{"id":5116,"date":"2017-03-14T20:54:21","date_gmt":"2017-03-14T19:54:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.antifaschistische-linke.de\/?p=5116"},"modified":"2017-03-14T20:54:21","modified_gmt":"2017-03-14T19:54:21","slug":"erfolgreiche-demonstration-zum-internationalen-frauenkampftag-in-freiburg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.antifaschistische-linke.de\/?p=5116","title":{"rendered":"Erfolgreiche Demonstration zum internationalen Frauen*kampftag in Freiburg"},"content":{"rendered":"<p>Am 8. M\u00e4rz 2017 gingen in Freiburg etwa 700 Menschen auf die Stra\u00dfe und folgten damit dem Aufruf eines breiten B\u00fcndnisses, von dem auch wir ein Teil waren. Einen ausf\u00fchrlichen Nachbericht zur Demo und Infos, zu all den Veranstaltungen, die den Frauenkampftag dieses Jahr begleiten, gibt&#8217;s auf der Seite des B\u00fcndnisses: <strong>8maerzfr.tk<\/strong><\/p>\n<p>An dieser Stelle dokumentieren wir den von uns gehaltenen<strong> Redebeitrag:<\/strong><\/p>\n<p><strong>Reclaim Feminism: revolution\u00e4r und antirassistisch!<br \/>\n<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Im Dezember erfuhren wir durch die Presse, dass im Fall der Ermordung einer Freiburger Studentin ein junger Afghane verd\u00e4chtigt wurde.<\/p>\n<p>Vergewaltigung und Mord sind durch nichts zu rechtfertigen. Umso ekelhafter war der Versuch der Freiburger AfD diese Trag\u00f6die zu instrumentalisieren und auf dem R\u00fccken von Maria L. Hetze gegen gefl\u00fcchtete Menschen zu verbreiten. Zum Gl\u00fcck schlug der AfD in Freiburg Widerstand entgegen. Ihre Kundgebung scheiterte an \u00fcber 250 Gegendemonstrant_innen.<\/p>\n<p>Ankn\u00fcpfend an die rechten Instrumentalisierungsversuche nach der Silvesternacht 2015 wurde auch in der Freiburger Debatte so getan, als ob zwischen der Tatsache, dass Menschen aus anderen L\u00e4ndern nach Deutschland fliehen und hier leben, und dem Vorhandensein sexueller \u00dcbergriffe ein direkter Zusammenhang best\u00fcnde.<\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times new roman,serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Doch wir betonen weiter hin: Das ist nicht der Fall! Es ist keine Frage, dass sich die sexuellen \u00dcbergriffe bis hin zur Vergewaltigung in der Silvesternacht durch ein au\u00dfergew\u00f6hnliches Ma\u00df kollektiver Gewalt gegen Frauen auszeichneten. Es ist keine Frage, dass wir uns genau anschauen sollten, was da passiert ist und wie es geschehen konnte.<br \/>\n<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times new roman,serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Wir wehren uns aber dagegen, dass Antifeminist_innen und Rassist_innen Bel\u00e4stigungen gegen wei\u00dfe Frauen instrumentalisieren, um die rassistische Diskriminierung nicht wei\u00dfer M\u00e4nner zu rechtfertigen. <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times new roman,serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Sexismus musst<\/span><\/span>e nicht erst hierher importiert werden. Die Zahlen dazu haben wir eben geh\u00f6rt. Insbesondere alle, die das am eigenen Leib erfahren, wissen:<\/p>\n<p>Sexismus und sexuelle Gewalt gibt es nicht erst seit kurzem. Und die T\u00e4ter waren und sind in den allermeisten F\u00e4llen M\u00e4nner \u2013 ob mit oder ohne deutschen Pass. Die Gewalt und Bel\u00e4stigung, mit der wir uns herumschlagen m\u00fcssen, f\u00e4llt nicht vom Himmel. Sie ist Teil und Ergebnis gesellschaftlicher Verh\u00e4ltnisse, die Frauen eine bestimmte Rolle und Position zuweisen.<\/p>\n<p>Innerhalb der kapitalistischen Produktionsweise findet eine Zweiteilung unserer Lebenswelt statt: eine Trennung in einen \u00f6ffentlichen und einen privaten Bereich; eine Sph\u00e4re in der gegen Lohn gearbeitet und produziert werden soll und eine Sph\u00e4re, in der die Menschen ihre Arbeitskraft reproduzieren. Dazu geh\u00f6ren Kindererziehung, kochen, putzen und W\u00e4sche waschen genauso wie die Pflege Alter und Kranker oder die Freizeitgestaltung.