1. Mai 1929 aufrecht.<\/p>\n<p>Die KPD und etwa 200000 Menschen widersetzten sich dem Verbot und demonstrierten trotzdem in Berlin. Als die Polizei mit massiver Gewalt gegen die Demonstration vorging und in die Menge scho\u00df, kam es zu schweren Auseinandersetzungen, die sich zu b\u00fcrgerkriegs\u00e4hnlichen Zust\u00e4nden entwickelten. Polizisten wurden entwaffnet und auf die Polizei zur\u00fcckgeschossen sowie Barrikaden errichtet. Vor allem in den Sadtteilen von Neuk\u00f6lln und Wedding zogen sich die K\u00e4mpfe bis zu drei Tagen hin. Offiziell kamen 30 ArbeiterInnen ums Leben (laut Bericht eines Zeitzeugen, 42 Tote).<\/p>\n<p>Diese Tage in Berlin gingen unter dem Begriff des &#8222;Blutmai &#8217;29&#8220; in die Geschichte ein. Der RFB und seine Unterorganisationen wurden in diesem Zusammenhang am 3. Mai 1929 verboten.<\/p>\n<p><strong><a name=\"36\">&#8211;Die parlamentarische Demokratie auf dem Weg zum Nationalsozialismus<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Zwar gab es Anfang der drei\u00dfiger Jahre einen konjunkturellen wirtschaftlichen Aufschwung in der Weimarer Republik, jedoch hielt die politsche Krise an und versch\u00e4rfte sich zusehends, um schlie\u00dflich im Sommer 1932 ihren H\u00f6hepunkt zu erreichen. Im Juni 1932 waren im Deustchland 7,5 Millionen Menschen arbeitslos, d.h. jeder Zweite.<\/p>\n<p>Der Einflu\u00df der Gro\u00dfindustrie auf das Parlament hatte in der Weise Ausma\u00dfe angenommen, da\u00df diese nunmehr direkt und offen in politische Entscheidungen Einflu\u00df nahmen bzw. forderten. Im Mai 1932 wurde das Kabinett Br\u00fcning, eine Koalition der SPD mit dem Zentrum un der Deutschen Demokratischen Partei endg\u00fcltig gest\u00fcrzt, da sie ihre Aufgabe erf\u00fcllt hatten. Hintergrund f\u00fcr den Zeitpunkt war die Tatsache, da\u00df explizit die IG-Farben durch die R\u00fccksichtnahmne der Zentrumspolitiker auf die christlichen Gewerkschaften ihr monopolitsiches Wirtschaftsprogramm behindert sahen.<\/p>\n<p>Die Politik Br\u00fcnings seit der Zeit von 1930 (der SPDler Marx war durch Artikel 48 als Reichskanzler abgesetzt worden und das Parlament damit als politische Instanz au\u00dfer Kraft gesetzt) bis Fr\u00fchjahr 1932 zeichnete sich dadurch aus, da\u00df die Vorstellungen der Gro\u00dfindustrie zur \u00dcberwindung der Wirtschaftskrise parlamentarisch durchgef\u00fchrt wurden: Durch inflation\u00e4re Ma\u00dfnahmen konnten die Industrieberiebe ihre Schulden in Pfenningsbetr\u00e4gen zur\u00fcckzahlen, Kartellabsprachen oder Korruption wurden nicht strafrechtlich verfolgt. All diese Ma\u00dfnahmen gingen einher mit einem massiven Abbau gewerkschaftlicher Rechte und sozialer Absicherungen. Hauptlast trugen dabei die Lohnabh\u00e4ngigen und Teile des Kleinb\u00fcrgertums, denen durch Br\u00fcnings Notverordnugspolitik die Existenzgrundlage entzogen wurde, da finanziell die Gro\u00dfindustrie und Banken &#8222;saniert&#8220; werden sollten, die Monopolisierung vorangetrieben wurde und Kleinbetriebe massenhaft eingingen.<\/p>\n<p>Br\u00fcning selbst kam zu der Einsicht, da\u00df <em>\u00bbdie gesamte Schwerindustrie kein anderes Mittel f\u00fcr ihre eigene Rettung sah, als immer weiter L\u00f6hne zu senken bzw. einen gewaltsamen Umschwung mit nachfolgender Inflation durch starke finanzielle Unterst\u00fctzung der NSDAP herbeizuf\u00fchren.\u00ab<\/em><\/p>\n<p>Zum Nachfolger Br\u00fcnings wurde am 1. Juni 1932 Franz von Papen per Notverordnung Hindenburgs ernannt. Papen unterhielt enge Beziehungen zur rheinischen Schwerindustrie. Er war ein Vertrauensmann der Reichswehr und Anh\u00e4nger ultrareaktion\u00e4rer und scharf antikommunistischer Theorien. So war es dann auch Papen, der, trotz des massiven Aufschwungs der Faschisten &#8211; namentlich der NSDAP und SA &#8211; das kurzfristige Verbot der SA vom 13. April 1932 am 14. Juni wieder aufhob (u.a. eine Reaktion auf vermehrte Arbeitsschutzeinheiten) und in der Begr\u00fcndung der Papen-Regierung hie\u00df es schlie\u00dflich, er sei <em>\u00bbder \u00dcberzeugung (&#8230;), da\u00df das Staatsschiff nicht gegen, sondern nur mit der Welle der nationalsozialistischen Bewegung in den Hafen gebracht werden m\u00fc\u00dfte.\u00ab<\/em><\/p>\n<p>Hintergrund einer solchen \u00c4u\u00dferung Papens war die Tatsache, da\u00df sich mit der Zuspitzung der gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse seit 1928 gro\u00dfe Teile des Monopolkapitals bereits zu diesem Zeitpunkt f\u00fcr die Variante des Faschismus zur Aufrechterhaltung zund Absicherung ihrer Profite entschieden hatten (bereits ab 1925\/26). Sp\u00e4testens seit dieser Zeit flossen gro\u00dfe Geldsummen in den Aufbau der nationalsozialistischen Bewegung, speziell in die NSDAP, die vor allem Hitler durch geschickte Verhandlungen f\u00fcr die Partei losmachte.<\/p>\n<p>Ein Ph\u00e4nomen dabei war, da\u00df die NSDAP den politischen Spagat zwischen offener Bef\u00fcrwortung des nationalen Kapitals und gleichzeitiger Ablehnung des internationalen Kapitals schaffte. Die Breite der nationalsozialistischen Bewegung wurde weniger durch offenes prokapitalistisches Auftreten erreicht als vielmehr \u00fcber die Linie der SA, die mit nationalrevolution\u00e4ren (vermeintlich antikapitalistischen) Parolen vor allem das mit Existenzangst behaftete Kleinb\u00fcrgertum an sich band und sogar ein Einsickern in Schichten der Lohnabh\u00e4ngigen erreichen konnte. Nichtsdestotrotz bildeten diesen beiden vermeintlichen Fl\u00fcgel keinen Widerspruch. W\u00e4hrend Hitler und Konsorten das Geld f\u00fcr den Aufbau einer Massenpartei in enger politischer Zusammenarbeit mit seinen Geldgebern anh\u00e4ufte, sorgten nationalrevolution\u00e4re Parolen f\u00fcr Vorbereitung der immer weiter entstehenden Massenbewegung.<\/p>\n<p>Auf den Punkt brachte die politische Situation des offenen Zusammenarbeitens rechter\/faschistischer Kr\u00e4fte mit geldstarken Gro\u00dfindustriellen und einflu\u00dfreichen Medienf\u00fcrsten die Gr\u00fcndung der &#8222;Harzburger Front&#8220;. Diese, am 11.\/12. Oktober 1932 in Bad Harzburg ins Leben gerufene Vereinigung, war ein Zusammenschlu\u00df der NSDAP, des Stahlhelms, der DNVP sowie verschiedener Gro\u00dfindustrieller und des Mediengiganten Hugenberg.<\/p>\n<p><strong><a name=\"37\">&#8211;Die hinhaltende SPD<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Mit der Aufl\u00f6sung des Reichstages am 4. Juni 1932 hatte sich die Pr\u00e4sidialdiktatur nun ganz hochoffiziell durchgesetzt.<\/p>\n<p>Die SPD, allen voran der Preu\u00dfische Innenminister Severing, empfahlen immer noch, die Tolerierungspolitik fortzusetzen, anstatt diesem erneuten offenen Rechtsruck entgegenzutreten. Sie beschr\u00e4nkte sich darauf, eine Verfassungsanfrage zu stellen, ob der Rechtsm\u00e4\u00dfigkeit der Einsetzung Papens. Damit war auch die SPD ihrer Funktion als vermeintliche Opposition endg\u00fcltig beraubt, sie besa\u00df nun nicht mal mehr parlamentarischen Einflu\u00df. So wurde ihre fatale Tolerierungspolitik damit best\u00e4tigt, da\u00df sie &#8211; ganz legal und auf verfassungsgem\u00e4\u00dfem Wege &#8211; entmachtet worden war. Sie hatte &#8211; mit dem Verzicht auf andere Widerstandsmittel (Streiks, Demonstrationen etc.) ihre eigene Entmachtung toleriert. Trotz parlamentarischer Bem\u00fchungen der KPD, zusammen mit Zentrum und der SPD das Eintreten der NSDAP in die Regierung zu verhindern, n\u00e4herten sich die Papen-Regierung und die NSDAP immer mehr an.<\/p>\n<p>Obwohl schon Br\u00fcning viele Verordnungen erlassen hatte, die die soziale Absicherung der Lohnabh\u00e4ngigen immer mehr ausgeh\u00f6hlt hatten, setzte Papen die Politik der Notverordnungen unbeirrt und rabiat weiter fort. Soziale Rechte der ArbeiterInnen wie das Tariflohnsystem oder Arbeitslosenversicherung sollten g\u00e4nzlich abgeschafft werden.