{"id":531,"date":"2010-11-15T22:03:41","date_gmt":"2010-11-15T20:03:41","guid":{"rendered":"http:\/\/alfr.blogsport.de\/?p=531"},"modified":"2010-11-15T22:03:41","modified_gmt":"2010-11-15T20:03:41","slug":"extremistische-mitte-protest-gegen-jesse-vortrag-wird-von-bereitschaftspolizei-unterbunden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.antifaschistische-linke.de\/?p=531","title":{"rendered":"Extremistische Mitte: Protest gegen Jesse-Vortrag wird von Bereitschaftspolizei unterbunden"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.antifaschistische-linke.de\/Bilder\/2010-11-10-jesse-hoersaal02.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.antifaschistische-linke.de\/Bilder\/2010-11-10-jesse-hoersaal02.jpg\" width=\"180\" align=\"left\" alt=\"Jesse Uni Freiburg\" \/><\/a>Am Mittwoch, den 10. November 2010, sollte der &#8222;Extremismus-Forscher&#8220; Eckhard Jesse in der Universit\u00e4t Freiburg zum Thema \u201ePo\u00adli\u00adti\u00adscher Ex\u00adtre\u00admis\u00admus in Deutsch\u00adland \u2013 Was ist \u201ehar\u00adter\u201c, was ist \u201ewei\u00adcher\u201c Ex\u00adtre\u00admis\u00admus?\u201c sprechen. Das Studium generale der Uni und die Katholische Akademie luden dazu ein. Im Vorfeld protestierten zw\u00f6lf linke Freiburger Gruppen gegen diese Veranstaltung und regten damit eine mehr oder weniger fruchtbare Diskussion in der \u00d6ffentlichkeit an. Sie warfen den Organisatoren vor, mit der Einladung Jesses geschichtsrevisionistische Positionen in die Uni zu tragen. Als besonders skandal\u00f6s wurde die Einbettung dieses Vortrags in eine Gedenkreihe an die deportierten und ermordeten badischen Juden empfunden.<\/p>\n<p>Schon vor Beginn der Veranstaltung wurde den Besuchern klar, dass politischer Protest gegen Eckhard Jesse und seine abstrusen Theorien auf Widerstand sto\u00dfen wird. Nicht von Seiten gebrechlicher Altnazis und Konservativer, sondern von Seiten der Polizei, die mit bewaffneten Bereitschaftspolizisten in der Uni und auch im Au\u00dfenbereich mit Helmen und Kn\u00fcppeln bereitstand. Dazu kamen noch Personensch\u00fctzer, ein privater Sicherheitsdienst und zahlreiche Polizisten in Zivil, u.a. von der politischen Polizei.<!--more--><\/p>\n<p>Trotzdem oder gerade auch deshalb protestierten 25 Personen lautstark verbal gegen die Veranstaltung. Nach 15 Minuten &#8222;frenetischen Beifalls&#8220; f\u00fcr Jesse wurde auf Anweisung des Vize-Rektors der Uni Freiburg, Prof. Dr. Heiner Schanz, der Protest unter Androhung von Gewalt unterbunden. Die missliebigen Personen wurden durch Bereitschaftpolizei aus dem H\u00f6rsaal entfernt, etwa genausoviele Besucher verlie\u00dfen daraufhin solidarisch ebenso die R\u00e4ume. Die Betroffenen mussten in einem seperaten zweckentfremdeten Raum der Universit\u00e4t ihre Personalien abgeben und sich von Polizeibeamten erkennungsdienstlich behandeln lassen. Nach der Aussprache eines Hausverbotes bis Mitternacht f\u00fcr das gesamte Uni-Gel\u00e4nde konnten sie abziehen. Erw\u00e4hneswert ist zudem, dass einige der Protestierenden von Jesse-Anh\u00e4ngern beleidigt und t\u00e4tlich angegriffen wurden, auch wenn dabei kein gro\u00dfer Personenschaden entstand. Die