{"id":5563,"date":"2018-02-21T22:48:03","date_gmt":"2018-02-21T21:48:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.antifaschistische-linke.de\/?p=5563"},"modified":"2018-03-06T11:58:42","modified_gmt":"2018-03-06T10:58:42","slug":"frauenkampftag-am-8-maerz-in-freiburg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.antifaschistische-linke.de\/?p=5563","title":{"rendered":"Frauen*kampftag am 8. M\u00e4rz in Freiburg"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Am 8. M\u00e4rz ist Frauen*kampftag und wir rufen euch alle dazu auf, gemeinsam mit uns gegen den sexistischen Normalzustand und f\u00fcr eine Welt ohne patriarchale Unterdr\u00fcckung auf die Stra\u00dfe zu gehen.<\/p>\n<p>Donnerstag 08.03.2018 | 18 Uhr | Platz der Alten Synagoge<\/p>\n<p>Dass es daf\u00fcr auch im Jahr 2018 gen\u00fcgend Gr\u00fcnde gibt, zeigt der Aufruf des 8. M\u00e4rz-B\u00fcndnisses, von dem auch wir ein Teil sind:<br \/>\nwww.8maerzfreiburg.blogsport.de<br \/>\nDass es dar\u00fcber hinaus, grundlegenden gesellschaftlichen Wandel braucht, um unsere Forderungen und W\u00fcnsche umzusetzen, stellen wir in einem eigenen Aufruf dar:<\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Auf die Stra\u00dfe zum 8. M\u00e4rz!<\/strong><\/p>\n<p>Vor 100 Jahren haben Frauen in Deutschland und auf der ganzen Welt das Wahlrecht erk\u00e4mpft! Sie haben sich damit einer Ordnung widersetzt, in der M\u00e4nner Jahrhunderte lang Gesetze \u00fcber ihre K\u00f6pfe hinweg erlassen hatten und stellten damit die patriarchale Ordnung in Frage.<\/p>\n<p>Heute k\u00f6nnen die meisten von uns bei jeder Wahl ihr Kreuzchen setzen. Aber ist es deswegen so, dass die Gesetze nicht l\u00e4nger Ausdruck einer m\u00e4nnlichen Vorherrschaft sind? Und k\u00f6nnen wir auf diese Weise wirklich w\u00e4hlen, in welcher Welt wir leben wollen?<\/p>\n<p>Sind <span style=\"font-size: medium;\">das beispielsweise echte Wahlalternativen f\u00fcr eine alleinerziehende Mutter, wenn sie sich entweder zwischen Zeit f\u00fcr die Kinder aber prek\u00e4rer finanzieller Verh\u00e4ltnisse, oder enormer <\/span><span style=\"font-family: Liberation Serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Doppelbelastung durch Kind und Karriere entscheiden muss? <\/span><\/span><span style=\"font-family: Liberation Serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Trifft eine Frau aus Osteuropa eine freie Wahl, wenn sie in Deutschland Pflegearbeit leistet, um ihre Kinder zu ern\u00e4hren <\/span><\/span><span style=\"font-family: Liberation Serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">und daf\u00fcr ihre eigene Familie zur\u00fcck l\u00e4sst?<\/span><\/span><\/p>\n<p>Welche Wahl haben wir denn, wenn Frauen in die Schubladen &#8222;Karriere&#8220; oder &#8222;Mutter&#8220; eingeordnet werden, auch wenn sie sich mit keinem von beiden identifizieren wollen? Wir wollen weder an Kinder und K\u00fcche gebunden sein, noch wollen wir unsere Ellbogen ausfahren. Das w\u00fcrde doch nur bedeuten, dass wir uns nicht nur als Lohnarbeiter*innen ausbeuten lassen m\u00fcssen, sondern uns auch noch besonders anstrengen sollen, damit das bestehende System noch ein bisschen besser funktioniert.