{"id":801,"date":"2012-04-24T01:17:23","date_gmt":"2012-04-23T23:17:23","guid":{"rendered":"http:\/\/alfr.blogsport.de\/2012\/04\/24\/bundesweiteraufrufkapitalismus-ueberwinden-fuer-solidaritaet-und-klassenkampf\/"},"modified":"2014-11-04T23:09:57","modified_gmt":"2014-11-04T22:09:57","slug":"bundesweiteraufrufkapitalismus-ueberwinden-fuer-solidaritaet-und-klassenkampf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.antifaschistische-linke.de\/?p=801","title":{"rendered":"Bundesweiter Aufruf:Kapitalismus \u00fcberwinden! F\u00fcr Solidarit\u00e4t und Klassenkampf!"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.antifaschistische-linke.de\/Bilder\/1mai-bundesweit-start.jpg\" width=\"170\" align=\"left\" alt=\"1. Mai bundesweit\" \/>Die Krise des Kapitalismus schreitet voran. Selbst in b\u00fcrgerlichen Kreisen wird heftig \u00fcber tiefgreifende Ver\u00e4nderungen des Systems diskutiert. Die Missst\u00e4nde werden korrupten Politikern und gierigen Bankern zugeschrieben. W\u00e4hrenddessen verschlechtert sich die Lebenssituation f\u00fcr einen Gro\u00dfteil der Lohnabh\u00e4ngigen in fast allen Bereichen dramatisch. Eindrucksvoll wird in Irland, Spanien, Portugal und Griechenland vorexerziert, was allen Besch\u00e4ftigten, RentnerInnen, Erwerbslosen, Studierenden und Sch\u00fclerInnen noch bl\u00fchen kann. Obwohl sich die sp\u00fcrbaren Folgen der Krise in der BRD bisher in Grenzen halten, spielt sie als Hintergrundmusik in Politik, Wirtschaft und Medien eine nicht zu \u00fcberh\u00f6rende Rolle: keine Sparma\u00dfnahme, \u00dcberstunde, Lohnk\u00fcrzung oder Intensivierung der Arbeit, die nicht mit dem Verweis auf die Krise begr\u00fcndet wird.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite hat die Krise in den letzten Jahren in den Metropolen Bewegungen wiederbelebt, die die Frage nach grundlegender Ver\u00e4nderung aufwerfen, die fast schon vergessen war. K\u00e4mpferische Streiks in Griechenland, Spanien und Portugal oder soziale Bewegungen wie Occupy in den USA zeigen, dass Widerstand gegen die Zuspitzung der Verh\u00e4ltnisse zunehmend auf die Stra\u00dfe getragen wird. Auch wenn sich die konkreten K\u00e4mpfe an unterschiedlichen gesellschaftlichen Konflikten entz\u00fcnden, haben sie dieselbe Ursache: den Kapitalismus. Mit dem 1. Mai 2012, an dem weltweit Millionen Menschen f\u00fcr ein besseres Leben und eine Welt jenseits von Krise, Krieg und Kapitalismus auf die Stra\u00dfe gehen, den Krisenprotesten Mitte Mai in Frankfurt am Main und den kommenden Arbeitsk\u00e4mpfen bieten sich in diesem Fr\u00fchjahr vielf\u00e4ltige Ans\u00e4tze f\u00fcr die revolution\u00e4re Linke.<!--more--><\/p>\n<p><strong>Antikapitalismus ist Klasse!<\/strong><\/p>\n<p>Die mit dem Ausbruch der Krise entstandene Hoffnung vieler Linker, auf grundlegende Ver\u00e4nderung wurde nicht best\u00e4tigt. Das Krisenmanagement des Staates, die finanzielle St\u00fctze der Banken und die sozial- beziehungsweise arbeitsmarktpolitischen Massnahmen federn die sozialen Folgen in der BRD noch ab. Zeitgleich macht sich in der Linken die Entt\u00e4uschung breit, dass die Kritik und der praktische Widerstand gegen die Verantwortlichen der Krise eher zaghaft bleiben und der Kampf um Alternativen zum Kapitalismus sich nicht entwickelt. Bei einem Gro\u00dfteil der Lohnabh\u00e4ngigen \u00fcberwiegt die Angst vor sozialem Abstieg und die Hoffnung, die Krise mit einem blauen Auge zu \u00fcberstehen. Obwohl sich eine oberfl\u00e4chliche Kritik am Kapitalismus breit macht und viele die soziale und politische Ungerechtigkeit beklagen, bleibt die kollektive Gegenwehr auf betrieblicher, gewerkschaftlicher und politischer Ebene schwach \u2013 die Passivit\u00e4t dominiert. Zudem versteht es die herrschende Klasse erstaunlich gut, mit Durchhalteparolen, dem Versprechen sicherer Arbeitspl\u00e4tze, Beschw\u00f6ren der Betriebsgemeinschaft und rassistisch geladener Stimmungsmache gegen die Krisenverlierer, die Unzufriedenheit zu kanalisieren. Die mediale Berichterstattung \u00fcber die \u00bbfaulen Griechen\u00ab oder \u00bbPleite-Hellenen\u00ab haben zu einer Stimmung beigetragen, die das BILD vermittelt, die Menschen in den krisengesch\u00fcttelten L\u00e4ndern seien selbst schuld an ihrer Situation.<\/p>\n<p>Dass die Lohnabh\u00e4ngigen in der BRD diese Hetze in gro\u00dfen Teilen widerstandslos aufnehmen, anstatt solidarisch mit ihren KollegInnen in anderen L\u00e4ndern zu sein, zeigt vor allem eins: \u00dcber das Wissen um die Klassenverh\u00e4ltnisse und damit das Klassenbewusstsein hat sich der Staub des Vergessens gelegt. Doch nur weil der Klassenkampf aus dem Bewusstsein verschwunden ist, bedeutet dies nicht, dass er nicht tagt\u00e4glich stattfindet. Die Klassen und der Klassenkampf sind dem Kapitalismus, damals wie heute, als soziales Grundverh\u00e4ltnis eingeschrieben und strukturieren die kapitalistische Gesellschaft. Auf der einen Seite stehen die Kapitalbesitzenden mit dem Interesse nach st\u00e4ndiger Profitvermehrung. Ihnen gegen\u00fcber steht die gro\u00dfe Masse aller Lohnabh\u00e4ngigen, ohne Besitz oder Verf\u00fcgung \u00fcber Produktionsmittel. Im Kapitalismus sind sie aufgrund ihrer materiellen Situation zum Verkauf ihrer Arbeitskraft gezwungen. Daraus resultieren zwangsl\u00e4ufig Konflikte. Die Formen und Ausdr\u00fccke des Klassenkampfs sind dabei vielf\u00e4ltiger als viele glauben: von Mietfragen, Auseinandersetzungen um steigende Lebenshaltungskosten \u00fcber betriebliche Alltagskonflikte, breite politische Debatten, Tarifauseinandersetzungen bis zu wilden Streiks, Massendemonstrationen, Revolten und revolution\u00e4ren Aufst\u00e4nden. Die gesellschaftlichen B\u00fcndnisse und Kr\u00e4ftekonstellationen zwischen den Klassen sind immer umk\u00e4mpft. Die Formen der Auseinandersetzung und ihr konkreter Verlauf h\u00e4ngen unter anderem vom \u00f6konomischen Entwicklungsstand und historischen Gegebenheiten ab und durchziehen Wirtschaft, Politik und Ideologie gleicherma\u00dfen. Die Zusammensetzung und innere Struktur der lohnabh\u00e4ngigen Klasse sowie das Verh\u00e4ltnis zwischen den Fraktionen der herrschenden Klasse sind einem permanenten Wandel unterzogen. Neue Technologien, Maschinen und ver\u00e4nderte Arbeitsorganisation setzen die Klassenstruktur st\u00e4ndig in Bewegung. Das Kapital ist anpassungs- und integrationsf\u00e4higer als viele dachten und die bisherigen Klassenk\u00e4mpfe endeten lediglich mit einer Umstrukturierung innerhalb der bestehenden Klassenverh\u00e4ltnisse, ohne diese aufzuheben. Die Beziehungen zum Beispiel zwischen FacharbeiterInnen, An- und Ungelernten, zwischen Festangestellten und