<\/p>\n<p><strong><a name=\"38\">Der Preu\u00dfenschlag<\/a><\/strong><br \/>\n<strong><a name=\"39\">&#8211;Zur Bedeutung Preu\u00dfens<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Preu\u00dfen war der gr\u00f6\u00dfte deutsche Teilstaat. Im Zentrum Mitteleuropas gelegen war er sowohl in der industriellen wie in der agrarischen Produktion f\u00fchrend. Durch diese Ausgangsbedingungen und die eigene Geschichte hatte Preu\u00dfen innerhalb Deutschlands eine dominate Stellung. \u00bbWer Preu\u00dfen hat, hat Deutschland\u00ab, lautete ein gefl\u00fcgeltes Sprichwort rechter Kreise zu dieser Zeit.<\/p>\n<p>In ihren Grundz\u00fcgen vom Kaiserreich \u00fcbernommen \u00fcberlie\u00df die bundesstaatliche Struktur der Weimarer Republik wesentliche Kompetenzen den L\u00e4ndern und nicht dem Reich, vor allem die Innen-, Justiz- und Kulturpolitik. Deshalb bestand kein unmittelbarer Einflu\u00df der Reichsregierung auf die preu\u00dfische Polizei, die allgemeine Verwaltung und die Justiz.<\/p>\n<p>Gerade die preu\u00dfische Polizei galt als musterg\u00fcltige Institution, die politische Gesinnung der einfachen Polizisten war eher der SPD zugeneigt, w\u00e4hrend die Offizierskorps noch aus alten Armeestrukturen stammten.<\/p>\n<p>Ministerpr\u00e4sident Otto Braun w\u00fcrde mit seiner Polizei nicht den Weg freimachen f\u00fcr eine offene Macht\u00fcbertragung auf die Faschisten, so die allgemeine Ansicht damals. Das gleiche wurde von Verwaltung und Justiz behauptet, die trotz der allgemeinen Bek\u00e4mpfung des kommunistischen Widerstands als relativ demokratisch galt.<\/p>\n<p>Berlin als Hauptstadt des Reichs und des Landes Preu\u00dfen war unter diesen Voraussetzungen den Propagandisten eines Rechtsputsches ein Dorn im Auge, vor allem dadurch, da\u00df Berlin auch Hauptstadt der ArbeiterInnenbewegung war.<\/p>\n<p>Hier hatten die politischen Zentralen der SPD, der sozialdemokratischen Gewerkschaften und der KPD ihren Sitz. Auch hierauf war es zur\u00fcckzuf\u00fchren, da\u00df die beiden ArbeiterInnenparteien bei den letzten Reichstagswahlen 1930 in Berlin 1,5 Stimmen erhalten hatte, fast viermal soviel wie die NSDAP. Dar\u00fcberhinaus war der Stimmanteil der KPD in Berlin genauso hoch wie der der SPD, hier nahm sie der SPD viele Stimmen ab.<\/p>\n<p>F\u00fcr die politische Rechte war die Macht\u00fcbernahme der Stadt wegen ihrer vielf\u00e4ltigen Funktionen und zugleich auch wegen ihres im Gegensatz zu anderen Regionen des Reiches ausgepr\u00e4gten linken Widerstandes gegen rechts von gr\u00f6\u00dfter Bedeutung.<\/p>\n<p>So war die Macht\u00fcbernahme der Verwaltung und der Polizei in Berlin f\u00fcr die reaktion\u00e4ren Kr\u00e4fte notwendig. Dies konnte aber nur mit au\u00dferparlamentarischen Mitteln durchgesetzt werden.<\/p>\n<p>Nachdem Ministerpr\u00e4sident Br\u00fcning (Zentrum) nun abgesetzt war, schien der Weg f\u00fcr die Entmachtung der SPD-Regierung freigemacht.<\/p>\n<p>Am 20. Juli 1932 enthob Hinderburg Otto Braun als Ministerpr\u00e4sident von seinem Amt und \u00fcbergab von Papen die kommissarische F\u00fchrung Preu\u00dfens. (In Preu\u00dfen wurde kurze zeit sp\u00e4ter SA und SS &#8211; noch vor der Macht\u00fcbertragung auf die Faschisten &#8211; im Januar 1933 als Hilfepolizei eingesetzt.)<\/p>\n<p><strong><a name=\"40\">&#8211;Das Z\u00f6gern wird zur Ohnmacht<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Der Innenminister des Reiches, Carl Severing (SPD), sicherte von Papen Tage zuvor zu, nichts gegen einen Entmachtung der preu\u00dfischen Regierung (SPD!) unternehmen zu werden. Am 16. Juli 1932 erkl\u00e4rte der sozialdemokratsiche Parteivorstand, er wolle <em>\u00bbbei allem, was kommen m\u00f6ge, die Rechtsgrundlage der Verfassung nicht verlassen.\u00ab<\/em> Dies war der Wink mit dem Zaunpfahl f\u00fcr von Papen, die SPD in Preu\u00dfen aus den Angeln zu heben.<\/p>\n<p>Am 18. Juli 1932 erlie\u00df die Papen-Regierung ein Demonstrationsverbot, die Kontrolle der Stra\u00dfen und Flugh\u00e4fen wurden vorbereitet, die Telefone der KPD und der RGO abgeh\u00f6rt.Da die Absetzung der preu\u00dfischen Regierung rechtskr\u00e4ftig ganz verfassungstreu von Statten gegengen war, beschr\u00e4nkte sich die SPD darauf, zu erkl\u00e4ren: <em>\u00bbder Vorgang sei nicht rechtlich, man werde das Gericht zur Kl\u00e4rung anrufen.\u00ab<\/em> Zu gro\u00df war ihre Angst, da\u00df ein Generalstreik &#8211; zuvor als Angebot der KPD formuliert &#8211; gegen denRechtsputsch in Preu\u00dfen ihnen wie schon 1920 aus den H\u00e4nden gleiten k\u00f6nnte und zu gro\u00df der blinde Glaube in die parlamentarischen &#8222;Spielregeln&#8220;. So verlief der emp\u00f6rte Protest &#8211; auch gro\u00dfer Teile der ArbeiterInnenbewegung &#8211; im Sande.<\/p>\n<p>Mit dem Putsch war der parlamentarische Protest gegen die Pr\u00e4sidialdiktatur vollends gebrochen und nutzlos geworden. Die Reichsregierung konnte sich nun sicher sein, da\u00df auc Reichs- und Landesebene rechte und reaktion\u00e4re Politiker alle wichtigen Positionen inne hatten oder in absehbarer Zukunft haben w\u00fcrden. Als dann der Stimmzuwachs der NSDAP bei der Reichstagswahl am 31. Juli 1932 ihren Zenit erreicht hatte &#8211; diese mehr Stimmen als SPD und KPD zusammen erhalten hatte &#8211; wurde die Politik der Reichsregierung unter von Papen bis zur Macht\u00fcbertragung am 30. Janur 1933 ohne nennenswerten parlamentarischen Widerstand fortgesetzt, auch wenn die Novemberwahlen 1932 deutlich machte, da\u00df die NSDAP hohe Stimmeverluste zu verzeichnen hatte. Die Weichen wurden bereits gestellt und der Zug rollte schon auf dem rechten Gleis.<\/p>\n<p>Obwohl auf Antrag der KPD mit einem Mi\u00dftrauensvotum der Reichtag erneut aufgel\u00f6st wurde, und die<br \/>\nNSDAP bei den daruffolgenden Wahlen am 6. November 1932 gro\u00dfe Stimmeinbr\u00fcche hinnehmen mu\u00df und wieder hinter SPD und KPD zur\u00fcckfiel, gelang es den ArbeiterInnenparteien dennoch nicht, die Politik der Reichsregierung zu \u00e4ndern, da diese als Pr\u00e4sidialkabinett regiert und der Reichstag ja beireits antmachtet war (Artikel 48). Realistische \u00c4nderungen w\u00e4ren nur noch im Zusammensipiel mit au\u00dferparlamentarischen Aktionen m\u00f6glich gewesen (Generalstreik).<\/p>\n<p>Zur Charakterisierung der Rolle der b\u00fcrgerlichen Parteien bez\u00fcglich der Macht\u00fcbertragung schreibt August Tahlheimer (KPO) seinerzeit treffend: <em>\u00bbDie Rolle der b\u00fcrgerlich-demokratischen Parteien, einschlie\u00dflich der Sozialdemokratie, bei der Vorbereitung des Fsaschismus besteht nicht darin, da\u00df sie selber in Elemente der faschistsichen Partei verwandeln, sondern darin, da\u00df sie den Parlamentarismus und sich selber diskreditieren und dadurch die Entstehung einer faschistischen Partei beg\u00fcnstigen, die das Urteil vollstreckt, das sie \u00fcber sich selber f\u00e4llen.\u00ab<\/em> (August Tahlheimer, &#8222;\u00dcber den Faschismus&#8220;, &#8230;&#8230;)<\/p>\n<p>Die ersten offiziellen Verhandlungen mit Hitler auf h\u00f6chster parlamentarischer Ebene begannen am<br \/>\n13. August 1932.<\/p>\n<p>Die Politik (im Parlament) wurde von einer kleinen Gruppe M\u00e4nner aus ultrarechten Parteien gemacht, die mit einer geschickten personellen Machtkonstellation Reichswehr, Polizei und gro\u00dfe Teile der Schwerindustrie und der Presse hinter sich hatte und regieren konnte. Hitlers Ernenung zum Reichskanzler am 30. Jauar 1933 vollzog sich schleichend \u00fcber dsa Kabinett Schleichers und erfolgte im rahmen des Machtkalk\u00fcls der herrschenden national-reaktion\u00e4ren Kr\u00e4fte.