<\/p>\n<p>In den vergangenen Jahrzehnten wurde die Arbeitsmarkintegration von Frauen auf allen Ebenen forciert, sodass heute ein Gro\u00dfteil aller Frauen erwerbst\u00e4tig ist. Als ein wichtiger Bestandteil der Frauenbefreiung macht das ja auch absolut Sinn! Gleichzeitig hat sich niemand \u00fcberlegt, wer denn die ganze F\u00fcrsorge- und Hausarbeit \u00fcbernehmen soll, die fr\u00fcher allein von erwerbslosen Frauen verrichtet wurde. Das Resultat ist, dass Frauen heute meist sowohl einer Lohnarbeit nachgehen, als auch die unbezahlte Sorge-, Erziehungs- und Reproduktionsarbeit verrichten. Sie sind damit einer enormen Doppelbelastung ausgesetzt, der sich M\u00e4nner noch immer leichter entziehen k\u00f6nnen. Haben Familien ausreichend finanzielle Mittel, wird die Sorgearbeit alternativ an andere Frauen weitergegeben. Diese arbeiten zu Niedrigl\u00f6hnen und k\u00f6nnen selbst niemanden anstellen, der sie entlastet. Das Problem wird also nur verschoben, nicht gel\u00f6st.<\/p>\n<p>Profiteure dieses Systems sind vor allem der Staat und die freie Wirtschaft. Sie verlassen sich darauf, dass Frauen die notwendige Reproduktionsarbeit stets unbezahlt verrichten und sorgen gleichzeitig daf\u00fcr, dass diese als individuelles Problem von Frauen (und Familien) betrachtet wird. Wir aber wissen, dass es sich um ein strukturelles Merkmal handelt, ohne das die gegenw\u00e4rtige kapitalistische Ordnung nicht denkbar w\u00e4re.<\/p>\n<p>Schon die scheinbar freie Wahl neben Kindern auch Karriere machen zu k\u00f6nnen, entstammt im Grunde der Profitlogik des Kapitalismus. Alternative Lebensentw\u00fcrfe, die sich nicht der Produktion oder Reproduktion von Kapital unterwerfen m\u00f6chten, werden uns durch \u00f6ffentliche Anfeindungen und staatliche Lenkversuche so schwer wie m\u00f6glich gemacht, denn der Kapitalismus basiert auf st\u00e4ndiger Produktions- und Reproduktionsarbeit. All das zeigt uns: Eine Befreiung der Frau im Kapitalismus kann es nicht geben, deshalb muss Feminist*in zu sein, hei\u00dfen, Kapitalismus zu bek\u00e4mpfen!<\/p>\n<p>Wir sind uns dabei bewusst, dass es gro\u00dfe Unterschiede zwischen Frauen gibt. Eine Krankenschwester, die Nachschichten und lange Arbeitszeiten zu bew\u00e4ltigen hat, hat gr\u00f6\u00dfere Schwierigkeiten, die F\u00fcrsorge f\u00fcr die eigenen pflegebed\u00fcrftigen Angeh\u00f6rigen zu organisieren als eine gutverdienende Akademikerin, die sich wom\u00f6glich ein Kinderm\u00e4dchen leisten kann. Eine aus Gambia migrierte Angestellte, deren Freundinnen und Angeh\u00f6rige im Alltag Rassismus erleben, hat vielleicht anstrengendere emotionale Sorgearbeit zu leisten als eine mitteleurop\u00e4ische wei\u00dfe Frau, die in einem wohlbeh\u00fcteten Umfeld aufgewachsen ist. Aber diese Unterschiede, so wichtig es ist, sie stets mitzudenken, d\u00fcrfen uns nicht spalten, in dem Kampf, den wir alle gemeinsam f\u00fchren! Die Unterdr\u00fcckung von Frauen ist gesamtgesellschaftlich, \u00f6konomisch und staatlich strukturiert. Und trotzdem wird sie uns als individuelles Problem verkauft.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber d\u00fcrfen wir w\u00fctend sein! Feminismus ist nicht nebens\u00e4chlich oder unn\u00f6tig geworden oder weniger wichtig als andere K\u00e4mpfe um soziale Gerechtigkeit. Feminismus ist der Kampf um soziale Gerechtigkeit. Rassistische Spaltung, sexistische Unterdr\u00fcckung, \u00f6konomische Ausbeutung und soziale Abwertung &#8211; all das ist Teil eines kapitalistischen Systems, das uns vorgibt, gegeneinander k\u00e4mpfen zu m\u00fcssen. Aber das ist falsch! Wir erkennen heute besser denn je, dass das gegenw\u00e4rtige System versagt hat: Das System abgegrenzter Nationalstaaten hat zu keiner Selbstbestimmung gef\u00fchrt, sondern sorgt daf\u00fcr, dass in jedem Staat illegalisierte Menschen zweiter Klasse leben; der Sozialstaat ist nicht sozial, weil er keine Gerechtigkeit schafft und bei der Gleichstellung von Frauen versagt hat; und der Kapitalismus hat sein gro\u00dfes Versprechen vom Wohlstand f\u00fcr alle nicht eingel\u00f6st, sondern bedeutete von Anfang an bis heute Reichtum f\u00fcr Wenige. Die Ordnung, in der wir leben ist falsch und sie geh\u00f6rt \u00fcberwunden! Das wussten die Frauen, die vor 100 Jahre f\u00fcr ihr Wahlrecht auf die Stra\u00dfe gegangen sind, und dass wissen wir heute, wenn wir f\u00fcr eine \u00dcberwindung der patriarchalen Klassengesellschaft k\u00e4mpfen, die zu gro\u00dfen Teilen auf der Ausbeutung von Frauen beruht.