{"id":520,"date":"2009-03-18T12:45:16","date_gmt":"2009-03-18T10:45:16","guid":{"rendered":"http:\/\/alfr.blogsport.de\/2009\/03\/18\/die-nazis-und-der-1-mai\/"},"modified":"2009-03-18T12:45:16","modified_gmt":"2009-03-18T10:45:16","slug":"die-nazis-und-der-1-mai","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.antifaschistische-linke.de\/?p=520","title":{"rendered":"Die Nazis und der 1. Mai"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.antifaschistische-linke.de\/Bilder\/afalogogross.png\" width=\"90\" align=\"left\" alt=\"Antifaschistische Aktion\" \/><strong>Beitrag zur Brosch\u00fcre: 1. Mai &#8211; Geschichte eines Tages<\/strong><\/p>\n<p>Auch in diesem Jahr sind f\u00fcr den 1.Mai, den internationalen Kampftag der ArbeiterInnenklasse, mehrere faschistische Aufm\u00e4rsche geplant. So wollen Dortmunder FaschistInnen unter dem Motto \u201eGemeinsam gegen Kapitalismus &#8211; Heraus zum 1. Mai!\u201c marschieren. Die NPD Hessen hat am selben Tag einen Doppelaufmarsch in Raunheim und R\u00fcsselsheim angek\u00fcndigt. Auch ihr Aufruf ist von antikapitalistischen Floskeln durchsetzt. Doch warum marschieren ausgerechnet FaschistInnen am Kampftag ihres politischen Gegners? Warum bem\u00fchen sie sich einer antikapitalistischen Demagogie? Wie weit ist es mit dem Antikapitalismus der Nazis tats\u00e4chlich her? Als Antwort auf diese und andere Fragen ist ein Blick auf die Nazi-Ideologie und auch in die Geschichte notwendig. Bekanntlich waren es die Nazis, die den 1. Mai kurz nach der Macht\u00fcbertragung 1933 zum ersten Mal in seiner Geschichte in Deutschland zu einem bezahlten Feiertag machten, freilich nicht unter der Losung des Kampftages der internationalen ArbeiterInnenklasse, sondern als \u201eTag der nationalen Arbeit\u201c.<!--more--><\/p>\n<p><strong>Die Ideologie der Nazis und der 1. Mai<\/strong><\/p>\n<p><em>Volk und \u201eVolksgemeinschaft\u201c<\/em><\/p>\n<p>Jedwede ideologische \u00dcberlegung der Nazis geht aus von der Kategorie des Volks. Die Nazi-Lesart des Volksbegriffs leitet sich dabei nicht etwa von dem Versuch einer Abgrenzung Beherrschter von Herrschenden her, sondern folgt biologistisch-rassistischen Kriterien. Konkret hei\u00dft das: \u201eRassisch Unreine\u201c, d.h. \u201eFremdst\u00e4mmige\u201c oder J\u00fcdinnen und Juden k\u00f6nnen nicht Teil des \u201eVolkes\u201c werden. F\u00fcr das \u00dcberleben des \u201eVolkes\u201c sei dessen Einigkeit Voraussetzung. Daher ist grundlegend f\u00fcr die Ideologie der Nazis die Vorstellung einer \u201edeutschen Volksgemeinschaft\u201c, in der alle sozialen Gruppen und Klassen aufgehen sollen und zu organisieren sind. Der Nation, verk\u00f6rpert in der \u201eVolksgemeinschaft\u201c, sollen die verschiedenen sozialen Gruppen ihre Partikular- und Gruppeninteressen opfern. Also sollen z.B. die ArbeiterInnen nicht selbst in Gewerkschaften f\u00fcr ihre Interessen k\u00e4mpfen, sondern auf die \u201eVolksgemeinschaft\u201c vertrauen, die ihren berechtigten Forderungen schon irgendwie nachkommen werde. Folgerichtig hei\u00dft eine aktuelle Parole der neofaschistischen Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD) \u201eVolksgemeinschaft statt Klassenkampf!\u201c.