<\/p>\n<p><strong><a name=\"41\">Zur\u00fcck zum Antifaschismus<\/a><\/strong><br \/>\n<strong><a name=\"42\">&#8211;Der Kampfbund gegen den Faschismus (KGF)<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Mit dem Verbot des RFB 1929 war der KPD die M\u00f6glichkeit genommen, die Politik der Stra\u00dfe weiter fortzuf\u00fchren. Dies war vor allem deshalb vonBedeutung, da die faschistische Bewegung stark angewachsen war und die SA bereits zu dieser Zeit zum offenen Terror gegen Funktion\u00e4re und ArbeiterInnenvierteln \u00fcbergegangen war. Desweiteren war die politische Aktion der Demonstration zu jener Zeit das einzige Element der Politik, welches der KPD noch als zuverl\u00e4ssiges Mittel zu Verf\u00fcgung stand.<\/p>\n<p>Als unmittelbare Reaktion auf die Reichstagswahl am 14.September 1930, auf die ersten parlamentarischen Erfolge der NSDAP (Stimmenzuwachs von 12 auf 107 Sitze) zu verbuchen hatte, wurde am 28. September 1930 der &#8222;Kampfbund gegen den Faschismus&#8220; (KGF) als <em>\u00bbals \u00fcberparteiliche proletarische Massenorganisation zum Kampf gegen den Faschismus in all seinen Erscheinungsformen, insbesondere gegen den Nationalsozialismus\u00ab<\/em> ins Leben gerufen.<\/p>\n<p>Der KGF baute gr\u00f6\u00dftenteils auf den organisatorischen Strukturen des ab 1929 illegal weitergef\u00fchrten RFB auf. Trotz der \u00fcberwiegend abgrenzenden Politik der KPD-Leitung (seit 1928 offizielle Linie) war der KGF der weitergehende Versuch die Zusammenarbeit in der Basis der ArbeiterInneschaft unter dem Vorzeichen der &#8222;Einheitsfront von unten&#8220;. Der KGF war vor allem eine praktische Initiative zur Organisierung der ArbeiterInnen in den betrieben, Stempelb\u00fcros, Stadtvierteln und H\u00e4userblocks.Deise schon zu dieser Zeit organisations\u00fcbergreifenden &#8222;Selbstschutzstaffeln&#8220; bildeten sp\u00e4ter die Grundlage f\u00fcr den &#8222;Roten Massenselbstschutz&#8220; innerhalb der Antifaschistischen Aktion.<\/p>\n<p>Es gab einen gleitenden \u00dcbergang von KGF zur Antifaschistischen Aktion. Diese beiden Organisationen existierten nicht konkurrierend zueinander. Dort, wo Ortsgruppen des KGF bereits vorhanden waren gingen diese zumeist geschlossen in die Antifaschistische Aktion \u00fcber oder agierten weiter unter ihrem Namen, jedoch war dann eine Gr\u00fcndung einer Ortsgruppe der Antifaschistischen Aktion \u00fcberfl\u00fcssig.<\/p>\n<p><strong><a name=\"43\">Die Antifaschistische Aktion<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Der Zeitpunkt des Entstehens der Antifaschistsichen Aktion als organisatorisch-inhaltliches Konzept, das die politischenEinheitsfrontbestrebungen auf den Punkt brachte, war erst gegeben, als sich die deutsche F\u00fchrung der KP entschlo\u00df &#8211; unabh\u00e4ngig von der KI &#8211; in der Praxis von der &#8222;Sozialfaschismusthese&#8220; abzur\u00fccken.Diese von der Basis und politischen Geschehnissen geforderte Kurs\u00e4nderung fand ihren Ausdruck in der Sitzung des Zentralkomitees der KPD am 23. Mai 1932: Der Teil der Leitung der KPD, der bisher am heftigsten die KI-Beschl\u00fcsse vertreten hatten (die die Zusammenarbeit mit &#8222;Sozialfaschisten&#8220; ablehnten), &#8211; die Gruppe um Neumann\/Remmele &#8211; wurde aus dem Pr\u00e4sidium gew\u00e4hlt. Desweiteren wurde beschlossen, fortan zusammen mit allen vom Terror der Faschisten betroffenen die Einheit aller AntifaschistInnen zu suchen. Dies war zwar auch in den Jahren zuvor mit der Einheitsfront &#8222;von unten&#8220; propagiert worden, jedoch &#8222;scho\u00df&#8220; die KPD (mittels der &#8222;Roten Fahne&#8220;) immer wieder verbal gegen die F\u00fchrung der SPD.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Tag, den 24. Mai 1932, \u00fcberfiel im Reichstag die Fraktion der NSDAP die Abgeordneten der KPD, was diese zum Anla\u00df nahmen, \u00f6ffentlich die Antifaschistische Aktion auszurufen: <em>\u00bbDie Antifaschistische Aktion mu\u00df durch den organisierten roten Massenselbstschutz in breitester Einheitsfront den Mordterror des Hitlerfaschismus brechen.\u00ab<\/em> und an anderer Stelle wurde erkl\u00e4rt: <em>\u00bbNehmt in allen Betrieben, auf allen Stempelstellen, in allen Gewerkschaften und Massenorganisationen, nehmt in Stadt und Land unverz\u00fcglich Stellung zu den neuesten Ereignissen. Entschiedet euch f\u00fcr die Teilnahme an der Antifaschistischen Aktion der k\u00e4mpfenden roten Einheitsfront.\u00ab<\/em><\/p>\n<p>Ernst Schneller wurde beauftragt unverz\u00fcglich Vorbereitungen zur offiziellen Bildung der Antifaschistischen Aktion zu treffen. Programmatisch erkl\u00e4rte die Antifaschistische Aktion, sie wolle eine Einheitsfront der ArbeiterInnen der SPD, der christlich organisierten ArbeiterInnen, de gewerkschaftlich Organsierten und Unorganisierten, desReichsbanners, der Beamten, B\u00e4uerInnen, HandwerkerInnen und Intellektuellen sein. Ziel sei es, eine gemeinsame praktische antifaschistische Politik zu entwicklen.<\/p>\n<p>Viele begriffen diese Signal der KPD als Erleichterung, nach den Jahren der Abgrenzung nun wieder die Einheitsfront der ArbeiterInnen zu suchen. Der Aufruf zur Antifaschistischen Aktion wurde an vielen Orten praktisch umgesetzt.<\/p>\n<p>Die F\u00fchrung der SPD und des Reichsbanners sah der Gr\u00fcndung der Antifaschistischen Aktion mit Skepsis entgegen; sie verboten ihren Mitgliedern die Teilnahme an der Antifaschistischen Aktion. Am 28. Juni 1932 untersagte ein Rundschreiben des Parteivorstandes der SPD an die Bezirksleitungen ausdr\u00fccklich alle Verhandlungen vonSozialdemokratInnen mit KommunistInnen. Gegen Mitglieder, die diese Anordnung nicht befolgten, ging die SPD mit organisatorischen Ma\u00dfregeln bis hin zum Ausschlu\u00df.<\/p>\n<p>Wie nun sah die Praxis der Antifaschistischen Aktion aus? Noch im Mai entstanden in vielen Betrieben Aussch\u00fcsse, in denen sozialdemokratische GewerkschafterInnen zusammen mit KPD-Mitgliedern arbeiteten. Sie organisierten nun nach Jahren der Trennung wieder gemeinsam den Kampf gegen den Terror der Nazis, der inzwischen auch in den Fabriken zugenommen hatte. Antifaschistische Kundgebungen wurden abgehalten, in denen sich die Belegschaften gegen den st\u00e4rker werdenden Faschismus aussprachen. Vor allem in den weit von Berlin entfernten Gebieten, in denen die Fraktionierung der vergangenen Jahre nicht so eine gro\u00dfe Rolle gespielt hatte, entstand mit der Antifaschistischen Aktion binnen k\u00fcrzester Zeit eine relativ kraftvolle Bewegung.<\/p>\n<p>Da verschiedene Einheitsfrontkomitees in Deutschland entstanden waren, wurde durch Kongresse und Konferenzen verucht, diese Kr\u00e4fte zus\u00e4tzlich zu b\u00fcndeln.<\/p>\n<p>Am 10. Juli 1932 fand in Berlin der gesamtdeutsche Kongre\u00df der Antifaschistischen Aktion statt. Er war Auftakt der Antifaschistischen Kampfwoche der Antifaschistischen Aktion vom 10. Juli bis 17. Juli 1932. Clara Zetkin er\u00f6ffnete diesen Kongre\u00df mit einem Begr\u00fc\u00dfungsschreiben, indem sie erkl\u00e4rte: <em>\u00bbDiese Einheitsfront mu\u00df \u00fcber die Gesamtheit des Proletariats hinausreichen und auch die Angestellten, Handwerker, Kleingewerbetreibenden, kleinen Bauern und nicht zuletzt auch die Intellektuellen aller Schichten erfassen.\u00ab<\/em><\/p>\n<p>Der Aufruf zur Antifaschistischen Aktion hatte auch viele Kleinb\u00e4uerInnen in den \u00f6stlichen Gebieten zu Komitees zusammengeschlossen.Trotz des gerade hier starken Einflusses der reaktion\u00e4r-faschistischen Junker gelang es, breitere Aktionen gegen die Angriffe der Nazis zu organisieren.<\/p>\n<p>Aber vor allem in den AbreiterInnenvierteln der Gro\u00dfst\u00e4dte fand die Antifaschistische Aktion Zuspruch &#8211; hier, wo die Auswirkungen der Wirtschaftskrise am deutlichsten sichtbar wurden, in immer mehr Arbeitslosen und zunehmender Verarmung.