Prekarisierten und den damit einhergehenden Lebens- und Arbeitsformen, verschieben sich best\u00e4ndig. Das heutige Niveau der Arbeitsteilung hat zu einem komplexen Kooperationssystem gef\u00fchrt, dass den Lohnabh\u00e4ngigen h\u00f6chst unterschiedliche Rollen zuweist. Die Spannbreite der Erwerbsformen reicht von der unmittelbaren Produktion der industriellen Kernbelegschaften, dem Verwaltungs- und Distributionsbereich \u2013 die heutzutage meist zu den Dienstleistungen gez\u00e4hlt werden \u2013 \u00fcber die Logistik-, Kommunikations- und Reinigungsbranchen, den Pflege- und Gesundheitssektor bis zur studierten technischen Intelligenz in Gro\u00dfbetrieben oder Scheinselbstst\u00e4ndigen im Segment der Kreativ-Arbeit in Werbung und Marketing. Die Orte und Stellungen, in denen abh\u00e4ngige Besch\u00e4ftigung im Produktions- oder Reproduktionsbereich stattfindet, variieren erheblich und die konkreten Lebenslagen in Bezug auf Qualifikation, Bildung, Einkommen und Konsumverhalten gehen weit auseinander. Die Tendenz ist eine Verallgemeinerung der Lohnarbeit, eine umfangreiche Proletarisierung der Gesellschaft, bei gleichzeitiger Ausdifferenzierung ihrer Erscheinungsformen. Die Wahrnehmung der Klassenbeziehungen ist dadurch ungemein erschwert.<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich werden durch die Konkurrenzorientierung im Kapitalismus die Subjekte gegeneinander positioniert. Kollektives und solidarisches Handeln setzen daher einiges voraus und werden in dieser Gesellschaft nicht gerade nahegelegt. Gerade die Krisenentwicklung verunsichert viele Menschen besonders wenn emanzipatorische Orientierung und Organisierung fehlen, so dass auch irrationale Weltbilder um sich greifen. Die Umbr\u00fcche der Sozialverh\u00e4ltnisse, Ausdehnung prek\u00e4rer Arbeits- und Lebensformen und Existenzangst treiben viele Menschen in die Arme rechter Populisten, weil sie sich von den reaktion\u00e4ren und autorit\u00e4ren Kr\u00e4ften Sicherheit und Bew\u00e4ltigung der Krise erhoffen, die sie einer \u00bbkorrupten b\u00fcrgerlichen Demokratie\u00ab nicht mehr zutrauen. Wo kritisches Bewusstsein und eine widerst\u00e4ndige Kultur fehlen, bilden sich aus der Alltagswahrnehmung der gesellschaftlichen Strukturen auch reaktion\u00e4re Erkl\u00e4rungsmuster heraus. Das Bewusstsein der lohnabh\u00e4ngigen Klasse kann daher nicht allein aus der \u00f6konomischen Struktur erkl\u00e4rt werden. Genauso m\u00fcssen auch Unterdr\u00fcckungsformen wie Nationalismus, Rassismus, Islamophobie, Antisemitismus oder patriarchale Strukturen Ber\u00fccksichtigung finden. Denn wie sich die Klassenstruktur in Klassenhandeln \u00fcbertr\u00e4gt, sich politisch artikuliert und in das Geschehen eingreift, ist nicht allein aus der \u00f6konomischen Stellung der Menschen im Produktionsprozess abzuleiten. Es ist auch eine Frage der politischen, kulturellen und ideologischen \u2013 kurz gesellschaftlichen \u2013 Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse insgesamt.