<\/p>\n<p><em>Die Nazis und die ArbeiterInnen<\/em><\/p>\n<p>Dass die Nazis dem \u201edeutschen Arbeiter\u201c schon immer einen gewichtigen Platz in ihrer Gedankenwelt einger\u00e4umt haben, ist schon an ihrer Namensgebung ersichtlich. Die deutschen FaschistInnen gaben ihrer Partei den Namen \u201eNationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei\u201c (NSDAP). Freilich sollte man die Begriffe \u201eSozialismus\u201c und \u201eArbeiter\u201c nicht einfach f\u00fcr bare M\u00fcnze nehmen und als Tatsache f\u00fcr die eigene Analyse \u00fcbernehmen, handelt es sich ja zun\u00e4chst einmal nur um die Eigenwerbung der Nazis, denn die NSDAP war weder sozialistisch noch in erster Linie eine Arbeiterpartei. Gleichzeitig allerdings sagt diese Namensgebung sehr wohl einiges \u00fcber Zielsetzung und Selbstverst\u00e4ndnis der Nazis aus. So gaben die Nazis die Gewinnung des \u201edeutschen Arbeiters\u201c f\u00fcr den \u201enationalen Sozialismus\u201c als ein vorrangiges Ziel aus. Adolf Hitler hierzu: \u201eIch werde keinen gr\u00f6eren Stolz in meinem Leben besitzen als den, am Ende meiner Tage sagen zu k\u00f6nnen: Ich habe dem Deutschen Reich den deutschen Arbeiter erk\u00e4mpft.\u201c Neben dem Soldaten und dem Bauern kommt also dem Arbeiter eine besondere und tragende Rolle f\u00fcr das Ideal der \u201edeutschen Volksgemeinschaft\u201c zu, auf die der \u201edeutsche Arbeiter\u201c verpflichtet werden soll. Den Nazis geht es dabei nicht um die Befreiung der ArbeiterInnen vom Kapitalismus oder auch nur ansatzweise um die Erf\u00fcllung von deren individuellen Bed\u00fcrfnissen. Sie sollen sich im Gegenteil als Soldaten f\u00fcr die \u201egr\u00f6\u00dfere Sache der Nation\u201c aufopfern.<\/p>\n<p><em>Die Nazis und die ArbeiterInnenbewegung<\/em><\/p>\n<p>Das Angebot der Nazis an die ArbeiterInnen ist also ein grundlegend anderes und verh\u00e4lt sich gegens\u00e4tzlich zu dem der ArbeiterInnenbewegung. Damit befinden sich ArbeiterInnenbewegung und FaschistInnen in einer Konkurrenzsituation. Die Beseitigung der sozialistischen ArbeiterInnenbewegung war von gro\u00dfer Bedeutung f\u00fcr die Nazis, um den Einfluss ihrer nationalistischen und antisemitischen Ideologien in der ArbeiterInnenschaft zu festigen und zu steigern Daher geh\u00f6rten die Zerschlagung der Organisationen der ArbeiterInnenbewegung und die Einlieferung von deutschlandweit zehntausenden KommunistInnen und SozialistInnen in die dazu errichteten fr\u00fchen Konzentrationslager zu den ersten Ma\u00dfnahmen, die die Nazis bereits einige Wochen nach der Macht\u00fcbertragung in Angriff nahmen.<\/p>\n<p><em>Die Nazis und der 1. Mai<\/em><\/p>\n<p>Im Jahr 1933 wurde der 1. Mai unter den Nazis zum ersten Mal in der deutschen Geschichte zu einem bezahlten Feiertag. Die Nazis wollten mit diesem Akt die symbolische Integration der deutschen ArbeiterInnenschaft in die \u201eVolksgemeinschaft\u201c vollziehen. Der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund (ADGB), der Dachverband der sozialistischen Gewerkschaften, hatte diesen Schritt begr\u00fc\u00dft und rief die ArbeiterInnen zur Teilnahme an den 1. Mai-Feiern der Nazis auf, an denen schlie\u00dflich Hakenkreuz-Fahnen neben denen des ADGB wehten. Bereits zuvor hatte sich die ADGB-F\u00fchrung unter Theodor Leipart der faschistischen Regierung angedient und die Kontakte zum Internationalen Gewerkschaftsbund abgebrochen, dessen Entwicklung seit der Jahrhundertwende ma\u00dfgeblich von den deutschen Gewerkschaften gepr\u00e4gt worden war. Die ADGB-F\u00fchrung erhoffte sich durch diese opportunistische Politik des Anbiederns an die neuen Herren den Erhalt der eigenen Organisation. Doch auch diese naive Hoffnung blieb unerf\u00fcllt. Bereits einen Tag sp\u00e4ter st\u00fcrmten und besetzten Sturmabteilung (SA), Schutzstaffel (SS) und Nationalsozialistische