<\/p>\n<p>Beide Bereiche stehen nicht einfach gleichberechtigt nebeneinander. Da im Kapitalismus das oberste Ziel die Vermehrung von Profit ist, soll die Reproduktionssph\u00e4re der Produktionssph\u00e4re dienen und ist von ihr abh\u00e4ngig. Gleichzeitig wurde die Haus- und Sorgearbeit \u00fcberwiegend Frauen zugewiesen. Das bereits bestehende Patriarchat, die Unterordnung von Frauen gegen\u00fcber M\u00e4nnern, wurde dem Kapitalismus entsprechend genutzt und damit fortgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Die soziale Realit\u00e4t ist komplex. Geschlechterverh\u00e4ltnisse werden unn wandeln sich mit der Zeit. Trotzdem spielt diese Aufteilung und die entsprechende Vorstellung der Geschlechterrollen in unserem Leben immer noch eine Rolle.<\/p>\n<p>Dazu geh\u00f6ren nicht nur die Benachteiligung von Frauen in der Arbeitswelt, Zuschreibungen wie sich M\u00e4nner und Frauen gef\u00e4lligst zu verhalten haben oder eine ungleiche Aufteilung von Hausarbeit, Care- und Sorgearbeit. Dazu geh\u00f6rt auch, das vermeintliche Recht von M\u00e4nnern \u00fcber Frauen und ihre K\u00f6rper verf\u00fcgen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>In Deutschland war Vergewaltigung in der Ehe bis 1997 legal. Hartn\u00e4ckig h\u00e4lt sich der Gedanke, dass Frauen angeblich erobert werden m\u00fcssten \u2013 im Zweifelsfall eben auch gegen ihren Willen. Sexualisierte Werbung pr\u00e4sentiert Frauen tagt\u00e4glich als Objekte. Und in K\u00f6ln schlossen sich nach der massenhaften Bel\u00e4stigung von Frauen, andere M\u00e4nner zusammen um (in Anf\u00fchrungszeichen) \u201eihre\u201c Frauen zu sch\u00fctzen. Damit stellten sie klar, wem diese Frauen ihrer Meinung nach geh\u00f6rten und wer entsprechend das Recht hat \u00fcber sie zu verf\u00fcgen &#8211; und wer nicht. Die Opfer und ihre Bed\u00fcrfnisse verschwanden in der Debatte.<\/p>\n<p>Trotzdem: Wir haben viel erreicht und es lohnt sich weiter zu k\u00e4mpfen!<\/p>\n<p>Es ist zum Gl\u00fcck keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit mehr, Frauen einen eigenen Willen, inklusive sexuellem Selbstbestimmungsrecht, abzusprechen. Wer \u00f6ffentlich anzweifelt, dass Frauen dieselben Rechte und F\u00e4higkeiten haben, wie M\u00e4nner muss mit Widerspruch rechnen. Die b\u00fcrgerliche Kleinfamilie, mit entsprechender Arbeitsteilung ist nicht mehr die einzig legitime Form zu leben. Weibliche Erwerbst\u00e4tigkeit soll gef\u00f6rdert werden.<\/p>\n<p>Feminismus ist in aller Munde. Das ist etwas Gutes. Doch was haben wir davon?<\/p>\n<p>Das Recht, nach einem anstrengenden Arbeitstag in die Kita zu hetzen und trotzdem noch kochen, putzen und W\u00e4sche waschen zu m\u00fcssen? Oder doch lieber, f\u00fcr die, die es sich leisten k\u00f6nnen, die M\u00f6glichkeit, eine unterbezahlte, h\u00f6chstwahrscheinlich weibliche, vielleicht migrantische, Putzkraft anzustellen, um die freigewordene Zeit zu nutzen und ein bisschen Yoga zu machen? Es mag ein Fortschritt sein, dass Frauen Bundeskanzlerin oder Firmenchefin werden k\u00f6nnen. Doch wie Merkel, Petry, von der Leyen und andere eindrucksvoll beweisen: Die Politik wird dadurch nicht besser und die Wirtschaft nicht weniger kapitalistisch.<\/p>\n<p>Das reicht uns nicht!<\/p>\n<p>Feminismus l\u00e4uft Gefahr neoliberal vereinnahmt zu werden. Der sogenannte \u201eneue\u201c Feminismus, der feiert, dass auch Frauen heute Teil der Herrschenden sein k\u00f6nnen, ist nicht unserer. Denn das wollen wir gar nicht. Was wir wollen, ist eine Gesellschaft, in der Frauen nicht strukturell benachteiligt und unterdr\u00fcckt werden. Wir wollen das Geschlechterverh\u00e4ltnis auf den Kopf stellen, anstatt es kapitalistischen Verwertungsanspr\u00fcchen anzupassen.<\/p>\n<p>Wie wollen einen Feminismus, der Gerechtigkeit und ein gutes Leben f\u00fcr alle erk\u00e4mpft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 8. 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