<\/p>\n<p><strong>Die R\u00e4der des Systems<\/strong><\/p>\n<p>Im Kapitalismus ist die Lohnarbeit die Basis der Produktionsweise. Nur die Arbeit ist die Quelle von neuem Wert. Die Arbeitskraft ist die einzige Ware, die mehr Wert erzeugt, als sie selbst wert ist. Die Kapitalisten bezahlen die Arbeitszeit als Lohn, der zur Reproduktion der Arbeitskraft notwendig ist. Die Differenz zwischen dem bezahlten Lohn und dem, was die Arbeitskraft dar\u00fcber hinaus produziert, eignen sich die Kapitalisten in Form des Mehrwerts an. Dabei gilt: Umso geringer der gezahlte Lohn und umso h\u00f6her die Produktivit\u00e4t, desto h\u00f6her die Mehrwertrate der Kapitalisten. Diese sind in ein st\u00e4ndiges Konkurrenzverh\u00e4ltnis versetzt, die Produktivit\u00e4t der kapitalistischen Warenproduktion zu steigern. Mittels Rationalisierungsma\u00dfnahmen, technischem Fortschritt und Arbeitsintensivierung setzt das Kapital best\u00e4ndig einen Prozess in Gang, durch den der Anteil der Lohnarbeit bei der Produktion verringert wird. Durch die M\u00f6glichkeit des globalen Waren- und Technologietransfers haben sich in den letzten Jahrzehnten die Produktionsst\u00e4tten auch dorthin verlagert, wo die Lohnst\u00fcckkosten niedriger als in den kapitalistischen Zentren sind. Die Expansion des Kapitals findet sowohl nach au\u00dfen als auch innerhalb der kapitalistischen Zentren, in Bereiche, die noch nicht der Kapitalverwertung unterworfen waren, statt. Das System beruht auf dem Zwang zur Ausweitung der Verwertungsbereiche.<\/p>\n<p>Der Nachkriegskapitalismus war von einem wirtschaftlichen Aufschwung, verbunden mit Vollbesch\u00e4ftigung, einer stark ausgebauten tarifvertraglichen und gesetzlichen Regulierung der Arbeitsverh\u00e4ltnisse und umfassenden sozialstaatlichen Sicherungssystemen gepr\u00e4gt. Die Widerspr\u00fcche des Kapitalismus schienen in den L\u00e4ndern der kapitalistischen Metropolen eine Zeit lang \u00fcberwunden zu sein. Diese Phase des prosperierenden Kapitalismus der 1950er und 1960er Jahre \u2013 auch als Fordismus oder goldenes Zeitalter bekannt \u2013 ging Mitte der 1970er Jahre mit einem weltweiten Kriseneinbruch zu Ende. Der kapitalistische Ausweg aus der Krise bestand in einer grundlegenden Umstrukturierung der Arbeits- und Klassenverh\u00e4ltnisse. Der Klassenkompromiss der Nachkriegszeit wurde von oben aufgek\u00fcndigt und die Stellung der Gewerkschaften geschw\u00e4cht. Der Abbau des Sozialstaates, die Flexibilisierung der Arbeit und eine massive Erwerbslosigkeit setzten ein. Es kam zur Ausbreitung prek\u00e4rer Arbeitsverh\u00e4ltnisse, zu einem deutlichen Anwachsen des Niedriglohnsektors und der Armut.<\/p>\n<p>Die M\u00e4rkte des Nachkriegsbooms, die erstmals auch die Haushalte der ArbeiterInnen in den Metropolen massenweise mit K\u00fchlschr\u00e4nken, Autos und Fernsehern versorgten, waren ges\u00e4ttigt. Das Kapital brauchte neue profitable Anlagem\u00f6glichkeiten. Mit der neoliberalen Privatisierungspolitik konnte das Kapital in weitere Bereiche eindringen. Ehemals \u00f6ffentliche Aufgaben wie Wasser- und Energieversorgung wurden privatisiert. Durch die neoliberale Offensive konnten zwar die Profitraten gesteigert werden, zugleich wurde aber auch die Kaufkraft und damit die Nachfrage reduziert. Die Nutzung neuer Technologien, zum Beispiel dem IT-Sektor, schuf zwar neue Arbeitspl\u00e4tze, beschleunigte aber zugleich die Verdr\u00e4ngung der Arbeitskr\u00e4fte aus dem Produktionsprozess. Eine scheinbare Verwertungsm\u00f6glichkeit boten die Finanzm\u00e4rkte, in denen das Kapital nach vor\u00fcbergehenden Anlagem\u00f6glichkeiten suchte. Die daraus resultierende Aufbl\u00e4hung des Finanzsektors ist f\u00fcr die kapitalistische \u00d6konomie mittlerweile zum Problem geworden.