Betriebszellenorganisation (NSBO) in ganz Deutschland die Gewerkschaftsh\u00e4user, verhafteten dabei zahlreiche GewerkschafterInnen und Angestellte und verbrachten zahlreiche von diesen in Konzentrationslager. In diesem Zusammenhang kam es auch zu mehreren Morden an KollegInnen. Der 1. Mai 1933 stand unter dem Slogan \u201eFeiertag der nationalen Arbeit\u201c und markierte so schon im Motto den Unterschied zum internationalen Kampftag der revolution\u00e4ren ArbeiterInnenklasse. Es geht hier nicht mehr die Klasse der ArbeiterInnen, sondern um das \u201edeutsche Volk\u201c als homogene Zusammenfassung von ArbeiterInnen, KapitalistInnen und allen Individuen, dem der \u201edeutsche Arbeiter\u201c zu dienen habe. Die Interessenwahrnehmung der arbeitenden Bev\u00f6lkerung gegen\u00fcber den Unternehmen wurde nicht mehr thematisiert. Der 1. Mai diente nicht mehr dazu, f\u00fcr bessere Arbeitsbedingungen zu k\u00e4mpfen, sondern zelebrierte das Leiden k\u00f6rperlicher Arbeit als \u201edeutsche Tugend\u201c.<\/p>\n<p><em>Die Nazis und die Arbeit<\/em><\/p>\n<p>Bedeutendes Moment in der Ideologie der Nazis ist deren Arbeitsbegriff. Dieser scheidet ein negativ bewertetes, angeblich j\u00fcdisches \u201eraffendes\u201c Finanzkapitel, das von au\u00dfen komme, von einem positiv verstandenem \u201eschaffendem deutschen Industriekapital\u201c. Die vordergr\u00fcndige antikapitalistische Demagogie der FaschistInnen richtet sich also lediglich gegen \u201eausl\u00e4ndisches Kapital\u201c. Der Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit, der Kapitalismus als soziales Verh\u00e4ltnis \u00fcberhaupt, bleibt unangetastet. So ist offensichtlich, dass es sich beim \u201eAntikapitalismus\u201c der Nazis insoweit nur um Phrasen handelt, als darunter ein Ende von Ausbeutung und Unterdr\u00fcckung zu verstehen w\u00e4re. F\u00fcr die realen Verh\u00e4ltnisse machen sie fremde M\u00e4chte verantwortlich. Dabei ist grundlegend, dass es sich hierbei um eine explizit antisemitische Konstruktion handelt: Hinter dem Finanzkapital, der \u201eschlechten Seite des Kapitalismus\u201c, stehe das \u201einternationale\u201c und deshalb \u201enational unzuverl\u00e4ssige\u201c Judentum.<\/p>\n<p><strong>Die Nazis heute<\/strong><\/p>\n<p>Alle behandelten Elemente sind auch konstituierend f\u00fcr die heutigen Nazis. Das betrifft die Forderungen nach Aufl\u00f6sung der selbst\u00e4ndigen Organisationen der ArbeiterInnen genauso wie das Ziel der Verwirklichung einer \u201eVolksgemeinschaft\u201c oder die antisemitische Wahnvorstellung der Existenz eines internationalen \u201eraffenden j\u00fcdischen Finanzkapitals\u201c, dem ein positives \u201eschaffendes, nationales Kapital\u201c gegen\u00fcbergestellt wird. So k\u00fcndigte die NPD Freiburg im M\u00e4rz 2006 auf ihrer Homepage einen Vortrag mit dem Faschisten Stefan Wollenschl\u00e4ger zum Thema \u201eWem geh\u00f6rt die deutsche Wirtschaft?\u201c an. Das braucht nicht zu verwundern. Tats\u00e4chlich hat niemals ein Bruch zwischen alten und neuen FaschistInnen stattgefunden, weder in der Ideologie noch in der Organisation. In diesem Zusammenhang sind auch die aktuellen Versuche und Provokationen der Nazis zu sehen, den 1. Mai f\u00fcr sich zu beanspruchen. Kennzeichnend ist weiter, dass die Nazis, damals wie heute, dies alles in eine raffinierte antikapitalistische Demagogie verpacken. So stand auf einem Wahlplakat der NSDAP aus dem Jahr 1932: \u201eDer Marxismus ist der Schutzengel des Kapitalismus\u201c. Unter Kapitalismus wiederum