Veranstaltung wurde durchgef\u00fchrt und Eckhard Jesse verdeutlichte an mancher Stelle seines Referats, wessen Geistes Kind er ist. So sei es bspw. eine Schande, dass die Linkspartei eine Stiftung nach Rosa Luxemburg benannt hat, weil Rosa Luxemburg zur Entwicklung der Weimarer Republik uns\u00e4glich beigetragen hat, so Jesse. Wie zu erwarten wich Eckhard Jesse kritischen Fragen im Anschluss geschickt aus, antwortete gar nicht oder nur teilweise. Eine Diskussion sieht anders aus und das war von Anfang an klar.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.antifaschistische-linke.de\/Bilder\/2010-11-10-jesse-hoersaal03.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.antifaschistische-linke.de\/Bilder\/2010-11-10-jesse-hoersaal03.jpg\" width=\"140\" align=\"right\" alt=\"Jesse Uni Freiburg\" \/><\/a>Nun wirft uns die Universit\u00e4t Freiburg, der konservative P\u00f6bel und auch die b\u00fcrgerliche Presse vor, &#8222;St\u00f6renfriede&#8220; zu sein und dass wir uns einer Diskussion nicht stellen wollten. Das entspricht nicht den Tatsachen. Wir haben inhaltlich klargemacht, um was f\u00fcr eine Person es sich bei Jesse handelt und warum wir ihn gerade auch in einer Gedenkreihe an den Holocaust f\u00fcr untragbar halten. Jesse fiel in der Vergangenheit durch antisemitische \u00c4u\u00dferungen auf, verharmlost die faschistische NPD und den organisierten Neonazismus und seine von vielen Seiten kritisierte &#8222;Extremismus-Theorie&#8220; entlarvt ihn zudem als einen rechts-konservativen Hetzer. Selbstverst\u00e4ndlich wird Jesse auf den freiheitlich-demokratischen Sockel gehievt, arbeitet er ja h\u00f6chstpers\u00f6nlich dem Verfassungschutz zu und liefert ihm einen Theorieunterbau. Mit unserer Aufkl\u00e4rungsarbeit haben wir versucht, Jesse und seine Pseudowissenschaft ins Wanken zu bringen.<\/p>\n<p>Praktisch haben zw\u00f6lf Freiburger Gruppen in einer gemeinsamen Erkl\u00e4rung die Ausladung Jesses gefordert und die Gr\u00fcnde daf\u00fcr geliefert. Ein Gespr\u00e4chs- und Diskussionsangebot von Radio Dreyeckland an den Sprecher der ALFR, Nils Bornstedt, und den Organisator vom Studium generale der Universit\u00e4t, Jens Awe, wurde von Seiten der Uni abgelehnt. Awe begr\u00fcndete dies u.a. damit, dass er nicht mit der Antifaschistischen Linken Freiburg sprechen m\u00f6chte, da sie ihm nicht moderat genug sei. Peinlich, aber auch erhellend finden wir daher, dass die Veranstalterinnen in der wirklichen Debatte kneifen, in der Badischen Zeitung aber genau diese fordern, um damit ihrem &#8222;Saubermannimage&#8220; einer Eliteuniversit\u00e4t gerecht zu werden. Warum also lenkten die Verantalterinnen nicht ein und sagten nach all den Vorfeldinterventionen den Jesse-Vortrag ab?<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.antifaschistische-linke.de\/Bilder\/2010-11-10-jesse-hoersaal01.