<\/p>\n<p><strong><a name=\"44\">Roter Massenselbstschutz<\/a><\/strong><\/p>\n<p>\u00dcber den &#8222;Roten Massenselbstschutz&#8220; gibt es sehr wenige Quellen. Diese Formulierung findet sich jedoch in zahlreichen Aufrufen jenber Zeit, vor allem bez\u00fcglich verschiedendster Abwehraktionen im Zusammenhang mit der Antifaschistischen Aktion. Hierbei kann nicht von einer Organisation gesprochen werden. Es handelt sich vielmehr &#8211; ebenso wie bei der Antifaschistischen Aktion &#8211; um ein organisatorisches Konzept, da\u00df sich aus der politischen Notwendigkeit in Betrieben, Stempelb\u00fcros und vor allem den Stadtvierteln entwickelt hatte. Sowohl militante (Abwehr-)Aktionen des KGF als auch der Antifaschistischen Aktion wurden als &#8222;Roter Massenselbstschutz&#8220; bezeichnet.<\/p>\n<p><em>\u00bbDer Rote Massenselbstschutz ist Teil der Antifaschistsichen Aktion der Millionenbewegung der k\u00e4mpfenden roten Einheitsfront.<\/p>\n<p>Der Rote Massenselbstschutz ist keine Organisation, auch kein Verein, sondern eine \u00fcberparteiliche Zusammenfassung aller antifaschistischen Arbeiter und Werkt\u00e4tigen.<\/p>\n<p>&#8230;Er k\u00e4mpft f\u00fcr die Reinigung der Betriebe von Nazizellen, sowie f\u00fcr den Aufbau vonSelbstschutzstaffeln aller Arbeiter in allen Betrieben und auf allen Stempelstellen.<\/p>\n<p>Der Rote Massenselbstschutz k\u00e4mpft gegen den faschistischen Terror auf der Stra\u00dfe, gegen SA.-Lokale, SA.-Heime, SA.-St\u00fctzpunkte, f\u00fcr den Schutz der Wohnungen und Lokale der Arbeiter, des Arbeitereigentums, der Arbeiterpresse und der Konsumgenossenschaften.<\/p>\n<p>Der Rote Massenselbstschutz organisiert einen st\u00e4ndige Aufkl\u00e4rungsarbeit unter den Angestellten und dem werkt\u00e4tigen Mittelstand, vor allem unter den kleinen Gesch\u00e4ftsleuten: er f\u00fchrt aber einen r\u00fccksichtslosen Kampf gegen diejenigen faschistsichen Gesch\u00e4ftsleute, die Tr\u00e4ger und St\u00fctzpunkte der Naziagitation sind.<\/p>\n<p>Wie wird der Rote Massenselbstschutz mobilisiert?<\/p>\n<p>Die Massenselbstschutzstaffeln werden durch die Staffelleitungen alarmiert und unterstellen sich w\u00e4hrend der Durchf\u00fchrung der ihnen gestellten Aufgaben in freier Disziplin den Anweisungen des F\u00fchrers, der vom Vorsitzenden der Staffelleitung f\u00fcr die Durchf\u00fchrung der betreffenden Arbeit bestimmt worden ist.\u00ab<\/em><\/p>\n<p>(Richtlinien f\u00fcr den RMSS, Hamburg 11. Juli 1932. Analog in &#8222;Roter Massenselbstschutz, marschiert mit&#8220;.<br \/>\nVerantwortlich: Ernst Schneller).<\/p>\n<p><strong><a name=\"45\">&#8211;Auseinandersetzungen<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Strategie der SA &#8211; als ihr Verbot am 14. Juni 1932 aufgehoben wurde &#8211; war es zunehmend, an jenen Orten, an denen die ArbeiterInnenschaft besonders verwurzelt war, durch gezielte Provokationen massiv aufzutreten. \u00dcberf\u00e4lle auf Kneipen und Gastst\u00e4tten der KPD, des Reichsbammers oder der SPD geh\u00f6rten ebenso dazu wie Demonstrationen durch traditionelle ArbeiterInnenviertel.<\/p>\n<p>Hier zeigte sich die St\u00e4rke der Einheitsfrontkomitees, die den Schutz ihrer Viertel, ihrer Betriebe, ihrer kulturellen St\u00e4tten organisierten. Im Ruhrgebiet wurden mehrmals die Parteih\u00e4user der SPD und der KPD gemeinsam gegen \u00dcberf\u00e4lle gesch\u00fctzt. Ab Mitte Juni war es der SA in vielen Vierteln des Ruhrgebietes nicht mehr m\u00f6glich, offen aufzutreten, da sie gemeinsam von Reichsbannermitgliedern, christlichen und unorgansierten und kommunistischen ArbeiterInnen vertrieben wurden. Am 13. Juli 1932 schafften es in Wuppertal\/Eberfeld mehrere zehntausend Menschen einen Auftritt Hitlers und eine Demonstration der SA nach einer Kundgebung der Antifaschstischen Aktion zu verhindern. Am 17. Juli 1932 versuchten 11000 SA-Mitglieder aus ganz Norddeutschland in Altona einen Aufmarsch durchzuf\u00fchren. Die Faschisten wurden blutig zur\u00fcckgeschlagen, trotz der Bem\u00fchungen der Polizei, die Demonstration durchzusetzen.<\/p>\n<p>Insgesamt l\u00e4\u00dft sich vergleichend feststellen, da\u00df die Eskalationsstufe der Auseinandersetzungen zwischen Faschisten und AntifaschistInnen um einiges h\u00f6her lag alles heutzutage. So geh\u00f6rte es in der Zeit von 1932\/33 zum Alltag, da\u00df bei Zusammenst\u00f6\u00dfen Tote auf der Strecke blieben. Allein in der 2. H\u00e4lfte des Junis 1932 waren 17 tote (linke) ArbeiterInnen zu verzeichnen, im Juli waren es bereits 86. Allein der 10. Juli 1932 (Beginn der Antifaschistischen Kampfwoche) forderte 17 tote AntifaschistInnen, 10 t\u00f6dlich Verletzte und 181 zum Teil Schwerverletzte.<\/p>\n<p>Das Auftreten der Faschisten konnte in der \u00d6ffentlichkeit zu einem betr\u00e4chtlichen Teil zur\u00fcckgedr\u00e4ngt werden, deutlich wurde, da\u00df ein nicht unerheblicher Teil der Bev\u00f6lkerung Widerstand gegen den faschistischen Terror zu leisten bereit war. Dies konnte aber nicht im Sinne der, auf Zusammenarbeit mit den Nazis, angewiesenen Papen-Regierung sein. Diese verf\u00fcgte am 9. August 1932 die Notverordnung gegen &#8222;politische Gewalttaten&#8220;, mit der schon vor der Macht\u00fcbertragung auf die Faschisten und dem offenen Terror gegen linke Oppositionelle viele AntifaschistInnen abgeurteilt wurden. So gab es zwischen dem 17. August 1932 und dem 30. Januar 1933 2297 Verfahren, die oft mit langj\u00e4hrigen Haftstrafen endeten. Gegen diese Sondergerichtsverfahren gab es keinerlei Rechtsmittel. In diesen Verfahren Verurteilte waren die ersten, die sp\u00e4ter in den nationalsozialistischen Konzentrationslager landeten.<\/p>\n<p><strong><a name=\"46\">Verschiedene Ans\u00e4tze<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Innerhalb der Antifaschistischen Aktion lassen sich r\u00fcckblicknd zwei Haupstr\u00f6mungen ausmachen. Diese dokumentieren augenscheinlich die unterschiedliche Wirklichkeit der Basis auf der einen Seite und der F\u00fchrung auf der anderen Seite.<\/p>\n<p>Programmatisch vertraten die InitiatorInnen der F\u00fchrung der KPD als Verhinderungskonzept des Faschismus, den Generalstreik im Augenblick der Machtergreifung durchzuf\u00fchren. Immer wieder wurde in den Analysen und den Publikationen auf die Erfahrungen des Kapp-Putsches hingewiesen.Dieser h\u00e4tte bewiesen, welche &#8222;Wucht die geschlossene Arbeiterklasse&#8220; entwickeln k\u00f6nne. Da\u00df diese Vorstellung nicht g\u00e4nzlich falsch war, bewies in der Tat das historische Ereignis wie der Kapp-Putsch und der anschlie\u00dfende Ruhraufstand. Jedoch wurden die politisch objektiven Ver\u00e4nderungen und Gegebenheiten der gespaltenen Situation der ArbeiterInneschaft im Jahre 1932 weitesgehend ausgeblendet.<\/p>\n<p>Tatsache war zum einen, da\u00df die Basis dem Einheitsfrontaufruf bzw. dem Generalstreik h\u00e4tte folgen m\u00fcssen. Das schien aber bei der gespaltenen ArbeiterInnenschaft unwahrscheinlich. Zum einen aus der Rolle der SPD erkl\u00e4rend, die &#8211; bis weit in das Jahr 1934 hinein &#8211; jegliche offiziellen Angebote der KPD ablehnte, gemeinsame Aktionen, welcher Art auch immer, durchzuf\u00fchren. So konnte einE kommunitisch OrganisierteR &#8211; selbst wenn er\/sie gewollt h\u00e4tte &#8211; den SPD-nahen Organisationen nicht beitreten. Das galt sowohl f\u00fcr denReichbanner als auch der Eisernen Front.<\/p>\n<p>Zum anderen war es ebenfalls unumst\u00f6\u00dfliche Realit\u00e4t, da\u00df die sich als revolution\u00e4r verstehenden ArbeiterInnen, die zum allergr\u00f6\u00dften Teil in kommunistischen Organisationen organisiert waren, die ersten waren, die aus denBetrieben gefeuert wurden. So waren amEnde der Weimarer Republik lediglich ca. 15% der kommunistisch organisiertenArbeiterInnen mit Arbeit versorgt. D.h. logischerweise, da\u00df derenEinflu\u00df in den Betrieben und Fabriken vergleichsweise gering war. Eine Verankerung an den Arbeitsst\u00e4tten w\u00e4re aber Grundvoraussetzung gewesen, um \u00fcberhaupt &#8211; propagandistisch und praktisch &#8211; auf einen Generalstreik hinzuwirken und diesen auch durchzusetzen. So wirkungsvoll und richtig ein Generalstreik auch war &#8211; vielleicht die einzige M\u00f6glichkeit zu dieser Zeit, die Faschisten im Regen stehen zu lassen &#8211; so unwahrscheinlich war dessen faktische Durchsetzung, weil es jeglicher Grundlage entbehrte.