wird dabei lediglich ausl\u00e4ndisches Kapital verstanden, das angeblich das \u201edeutsche Volk\u201c versklave. Das geschieht grunds\u00e4tzlich mit antisemitischem Unterton, denn die Nazis behaupten, hinter allem st\u00fcnden die Juden. Auch das Gerede der heutigen Nazis von wegen \u201eGemeinsam gegen Kapitalismus\u201c ist so zu verstehen. Um die Beseitigung der Ausbeutung geht es ihnen niemals. Indem sie aber den Widerspruch der Interessen von ArbeiterInnen und KapitalistInnen leugnen, ihnen mit dem Ziel einer \u201eVolksgemeinschaft\u201c gar gemeinsame Interessen unterstellen, stehen sie tats\u00e4chlich f\u00fcr eine Intensivierung der Ausbeutung.<\/p>\n<p><strong>Antifaschistische Perspektiven<\/strong><\/p>\n<p><em>Inhaltliche Konsequenzen:<\/em><\/p>\n<p>Die offene Verbreitung solcher Nazi-Ideologie findet kaum Verbreitung \u00fcber den Kreis der FaschistInnen selbst. Dennoch f\u00e4llt auf, dass Versatzst\u00fccke einer solchen Ideologie durchaus auch bis in die Kreise der politischen Linken und der Gewerkschaften einen gewissen Einfluss haben: So vollzog die Freiburger B\u00fcrgerinitiative \u201eWohnen ist Menschenrecht\u201c, die durch ihr Wirken erfolgreich den Verkauf des st\u00e4dtischen Wohnungsbestandes verhinderte, jene Trennung von gutem und schlechten Kapital, bildlich dargestellt in Heuschrecken, die aus dem Ausland auf den st\u00e4dtischen Wohnungsbestand in Freiburg herfallen. Die hiesige, wenn auch v\u00f6llig unbedeutende, NPD nahm diese Steilvorlage nur zu gerne auf und verwendete auf ihrer Homepage exakt die Symbolik der B\u00fcrgerinitiative. Auch ist f\u00fcr jeden Menschen mit halbwegs klarem Verstand eine gewisse Analogie der von den Gewerkschaftsf\u00fchrungen propagierten \u201eSozialpartnerschaft\u201c von ArbeiterInnen und UnternehmerInnen zu der von den Nazis propagierten \u201eVolksgemeinschaft\u201c ersichtlich: Beide Modelle unterstellen den ArbeiterInnen, im selben Boot mit den UnternehmerInnen zu sitzen und lehnen den Klassenkampf ab.<\/p>\n<p><em>Praktische Konsequenzen:<\/em><\/p>\n<p>Die Kritik einer antifaschistischen Linken muss sich folglich sowohl der Taktik der Sozialpartnerschaft als auch Erkl\u00e4rungsversuchen, die f\u00fcr die Privatisierung von Wohnraum \u201eausl\u00e4ndische Heuschrecken\u201c verantwortlich macht, entgegenstellen. Weitere Schlussfolgerungen sind weniger theoretisch: Weiterhin gilt es, Nazis \u00fcberall und auf allen Ebenen zu isolieren und zu bek\u00e4mpfen. Es darf keinen Raum und keinen Ort geben, an denen die FaschistInnen sich ungest\u00f6rt breitmachen und aufmarschieren k\u00f6nnen, gerade nicht am 1. Mai, dem Kampftag der Linken.<\/p>\n<p><strong>Den Provokationen der Nazis am 1. Mai und immer entgegentreten! FaschistInnen isolieren und bek\u00e4mpfen!<\/strong><\/p>\n<p>Antifaschistische Aktion Freiburg, April 2007<\/p>\n<p>Dieser Text erschien als Beitrag in einer <a href=\"http:\/\/de.indymedia.org\/2007\/04\/173483.shtml\">Brosch\u00fcre<\/a> zum 1. Mai, die von der Zeitung <a href=\"http:\/\/www.sisyphos-im-netz.tk\/\">Sisyphos<\/a> herausgegeben wurde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beitrag zur Brosch\u00fcre: 1. Mai &#8211; Geschichte eines Tages Auch in diesem Jahr sind f\u00fcr den 1.Mai, den internationalen Kampftag der ArbeiterInnenklasse, mehrere faschistische Aufm\u00e4rsche geplant. So wollen Dortmunder FaschistInnen unter dem Motto \u201eGemeinsam gegen Kapitalismus &#8211; Heraus zum 1. 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