<\/p>\n<p>Die Finanzanlagen sind wesentlich schneller angewachsen, als sie Entsprechung in der realen Produktion gefunden haben. Im Finanzsektor werden aber keine Werte geschaffen. Das finanzielle Anlagekapital sch\u00f6pft in Form von Zins- oder Dividendenzahlungen einen Teil des Profits ab, der in der Produktion gewonnen wird. Dazu m\u00fcssen die produzierten Waren aber verkauft werden, was sich angesichts andauernder \u00dcberkapazit\u00e4ten immer schwieriger gestaltet. Mit dem Finanzsektor wuchsen auch die Schuldenberge der \u00f6ffentlichen und privaten Haushalte, da eine Nachfrage vorrangig durch Kredite generiert wurde. Das, was seit dem Crash des US-Hypothekenmarkts 2008 und dem folgenden Taumel des internationalen Finanzmarktes sichtbar wird, ist Ausdruck einer dauerhaften \u00dcberproduktionskrise des Kapitals.<\/p>\n<p><strong>\u00bbIn Europa wird deutsch gesprochen\u00ab<\/strong><\/p>\n<p>Trotz oder gerade wegen der Krise konnte die BRD gro\u00dfe Handels\u00fcbersch\u00fcsse auf dem Weltmarkt erwirtschaften. Die deutsche Exportindustrie setzte sich, nicht zuletzt durch die Absenkung des Lohnniveaus infolge der Agenda 2010 und Hartz IV und einer allgemeinen Prekarisierungspolitik, auf dem europ\u00e4ischen Markt durch. Zwischen 2000 und 2009 gingen die L\u00f6hne preisbereinigt hierzulande um 4,5 Prozent zur\u00fcck. Die BRD konnte ihre Industrieproduktion in den letzten zehn Jahren, auch \u00fcber die Krise hinweg, um 19,7 Prozent steigern, w\u00e4hrend sie in Portugal um 16,4 Prozent, in Italien um 17,3 Prozent, in Spanien um 16,4 Prozent und in Griechenland um 29,9 Prozent fiel.<\/p>\n<p>Die Durchsetzung brutaler K\u00fcrzungsdiktate vor allem auf Betreiben der deutschen Politik l\u00e4sst die Lohnabh\u00e4ngigen der Euro-L\u00e4nder verarmen und baut die politisch und \u00f6konomische Macht- und Herrschaftsstellung Deutschlands aus. Mit seiner Exportindustrie walzt es zun\u00e4chst die peripheren L\u00e4nder nieder und exportiert die Krisenfolgen gleich mit. Im derzeitigen europ\u00e4ischen Krisenmanagement haben sich die nationalen Interessengegens\u00e4tze im angeblich vereinten Europa wieder offener manifestiert. Denn das deutsche Kapital nutzt seine politische und \u00f6konomische Stellung, um seine Forderungen auf Kosten der verschuldeten L\u00e4nder durchzusetzen. So vergibt die Europ\u00e4ische Zentralbank (EZB) auf Druck der BRD den internationalen Finanzinstituten unbegrenzt Kredite zu einem Prozent, damit diese h\u00f6her verzinste Staatsanleihen aufkaufen. Hierdurch gewinnen nicht in erster Linie die verschuldeten L\u00e4nder, sondern vor allem die Banken der europ\u00e4ischen Zentren, sprich Frankreichs und mehr noch Deutschlands. Zugleich werden mit den Forderungen nach immer weiteren Sparma\u00dfnahmen auch die eigenen Absatzm\u00e4rkte ausgetrocknet. Deshalb werden die Spardiktate die Krise der Euro-Zone nur weiter versch\u00e4rfen und auch die deutsche Exportindustrie fr\u00fcher oder sp\u00e4ter erfassen. Der vergleichsweise gro\u00dfe Wohlstand der EU f\u00e4llt rasant und die Angriffe auf die Arbeits- und Lebensbedingungen der lohnabh\u00e4ngigen Klasse nehmen unaufh\u00f6rlich zu.