{"id":5200,"date":"2017-05-11T14:31:50","date_gmt":"2017-05-11T12:31:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.antifaschistische-linke.de\/?p=5200"},"modified":"2017-05-17T14:33:55","modified_gmt":"2017-05-17T12:33:55","slug":"strassenumbennenung-in-freiburg-fuer-eine-antifaschistische-geschichtspolitik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.antifaschistische-linke.de\/?p=5200","title":{"rendered":"Stra\u00dfenumbennenung in Freiburg. F\u00fcr eine antifaschistische Geschichtspolitik!"},"content":{"rendered":"<p><i><b>La historia es nuestra y la hacen los pueblos <\/b>(Salvador Allende)<\/i><\/p>\n<p>In diesem Jahr j\u00e4hrt sich die Befreiung vom deutschen Faschismus zum 72. Mal. Der 8. Mai 1945 markierte mit der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht das Ende von Nazi-Terror, Holocaust und Vernichtungskrieg &#8211; damals wie heute ein Grund zum Feiern!<\/p>\n<p>Und dennoch sehen wir uns in Zeiten eines gesellschaftlichen Rechtsrucks nicht nur erneut mit Rassismus, Sozialchauvinismus und Nationalismus konfrontiert, sondern auch mit einer zunehmenden Relativierung und Revision des Nationalsozialismus als Teil deutscher Geschichte. In vielen F\u00e4llen werden die Verbrechen von T\u00e4terinnen und T\u00e4tern verharmlost oder schlicht ignoriert \u2013 das Erinnern und Gedenken an die Opfer und Widerstandsk\u00e4mpfer wird von AfD-Spitzenpolitiker Bj\u00f6rn H\u00f6cke als \u201eDenkmal der Schande\u201c bezeichnet.<\/p>\n<p>Hier in Freiburg tragen bis heute noch mehrere Stra\u00dfen die Namen aktiver Unterst\u00fctzer und Wegbereiter des Nationalsozialismus. Ein Stra\u00dfenzug an der Dreisam ist beispielsweise nach dem ehemaligen Reichspr\u00e4sidenten Paul von Hindenburg benannt. F\u00fcr die milit\u00e4rische Niederlage im ersten Weltkrieg versuchte er die demokratische Opposition durch die bekannte Propagandaparole der \u201eDolchsto\u00dflegende\u201c verantwortlichen zu machen. Dadurch konnten antidemokratische, antisemitische und rechtsradikale \u2013 kurz reaktion\u00e4re &#8211; Kr\u00e4fte, u.a die NSDAP, Auftrieb gewinnen. Hindenburg l\u00f6ste in seiner Funktion als Reichspr\u00e4sident 1930 den Reichstag auf, berief Hitler zum Reichskanzler und l\u00f6ste durch seine Unterschrift unter dem sogenannten Erm\u00e4chtigungsgesetz die Grundrechte der Verfassung auf. Damit steht er sinnbildlich f\u00fcr die alten Eliten, die sich mit dem Nationalsozialismus arrangierten und als Wegbereiter fungierten. Eine Umbenennung dieser nach ihm benannten Stra\u00dfe ist richtig und wichtig! Die Kommission zur \u00dcberpr\u00fcfung der Freiburger Stra\u00dfennamen schl\u00e4gt den ehemaligen SPD-Abgeordneten Otto Wels als Ersatz f\u00fcr Hindenburg vor. Dieser ist haupts\u00e4chlich daf\u00fcr bekannt, dass er f\u00fcr die SPD die letzte freie Rede im Reichstag hielt. Den Nationalsozialismus bek\u00e4mpfte er mit gleicher Hingabe wie den Kommunismus als Feinde der Demokratie.<\/p>\n<p>Anstatt einer Hommage an Totalitarismus- und Extremismustheorie schlagen wir vor, den Fokus st\u00e4rken auf die Haupttr\u00e4ger des antifaschistischen Widerstandes in Freiburg zu legen. Diese Menschen k\u00e4mpften f\u00fcr demokratische Strukturen, soziale Gerechtigkeit, gegen Unterdr\u00fcckung und Hass. Ihre selbstlosen Taten sind uns Legitimation und Vorbild zugleich. Ihre Geschichte zu verschweigen, hie\u00dfe sie zu verleumden und damit denen Recht zu geben, die die Geschichte revidieren wollen. Wir wollen an die AntifaschistInnen aus unserer Region erinnern und benennen die ehemalige Hindenburgstra\u00dfe nach dem Freiburger Freiheitsk\u00e4mpfer August (Gusti) St\u00f6hr. Der in der N\u00e4he von Waldkirch geborene gelernte Zimmermann k\u00e4mpfte nach der Oktoberrevolution f\u00fcr die Rote Armee gegen die Konterrevolution und wurde in den 20er Jahren Mitglied der KPD, deren Ortsgruppen in Kollnau und Waldkirch er von 1927 bis 1929 leitete. Er war unter anderem Mitglied im Kampfbund gegen Faschismus und in der Roten Hilfe. Nach der Macht\u00fcbernahme der Nationalsozialisten 1933 wurde St\u00f6hr wie viele AntifaschistInnen in sogenannte \u201eSchutzhaft\u201c genommen, aus der er jedoch wenig sp\u00e4ter wieder entlassen wurde. Als im selben Sommer im Waldkircher Kastellwald Waffen gefunden und nat\u00fcrlich sofort die KPD daf\u00fcr verantwortlich gemacht wurde, musste St\u00f6hr aufgrund massiver Repression nach Basel fl\u00fcchten. Aus dem Exil f\u00fchrte er den antifaschistischen Kampf fort. Als Abwehrleiter in der KPD-Grenzstelle war er f\u00fcr die \u00dcberpr\u00fcfung, Unterbringung und Versorgung von gefl\u00fcchteten EmigrantInnen zust\u00e4ndig. Die deutschen Beh\u00f6rden vermuteten au\u00dferdem, dass er illegale Druckschriften von der Schweiz nach Deutschland transportierte, Grenz\u00fcbertritte f\u00fcr KommunistInnen nach Basel organisierte und die \u201emilit\u00e4rpolitische Arbeit\u201c der KPD in S\u00fcddeutschland leitete. Ab Sommer 1936 organisierte St\u00f6hr illegale Grenz\u00fcbertritte f\u00fcr freiwilllige Spanienk\u00e4mpferInnen nach Frankreich und k\u00e4mpfte ab November selbst in den \u201eInternationalen Brigaden\u201c gegen den faschistischen Milit\u00e4rputsch in Spanien. Als St\u00f6hr 1938 nach Frankreich fliehen muss, wird er zun\u00e4chst verhaftet und nach Kriegsbeginn interniert. Nachdem Frankreich ab Sommer 1940 teilweise von Deutschland besetzt wird, teilweise koooperierte, wird er wie viele Spanienk\u00e4mpferInnen an die Nazis ausgeliefert und zu einer mehrj\u00e4hrigen Zuchthausstrafe verurteilt. Nach seiner Befreiung im April 1945 aus einem Magdeburger Gef\u00e4ngnis war sein Gesundheitszustand aufgrund der Haftbedingungen so schlecht, dass St\u00f6hr ein halbes Jahr im Krankenhaus verbringen musste. Trotzdem blieb er Zeit seines Lebens \u00fcberzeugter Antifaschist, war wieder in der KPD aktiv und bek\u00e4mpfte bis zu seinem Tod 1960 die personellen und strukturellen Kontinuit\u00e4ten in der BRD und in S\u00fcdbaden.<br \/>\nEgal ob auf Stra\u00dfenschildern, oder auf der Stra\u00dfe gilt es Faschismus und Faschisten zu bek\u00e4mpfen. Antifaschistischer Widerstand ist und bleibt legitim. Er darf weder vergessen, noch kriminalisiert werden! Deshalb:<\/p>\n<p>Nie wieder Krieg \u2013 nie wieder Faschismus!<\/p>\n<p>F\u00fcr eine antifaschistische Geschichtspolitik!<\/p>\n<p>Weitere Informationen zu August St\u00f6hr:<br \/>\n&#8211; <a href=\"http:\/\/alfr.blogsport.de\/2010\/07\/31\/freiburger-freiheitskaempfer-und-antifaschist-august-gusti-stoehr\/\">Brosch\u00fcre aus dem Jahr 2010 (ALFR)<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.pforzheim.igm.de\/downloads\/artikel\/attachments\/ARTID_80831_tlh1yC?name=Laden.pdf\">&#8211; Brosch\u00fcre zu Spanienfreiwilligen aus Baden, Stand 2016 (Brigitte und Gerhard Br\u00e4ndle)<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>La historia es nuestra y la hacen los pueblos (Salvador Allende) In diesem Jahr j\u00e4hrt sich die Befreiung vom deutschen Faschismus zum 72. Mal. Der 8. Mai 1945 markierte mit der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht das Ende von Nazi-Terror, Holocaust und Vernichtungskrieg &#8211; damals wie heute ein Grund zum Feiern! 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