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.antifaschistische-linke.de\/Bilder\/2010-11-10-jesse-hoersaal01.jpg\" width=\"180\" align=\"left\" alt=\"Jesse Uni Freiburg\" \/><\/a>Wie dem auch sei, was sich am Abend des Jesse-Vortrags in der Uni Freiburg abgespielt hat, ist ein Beispiel f\u00fcr die verkannte extremistische Mitte unserer Gesellschaft. Bewaffnete Polizei wurde im Auftrag der Universit\u00e4t eingesetzt, um einen zweifelhaften Vortrag notfalls mit Gewalt durchzusetzen. Jesse bekam eine B\u00fchne f\u00fcr die Verk\u00fcndung seiner &#8222;Weisheiten&#8220; und als Zuschauer kam alles, was Freiburgs konservative Rechte aufzubieten hat. Nachdem die Protestler beseitigt wurden, hatte die Veranstaltung einen Rahmen, den man auch gut und gerne in einer Burschenvilla h\u00e4tte herrichten k\u00f6nnen. Die Uni beh\u00e4lt sich vor, Strafanzeige zu stellen, die Polizei hat es bereits verlautbaren lassen. Bemerkenswert ist die Beobachtung, dass der Einsatzleiter, Polizeihauptkommissar Martin Sarau, vom Vizerektor der Uni am selben Abend noch Konsequenzen f\u00fcr die St\u00f6rer forderte. Wir sind gespannt und werden uns von dieser Repression nicht einsch\u00fcchtern lassen. Wegschauen ist nicht!<\/p>\n<p>In n\u00e4chster Zeit organisieren wir eine Informationsveranstaltung, in der wir mit geeigneten Referenten die &#8222;Extremismustheorie&#8220; von Jesse und Co auseinandernehmen werden. Dabei wird es auch einen wirklichen Diskussionsrahmen geben.<\/p>\n<p>Abschlie\u00dfend werfen wir noch ein Zitat des Politikwissenschaftlers Prof. Dr. Christoph Butterwegge in den Raum, welches unserer Meinung nach so stehengelassen werden kann.<\/p>\n<p><em>&#8222;Letztlich kaschieren Extremismus- und Totalitarismustheorien, dass die parlamentarische Demokratie weniger von den politischen R\u00e4ndern als von den Eliten selbst bedroht wird, die ihre Privilegien durch Massenproteste gef\u00e4hrdet sehen und ihre Gegner als \u201eExtremisten\u201c brandmarken, um sie bei unentschiedenen Dritten in Misskredit zu bringen.&#8220;<\/em><\/p>\n<p><strong>Mehr lesen:<\/strong><br \/>\n<a href=\"http:\/\/alfr.blogsport.de\/2010\/11\/06\/gemeinsame-erklaerung-wir-dulden-keine-geschichtsverdrehung-an-der-uni-freiburg\/\">Gemeinsame Erkl\u00e4rung Freiburger Gruppen<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/alfr.blogsport.de\/?p=524\">Artikel der Antifaschistischen Linken Freiburg<\/a><\/p>\n<p><strong>Radiobeitr\u00e4ge:<\/strong><br \/>\n<a href=\"http:\/\/rdl.de\/joomla-neu\/index.php?option=com_content&#038;view=article&#038;id=10077:jesseausgebuhtpolizeifilmtinvollmontur&#038;catid=236\">Radio Dreyeckland-Bericht vom 11.11.2010<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/rdl.de\/joomla-neu\/index.php?option=com_content&#038;view=article&#038;id=10063:quotextremismusquotforscherjessevonstudiumgeneraleeingeladenantifaschistischelinkedraengtaufausladung&#038;catid=236\">Radio Dreyeckland-Interview vom 10.11.2010<\/a><\/p>\n<p><strong>Presse:<\/strong><br \/>\n<a href=\"http:\/\/linksunten.indymedia.org\/de\/node\/28278\">Badische Zeitung vom 11.11.2010<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.jungewelt.de\/2010\/11-06\/087.php\">Junge Welt vom 06.11.2010<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.badische-zeitung.de\/linke-wollen-den-politologen-jesse-nicht-an-der-uni-haben\">Badische Zeitung vom 05.11.2010<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Mittwoch, den 10. 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