<\/p>\n<p>Die deutschen Gewerkschaften, als klassische Vertreterinnen der Lohnabh\u00e4ngigen, haben dem wenig entgegenzusetzen. In der BRD haben wir es mit einer besonderen Form der Institutionalisierung des Klassenkonfliktes zu tun. Die Beziehungen zwischen Kapital und Arbeit sind durch gesetzliche Regelungen und Institutionen, wie Tarifvertr\u00e4ge, Betriebsverfassungs- und Sozialgesetze, Arbeitsgerichte soweit verrechtlicht wie in kaum einem anderen Land. F\u00fcr die bundesdeutschen Gewerkschaften sind die Unternehmen und ihre Verb\u00e4nde keine Gegner, sondern Tarifpartner. Seit ihrem Bestehen setzen die DGB-Gewerkschaften auf Sozialpartnerschaft und Kooperation. W\u00e4hrend des wirtschaftlichen Aufschwungs in der Nachkriegszeit konnten die Gewerkschaften mit diesem Modell Lohnzuw\u00e4chse und andere Verbesserungen erreichen. Sp\u00e4testens seit der neoliberalen Phase f\u00fchrt diese Orientierung von einer Niederlage zur n\u00e4chsten. Auch w\u00e4hrend der Krise ist die offizielle Linie der Gewerkschaftsf\u00fchrung an k\u00e4mpferischer Rhetorik orientiert, bei gleichzeitiger praktischer Bescheidenheit, um die scheinbar instabilen Gesch\u00e4ftsbilanzen der Unternehmen nicht zu gef\u00e4hrden. Viele Tarifverhandlungen endeten mit weitreichenden Zugest\u00e4ndnissen an das Kapital und die faulen Kompromisse werden von den Gewerkschaften h\u00e4ufig noch als Erfolge verkauft. Die Krise und Zuspitzung der Widerspr\u00fcche hat bei den Gewerkschaften, ungeachtet einiger Prozesse an der Basis, bis jetzt zu keiner Radikalisierung gef\u00fchrt. Es werden zwar einzelne Ausw\u00fcchse des Kapitalismus gegei\u00dfelt, das kapitalistische System als Ganzes wird aber nicht hinterfragt und die Interessen der Unternehmen finden bei Arbeitsk\u00e4mpfen stets ihre Ber\u00fccksichtigung. Doch auch wenn die Gewerkschaften der Verrechtlichung von Konflikten dienen und sich als Ordnungsfaktor im Betrieb aufspielen, sind sie f\u00fcr viele Menschen ein Ansatz der Organisierung, wo um das richtige Herangehen und die politische Sto\u00dfrichtung gestritten wird. Auch wenn die Zielsetzung der Gewerkschaften auf Verbesserungen innerhalb der Verh\u00e4ltnisse gerichtet ist, werden im betrieblichen Kampf durchaus Erfahrungen gemacht, die ein Bewusstsein \u00fcber die eigene Klassenlage schaffen und zum Ausgangspunkt klassenk\u00e4mpferischer Bewegung werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>In Bewegung kommen \u2026<\/strong><\/p>\n<p>Auch heute gibt es offene K\u00e4mpfe die aus der kapitalistischen Eigentumsordnung und den Klassenverh\u00e4ltnissen resultieren \u2013 auch wenn das nicht immer so wahrgenommen wird. Von der Bewegung der Emp\u00f6rten in Spanien \u00fcber die Massenproteste in Griechenland bis zu Occupy in den USA: Soziale Bewegungen bringen auch in den Metropolen wieder eine Praxis hervor, die sich \u00f6ffentlich R\u00e4ume aneignet, H\u00e4user, Betriebe und Institutionen besetzt, Massenproteste organisiert und mit konfrontativen Aktionen die Staatsmacht herausfordert. Sie stellen an vielen Punkten die Eigentumsfrage und untergraben die Legitimation, Gesetze und Regeln der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft. Obwohl die politischen Zielsetzungen, Protestformen und die Reichweite der Kritik oft unzureichend und konfus sind, bringen die sozialen Bewegungen politische Anst\u00f6\u00dfe, Organisierungsans\u00e4tze und breite gesellschaftliche Debatten hervor.