<\/p>\n<p>Hinzu kam die &#8211; bis 1932 &#8211; unklare Position der F\u00fchrung der KPD, wie denn nun Einheitsfront herzustellen sei: von&#8220;unten&#8220; gegen &#8222;oben&#8220;?<\/p>\n<p>Zwar bot am 20. Juni 1932 die KPD den demokratischen Parteien SPD und Zentrum an, auf eine eigene Kanditaur zu verzichten und die SPD\/Zentrumskandidaten f\u00fcr die kommende Reichstagswahl zu st\u00fctzen, noch an politische Forderungen gebunden, jedoch reagierte die SPD nicht bzw. lehnte letztlich ab. Selbst als die KPD ihr Angebot am 22. Juni 1932 wiederholte &#8211; diesmal ohne jeglich politischen Forderungen, lehnte die SPD ab.<\/p>\n<p><em>\u00bbAm 20. Juni 1932 erkl\u00e4rte die KPD ihre Bereitschaft, auf eigene Kandidaten zu verzichten und f\u00fcr ein ausschlie\u00dflich aus Vertretern der SPD und Zentrum bestehendes Landtagspr\u00e4sidium (Preu\u00dfischer Landtag, d.V.) zu stimmen, wenn diese beiden Fraktionen sich verpflichten, Antr\u00e4ge der KPD auf herstellung der Versammlungs-, Demonstrations- und Pressefreiheit, Freigabe des Rundfunks auch f\u00fcr die revolution\u00e4re Arbeiterbewegung und Nichtdurchf\u00fchrung der Papennotverordnung vom 14. Juni zu unterst\u00fctzen.\u00ab<\/em><\/p>\n<p>(Die Antifaschistische Aktion &#8211; Dokumentation und Chronik, Mai 1932 Januar 1933, S. 24, Institut f\u00fcr Marxismus-Leninismus beim ZK der SED, Herausgeber: Heinz Karl undErika K\u00fccklich; Dietz-Verlag, Berlin 1965).<\/p>\n<p>Die Antwort der SPD beschr\u00e4nkte sich nicht nur auf das Ablehnen der KPD-Angebote, eine weiterreichende folgenschwere Entscheidung war der Erla\u00df der SPD-F\u00fchrung an die eigenen Reihen am 28. Juni 1932, keine Abwehraussch\u00fcsse mit KommunistInnen bilden zu d\u00fcrfen. Das war ein Schlag ins Gesicht der realen Verh\u00e4ltnisse, da sich gerade an der Basis, unabh\u00e4ngig von Parteizugeh\u00f6rigkeit, der Einheitsfrontgedanke zu dieser Zeit zum Teil schon in praktische Ans\u00e4tze verwandelt hatte.<\/p>\n<p><em>\u00bbDie rechten F\u00fchrer der Sozialdamokratie mu\u00dften (&#8230;) den Bankrott ihrer Ideologie und Politik erleben. (&#8230;) Der Parteivorsitzende Otto Wels ging in seinem Antikommunistmus beispielsweise so weit, da\u00df er die Kommunisten mit den Faschisten gleichsetzte, beide als Kr\u00e4fte bezeichnete, die die b\u00fcrgerlich-parlamentarische Republik zu vernichten trachteten. Das erleichterte es den imperialistischen Kr\u00e4ften, die Spaltung der Arbeiterklasse aufrechtzuerhalten, und war die entscheidende Ursache daf\u00fcr, da\u00df der Machtantritt der Faschisten nicht verhindert werden konnte. Klassenbewu\u00dfte Sozialdemokraten und Gewerkschafter traten immer wieder gegen die Politik der Klassenzusammenarbeit ihrer F\u00fchrungen auf, beriefen sich auf die revolution\u00e4re Vergangenheit der Sozialdemokratie.Sie blieben jedoch in der Minderheit und konnten die Politik der SPD insgesamt nicht beeinflussen.\u00ab<\/em><\/p>\n<p>(Heinz K\u00fchnrich, Die KPD im Kampf gegen die faschistische Diktatur 1933-1945, S. 16; (c) Dietz-Verlag Berlin 1983.)<\/p>\n<p>Selbst nach dem &#8222;Preu\u00dfenschlag&#8220; war die SPD nicht gewillt, auch nur ansatzweise von ihrer Position abzur\u00fccken. In der KPD hingegen hatte sich im Laufe des Jahres nach jahrelangen internen Konflikten selbst in der F\u00fchrung (gegen die KomIntern) die Einsicht durchgesetzt, da\u00df der Faschismus nur in der Einheit der ArbeiterInnenbewegung zu stoppen sei. Ja sogar mit den zuvor als &#8222;Sozialfaschisten&#8220; bezeichneten F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeiten der SPD wurde nun offiziell die Einheit gesucht. Aber die SPD verharrte wie ein Kanninchen, das darauf wartete, von der Schlange des Faschismus verschlungen zu werden.<\/p>\n<p>Wie widerspr\u00fcchlich die Politik bez\u00fcglich der Einheitsfornt von &#8222;unten&#8220; oder von &#8222;oben&#8220; seitens der KPD darstand, macht eine Kritik Leo Trotzkis aus jener Zeit deutlich:<\/p>\n<p><em>\u00bb(&#8230;) Am Abend des 20. Juli (Preu\u00dfenschlag, d.V.) fa\u00dfte das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei folgenden Beschlu\u00df:<\/p>\n<p>&#8222;Die Kommunistische Partei richtet vor der proletarischen \u00d6ffentlichkeit an die SPD, an den ADGB und an den Afa-Bund (Allgemeiner freier Angestelltenbund, d.V.) die Frage, ob sie bereit sind, gemeinsam mit der Kommunistischen Partei den Generalstreik f\u00fcr die proletarischen Forderungen durcgzuf\u00fchren.&#8220;<\/p>\n<p>Diesen so wichtigen und unerwarteten Beschlu\u00df ver\u00f6ffentlichte das Zentralkomitee in seinem Rundschreiben vom 26. Juli ohne jeglichen Kommetar. Kann man ein vernichtenderes Urteil \u00fcber seine bisherige Politik f\u00e4llen? Noch tags zuvor war es f\u00fcr sozialfaschistisch und konterrevolution\u00e4r erk\u00e4rt worden, sich mit dem Vorschlag gemeinsamer Aktionen an die reformistische F\u00fchrung zu wenden.Wegen dieser Frage hatte man Kommunisten ausgeschlossen,(&#8230;).<\/p>\n<p>Wie konnte dieses Zentralkomitee am Abend des 20. Juli mit einem Male das anebeten, was es tags zuvor verbrannt hatte? Und in welch traurige Lage hat die B\u00fcrokratie die Partei gebracht, wenn es das Zentralkomitee wagen durfte, mit seinem \u00fcberraschenden Beschlu\u00df vor sie hinzutreten, ohne sich zu erkl\u00e4ren oder zu rechtfertigen!<\/p>\n<p>Solche Wendepunkte sind der Pr\u00fcfstein einer Politik. Faktisch hat das Zentralkomitee der deustchen Kommunistischen Partei am Abend des 20. Juli der ganzen Welt dargetan: &#8222;Unsere bishereige Politik war untauglich.&#8220; Ein zwar unfreiwilliges, aber v\u00f6llig richtiges Gest\u00e4ndnis. Zum Ungl\u00fcck konnte auch der Antrag vom 20. juli, der die vorangegangene Politik umstie\u00df, auf gar keinen Fall ein positives Ergebnis haben. Ein Appell an die F\u00fchrungsspitze kann &#8211; ganz unabh\u00e4ngig von ihrer heutigen Antwort &#8211; nur dann revolution\u00e4re Bedeutung haben, wenn er zuvor von unten vorbereitet wurde, d.h. wenn er sich auf allgemeine Politik st\u00fctzt. Doch die stalinistische B\u00fcrokratie sagt den sozialdemokratischen Arbeitern tagaus tagein: &#8222;Wir Kommunisten lehnen mit den SPD-F\u00fchrern jede Gemeinschaft ab.&#8220; (&#8230;). Der unvorbereitete, unerwartete, unmotivierte Antrag vom 20. Juli war nur dazu geeignet, die kommunistische Leitung blo\u00dfzustellen, indem er ihre Inkonsequenz, ihren Leichtsinn, ihre Neigung zur Panik und zu abneteuerlichen Spr\u00fcngen deutlich machte.\u00ab<\/em><\/p>\n<p>(Leo Trotzki, Der einzige Weg, September 1932. Abdruck nach: drs., Schriften \u00fcber Deutschland, Hrsg. von Helmut Dahmer, Band I, Frankfurt\/M 1971; Quelle: Schafft Einheit gegen den Faschismus,S. 132\/133, Ein Lesebuch, (c) by LitPol Verlagsgesellschaft\/Berlin, 1985).<\/p>\n<p>Dieser deutlichen Kritik ist nichts hinzuzuf\u00fcgen. Es dokumentiert die politisch verfahrene Situation der KPD zu jener Zeit. Da\u00df sie in der Sackgasse steckte, hatte sie nicht nur den Verh\u00e4ltnissen zuzuschreiben, sondern ebenfalls ihrer seit 1928 betriebenen, kurzsichtigen Politik.<\/p>\n<p>Da\u00df sich ein Str\u00f6mung, wie die Einheitskomitees, dennoch auch zur offiziellen Konzeption der Antifaschistischen Aktion durchsetzen konnte, ergab sich aus den gesellschaftlichen Notwendigkeiten. Die Einheitsfrontpolitik war ja nichts grunds\u00e4tzlich neues. Die Basis, deren Druck &#8211; bzw. die praktizierte Einheitsfront &#8211; auch die F\u00fchrungen der beiden gro\u00dfen ArbeiterInneparteien zu sp\u00fcren bekamen, stellte faktisch die eingangs erw\u00e4hnte zweite Str\u00f6mung innerhalb der Antifaschistischen Aktion dar.