<\/p>\n<p>Was wir brauchen, ist ein Systemwandel! In einer Gesellschaft, in der das bin\u00e4re Mann-Frau-Denken \u00fcberwunden ist, wird es keine stereotypen Rollenzuteilungen von Lohnarbeit und unbezahlter Sorgearbeit mehr geben. In einer Gesellschaft, die bed\u00fcrfnis- statt profitorientiert funktioniert, wird Erziehungs-, Pflege und Hausarbeit von allen geleistet, und erh\u00e4lt so die gleiche Anerkennung wie bezahlte Arbeit. In einer Gesellschaft, in der Lebensentw\u00fcrfe nicht an das Profitinteresse der Wirtschaft angepasst werden m\u00fcssen, k\u00f6nnen Menschen gleich und frei zusammenleben. Diese Gesellschaft ist es, die wir wollen!<\/p>\n<p>Daf\u00fcr m\u00fcssen wir uns verb\u00fcnden, uns von unten organisieren, den ganz gro\u00dfen Wandel wollen und bereit sein daf\u00fcr auch im Alltag zu k\u00e4mpfen &#8211; in jeder Beziehung. Wir m\u00fcssen die Arbeitsk\u00e4mpfe von Pfleger*innen in ganz Deutschland unterst\u00fctzen, uns solidarisch mit Kurd*innen gegen die Angriffe auf ihre emanzipatorische, geschlechtergerechte Gesellschaft zeigen; m\u00fcssen viel, oft und laut \u00fcber gesellschaftliche Strukturen diskutieren, die sexuelle Bel\u00e4stigung, m\u00e4nnliches Dominanzverhalten und stereotype Rollenbilder hervorbringen und gegen Gesetze und eine Politik protestieren, die der Kontrolle unserer K\u00f6rper und Lebensentw\u00fcrfe dient.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Das Wahlrecht wurde den Frauen vor 100 Jahren nicht einfach auf dem Silbertablett pr\u00e4sentiert. Sie haben es sich erk\u00e4mpft und keine Ruhe mehr gelassen, bis sie als gleichwertige B\u00fcrgerinnen anerkannt waren! Auch unser Feminismus heute soll offensiv und unvers\u00f6hnlich sein! Wir wollen uns nicht nur verteidigen gegen diejenigen, die das Rad von rechts zur\u00fcckdrehen wollen, oder diejenigen, die versuchen Feminismus neoliberal zu vereinnahmen und in ihre Profitinteressen einzuspannen. Stattdessen m\u00fcssen wir die bestehende Ordnung auseinandernehmen: in Arbeitsk\u00e4mpfen, auf der Stra\u00dfe, im Alltag &#8211; solidarisch und durch Widerstand, wo es nur geht. Wir wissen, dass eine andere Welt m\u00f6glich ist. Also holen wir sie uns!<strong><br \/>\nIn diesem Sinne: Geht mit uns am 8.M\u00e4rz auf die Stra\u00dfe!<\/strong><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-5564 alignleft\" src=\"https:\/\/www.antifaschistische-linke.de\/wp-content\/uploads\/8Maerz18_Website-Banner2-300x96.jpg\" alt=\"\" width=\"534\" height=\"171\" srcset=\"https:\/\/www.antifaschistische-linke.de\/wp-content\/uploads\/8Maerz18_Website-Banner2-300x96.jpg 300w, https:\/\/www.antifaschistische-linke.de\/wp-content\/uploads\/8Maerz18_Website-Banner2.jpg 975w\" sizes=\"(max-width: 534px) 100vw, 534px\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 8. M\u00e4rz ist Frauen*kampftag und wir rufen euch alle dazu auf, gemeinsam mit uns gegen den sexistischen Normalzustand und f\u00fcr eine Welt ohne patriarchale Unterdr\u00fcckung auf die Stra\u00dfe zu gehen. 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