<\/p>\n<p>Positionen, wie sie auch von vielen linken AktivistInnen vertreten werden, die K\u00e4mpfe um h\u00f6here L\u00f6hne, bessere Arbeitsbedingungen oder soziale Absicherung nicht ernst zu nehmen, stellen keinen Ausweg dar. Wer Arbeitsk\u00e4mpfe und neue Protestbewegungen leichtfertig als reformistische Verteilungsk\u00e4mpfe abtut oder als verk\u00fcrzte Kapitalismuskritik labelt, \u00fcbersieht die Dynamiken und Erfahrungen, die in solchen K\u00e4mpfen gemacht werden k\u00f6nnen. Ein Herangehen das sich vorwiegend auf Abgrenzung und radikalistische Phrasendrescherei st\u00fctzt, hat keine Perspektive. Ebenso wenig ist andererseits eine \u00dcberbetonung sozialer Bewegungen, einhergehend mit der Vernachl\u00e4ssigung dauerhafter revolution\u00e4rer Strukturen, zielf\u00fchrend. Das gilt auch f\u00fcr das Verh\u00e4ltnis zu den Gewerkschaften: Im Gegensatz zu den sozialpartnerschaftlichen Spitzen, gilt es fortschrittliche und klassenk\u00e4mpferische Bewegungen an der Basis zu unterst\u00fctzen. Wollen wir die gesellschaftlichen Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse verschieben, m\u00fcssen wir solche Ans\u00e4tze aufgreifen. In den Protesten und Streiks sollten die Gemeinsamkeiten gesucht und zu einer Radikalisierung beigetragen werden. Wir m\u00fcssen nicht alle Positionen teilen, nicht jede Aktion f\u00fcr sinnvoll halten oder die aktuellen sozialen Bewegungen unreflektiert zur neuen revolution\u00e4ren Kraft verkl\u00e4ren \u2013 trotzdem kann sich in ihnen eine gesellschaftliche Praxis ausdr\u00fccken, die emanzipatorische Potenziale tr\u00e4gt, die herrschende Politik angreift und Basisorganisierung hervorbringt. In einem breiten Organisierungsprozess sollten genau solche Ans\u00e4tze, wie klassenk\u00e4mpferische Initiativen innerhalb und au\u00dferhalb der Gewerkschaften, Basisorganisierung in Stadtteilen, an Schulen und Unis oder die vielen politischen Widerstandsbewegungen gest\u00e4rkt und zusammengebracht werden. Die vielf\u00e4ltigen Bewegungen haben alle f\u00fcr sich ihre Berechtigung, entstehen aus verschiedenen Anliegen und repr\u00e4sentieren unterschiedliche Menschen, mit zahlreichen subjektiven Interessenlagen. Ihre Ursachen, die gesellschaftlichen Verwerfungen und Widerspr\u00fcche, sind aber grundlegender Natur und nur mit der \u00dcberwindung des Kapitalismus aus der Welt zu schaffen. F\u00fcr die revolution\u00e4re Linke hei\u00dft das, die aufgeworfenen Fragen zuzuspitzen, die kapitalistische Eigentums- und damit die Klassenverh\u00e4ltnisse in den Mittelpunkt zu r\u00fccken und eine kommunistische Perspektive in den realen K\u00e4mpfen zu verankern.<\/p>\n<p><strong>Geschichte wird gemacht!<\/strong><\/p>\n<p>Das Ende der Geschichte, wie es der bekannte Sch\u00f6nredner des Neoliberalismus, Francis Fukuyama, einst verk\u00fcndete, ist erwartungsgem\u00e4\u00df nicht eingetreten. Vielmehr scheint der neoliberale Triumphzug selbst Geschichte zu sein. Die Ideologie des freien, ungez\u00fcgelten und selbstregulierenden Marktes hat eine Bruchlandung hingelegt. Die kapitalistischen Macht- und Herrschaftsverh\u00e4ltnisse haben Risse bekommen, das System befindet sich in einer Legitimationskrise und die