<\/p>\n<p>Der &#8222;Rote Massenselbstschutz&#8220; als militantes Konzept der Antifaschistischen Aktion war schon vor deren offizieller Ausrufung praktiziert worden. Und zwar nicht in erster Linie in den Betrieben, sondern dort, wo die Menschen dringend auf die Zusammenarbeit angewiesen waren. In Stempelb\u00fcros und in den Wohnvierteln, sowie auf Gro\u00dfkundgebungen war die Antifaschistische Aktion greifbar. Diese Aktionen &#8211; in erster Linie Abwehr von Faschisten und Polizei &#8211; organsisatorisch in den Einheitskomitees zusammengefa\u00dft, bildeten die eigentliche Grundlage der Antifaschistischen Aktion. Hier waren ArbeiterInnen, Arbeitslose, Jugendliche, kleine Gewerbetreibende, Leute der unteren Mittelschicht, Frauen wie M\u00e4nner organisiert.<\/p>\n<p>\u00dcber eine speziell gesonderte Organsierung von Frauen in eigenen Gruppen ist der Antifaschistischen Aktion oder auch des KGF ist wenig bekannt. Es ist lediglich bekannt, da\u00df sich der Rote Massenselbstschutz, die Antifaschistische Aktion und der KGF in Staffeln organsierte. So gab es Frauen- und Jugendstaffeln. Von einer konsequenten getrenntgeschlechtlichen Organsierung &#8211; wie beispielsweise beim RFB\/RFMB &#8211; kann aber nicht durchgehend gesprochen werden.<\/p>\n<p><strong><a name=\"47\">Fazit<\/a><\/strong><\/p>\n<p>War der Kampfbund gegen den Faschismus der erste zaghafte Schritt hin zu einer antifaschistischenOrganisation, die sich nicht auf ausschlie\u00dflich kommunistisch organisierte ArbeiertInnen, setzten sich die Einheitsfrontbestrebungen erst \u00fcber den praktizierten &#8222;Roten Massenschselbstschutz&#8220; durch.<\/p>\n<p>Mit dem Reichseinheitskongre\u00df vom 10. Juli hatte sich auch in der F\u00fchrung der Kommunistischen Partei die Einheitfrontpolitik in Form der AntifaschistischenAktion durchgesetzt.<\/p>\n<p>Dies dr\u00fcckte sich auch in der Art der Organsierung un dem \u00e4u\u00dferen Erscheinugsbild aus. So hatte der KGF beipsielsweise noch eine Art Uniform (Schwarzes Hemd, dunkle Hose und Lederriemen), \u00e4hnlich der des RFB und Mitgliedsausweise. Mit dem &#8222;Roten Massenselbstschutz&#8220; (und der Antifaschistischen Aktion) wurden Uniformen und Mitgliedsausweise fallengelassen. Das Emblem des &#8222;Roten Massenselbstschutz&#8220; glich dem des KGF sehr stark. (Rechte Faust mit Roter Fahne und Namen darin).<\/p>\n<p>Die Antifaschistische Aktion vermochte in ihrer Zeit kurz vor der Macht\u00fcbertragung an die Faschisten ein Kraft zu entwicklen. Dies dr\u00fcckte sich durch praktische Solidarit\u00e4t aus, das ein Vordringen der Nazis behinderte, da\u00df diese teilweise bis weit in die drei\u00dfiger Jahre hinein aus einzelnen ArbeiterInnenvierteln und wenigen Betrieben herausgedr\u00e4ngt wurden. Auch die breite Streikwelle im November 1932 war ein Ergebnis einheitlichen Handelns. Infolgedessen kam es zu starken Einbu\u00dfen der<br \/>\nNSDAP bei den Novemberwahlen; dies trotz der Tasache, da\u00df die SPD und KPD parlamentarisch gek\u00f6pft und die kommunistischen Organisation dar\u00fcberhinaus bereits zu dieser Zeit einem unglaublichen rechten Terror durch Faschisten und Polizei ausgesetzt waren. F\u00fcr die KPD war es faktisch unm\u00f6glich ihren Wahlkampf entsprechend zu f\u00fchren.<\/p>\n<p>Die Antifaschistische Aktion war jedoch bei weitem nicht in der Lage den Sprung in den deutschen Faschismus zu verhindern. Zu gro\u00df waren die politischen Gegens\u00e4tze und Feindschaften der traditionellen ArbeiterInnenparteien, zu tief die Gr\u00e4ben in der ArbeiterInnenbewegung, als da\u00df dieser letzte Versuch einer breiten Einheitsfront gegen Rechts h\u00e4tte noch greifen k\u00f6nnen. Das, was beispielsweise in Frankreich drei Jahre sp\u00e4ter in Form der Volksfront den Faschismus verhinderte, wurde in Deutschland bereits im Keim erstickt.<\/p>\n<p>Gerade aber der Versuch der Einheitsfront gegen Rechts, durch den &#8222;Roten Massenselbstschutz&#8220; die Spaltung der ArbeiterInnenbewegung zu \u00fcberwinden, zeigte dennoch, welches Potential im Grunde zum Widerstand in der ArbeiterInnenklasse vorhanden war.<\/p>\n<p>Mit der Macht\u00fcbertragung auf die Faschisten am 30. Januar 1933 begann die systematische Vernichtung linker Kultur, der linken Organisationen und Parteien. Auf eine illegale Arbeit als Massenorganisation hatte sich weder die KPD noch die ihr nahestehenden Organisationen vorbereitet. Lediglich die Funktion\u00e4re waren auf eine kruze Zeit der Illeagit\u00e4t vorbereitet. Diese mangelnde Vorbereitung war nicht nur eine Frage der Zeit gewesen, sondern lag vor allem auch in der zum Teil fehlerhaften Analyse des Faschismus und nicht zuletzt an der v\u00f6llig fehlerhaften Einsch\u00e4tzung breiter Schichten der Lohnabh\u00e4ngigen bzw. der ArbeiterInnenklasse, der mehr revolution\u00e4res Bewu\u00dftsein und Kampfkraft zugeschrieben wurde, als sie in der Tat besa\u00df.<\/p>\n<p>Es mu\u00df jedoch angemerkt werden, da\u00df die Macht\u00fcbertragung nicht ohne weiteres von statten ging. So wurden beispielsweise noch nach der Macht\u00fcbertragung, allein zwischen dem 30. Juni bis 2. Juli 1934 83 SA-Nazis durch Revolution\u00e4re liquidiert.<\/p>\n<p>Dies ist deshalb wichtig anzumerken, weil in der Vergangenheit allzuoft pauschale Aussagen \u00fcber den Zusammenbruch der ArbeiterInnenbewegung gemacht wurden.<\/p>\n<p>Da\u00df die Gr\u00fcnde f\u00fcr denAufstieg des Faschismus nicht nur in organisatorischer und milit\u00e4rischer Schw\u00e4che der ArbeiterInnenbewegung zu suchen sind, d\u00fcrfte hinl\u00e4nglich bekannt sein.Deshalb soll zum Abschlu\u00df nocheinmal versucht werden, Fehler auf Seiten der Linken auszuleuchten.<\/p>\n<p><strong><a name=\"48\">Einige Gr\u00fcnde des Scheiterns des antifaschistischen Widerstands<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Da\u00df sich der deutsche Faschismus konstituieren konnte, lag nicht mehr in der Einflu\u00dfnahme der Initiative der Antifaschistischen Aktion. Diese erlange als Konzept der Einheitsfront zu sp\u00e4t Einflu\u00df auf die kommunistische bzw. die ArbeiterInnenbewegung allgemein. Die Ursachen f\u00fcr das Aufschwingen des Faschismus lag in der Enwicklung der kapitalistischen Gesellschaft, also der Weimarer Republik begr\u00fcndet. Die Ursachen sind aber nicht nur national zu suchen. Die Entstehung einer faschistsichen Herrschaftsform ist nur aus der Entwicklungsphase des imperialistischen Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisses weltweit zu erkl\u00e4ren. Aber eine Charakteriesierung des Faschismus als eine Herrschaftsform des Kapitalismus soll hier nicht Gegestand des Textes werden.<\/p>\n<p>Ausdruck der (dynamischen) Entwicklung ist die Tatsache, da\u00df nach den revolution\u00e4ren Aufst\u00e4nden 1918 die SPD sich von einer systenoppositionelen zu einer staatstragenden Partei (Kraft) entwickelte. Noch w\u00e4hrend der revolution\u00e4ren Aufts\u00e4nde schlug die SPD denWeg der Zusammenarbeit mit den ehemals staatstragenden Kr\u00e4ften aus Milit\u00e4r und Gro\u00dfindustrie ein. Mit der (wirtschaftlichen) Krise der Weimarer Republik und der damit verbundenen inneren politischen Krise begannen Kreise des Gro\u00dfkapitals bereits Mitte der 20er Jahre mit dem systematischen Aufbau der NSDAP.<\/p>\n<p><em>\u00bbDie um die sogenannte Nationalsozialistische Deutsche Arbiterpartei (NSDAP) mit Adolf Hitler an der Spitze gruppierten Kr\u00e4fte konnten in dieser Zeit rasch an Einflu\u00df gewinnen und andere reaktion\u00e4re und faschistische Kr\u00e4fte \u00fcberfl\u00fcgeln, weil sie diese Stimmung ausnutzten und es ihnen gelang, mit ihrem raffinierten Gemisch von nationaler und sozialer Demagogie viele Menschen zu beeindrucken, besonders aus den kleinb\u00fcrgerlichen Schichten. Um die Massen zu verwirren, mi\u00dfbrauchten sie schamlos in der Arbeiterbewegung lebendige Traditionen und Begriffe. Sie eigneten sich die rote Fahne an, gaben ihre Partei als &#8222;national&#8220;, als &#8222;sozialistisch&#8220; und als &#8222;Arbeiterpartei&#8220; aus. Die Faschisten versprachen allen alles: den Werkt\u00e4tigen, die Arbeitslosigkeit zu beseitigen und einen &#8222;nationalen Sozialismus&#8220; zu errichten, den Bauern, die &#8222;Zinsknechtschaft&#8220;, den Mittelst\u00e4ndlern, die Macht der &#8222;Plutokraten&#8220; und der Warenhauskonzerne zu brechen, den Milit\u00e4rs, ein wehrhaftes und starkes Deutschland zu schaffen. Den Monopolen sicherten sie zu, &#8222;Ruhe und Ordnung&#8220; herzustellen und den Kommunismus zu vernichten. Mit ihren verlogenen Phrasen und demagogischen Losungen lenkten die Nazis von der Ursache des Elends, der Politik des Finanzkapitals, und damit von den wahren Schuldigen ab.\u00ab<\/em><\/p>\n<p>(Heinz K\u00fchnrich, Die KPD im Kampf gegen die faschistische Diktatur 1933-1945, S. 10; (c) Dietz-Verlag Berlin 1983.)<\/p>\n<p>Damit entschied sich, vor allem das Gro\u00dfkapital, f\u00fcr das nationalsozialistische Herrschaftsmodell zur Sicherung ihrer imperialistischen Politik. Die traditionelle ArbeiterInnenbewegung, die sich in den revolution\u00e4ren Aufst\u00e4nden nicht durchsetzen konnte, f\u00fchrte in den 20er Jahren fast ausschlie\u00dflich massenorientierte Abwehrk\u00e4mpfe.Aufgrund dieser Situation liegt die Frage im Raum, ob die M\u00f6glichkeit bestanden h\u00e4tte, sozialistische fortschrittliche Gesellschaftsmodelle zu entwickeln und damit die Wurzeln des (Faschismus) Nationalsozialismus h\u00e4tte von vorneherein eintrocknen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Innerhalb der KPD, die sich seit 1925 stark an der Politik der Kommunistischen Internationale orientierte und teilweise von ihr bestimmt wurde, stellte sich die Initaitive der Einheitsfront gegen Rechts und der sp\u00e4teren Antifaschistischen Aktion als fortschrittliche Str\u00f6mung dar. Auch wenn das Umschwenken der Leitung der KPD weg von der &#8222;Sozialfaschismusthese&#8220;, war im Sommer 1932 von der KomIntern (Knorin, Leiter der KomIntern zu dieser Zeit) kritisiert und getadelt worden war, als zu sp\u00e4t erwies, so stellte es sich in der Praxis, vor allem an der Basis, als sinnvoller Kampf gegen den Terror der Nazis (und der Polizei) dar.<\/p>\n<p>Als auf Initiative der KPD im Mai 1932 die Antifaschistische Aktion ausgerufen wurde, waren grunds\u00e4tzliche Bedingungen zur Errichtung der faschistsichen Diktatur schon volllzogen worden. Nach dem Beginn der Weltwirtschaftskrise 1929 erkannte die Gro\u00dfindustrie sehr schnell, da\u00df die b\u00fcrgerliche parlamentariche Demokratie als Herrschaftsmodell nicht mehr in der Lage war, die Rezession zu \u00fcberwinden. So wurde schon 1930 mit der Einsetzung der Pr\u00e4sidialdiktatur Br\u00fcnings nach [[section]]48 praktisch das Parlament au\u00dfer Kraft gesetzt und besa\u00df faktisch seit dieser Zeit keine Machtbefugnisse mehr. Die herrschenden Kapitalkreise bestimmten fortan offen und direkt die Politik der Reichsregierung und versuchte in der Folgezeit mit verschiedenen Machtkonstellationen die ArbeiterInnenbewegung und die Demokratie als Staatsform als potentielle Widerstandskr\u00e4fte auszuschalten. Vor diesem Hintergrund konnte sich der Nationalsozialismus durchsetzen, was 1933 zur Macht\u00fcbertragung auf die Faschisten f\u00fchrte.<\/p>\n<p>Teile der KPD charakterisierten schon ab 1929 die Zust\u00e4nde in Deutschland als faschistisch. In dieser Logik gab es keine qualitative Steigerung dessen mehr, was beispielsweise an Terror gegen jegliche Opposition im Faschismus w\u00fctete. So wurde der sich ausbreitende Terror der Nazis als quantitative Steigerung hin zu einer neuen Qualit\u00e4t untersch\u00e4tzt.<\/p>\n<p>Die tiefere Ursache liegt hier in der fehlerhaften Analyse der gesellschaftliche Verh\u00e4ltnisse, vor allem der Einsch\u00e4tzung der eigenen Kr\u00e4fte (ArbeiterInnenbewegung). Die &#8222;Sozialfaschismusthese&#8220; brachte die fehlerhafte Sto\u00dfrichutng der aus der Analyse abgeleiteten Politik auf den Punkt. Da die SPD jene Politik der Regierung Br\u00fcning tolerierte &#8211; in den L\u00e4ndern oft selbst die Polizei gegen die ArbeiterInnen einsetzen lie\u00df &#8211; wurde als insgesaamt &#8222;sozialfaschistisch&#8220; bezeichnet. Hier fehlte die Einsch\u00e4tzung, da\u00df der Nationalsozialismus andere Dimensionen beispielsweise der Repression und des Terrors beinhalten werde, als der autorit\u00e4re Staat von 1930. Damit wurde auch die eigene politische Linie der KPD zahnlos, da durch diese Analyse der Faschismus letztlich verharmlost wurde. Was sollte au\u00dferdem durch einen Generalstreik verhindert werden, was &#8211; laut Analyse &#8211; schon existierte. Damit war ein konkreter Zeitpunkt zum Ausrufen eines Generalstreiks realtiv beliebig geworden.<\/p>\n<p>Durch die mit aller Radikalit\u00e4t durchgesetzte Abgrenzung zu gro\u00dfen Teilen der SPD und ihren Gewerkschaften, war es fast unm\u00f6glich, in der kurzen Zeit der Existenz der Antifaschistsichen Aktion, zu einer umfassenden Zusammenarbeit zu kommen, zumal ja noch die grunds\u00e4tzlich ablehnende Position der SPD im Raum stand. Diese festere Zusammenarbeit h\u00e4tte eben nicht nur eine erfolgreiche Zur\u00fcckd\u00e4ngung der Nazis von der Stra\u00dfe bedeutet, sondern die Vorausetzung, um den Faschismus \u00fcberhaupt aufhalten zu k\u00f6nnen. Durch die ablehnende Haltung de SPD F\u00fchrung, die sich der Orientierung ihrer Anh\u00e4ngerInnenschaft sich er war, bedurfte es gro\u00dfer Anstrengung seitens der KPD die Idee und die Ziele der Antifaschistischen Aktion zu vermitteln.<\/p>\n<p>Erst im Jahre 1935, als die Trageweite des Faschismus in Deutschland allm\u00e4hlich deutlich wurde, kam es zu offiziellen Zusammearbeit von KPD und SPD, die zum gr\u00f6\u00dften Teil nur noch aus dem Ausland operierte. Der Starschu\u00df f\u00fcr die sp\u00e4tere Volksfront war eine Massendemonstration in Paris 1934 gewesen, wo es zu Verbr\u00fcderungsszenen zwischen SozialdemokratInnen und KommunistInnen auf der Stra\u00dfe kam, als sie gemeinsam einen Aufmarsch der franz\u00f6sischen faschistsichen Bewegung verhinderten.<\/p>\n<p><strong><a name=\"49\">&#8211;Anmerkungen zu inhaltlichen Schw\u00e4chen<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Die KPD deckte zwar den Klassencharakter des Faschismus auf, und damit eine Waffe zur Herrschaftssicherung gegen die ArbeiterInnebewegung war,<\/p>\n<p><em>\u00bbsie analysierte jedoch nicht nicht hinreichend die Motive und Bewu\u00dftseinsstrukturen, die die Massen zum Faschismus f\u00fchrten, sondern fa\u00dfte diese Massenbewegungen unmittelbar als blo\u00dfes Instrument des Gro\u00dfkapitals auf, das von diesen Kr\u00e4ften geschaffen, finanziert und nach ihrem Willen eingesetzt wurde. Dies verweist auf gro\u00dfe Defizite der KPD in der Erfassung des komplizierten Zusammenhangs zwischen \u00f6konomischer Macht und Massenbewu\u00dftsein, zwischen herrschender Klasse und politischer Bewegung.\u00ab<\/em><\/p>\n<p>(Reinhard K\u00fchnl, Der Faschismus, Heilbronn 1988).<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich war die Faschismusanalyse der KPD vor allem \u00f6konomisch orientiert. Fatal daran war die Statik, die im obigen Zitat angerissen ist. Den Faschismus ausschlie\u00dflich als <em>\u00bbdie offene, terroristische Diktatur der reaktion\u00e4rsten, chauvinistischsten, am meisten imperialistischen Elemente des Finanzkapitals&#8220;<\/em> (13. Plenum der EKKI) zu charakterisieren, geht von einer Statik der Herrschaft aus, die massenpsychologische Aspekte zu sehr au\u00dfer Acht l\u00e4\u00dft. Ein wesentliches Element fachistischer Herrschaft, ist die Massenzustimmung. Dies ist beispielsweise ein qualitatives Kriterium zur Unterscheidung von Dikaturen\/ autorit\u00e4rer Regime und der Herrschaftsform des Faschismus.