globalen Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse scheinen sich zu verschieben. Welchen Ausgang dieser Prozess nimmt, ob er zu einer Restauration des Kapitalismus, zur Vertiefung der Krisenerscheinungen oder zum langfristigen Aufbl\u00fchen systemkritischer Bewegungen f\u00fchrt, ist vollkommen offen. Klar ist nur: Der destruktive Charakter des Kapitalismus, der in Krisenzeiten umso deutlicher wird, ist nicht zu \u00fcbersehen und wird bis ins b\u00fcrgerliche Lager hinein diskutiert. Kriege, Umweltzerst\u00f6rung, entfremdete Lohnarbeit und die schonungslose Unterwerfung aller Lebensbereiche unter die Verwertungslogik des Kapitals, dr\u00e4ngen die Frage nach Alternativen auf. Die aktuellen Proteste zeigen es: Die sozialen Bewegungen sind in den letzten Jahren als gesellschaftliche Akteure zur\u00fcckgekehrt \u2013 selbst in den kapitalistischen Zentren. Obwohl der Verlauf der K\u00e4mpfe, die Perspektiven der Bewegungen und die Rolle der revolution\u00e4ren Linken noch unbestimmt sind, ist deutlich sichtbar, dass sich Widerspr\u00fcche und K\u00e4mpfe im globalen Ma\u00dfstab zuspitzen. Es ist an der Zeit, der Krise des Kapitals den Klassenkampf von unten und einen organisierten revolution\u00e4ren Aufbauprozess entgegenzusetzen!<\/p>\n<p><strong>F\u00fcr den Kommunismus!<\/strong><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.antifaschistische-linke.de\/Bilder\/pdflogo.jpg\" align=\"left\" alt=\"\" \/> <em><a href=\"http:\/\/www.antifaschistische-linke.de\/PDF\/flugblatt-1mai-bundesweit.pdf\">Bundesweites Flugblatt als PDF (1,25 MB)<\/a><\/em><\/p>\n<p><strong>Der 1. Mai 2012 und die Krisenproteste vom 16. \u2013 19. Mai 2012 in Frankfurt am Main<\/strong><\/p>\n<p>Der 1. Mai ist weltweit der Tag an dem Menschen gegen den Kapitalismus und seine Symptome wie Armut, Sozialabbau und Krieg protestieren. Auch in der BRD finden am 1. Mai zahlreiche Demonstrationen statt. Wir rufen dazu auf sich an den klassenk\u00e4mpferischen Bl\u00f6cken bei den Gewerkschaftsdemonstrationen und an den revolution\u00e4ren 1.-Mai-Demonstrationen zu beteiligen. Wenige Wochen sp\u00e4ter, vom 16. \u2013 19. Mai 2012, sind in Frankfurt am Main unter dem Motto \u201eBlockupy Frankfurt\u201c internationale Tage des Protests gegen das Krisenregime der EU geplant. Gegen die Politik der EU und Troika werden im Finanzzentrum Frankfurt Pl\u00e4tze besetzt, die EZB blockiert und der Sitz einiger deutscher Banken und Konzerne belagert.<\/p>\n<p><em>Antifaschistische Linke Freiburg<br \/>\nGruppe 76 Rastatt\/Murgtal<br \/>\nLinke Aktion Villingen-Schwenningen<br \/>\nRevolution\u00e4re Linke Heilbronn<br \/>\nProjekt Revolution\u00e4re Perspektive Hamburg<br \/>\nRevolution\u00e4re Aktion Stuttgart<br \/>\nRevolution\u00e4re Perspektive Berlin<br \/>\nRote Aktion Mannheim<br \/>\nsowie Einzelpersonen <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Krise des Kapitalismus schreitet voran. Selbst in b\u00fcrgerlichen Kreisen wird heftig \u00fcber tiefgreifende Ver\u00e4nderungen des Systems diskutiert. Die Missst\u00e4nde werden korrupten Politikern und gierigen Bankern zugeschrieben. W\u00e4hrenddessen verschlechtert sich die Lebenssituation f\u00fcr einen Gro\u00dfteil der Lohnabh\u00e4ngigen in fast allen Bereichen dramatisch. 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