<\/p>\n<p>Anhand zweier Punkte der damaligen linken Politik soll aufgezeigt werden, wie es m\u00f6glich war, f\u00fcr Faschisten anzukn\u00fcpfen und das sp\u00e4tere &#8222;Einverst\u00e4ndnis&#8220; faschistsicher Politik auch im \u00fcberiwegenden Teil der ArbeiterInnenbewegung zu erlangen.<\/p>\n<p>Im R\u00fcckblick auf die Geschichte der linken (Massen-)Organisationen deutlich, welches Problem eine umgreifende Umerziehung bzw. Ver\u00e4nderung des Bewu\u00dftseins gr\u00f6\u00dferer Bev\u00f6lkerungsteils innerhalb des kapitalistischen Systems mit sich bringt. Zwar waren auch die linken Organisationen &#8211; im vergleich zu heute &#8211; Massen organisiert, aber im Gegenteil zu den rechten Organisationen, die lediglich vorhandene Gesellschaftsstukturen aufgriefen und anders akzentuieren (zuspitzen) mu\u00dften, sah sich die KPD mit grundlegenderen Schwierigkeiten konfrontiert. Einerseits sollte der &#8222;Staus Quo&#8220; der mit der Novemberrevolution erk\u00e4mpften sozialenErrungenschaften verteidigt werden, andereseits h\u00e4tte das Bewu\u00dftsein dereingebundenen Massen mit linken Ideen weitereintwickelt werden m\u00fcssen. Dies ist innerhalb der Massenorganisationen fast ausschlie\u00dflich bez\u00fcglich \u00f6konomischer gesellschafftsanalytischer Aspekte durchgef\u00fchrt worden. Das Infragestellen der Rolle der Frau bzw. der Kleinfamilie als eine soziale Ausdrucksform b\u00fcrgerlicher Herrschaft und damit auch Keimzelle sozialer Modelle des Faschismus innerhalb der linken Organisationen spielten in der KPD eine untergeordente Rolle. Gerade die Auseinandersetzungen um die Gr\u00fcndung des RFMB dokumentieren dies augenscheinlich. Ein zweiter Punkt war die nationale Frage, auf die ebenfalls keine fortschrittliche Antwort gefunden wurde. Im Gegenteil. Das teilweise opportunistische Anbiedern an reaktion\u00e4re Positionen zeigte sich nicht nur in der Auseinandersetzung um den faschistsichen S\u00f6ldner Schlageter im Jahre 1923. Auch die Tatsache, da\u00df nationalrevolution\u00e4re Positionen der nationalsozialistsichen Bewegung mit ihren antikapitalistsich\/antisemitischen Phrasen unterschied sich im EInzelfall so manches Mal nicht von denen einiger KPD-Kreise. Vor allem \u00fcber die nationalen, antikapitalitisch daherkommenden Phrasen der Faschisten fand eine Einbindung, neben der kleinb\u00fcrgerlicher Kreise, eines Teils der ArbeiterInnenbewegung in die nationalsozialistische Bewegung statt.<\/p>\n<p><strong><a name=\"50\">&#8211;Letzte Worte<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Wie bereits erw\u00e4hnt begann ab 1933 (Reichtagbrand, 27. Februar 1933) die systematische Ausl\u00f6schung fortschrittlicher Kr\u00e4fte in Deutschland. Waren die Nationalsozialisten Anfang der drei\u00dfiger Jahre mit Hilfe des Gro\u00dfkapitals, gest\u00fctzt auf die ver\u00e4ngstigten kleinb\u00fcrgerlichen Mitteschichten, an die Macht gelangt, war die Massenzustimmung der ArbeiterInnenbewegung anf\u00e4nglich nicht auf der Seite der Faschisten. Lediglich die nationalrevolution\u00e4re Str\u00f6mung garantierte ein Mindestma\u00df an Anbindung an die traditionelle ArbeiterInnenschaft. Nachdem die (klassenbewu\u00dften) ArbeiterInnenschichten bis 1934 vorwiegend durch Terror (mund)tot gemacht worden waren, war die linke Bewegung mit der Zerschlagung ihrer Organisationen und damit der Opposition, jedlicher M\u00f6glichkeit beraubt, Einflu\u00df auf die Geschehnisse im &#8222;III. Reich&#8220; zu nehmen. Mit der tausendfachen Ermordung und Folterung und Inhaftierung der ideologischen K\u00f6pfe der revolution\u00e4ren Bewegung, war es den Nationalsozialisten mittels ihres Propaganda und \u00dcberwachunsgapparates m\u00f6glich, auch die gr\u00f6\u00dften Teile der ArbeiertInnenschaft hinter sich zu bringen. So erkl\u00e4rt sich unter anderem auch die v\u00f6llige Ausl\u00f6schung der natioalrevolution\u00e4ren (&#8222;antikapitalistischen&#8220;) Str\u00f6mung innerhalb der NSDAP ab 1934. (R\u00f6hm-Putsch). Diese Str\u00f6mung in Form der SA h\u00e4tte die zuk\u00fcnftig offen chauvinistisch imperialistische Gro\u00dfmachtspolitik der NSDAP unter Hitlers F\u00fchrung, gegebenefalls behindert, da die Nationalrevolution\u00e4ren vor allem das nationale Kapital st\u00e4rken wollten und mit der internationalen Verflechtung des &#8222;Finanzjudentums&#8220; &#8211; wie sie es bezeichneten &#8211; nichts zu tun haben wollten. So hatte diese Str\u00f6mung bereits 1934 ihre anf\u00e4ngliche Funktion des Terrors gegen Linke bei gleichzeitiger Einbindung ehemaliger Linker \u00fcber ihren vermeintlichen &#8222;Antikapitalismus&#8220; erf\u00fcllt. Sie war \u00fcberfl\u00fcssig geworden. Interne Machtk\u00e4mpfe taten das ihrige dazu und die nationalrevolution\u00e4re F\u00fchrungsriege wurde durch die eigenen Parteikameraden vernichtet. Die SA wurde darauffhin noch weiter als Massenorganisation ausgebaut. An Stelle des offenen Terrors stand jetzt die von staatlicher Seite durchf\u00fchrte Militarisierung der Gesellscahft und damit die v\u00f6llge Integrierung &#8211; sowohl praktisch als auch ideologisch &#8211; der Bev\u00f6lkerung. So waren Mitte 1934 &#8211; einige Monate nach dem R\u00f6hm-Putsch &#8211; bereits 4,5 Millionen M\u00e4nner in der SA organisiert.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich gab es Widerstand. Aber die differenzierte Aufarbeitung des Widerstands im Nationalsozialismus soll nicht Teil diese Textes sein. Abschlie\u00dfend bleibt zu sagen, da\u00df die Antifaschistische Aktion weder offiziell verboten noch aufgel\u00f6st wurde. Sie wurde zerschlagen. Eine direkte Kontinuit\u00e4t den Faschismus und den Krieg hindurch als Gesamtstr\u00f6mung oder Organisation gab es nicht. Lediglich vereinzelte Ortsgruppen konnten es schaffen ihre Arbeit illegal weiterzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Viele deutsche AntifaschistInnen kamen in den Folterkellern der SA, SS und GeStaPo sowie in den Konzentrations- und Arbeitslagern ums Leben. Die noch entkamen gingen ins Exil oder beteilgten sich an den Internationalen Brigaden in Spanien und k\u00e4mpften auf der Seite der Republik gegen Francos faschistsiche Truppen. Bezeichnend ist die Tatsache, da\u00df der Anteil der ausl\u00e4ndischen AntifaschistInnen im Spanischen B\u00fcgerkrieg 1936-38 vor allem von italienischer und deutscher Seite am gr\u00f6\u00dften war.<\/p>\n<p>Einige wenige AntifaschistInnen, die nicht dem Faschismus zu Opfer gefallen waren und auch noch die parteiinternen stalinistsichen S\u00e4uberungen jener Zeit \u00fcberlebten, beteiligten sich an den unmittelbar am Ende des II.Weltkrieges antstandenen Antifaschistischen Komitees in Deutschland.<\/p>\n<p><strong>Kampf dem Faschismus hei\u00dft Kampf dem imperialistischen System!<\/strong><\/p>\n<p>April 1995<br \/>\n<strong><a href=\"http:\/\/www.nadir.org\/nadir\/initiativ\/aam\/\">Autonome Antifa [M]<\/a><\/strong><br \/>\norgansiert in der<br \/>\n<strong><a href=\"http:\/\/www.nadir.org\/nadir\/initiativ\/aam\/aabo.html\">ANTIFASCHISTISCHEN AKTION\/Bundesweite Organisation<\/a><\/strong><br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.antifaschistische-linke.de\/Bilder\/aabo-logo.gif\" alt=\"AABO\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im folgenden geht es um die Entstehung der Antifaschistischen Aktion von 1932. Um zu verstehen, wie es zur Gr\u00fcndung dieser Initiative kam, ist es notwendig, die geschichtliche Entwicklung zu betrachten, aus der diese Bewegung entstanden ist. Entscheidend f\u00fcr die Politik und organisatorische Gestaltung waren sowohl die Erfahrungen der Kampforganisationen kommunistischer als auch sozialdemokratischer ArbeiterInnen. 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